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Interview: Tarot
 

Tarot

Die finnische Hard Rock Band Tarot waren auf Promotion Tour für ihr neues Album CROWS FLY BLACK in Deutschland. Am 8. Februar hatten sie einen Auftritt im Kölner Underground und Vicki B. hatte die Gelegenheit zu einem Interview mit Marco Hietala.

Datum:
 V.B. 08.02.2007, Übers.: U.B.

Vicki Borns asked...
 Zuerst einmal, wie geht es Dir?

Marco: Mir geht es ganz gut. Na ja,… ich hatte einen ganz schönen Kater heute Morgen aber so langsam geht es wieder. Daher ist alles in Ordnung.


Möglicherweise gibt es gar nicht so viele Leute die in Deutschland etwas von Tarot wissen. Könntest Du uns daher etwas über die Band und ihren Hintergrund erzählen.

Marco: Ja, klar. Die Band das bin ich, Marco Hietala, mein Bruder Zachary, er spielt Gitarre, Janne Tolsa an den Keyboards, Tommi Salmela Vocals und Backing Vocals. Und der hier ist Pecu Chinnari mit Mayonnaise an der Lippe (zeigt auf ihn und alle lachen) er ist der Drummer. Wenn ich mich richtig erinnere begannen wir mit der Band als wir gerade aus dem Teenager Alter raus waren. Mein Bruder und ich und Herr Chinnari hier. Als wir drei uns gefunden hatten war dies das erste Line Up was man ernsthaft als solches bezeichnen kann. So hatten wir 1984 dieses Line Up und bekamen 1986 unseren ersten Plattenvertrag. Wir engagierten einen zweiten Gitarristen und machten einige Platten, SPELL OF IRON 1986 und FOLLOW ME INTO MADNESS 1988. Dann warfen wir den anderen Gitarristen raus, weil er ein Arschloch war. Dann kam der Keyboarder Janne Tolsa dazu und ist seitdem mit dabei, seit fast 20 Jahren.
Zachary: Er ist ein Arschloch.
Marco: Ja, aber unsere Art von Arschloch. (lacht) Wie auch immer…
Pecu: Ich bin der Verrückteste von denen. (alle lachen)
Marco: Und dann kamen die 90er mit einigen Alben, TO LIVE FOREVER 1993, dann STIGMATA 1995. Als wir für das Album auf Tour waren stieß unterwegs Herr Salmela dazu, zuerst als Roadie und dann fanden wir heraus, dass er auch einige Vocal Parts für uns machen konnte denn wir kannten ihn schon einige Jahre und er hatte bereits in mehreren Bands gespielt, in unserer Heimatstadt. So und seit dem ist er auch schon über 10 Jahre mit uns dabei. Um die 12 Jahre schon. Und wir haben noch so einige Alben gemacht.


Du hast es gerade erwähnt, Ihr habt jetzt einen neuen Lead Sänger. Warum habt ihr diesen Schritt für das neue Album gemacht? Warum habt Ihr euch entschlossen ihn zum zweiten Sänger zu machen?

Marco: Nun ich denke wir hätten das sogar schon früher tun können, es war nur eine Sache die wir erst bemerken mussten. Ich schrieb den Song "Bleeding Dust" und damit der funktionierte brauchten wir einen zweiten Sänger. Und dann hieß es einfach, nun wir haben einen weiteren Sänger. Es war nur eine Sache zu fragen: Hey, würdest du gerne im Vordergrund stehen.


Wo seht Ihr eure musikalische Stärke als Band?

Ich denke unsere Stärke als Band ist die Tatsache, dass wir in der Lage sind viele verschiedene Sachen zu kombinieren. Wir sind, wie kann ich das ausdrücken, wir verfolgen wie die Sachen sich heute im Metal entwickeln haben aber auch unsere Wurzeln in den alten Sachen der 70er, der beginnenden 80er und können das auf eine bestimmte Weise kombinieren. Nimm den Groove der Band als Rock`n Roll Band, nimm das und betrachte auch die technische Seite, kombiniere moderne Metal Gitarrenriffs und den Hammond Orgel Sound der 70er und arbeite mit etwas anderer Atmosphären und Grooves und alles. Das ist glaube ich etwas, dass eine Band persönlicher macht.


Habt Ihr je daran gedacht Eure Texte in Finnisch zu schreiben?

Nun ich habe einige Sachen in Finnisch geschrieben, aber nicht mit dieser Gruppe. Wir haben begonnen es in Englisch zu machen und ich nehme an, dass werden wir auch in Zukunft so halten.


Einige von Euch spielen noch in anderen Bands, wie setzt Ihr da die Prioritäten? Hat es da schon Unstimmigkeiten und Enttäuschungen für einige von Euch gegeben? Wie geht Ihr mit der Situation um?

Nun, mit Nightwish, mit Tarot, mit Jannes Side Project Turmin Kätilöt und all die anderen Bands wir haben das selbe Management und die selbe Buchungs-Agentur was es für die Jungs leichter macht die Auftritte zu vermitteln und Shows zu planen, denn sie wissen immer wo wir alle sind. Auf diese Art und Weise ist es für die Jungs einfacher das abzustimmen und daher brauchen wir eigentlich gar keine Prioritäten zu setzen und darüber zu streiten. Jeder weiß, dass ich meinen Lebensunterhalt mit Nightwish verdiene und ich habe keine weiteren Jobs nebenher außer, das ich in den beiden Bands spiele. Dann Janne, er hat sein Studio, Zac und Tommi haben ihre Berufe als Jugend Lehrer, so ist die Sachlage im Moment.


Euer neues Album CROWS FLY BLACK ist gerade in Deutschland veröffentlicht worden.

Ja!


Könntest Du uns darüber etwas erzählen. Wo sind die Unterschiede gegenüber Euren anderen Alben?

Ich weiß nicht. Wir haben da angefangen wo wir beim letzten Album SUFFER OUR PLEASURES aufgehört haben. Darum glauben wir nicht, dass wir etwas radikal anders gemacht haben, nur eben andere Songs. Natürlich haben wir uns bemüht die Songs so gut wie möglich zu machen. Wie auch immer, ich denke zu dem Zeitpunkt waren wir ständig auf Shows unterwegs und an immer anderen Orten und irgendwie ist das Album etwas dunkler, härter und düsterer geworden nehme ich an. Es spiegelt in keiner Weise wieder wie wir Jungs sind, aber auf diese Weise hat sich die Sache entwickelt und uns auch nicht gestört als wir bemerkten in welche Richtung wie uns bewegten denn wir lieben das härtere Zeug.


Wie seid Ihr auf den Titel gekommen und was bedeutet er wirklich?

Es ist eine Art Aussage oder Blickrichtung wie wir Dinge als Band handhaben. Nun, wenn Du dir vorstellt ein Haufen Krähen fliegt über ein Schlachtfeld und sie sind dabei einige Leichen anzupicken, dann ziehen wir unsere schwarzen Hosen an, gehen auf die Bühne und geben es Euch auf die Ohren, so was in der Art. Es ist eigentlich offensichtlich wenn Du es aus dieser Richtung betrachtest.


Mit dem neuen Album habt Ihr auch die Plattenfirma von Spinefarm zu King Foo Entertainment gewechselt. Was waren die Gründe dafür?

Nun mit Spinefarm verhält es sich so, dass sie vor Jahren die Mehrheit an Universal verkauft haben. Und das hat sich als nicht so günstig für uns herausgestellt. In Finnland hat Spinefarm einen wirklich guten Job gemacht aber wegen der Universal Verbindung landeten wir im Katalog einer Tochterfirma mit überhaupt keiner Unterstützung. Als Plattenfirma spielen sie in der ganz großen Liga und wir als Band nicht. Aus diesem Grund passten wir eben nicht zusammen und wir dachten es wäre besser wir würden mit jemanden zusammenarbeiten der unabhängiger ist. Das funktioniert ganz einfach besser, denn nun haben wir das Album mit King Foo in Finnland gemacht und Nuclear Blast hat es hier veröffentlicht und ich machte mehr Promotion als je zuvor für ein Album der Band.


Letztes Jahr im Mai hat Eure Single "You" es bis auf Platz 1 in den finnischen Charts geschafft. Zum ersten Mal war ein Single von Tarot auf Platz 1, wie habt Ihr das gefeiert?

Wir hatten zu dem Zeitpunkt eine Show in Tampere als wir von der Nummer 1 Position erfahren haben, das war natürlich ein mächtiger Ansporn für die Show. Dann hatten wir ein paar Drinks hinterher. Jeder war sehr zufrieden darüber.


Ihr habt ein Video zu dem Song "Ashes to the Stars" gedreht, was ist die Geschichte dahinter?

Nun, der Text des Song ist hauptsächlich Science Fiction denn ich füttere meinen Kopf viel mit dem Zeug. Ich lese viel davon. So beeinflusst das manchmal mein Songwriting. Ich gab eine Kopie des Songs an den Kerl von dem wir annahmen, er könnte das Video dazu drehen. Wir gaben ihm den Song und den Text und er rief mich an und sagte: "Warum machen wir nicht einen altmodischen Science Fiction Film daraus in der Art von Stanley Kubricks 2001 A Space Odyssey?" Ja, warum nicht, wenn du glaubst, dass es funktioniert, es ist natürlich ein großes Risiko und es könnte zu einer Parodie werden. "Nein, nein wir können das ganz ernsthaft aufziehen und es richtig gut aussehen lassen, weißt Du mit den alten Weltraumschiffs- Modellen und allem drum und dran". Ich sagte, in Ordnung wenn Du meinst machen wir es und es zahlte sich aus. Ich denke, es sieht richtig gut aus.


Das ist die erste Deutschland Tour für Tarot. Wie waren die Shows bis jetzt und welche Erwartungen habt Ihr an die deutschen Besucher?

Bis jetzt waren die Shows gut. Ich meine natürlich ist es eine andere Situation, am Anfang der Shows geht es alles etwas langsamer zu als bei Leuten die uns schon kennen wie zum Beispiel in Finnland. Aber zum Ende des Abends haben wir es gewöhnlich geschafft die Menge richtig in Schwung zu bringen. Natürlich waren es erst zwei Shows bis jetzt aber auf beiden war die Menge richtig zufrieden. Das glaube ich jedenfalls. Sie haben stark angefeuert und gerufen.


Wie Du sagtest, die Leute in Finnland kennen Euch, die Alben und die Songs schon und können mitsingen während die deutschen Besucher Euch vielleicht nur zuhören. Ist das bei den Shows von Bedeutung? Habt Ihr das deutlich bemerkt?

Nun, ich weiß nicht. Es ist natürlich eine Erleichterung, dass wir die ganzen alten Sachen nicht zu spielen brauchen wie in Finnland. Daher haben wir uns auf die neueren Sachen konzentriert und auf kürzere Auftritte, wo wir das hier zum ersten Mal machen. Aber wer weiß, die Dinge ändern sich.


Wie funktionieren die neuen Songs live für Euch?

Ziemlich gut! Wenn du vertraut bist mit den Songs, wenn du etwas für lange Zeit spielst funktioniert es normaler Weise besser, aber bei diesem Album haben wir das gesamte Album gemacht in einer Situation wo alle ständig gut eingespielt waren. Wir haben die Aufnahmen im Sommer gemacht, nebenher an den Wochenenden auch Festival Auftritte, dann wieder ins Studio um zu spielen, wir haben viel gesungen, fast die ganze Zeit. Als dann das Album raus kam und wir mit den Live Shows in Finnland begannen, standen uns nur wenige Tage für die Proben zur Verfügung und alles erschein schon beim zweiten Auftritt sehr vertraut.


Tarot existiert nun schon über 20 Jahre. Seht Ihr eine Weiterentwicklung in den Live Auftritten, haben sie sich über die Jahre stark gewandelt?

Ich weiß nicht. Vielleicht gibt es da eine gelassenere Weise an die Dinge ranzugehen. Ich meine als wir anfingen hatten wir eine Menge jugendlichen Enthusiasmus und all diese Gefühle, sehr viel Ausrüstung, nun konzentrieren wir uns auf die einfachen Dinge, die Band spricht für sich sozusagen.


Glaubst Du, dass viele der deutschen Besucher Dich kennen weil Du auch ein Mitglied einer anderen sehr bekannten Band bist und ein Großteil Deiner Popularität daher rührt?

Nun ja. Natürlich ist es bei manchen Leuten so einfacher Interesse zu wecken damit sie kommen und die Shows besuchen, das Album antesten wegen meiner Zugehörigkeit zu der anderen Band. Aber am Ende bin ich der Auffassung, dass der wichtigste Grund die Musik ist die wir mit der Band machen und was die Leute darüber denken. Das ist es was zählt, ob wir langweilen oder rocken, das ist worum es geht.


Siehst Du das eher als Belastung oder als positiven Aspekt? Auf der einen Seite bekommst Du mehr Unterstützung für die Gruppe, auf der anderen Seite könnten die Leute eine gewisse Erwartungshaltung haben.

Auf eine Weise ist es schon ein zweischneidiges Schwert, aber wie ich sagte, am Ende läuft es auf den Punkt hinaus ob sie die Musik mögen oder nicht. Und wenn nicht, dann nicht und wenn sie sie mögen, dann mögen sie die Musik eben. Natürlich bringt es nichts zu erwarten, obwohl, sicher einige Sachen sind ähnlich, wir sind eine Heavy Metal Band, haben einen Gitarristen, einen Keyboarder, einen Drummer, einen Bassisten und einige Sänger. Ja, es gibt gewisse Übereinstimmungen im Sound und so weiter, aber hauptsächlich glaube ich, wenn wir an Nightwish denken und diese Symbolik gebrauchen, eine Art düstere Romantik Fantasie oder etwas in die Richtung. Da ist diese Gruppe dann vielleicht härtere Science Fiction. Es gibt also gewisse Unterschiede. Ich nehme an, das ist mehr was für die haarigen Metal Typen.


Glaubst Du, dass neben der ganzen Nightwish Sache Du auch Erwartungen ausgesetzt bist seitens der Besucher was die finnischen Bands allgemein betrifft? Was denkst Du über die Zunahme der Popularität der finnischen Musik besonders unter Berücksichtigung des Erfolgs den Lordi in letzter Zeit hatte?

Hahaha! Das war ein beeindruckendes Statement der Rockmusik Hörer in Europa für Lordi zu stimmen. Aber ich denke die Sache hat auch zwei Seiten, alles was zu sehr dem Massengeschmack entspricht verliert an Biss. Und dann stellt sich da auch die Frage, wie werden die Leute die normalerweise keine Rock Musik hören auf diese Dinge reagieren. Ich denke sie werden nur sagen: "Oh, die haben diese tolle Pyro Show und tragen diese Kostüme". Im Grunde spielt die Musik für sie keine Rolle. Aber es ist dennoch ein gutes Statement von den Leuten die Rock Musik hören für Lordi zu stimmen. Das war eine gute Sache, ganz bestimmt. Und da wir gerade über das finnische Metal- und Rock Geschäft reden und wie die Metal Szene sich entwickelt hat, es waren erstaunliche 20 Jahre. Als wir in den 80ern begannen gab es keine Metal Szene in Finnland. Da waren einige Bands in den Startlöchern. Wir waren da und 1987 kam Stone wo Roope Latvala Gitarre spielte, er spielt nun für Children Of Bodom, und sie wurden damals richtig erfolgreich. Es war die Zeit als wir mit der finnischen Metal Szene durchstarteten. Dann in den 90ern und besonders am Ende der 90er entwickelte sich die Sache zu einer Lawine. Und nun auf der ganzem Welt, wenn du dich mit Metal Fans triffst und jungen Leuten die auf Metal stehen, wissen die genau, dass der Metal aus Finnland so richtig gut ist. Es ist ein beeindruckender Wechsel von etwas damals völlig Unbedeutendem zu der riesigen Sache jetzt.


Ihr werdet wieder in Deutschland auf Tour gehen auf der Earthshaker Roadshock Tour 2007 im April/Mai. Wie sind Eure Erwartungen da?

Das wird ein Überlebenstraining, 17 Auftritte hintereinander. Nun die Erwartungen, da sind einige vertraute Leute in den Bands die ich schon kenne. Sollte eigentlich ganz spaßig werden. Hoffentlich wird niemand krank oder so was in der Art, denn das wird wie ich sagte ein Überlebenstraining, jede Nacht ein Auftritt an 17 Tagen hintereinander.


Tarot hat offensichtlich einen starken Überlebenswillen, was können wir von Euch in der Zukunft noch erwarten?

Nun haben wir bis September Zeit, dann soll wie geplant das neue Nightwish Album erscheinen. Aber bis September denke ich werden wir diese Tours machen dann sind da noch einige Sommer Festivals über die wir gerade verhandeln oder unser Management macht das. Danach so vermute ich werde ich für 1,5 Jahre wieder mal das Lager wechseln und wenn die Nightwish Tour sich dem Ende nähert, werden wir sicher einige Stücke geschrieben haben, Demos und so Sachen. Dann werden wir diese Dinge in Angriff nehmen.


Recht herzlichen Dank an Euch.

Gerne geschehen.


 
 
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