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Interview: Ancient Season
 

Ancient SeasonDiesmal wollten wir es wissen. Was bringt die ansonsten so sicherheitsbewußten Schweizer dazu, auch dem Prog Metal eine Chance zu geben?
Es standen uns dazu die sympatischen Jungs der noch "jungen Band" Ancient Season Rede und Antwort - und zwar alle - Sänger Nöbi, Gitarrist Marco, Bassist Andy, Keyboarder Gabriel und Drummer Martin.

Datum:
 13.01.2006, J.G./J.R.

Wir fragten...
 Hallo Ancient Season, laut eurer Internet-Seite gibt es die Combo seit 2002. Jetzt beginnt man seine Laufbahn normalerweise nicht gerade mit Progressivem Rock oder Metal. Gibt es denn für jeden von euch eine musikalische Vorgeschichte (z.B. Musik-Schulen)?

Nöbi: Jeder von uns hat sich schon vorher als Rockstar versucht. Meistens waren das so kleine Bands, die man mit Schulkollegen auf die Beine gestellt hat. Eine professionelle Schule hat niemand von uns besucht. Die ersten musikalischen Gehversuche machten wir während der Schule im Musikunterricht. Ich spielte dort ein Jahr lang Klavier und zwölf Jahre Trompete.

Marco: Ich hatte sieben Jahre Klavierunterricht. Die Riffs auf der Gitarre durfte ich mir selbst beibringen. Das Klavier war und ist immer noch eine große Hilfe, besonders beim Songwriting.

Gabriel: Ich genoss ca. acht Jahre Klavierunterricht an der Musikschule. Ich spielte dann ungefähr zwei Jahre in einer "Rockband" mit ein paar Kollegen, bevor ich dann zu Ancient Season kam.

Martin: Im Alter von acht Jahren besuchte ich zum ersten mal den Musikunterricht, den ich dann ca. acht Jahre weiterzog. Später hatte ich die Möglichkeit an der Jazzschule in Luzern Unterricht zu nehmen. Ich spielte ebenfalls mit Gäbu in dieser "Rockband" bis es uns dort zu bunt wurde.



Wenn wir schon bei euren Vorgeschichten sind, was sind eure musikalischen Vorbilder?

Marco: Dio, Annihilator, Steve Vai, Judas Priest, Queensryche und Crimson Glory.

Nöbi: Russel Allen, Dio, Jorn Lande, Geoff Tate, Tom Englund.

Gabriel: Symphony X, Adagio, Nightwish, Sonata Arctica, Evergrey...

Martin: Dreamtheater (speziell Mike Portnoy), Spock`s Beard, Symphony X, Rage, Evergrey



Aus gut unterrichteter Quelle habe ich mir sagen lassen, dass Du, Marco, mit Deiner Gitarre früher auch eingängigere Songs auf Lager hattest. Jetzt ist es eher so, dass Du am liebsten mal für zwei Minuten "abbiegst" und danach wieder "auf die Strecke kommst". Ist das so korrekt?

Nöbi (kann es sich nicht verkneifen): Marco kommt niemals "auf die Strecke zurück", das ist bloß Illusion.

Marco: Früher liebte ich Helloween, Blind Guardian, Rage,... Ist klar, dass man dann eher gerades Zeugs spielt. Mir war auch bewusst, dass ich für progressives Material noch nicht so weit war.
Ich mag straighte Songs immer noch, nur müssen sie die richtige Dosis "Gewürz" enthalten und dürfen nicht vorausschaubar und durchsichtig wirken. Ich liebe Überraschungen.

Andy (muss auch grinsen): Marcos "eingängige Zeit" muss schon lange zurückliegen. Wir beide spielten vor etwa zehn Jahren in einer anderen Band. Bereits damals machte es sich bemerkbar, dass Marco gerade Kurven zu lieben scheint.



Noch etwas zu eurer stilistischen Ausrichtung. Jetzt ist die Schweiz nicht gerade das bevölkerungsreichste Land, und Progressive Musik nicht gerade typisch für die Schweiz. Ich denke da nur an die Großen, wie Krokus, Gotthard, Shakra oder auch Crystal Ball, Nighthunter und wie sie alle heißen.
Seht ihr denn in der Schweiz selbst genug (Kauf-/Fan-)Potenzial oder ist eure Blickrichtung "europäisches Ausland"?


Nöbi: In der Schweiz hat es durchaus ein großes Fanpotential. Wenn nur einer unsere Musik mag, ist es bereits ein guter Grund weiter zu machen. Das Problem ist, dass wir Schweizer nur zu oft und zu gerne auf der sicheren Seite sitzen und kaum etwas Neues versuchen wollen. Die schweizer Musikbranche geht selber kaum Risiken ein und orientiert sich ja auch am europäischen Ausland.

Marco: Klar hätten wir Interesse auch im Ausland aufzutreten, aber das wird sich vielleicht mal mit der Zeit ergeben. Bei Ancient Season gibt es noch Jungs, die sich mit ihrer Berufsausbildung herumschlagen müssen. Für das muss auch Zeit sein.



Jetzt sind wir mal ganz neugierig. Ihr schreibt auf eurer Homepage: "Freundinnen kamen und gingen, neue Gitarren wurden gekauft...". Was meint ihr hier mit "Freundinnen"? Die aus Fleisch und Blut oder eure Instrumente ? ;-)

Nöbi (mit breitem Grinsen): Diejenigen aus Gummi und Luft...
Als Freundin eines Musikers hat man es nicht leicht. Es braucht so viel Geduld, Verständnis und Unterstützung.

Marco: Es ist verständlich, dass mal einer die Sicherung durchbrennt und diese dann ausgetauscht werden muss. So macht man das ja mit ausgebrannten Sicherungen...

Nöbi: Das hat absolut nichts mit Untreue oder Groupies zu tun. Du bist nie zu Hause, vergisst Rechnungen zu zahlen (wo nichts ist...) und hast nur Esswaren zu Hause, die seit einem Monat abgelaufen sind. Das nervt Frauen...

Marco (süffisant): Natürlich lieben wir auch unsere Instrumente, aber es gibt halt viele Dinge, die dir ein Instrument nicht bieten kann. Den Rest überlasse ich eurer Fantasie.

Andy (lächelnd): Ich kann nur sagen, dass ich die Freundin massiv weniger wechsle als meine Basssaiten (die werden alle fünf Jahre gewechselt, ob nötig oder nicht).



Ich denke für die meisten Musiker sind die Instrumente etwas besonderes, was man hegt und pflegt. Was bevorzugt ihr und seid ihr mit eurem Equipment schon zufrieden?

Marco: Ibanez Jem, Sparkle Blue, Engl E-580 Preamp, Engl Endstufe, Mesa-Boxen
Mann, ich bin ja so was von zufrieden.

Andy: Musicman 5-Saiter, Trace Elliot Amp

Martin (grinsend): Naja, wenn du mein Drum im Proberaum sehen würdest, würdest du anders darüber denken. Es hat drei verschiedene Farben und ungefähr einen Wert von fünf Franken. Ein grässliches Ding.

Gabriel: Momentan spiele ich auf einem YAMAHA S80. Ich träume aber noch von einem Korg Triton Studio...

Nöbi (grinsend): 2 Stimmbänder Marke Eigenbau
Na ja, ich versuch das Beste daraus zu machen



Jetzt möchte ich doch nochmal die kleine Panne bei der Aufnahme zu eurem ersten Demo eingehen. Wenn einem nach soviel Arbeit plötzlich das ganze Material kaputt geht, ist das eine Katastrophe.
Wie nahe ward ihr davor alles hinzuschmeißen und wie habt ihr euch dann doch wieder motiviert?


Marco: Wir wollten einfach ein Demo. Scheißegal, wie viel Aufwand das mit sich bringen würde. Shit happens, du musst nur damit umgehen können.
Wir sagten uns nach diesem Blitzeinschlag nur: "So Jungs, jeder hat sechs Stunden Zeit seinen Part für die vier Songs nochmals einzuspielen."

Nöbi: Während unseren Musikkarrieren sind schon viele Missgeschicke passiert, da kann uns so ein kleiner Blitzschlag nicht aus der Ruhe bringen.

Gabriel (grinsend): Wenigstens hat der Blitz meinem Keyboard nichts angetan...



Am 30.12.2005 hattet ihr euren Gig auf der True Metal Night in Frutigen als Headliner. Wie ist es eurer Meinung nach gelaufen? Equipment? Setlist? Gäste? Feedback? Merchandising?

Nöbi: Es war perfekt! Wenn ein Veranstalter hinter einem Event steht, der sich voll den Arsch für wenig Geld aufreißt, dann kann es nur toll werden.

Marco: Erstklassiges Essen, begeisterte Zuhörer, professionelle Supports... diese Energie hat sich einfach auf uns übertragen.

Nöbi: Weißt du, wenn du einen Drummer hast, der am Morgen erscheint und dir sagen muss, dass er seinen Zehen gebrochen hat, und er am Abend während dem Gig volle Kanne abrockt, dass man nichts von seinem gebrochenen Zehen merkt, dann gibst du selber erst recht 100%. Der ganze Tag war von vorne bis hinten eine einzige Freude.



Was was bisher euer schlimmstes Live-Erlebnis / größte Panne?

Marco: Als ich einen Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus auf die Bühne durfte. Ich konnte mich kaum bewegen und war heilfroh, als ich nach dem Gig wieder nach Hause durfte. So kenne ich mich selber nicht...

Nöbi: Es ist manchmal schade, dass sich Bands nicht an vorher abgesprochene Abmachungen halten können. Du schleppst das ganze Drumset mit, weil es so abgemacht war, und dann entscheidet sich der Headliner doch plötzlich anders.
Andere benötigen 3 - 4 Stunden Soundcheck oder wollen uns sagen, dass wir als Supporter nicht zu gut spielen dürfen... alles schon vorgekommen.

Martin: Es gab wahrscheinlich noch kein Konzert an dem ich keine kleine Panne hatte. Von Toms die runterfielen, bis hin zum Fellriss war schon alles dabei. Alleine schon letztes Konzert schlug ich drei Drumsticks zu Kleinholz. Fehlt nur noch, dass ich mich an einem Konzert mit den Drumsticks selbst K.o. schlage.



Und wo bzw. bei welchem Gig ward ihr total hin und weg - oder natürlich eure Zuhörer?

Marco (schwärmend): Im Z7 mit Crystal Ball hatte es einfach einen höllisch geilen Bühnensound. Es ist ein Traum dort zu spielen.

Nöbi (sichtlich gerührt): Oder wenn plötzlich die 200 Leute vor der Bühne deinen Text so laut mitsingen, dass selbst die Front sie nicht mehr übertönen kann! Mann, da bekommt man Gänsehaut. Das war so an der 300% Rockparty in Dagmersellen und in Frutigen.

Gabriel (ebenfalls schwärmend): Mein Highlight war auch der Auftritt im Z7. Der Bühnensound war einfach Hammer und natürlich das Gefühl, mal auf der "heiligen Bühne" zu spielen, wo sonst jeweils meine Vorbilder immer spielen! Und dann noch der riesige Backstage-Bereich - die haben da sogar eine Waschmaschine!?!



Ihr schreib selbst, dass mittlerweile zehn gute eigene Songs vorliegen. Das könnte für ein erstes Album reichen, wenn ein Plattenvertrag winkt oder genug Eigenkapital da ist. Wie sind hier die Aussichten?

Nöbi: Bis zum Herbst 2006 sollte ein Album von uns realisiert werden können, ohne Label (wir haben noch gar keine angeschrieben...) und ohne Kohle. Wir produzieren das Ding selber und nehmen uns mal ein halbes Jahr Zeit. Klar ziehen wir für den Mix und das Mastering professionelle Leute dazu.

Marco: Zuerst renovieren wir noch unseren Proberaum, damit uns der Arsch nicht noch mehr abfriert wie bisher. Dann machen wir uns an das Songwriting. Ins Album kommen 10 nigelnagelneue Songs!



Zu guter Letzt, habt ihr noch eine Message für eure Fans?

Marco: An alle Metalfreaks: Bleibt euren Bands und eurer Einstellung treu! Lebt euren Sound und rockt ab.

Nöbi: Ich möchte mal allen Leuten Danke sagen, die uns bisher so toll unterstützt haben. Ich hoffe, ihr könnt weiter Freude an unserer Musik haben. Wir jedenfalls werden uns Mühe geben.



HardHarderHeavy: Wir danken für eure offenen und aufschlussreichen Antworten und wünschen euch viel Erfolg für die Zukunft, einen wärmeren Proberaum und mit etwas Glück einen interessierten Label. Bis zum nächsten Mal.

Ancient Season: Danke für das Interesse! (Nöbi, Marco, Gabriel, Andy, Martin)

Band-Infos:
 
  • www.ancientseason.com 
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