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Review: Syqem
 
A CLOSER LOOK AT YOURSELF

Album:
 A CLOSER LOOK AT YOURSELF, 2007, Eigenvertrieb

Stil:
 Aggressive Prog Rock

Tendenz:
 Die fünf Hamburger Jungs von Syqem präsentieren ihre 4-Track-EP A CLOSER LOOK AT YOURSELF. Laut Promozettel erwartet mich Aggressive Prog Rock, den Syqem in den sechs Jahren ihrer Existenz für sich ausgetüftelt haben. Abwechslungs- und stimmungsreiche Kost wird angepriesen, obskure Geräte wie Schraubenzieher werden mit Gitarren kombiniert. Eine kräftige und wirkungsvollere Einheit, das soll A CLOSER LOOK AT YOURSELF sein. M.K., 01.06.2007

Review:
 Die EP startet mit Keyboards und klarem Gesang, gefolgt von vertracktem Drumming und einen einprägsamen Riff. Der erste Titel nennt sich "In my Pocket" und überrascht immer wieder durch intelligente Breaks, teils extrem schnelles Drumming und wunderbarem Gesang. Auch Christian Voss hat mit Synths und Samples einiges zu tun. Mit genau sechseinhalb Minuten ist "In my Pocket" der längste Song auf A CLOSER LOOK AT YOURSELF, wirkt jedoch durch die hohe Rate an Abwechslung kurzweilig. Nach knappen drei Minuten schleicht sich ein Riff in den Song, der von Korns besseren Zeiten stammen könnte und eine etwas aggressivere Phase einläutet. Diese hält jedoch nicht allzu lange an, der Harmoniebogen ist bereits wieder gespannt. Durchweg überzeugen kann der Gesang von Daniel Bernath, egal in welcher Stimmlage. Überraschenderweise kommt ein langsamer Keyboardteil im Mittelteil vor, welcher kurz darauf mit schnellem Drumming kombiniert wird. Kann man schlecht beschreiben, muss man gehört haben. Der Opener lohnt sich auf jeden Fall schon mal.
Der zweite Song der EP nennt sich "Small Heads" und überrascht schon nach drei Sekunden mit dem ersten Break und Stilwechsel. Gradliniges Songwriting kann man Syqem nicht vorwerfen, hier wird gekonnt experimentiert. Die etwas härteren Riffs orientieren sich, wie auch schon im Opener, am Nu Metal, während eine penetrante, jedoch passende Keyboardmelodie entgegensteuert. Man eignet sich auf einen ruhigen Mittelteil, in dem geflüstert wird, bevor es mit einer weiteren Melange aus Nackenbrecher-Riff und ruhigen Keyboardmelodien weiter geht. Sehr interessantes und raffiniertes Songwriting, es wird nicht eine Sekunde langweilig.
Nun folgt mit "Interested in You" der dritte Song auf A CLOSER LOOK AT YOURSELF, welcher mit einem Hauch von Alternativ Rock begonnen wird, bis das Tempo gedrosselt wird und sich Keyboards/Synthies mit der Bass Drum duellieren. Die Strophen wirken durch das Echo leicht psychedelisch, was durch die Synthesizer und Samples noch verstärkt wird. Vor allem das präzise Spiel von Drummer Stefan Kopetsch überzeugt, der Mann bricht des öfteren für kleine Geschwindigkeitsattacken aus dem aktuellen Rhythmus heraus. Man weiß nie, was als nächstes passiert. Dies zählt nicht nur für den Schlagwerker, sondern für die gesamte Band: "Interested in you" deckt neben Metal auch die Spannbreite der Rockmusik ab, ohne Logikfehler im Songwriting offenzulegen. Trotz des komplexen Songwritings ist es mir möglich, mit dem Kopf mitzuwippen, progressives Bangen quasi. Vor Harmonie strotzende Parts werden vom roten Faden der ordentlich geforderten Bass Drum durchzogen, nur um in einem an Static-X erinnerden Riffgewitter zu enden, kombiniert mit viel Syntheinsatz. Überraschenderweise ist dann auch schon Feierabend.
"Cafe del Mar Shooting" bildet den Abschluss der EP und im Vergleich mit dem Song zuvor wirkt die Bass Drum fast gleich. In den Strophen geht es (bis auf den Riff im Hintergrund) relativ ruhig zur Suche, der pumpende Bass von Thomas Bernath kommt hier gut zur Geltung. Im Refrain hat dann jeder der fünf Musiker die Hände voll zu tun, mit einem weiteren Riffgewitter wird der Übergang zur zweiten Strophe hergestellt. Im Verlauf des Songs wird hier zur Double Bass gegriffen, teils kombiniert mit Riffs, wie man es von Fear Factory kennt. Der Mittelteil des Songs wird ein klein wenig ruhiger gestaltet, baut sich jedoch langsam aber sicher auf, nur um wieder in sich zusammen zu fallen. Ein aggressiver (Nu) Metal-Part mit Shouting seitens Daniel Bernaths weicht einem äußerst ruhigen, melodischen Part, bis man wieder zum Grundprinzip des Songs zurück kehrt. Die letzten Sekunden der EP gehören dem kontrollierten Chaos.

Fazit: Dieses Review ist wirklich nicht leicht zu schreiben. Während man sich beim Hören eines Songs noch überlegt, wie man den Teil beschreiben soll, ist die Band schon zwei oder drei Breaks weiter. Auf lineares 08/15-Songwriting mit drei-Minuten-Songs wird gekonnt verzichtet, A CLOSER LOOK AT YOURSELF ist mitnichten eine EP, die man so nebenbei beim Bügeln hören kann. Nein, die vier Songs (drei davon über sechs Minuten lang) schreien geradezu nach mehreren Hördurchläufen. Und selbst dann fällt es einem schwer, eine einigermaßen logische Zusammenfassung pro Song zu schreiben. Es gibt bei jedem weiteren Durchgang etwas neues zu entdecken.
Trotzdem folgt die Band in jedem Song einem roten Faden, das totale Chaos regiert, wenn überhaupt, sehr selten. Die letzte Bastion der Orientierung ist das Schlagzeugspiel von Stefan Kopetsch, welcher sich meist unbeeindruckt vom äußerst komplexen Songwriting zeigt und sein Ding durchzieht. Jedoch passt es zu jeder einzelnen Passage. Was Syqem hier abliefern, sollte Fans des Progressive Rock oder auch Progressive Metal gefallen.

Titel-Liste:
 
  1. In my Pocket
  2. Small Heads
  3. Interested in You
  4. Cafe del Mar Shooting

Laufzeit:
 23:22 Min.

Band-Infos:
 
  • www.syqem.com 
  •  
     
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