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Interview: Jon Oliva's Pain
 
Im Musikbusiness gibt es ein paar seltene Personen, die nicht nur durch ihre großartigen Alben beeindrucken, sondern ebenfalls durch ihre Persönlichkeit. Musiker, denen man am liebsten stundenlang zuhören würde und die einem schlicht durch ihre Präsenz beinahe umhauen. (Und nein, ich bin nicht verliebt...) Neben Doro Pesch gehört für mich vor allem Savatage-Mastermind Jon Oliva dazu, der mich an diesem Dienstagabend im Z7 herzlich empfing und sich dabei zuerst über mein Handfull Of Rain-T-Shirt freute. Damit brach er auch gleich das berühmte Eis, dass gewisse Interviews zur schwierigen Angelegenheit macht. Anschließend gab er bereitwillig Auskunft über Jon Olivas Pain, übers Trans-Siberian Orchestra und natürlich über die Zukunft von Savatage. Jon Oliva zuzuhören ist ein echtes Erlebnis. Mal spricht er langsam, gewinnt an Fahrt und braust kurz auf, um sich mit einem trockenen Lachen wieder zu beruhigen. Mal verwirft er die Arme hoch über die Ignoranz der heutigen Gesellschaft, wird nachdenklich in Erinnerung an seinen verstorbenen Bruder Criss. Jon Oliva wirkt durch seine Echtheit und seine innere Zufriedenheit. Er ist ein Mann, der niemandem mehr etwas beweisen muss und schlicht Freude hat, wenn sich jemand an seinen Kompositionen erfreut. Gerne hätte ich noch länger diesem Original zugehört, musste aufgrund eines engen Zeitplans aber nach 15 Minuten abbrechen. Was bleibt sind eindrückliche Erinnerungen und die Bestätigung, ein großartiges Hobby zu haben. (Dieses Interview ist am 28. April auf www.kanalk.ch zu hören und bald darauf auf www.rockstation.ch)

Datum:
 R.W., 03.04.2007

Wir fragten...
 Gratulation zum neuen Album Maniacal Rendering. Es ist schlicht großartig!

Jon Oliva: Danke vielmals. Ich schätze es. Es ist eines meiner Lieblingsalben, die ich gemacht habe. Ich finde es also auch gut.


Ich las, dass das Album fast fertig war, als du die Tapes von Criss Oliva gefunden hast.

Es war halb fertig. Es gab Songs, bei denen noch einzelne Teile fehlten. Und dann stoppten wir für zwei, drei Wochen, um danach den Rest fertig zu stellen. In diesen Wochen fand dann meine Frau die Schachtel mit den Tapes. Sie waren in einer großen Schuhschachtel. Wir zogen um und da kam diese hervor. Ich hatte vergessen, dass es diese Schachtel gibt. Und ich hatte diese über Jahre nicht geöffnet. Und so nahm ich die Tapes und hörte sie mir an. Das war sehr bewegend für mich. Weil man da Criss viel reden hört. Und ich fand einige großartige Ideen. Und schließlich hatten wir genug Stoff für das Album. Und ebenfalls für das nächste Album, weil da viele Ideen drauf sind, die ich unbedingt den Leuten zeigen möchte.


Was passiert denn mit den Songs, die ihr vorher fürs Album geschrieben und jetzt nicht genutzt habt?

Die werden auf dem nächsten Album sein. Weil wir sehr viel Musik haben. Und so werden wir das, was wir fürs letzte Album nicht gebraucht haben, fürs nächste verwenden. Neben anderen Sachen, die ich gefunden habe. Es wird ebenfalls gut.


Das neue Jon Olivas Pain-Album hört sich für mich wie Savatage an. Warum ist es nicht unter diesem Namen erschienen?

Nun, es ist sehr schwierig für mich, Lieder zu schreiben, die nicht nach Savatage klingen. Weil ich alle Lieder für Savatage geschrieben habe. Aber das ist okay für mich. Weil ich zusammen mit meinem Bruder Savatage gegründet habe. Und so ist es. Alles was ich tue, wird automatisch mit Savatage in Verbindung gebracht. Und so ist es halt mit allem was ich mache, dass es nach Savatage und nicht nach The Monkeys klingt. (lacht laut auf) Natürlich klingt es nach Savatage. Aber das ist okay. Aber ich mache mit dieser Band Dinge, die auch anders als Savatage sind. Es gibt Songs, die ich mit dieser Band aufgenommen habe, die ich nie mit Savatage gemacht hätte. Diese Band ist für mich vielfältiger, weil ich damit mehr die Musik machen kann, die ich mag. Ich komponiere nach wie vor die harten Songs à la Savatage, weil die zu meiner Geschichte gehören. Aber ich liebe es, verschiedene Sachen auszuprobieren. Und das ist es, wieso die Band großartig ist. Weil sie sehr vielfältig ist. Weil die fast alle Stile spielen können. Und das liebe ich an ihr... es sind zudem sehr, sehr nette Jungs...


Was mich dabei am meisten wundert ist die Tatsache, dass Paul O'Neil am neuen Jon Olivas Pain-Album nicht beteiligt war. Weil es klingt, als ob er mitkomponiert hätte.

Ich fasse das als Kompliment auf. Weil Paul ein unglaublich talentierter Texte-Schreiber ist. Aber auf dem neuen Album sind alle Texte von mir. Und das ist gut so. Weil ich es vermisst habe, Song-Texte zu schreiben. Es gibt vieles, was ich noch sagen möchte und Jon Olivas Pain gibt mir die Möglichkeit dazu.


Live spielst du ja ebenfalls mit Jon Olivas Pain Savatage-Songs. Geschieht es so, weil du Savatage bist?

Ja. Das ist so. Weil Savatage meine Band ist. Und ich schrieb all die Songs und so nehme ich an... ich bin keine egozentrische Person, im Stile von »Oh, das sind meine Lieder und ich bin darum der Größte«. Ich bin mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben wie du sehen kannst. Aber ja, ich spiele diese Lieder, weil ich sie geschrieben habe. Savatage hörten für mich auf Savatage zu sein, als Criss starb. Nach dem Criss gestorben war, ging es mir vor allem darum, die Dinge zusammen zuhalten. Viele verschiedene Leute kamen danach zu Savatage und es war großartig, und ich hatte gute Zeiten mit denen und so. Aber es war nie mehr dasselbe. Verstehst du? Was ich jetzt mache erinnert mich an das, was ich mit Savatage gemacht habe, als Criss noch lebte. Ich weiß nicht wieso, es so ist. Aber alles ist sehr ähnlich wie damals, und auch jeder ist sehr ähnlich wie damals. Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, alle lieben es zusammen zu spielen. Das kannst du auch bei jedem Konzert sehen. Wenn wir spielen, haben wir eine gute Zeit zusammen. Wir haben Spaß und das ist es, worum sich alles dreht. Leute glücklich zu machen, zu diesem Zweck wurde die Musik erschaffen. Ich möchte euch glücklich machen. Und ich werde euch glücklich machen! (lacht)


Ich hoffe, dass du es schaffst. Besonders auch mit dem neuen Album ist dir das auch gelungen.

Siehst du, ich mache dich glücklich!


Du bist heute hier mit Jon Olivas Pain auf Tour. Stört es dich, wenn dich die Leute vor allem über Savatage ausfragen?

Nein. Ich verstehe das. Es freut mich, dass sie das tun. Weil das zeigt mir, dass sie die Band lieben. Und wenn sie die Band mögen und deren Geschichte kennen, sollten sie Jon Olivas Pain so unterstützen, wie sie es zuvor mit Savatage gemacht haben. Weil es ziemlich dasselbe ist, wie das was sie getan haben, als Criss gestorben war. Also als sie weiterhin Savatage unterstützt haben. Es war eine ähnliche Sache. Savatage waren nach Criss Tod nicht mehr dasselbe. Jon Olivas Pain ist wiederum nicht das Gleiche wie frühe Savatage, aber es kommt so nahe an damals ran wie es nur irgendwie möglich ist. Und es erinnert mich mehr an die alten Savatage-Stücke, weil ich die Texte schreibe und so. Und das ist heute so, wie es bei Savatage war, bevor wir Paul O'Neil getroffen haben. Ich möchte da nichts schlecht reden. Paul war ein großartiger Helfer und hat viele tolle, unglaubliche Dinge gemacht. Aber ich selber habe die Art vermisst, wie wir es zu Zeiten von POWER OF NIGHT (1985) gemacht haben. Oder zu HALL OF THE MOUNTAIN KING (1987) (...Paul O'Neil war aber da schon dabei, Anm. d. Red.).


Hast du schon gesehen, dass in diesem Monat Cris Caffery und Zack Stevens (Circle II Circle) ins Z7 kommen?

Ja, ich habe davon gehört. Ich verstehe mich gut mit ihnen. Jon Olivas Pain werden am Pestpop-Festival (am 20. und 21. April in Wieze, Belgien). mit deren beiden Bands auftreten. Alle drei sind auf demselben Billing. Wir Headlinen und die spielen unter Tags. Das könnte interessant werden. Es wir aber keine Reunion geben. Jeder fragt mich: »Oh, ihr werdet auf dem gleichen Festival spielen. Werdet ihr auch zusammen spielen?« Und ich sage dann halt: »Nein!« Denn wir haben geplant, so etwas in einem Jahr zu machen. Wir werden alle zusammen kommen und einige spezielle Savatage-Abschieds-Shows spielen oder so was.


Ich habe davon gelesen, dass ihr eine Tour zum 25-jährigen Bandjubiliäum machen wolltet. Aber das war... (1981 bis 2006)

Also der 25. Geburtstag ist nächstes Jahr. Weil die erste Savatage-Scheibe 1983 auf den Markt kam. Also sagen wir, dass Savatage 1983 gegründet wurden. Also wird im 2008 der 25. Geburtstag sein. Da wird es etwas geben. Ich weiß noch nicht genau was. Es wird aber wahrscheinlich keine Tour geben sondern nur ein oder zwei spezielle Konzerte. Wacken könnte eines davon sein, oder Bang Your Head oder so was. Aber ich weiß es nicht. Es ist so, wie ich schon oft gesagt habe. Ich habe aufgehört, mir darum Sorgen zu machen, weil es außerhalb meines Einflussbereichs liegt. Das liegt in der Kontrolle von acht oder neun Personen, die alle zusammen kommen müssten, damit es passiert. Und all diese Jungs von Savatage spielen im Trans-Siberian Orchestra (TSO) (mehr Infos auf http://www.trans-siberian.com). Und dieses Ding füllt Sportarenen mit 25.000 Zuhörer pro Nacht. Und es ist hart, die Jungs davon wegzukriegen. Also so in etwa: »Hey Boys, hört mal kurz für ein paar Wochen auf, viel Geld zu verdienen!«


Du hast ebenfalls auf den TSO-Scheiben gesungen.

Ja, ich spiele bei jedem Lied mit. Das ist das Lustige daran. TSO ist Savatage! Okay, live haben wir andere Musiker und so, aber die Scheiben sind Savatage. Da sind Johnny (Middleton), ich, Criss Caffery, Al Pitrelli, Zack singt manchmal, ich singe manchmal. Bob Kinkel, der auf vielen Savatage-Alben mit mir Keyboard spielt. Und es sind Paul O'Neil und ich. So sind es die Leute, die Savatage den Boden seit 1987 geben. Also seit Paul zu uns kam. Das ist die lustige Sache daran. Wenn wir mit Savatage in Amerika auf Tour wären, würden wir vor 1.000, 2.000 Leuten spielen. Trans-Siberian Orchestra spielt im Madison Square Garden, zwei Nächte hintereinander! Ich meine es ist irrsinnig. Das ist verrückt. Aber was soll ich tun. Es ermöglicht schließlich jedem ein gutes Leben, alle sind glücklich, alle haben jetzt Häuser. Mit Savatage hatten wir nie etwas. Wir haben damit nie Geld verdient. Wir haben zehnmal soviel Geld ausgegeben. Wir haben zehnmal soviel Geld fürs Touren und Plattenaufnehmen ausgegeben wie wir verdient haben. Wir haben sehr viel Geld in die Plattenaufnahmen gesteckt. Wir waren immer über dem Budget. Wir hatten keine Ahnung, was ein Budget überhaupt ist. Wir waren wie: "Budget? Was ist das? Oh, das ist, wie viel Geld du hast? Hm... nein, die Scheibe ist dann fertig, wenn sie fertig ist!" Das war es, was wir immer den Plattenfirmen gesagt haben, dass die Scheibe dann fertig ist, wenn sie fertig ist. Wenn wir übers Budget hinausgehen, zahlen wir dafür.


Ich habe Beethovens Last Night von TSO. Für mich ist es Savatage.

Es ist so!


Vielleicht ein bisschen softer.

Ja, es ist ein bisschen softer. Wenn du auf die Geschichte von Savatage schaust, Savatage... (zeigt auf mein Handfull Of Rain-T-Shirt) Es ist sogar so, dass HANDFUL OF RAIN die Geburt des Trans-Siberian Orchestra war. Das Lied "Chance" war die Geburtstunde der Idee, die Paul und ich hatten. Und dann, auf DEAD WINTER DEAD, gab es den Song "Christmas Eve (Sarajevo 12/24)", welcher ein großer Hit in Amerika wurde. Es war in meinem Land ein Nummer-Eins-Hit für acht Wochen. Und das war ein Savatage-Song, den wir mit Savatage aufgenommen haben. Das zeigt nur, wie verdreckt und seltsam das Musikbusiness ist. Niemand hätte das Lied gespielt, als wir es unter Savatage veröffentlicht haben. Wir mussten einen anderen Namen nehmen. Und so kamen wir auf Trans-Siberian Orchestra. Paul und ich wollten immer schon etwas mit einem Orchester und einer Rockband zusammen machen. Und die Möglichkeit haben, verschiedene Sänger zu involvieren. Um nicht darin stecken zu bleiben, all die unterschiedlichen Songs mit dem gleichen Sänger aufzunehmen. Für das war es wichtig.


Eine ganz andere Frage: Bei den Recherchen zu diesem Interview habe ich ein Gespräch aus dem Jahr 2002 gefunden, bei dem du erzählt hast, dass du beim Intro zu "Gutter Ballet" immer Fehler spielst. Ist das immer noch so?

Nein, nein. Ich mache das jetzt nicht mehr. Ich spiele es jetzt perfekt. Ich weiß nicht wieso (lacht), aber heute passiert es nicht mehr. Ich mache heute Fehler bei anderen Songs. (Beim anschließenden Konzert hat Jon beim Intro zu "Gutter Ballet" den Fehler wieder gespielt. Ich hoffe, dass er durch diese Frage keinen dauernden Rückfall erlitten hat).


Ich habe ebenfalls von der verlorenen ursprünglichen Version von STREETS gehört (die zwei CD's füllte, aus verschiedenen Gründen aber auf eine einzige CD gekürzt und in dieser Form veröffentlicht wurde)...

...die wurde nie veröffentlicht. Sie war eigentlich geplant als Erzählung und so. Wir hatten jemanden, der die Geschichte erzählte und da war ich, der ab und zu gewisse Sachen erzählte (macht ein Gespräch unter zwielichtigen Personen nach).


Diese Aufnahmen gingen ja verloren. Sind sie es immer noch?

Ja, die gingen verloren. Was eine Schande ist. Weil darauf einige tolle Sachen sind, die wir nicht veröffentlicht haben. Ich wünschte, wir würden die wieder finden.


Über eure Homepage habt ihr einen Wettbewerb gestartet, bei dem ein Gitarrist mit euch heute im Z7 "Jesus Saves" spielen darf?

Ja, das haben wir. Ich weiß nicht wer gewonnen hat, aber jemand hat gewonnen. Aber der wird in Deutschland mit uns dieses Lied spielen.


Also nicht heute hier im Z7?

Nein, ich denke nicht.


Weil auf der Homepage stand es so?

Das war eine Falschinformation.


Was sind eure nächsten Ziele mit Jon Olivas Pain? Wird es eine Live-DVD geben?

Ja, wir werden in diesem Sommer Aufnahmen machen. Ich weiß noch nicht genau, wo wir filmen werden. Wahrscheinlich aber auf dem Pestpop-Festival. Wir werden diesen Auftritt wahrscheinlich filmen und mal schauen, wie es wird. Aber wir planen, so was aufzunehmen. Aber was genau, weiß ich noch nicht.


Die Interview-Zeit ist beinahe abgelaufen. Hast du noch eine spezielle Botschaft an eure Fans?

Ich liebe euch. Ich wünsche euch alles Gute, Gott beschütze euch und ich hoffe, euch auf Tour zu sehen.



Konzertberichte:
 
  • Konzertbericht vom 08.07.2006

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