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Antichrisis
 
Antichrisis - SidEs müssen nicht immer nur brandaktuelle Alben sein, die einen in ihren Bann ziehen. A LEGACY OF LOVE MARK II hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, war jedoch für unsere Verena R. Anlass genug, dem Bandchef Sid von Antichrisis um die Beantwortung einiger Fragen zu bitten.

Datum:
 V.R., 23.08.2010

Wir fragten...
 Antichrisis stehen zur Zeit ohne Plattenvertrag da. Trotzdem nimmst du weiterhin fleißig Musik auf. Erzähl doch mal, wie man sich Antichrisis anno 2010 vorstellen kann.

2010 ist Antichrisis ein aus mir und Ayuma bestehendes Projekt, das gelegentlich von Gastmusikern unterstützt wird. Um Musik aufzunehmen, brauchen wir zum Glück keinen Plattenvertrag; lediglich die Vermarktungsmöglichkeiten unserer Musik haben durch die allgemeine Krise der Musikbranche gelitten. Experten gehen ja davon aus, dass auf einen einzigen legal erworbenen Song mittlerweile 99 illegale Downloads und Kopien kommen (und darunter fallen z.B. auch solch vermeintlich harmlose Geschichten wie "mal eben ein Album für einen Freund auf CD brennen"). Das bedeutet letztendlich, dass Künstler und Plattenfirmen lediglich für 1% ihres musikalischen Outputs überhaupt noch Einkünfte erzielen können: Auf dieser Basis lässt sich auf Dauer kein Geschäft betreiben. Das ist auch der Grund, warum unser bisheriges Label Reartone Records leider seinen Geschäftsbetrieb einstellen musste.
Für Antichrisis hat durch diese an sich traurige Entwicklung nichtsdestotrotz ein neues Kapitel begonnen: Heutzutage arbeiten Ayuma und ich wieder so direkt und unmittelbar, wie ich es zu den Anfangszeiten von Antichrisis tat, als ich mit MISSA DEPOSITUM CUSTODI das erste Demo unter die Leute brachte - dieses Demo kann Übrigens mittlerweile bei http://www.tunguskamusic.com/ kostenlos heruntergeladen werden.


Kannst du vielleicht kurz ein bisschen was zur Entwicklung von Antichrisis sagen? Wie kam es zum heutigen Status Quo?

Antichrisis wurde 1995 in einem kleinen abgelegenen Eifeldorf nahe der belgischen Grenze ins Leben gerufen. Ursprünglich von mir als Ein-Mann-Projekt geplant, stieß schon wenig später Gastsängerin Willowcat hinzu, um mich bei der Verwirklichung meiner musikalischen Visionen zu unterstützen.
Innerhalb weniger Monate entstand das 80-minütige Demo-Tape MISSA DEPOSITUM CUSTODI, das in einer Auflage von 500 Stück veröffentlicht und mit seiner Mischung aus Dark Wave, Doom, Folk sowie Anleihen klassischer Musik in Underground-Kreisen begeisterten Anklang fand.
MISSA DEPOSITUM CUSTODI war aufgrund positiver Besprechungen in vielen Magazinen und Fanzines schon kurz nach seiner Veröffentlichung Anfang 1996 vergriffen und führte zu einem Vertrag mit Ars Metalli, wodurch bereits im September 1996 mit den Studioaufnahmen für das Debütalbum CANTARA ANACHORETA begonnen werden konnte. Ich spielte dieses Album mit Hilfe von Willowcat in nur 14 Tagen ein, und so erschien CANTARA ANACHORETA im Januar 1997 und wurde von der Metal-Presse mit Lobeshymnen förmlich überschüttet.
Im Frühjahr 1998 stand die Produktion des Zweitlings A LEGACY OF LOVE für Napalm Records an, wobei ich diesmal von Näx am Dudelsack sowie Sängerin Lisa unterstützt wurde. Die Einbeziehung einer weiblichen Stimme war für das dramaturgische Konzept von Antichrisis schon immer von großer Wichtigkeit, da meine Songs in vielen Fällen wie kleine Theaterstücke angelegt sind, in denen es eine männliche und eine weibliche Hauptrolle gibt.
Durch die Einbeziehung des irischen Dudelsacks konnte ich die folkloristischen Wurzeln meiner Musik noch weiter ausbauen - und so setzte A LEGACY OF LOVE in musikalischer Hinsicht völlig neue Maßstäbe: Zwar finden sich auf diesem Album noch vereinzelt Metal-Elemente, doch stellen sie lediglich ein Stilmittel unter vielen dar. A LEGACY OF LOVE war vom Konzept her ein Abgesang auf eine große Liebe, ein romantisches Requiem voller wunderbarer Folk-Pop-Perlen, das mit Songs wie "Nightswan", "Our Last Show" oder "Forever I Ride" sogar drei radiotaugliche Hits aufwies.
Im Frühjahr 1999 folgte eine Tour, die Antichrisis gemeinsam mit Tristania, The Sins Of Thy Beloved, Siebenbürgen und Trail Of Tears quer durch Europa führte und auf der die neu hinzugekommene Sängerin Dragonfly erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Im Spätsommer des Jahres 2000 entstand unter Mitwirkung von Tilo Rockstroh an den Keyboards, Schlagzeuger Jens-Nils Kuge und Gitarrist Jens Bachmann das dritte Album PERFUME. Nach der Veröffentlichung von PERFUME kam es allerdings zu einer längeren Funkstille, in deren Verlauf der Eindruck entstand, dass Antichrisis möglicherweise zu existieren aufgehört hätte. Nach neuen Studiosessions im Frühjahr 2003 erfolgten einige schwerwiegende emotionale und gesundheitliche Rückschläge, die eine fast zweijährige Auszeit für mich nach sich zogen, so dass auch Antichrisis in diesem Zeitraum erneut zwangsläufig auf Eis lag.
Erst 2005 war ich wieder voll einsatzfähig und stellte ein neues Line-Up zusammen. Um die persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre zu verarbeiten, schrieb ich jede Menge neues Material für das bevorstehende Album "The Legacy Remains", das inhaltlich und musikalisch an "A Legacy of Love" anknüpfen und die dort begonnene Geschichte weitererzählen sollte. Um diesen inhaltlichen Zusammenhang hervorzuheben, beschloss ich gemeinsam mit Jens, unserem damaligen Gitarristen und Produzenten, A LEGACY OF LOVE für Reartone Records neu einzuspielen, da sich der Sound von Antichrisis in den letzten Jahren stark verändert hatte - eine Entwicklung, die die Neuaufnahme von A LEGACY OF LOVE, die 2006 unter dem Titel A LEGACY OF LOVE MARK II bei Reartone Records erschien, dokumentieren sollte.
Bevor ich mit der Band jedoch die finale Produktion am Nachfolgealbum THE LEGACY REMAINS beenden konnte, beschloss Reartone Records einen Veröffentlichungsstopp, was zugleich das Aus für die bisherige Bandkonstellation bedeutete, da sich die zu diesem Zeitpunkt an Antichrisis beteiligten Musiker ausschließlich aus dem Studioumfeld von Reartone Records rekrutiert hatten. Aus diesem Grund war eine weitere Zusammenarbeit unter den neuen Gegebenheiten leider nicht mehr möglich - und daher ist Antichrisis nun zum Duo geschrumpft.


Eine Zeit lang war Antichrisis zu einer richtigen Band zusammengewachsen. Heutzutage ist es wieder in erster Linie dein persönliches Projekt. Wer spielt außer dir denn noch eine Rolle bei Antichrisis?

Wie bereits erwähnt wird Antichrisis mittlerweile von mir und meiner Frau Ayuma als Duo weitergeführt - im Prinzip funktioniert es ähnlich wie bei den White Stripes, Goldfrapp, The Ting Tings, den Eurythmics, The Raveonettes oder anderen ähnlich gearteten Zweier-Formationen. Durch diese Form lassen sich neue Songs relativ schnell realisieren - "relativ" deshalb, weil ich dummerweise dazu neige, meine Songs ziemlich opulent zu gestalten; und so kommen mitunter schon mal über 70 Instrumentalspuren pro Track zusammen.


Auf der Antichrisis-Homepage hast du in letzter Zeit einige wunderschöne Lieder wie "Ocean's too wide", "Here comes the Night" oder "The Point of no Return" zum Download bereitgestellt. Wird es da in nächster Zeit noch mehr interessante Neuigkeiten geben?

Danke für das Kompliment - und ja, Ayuma und ich werden kontinuierlich weitere neue Songs veröffentlichen; darüber hinaus wird es auch Überarbeitungen einiger älterer Songs aus der THE LEGACY REMAINS-Ära geben, weil es einfach schade wäre, wenn diese Stücke niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken könnten.


Was hältst du generell von dem Konzept, keine kompletten Alben auf CD aufzunehmen, sondern das Internet als Plattform zu nutzen, um nach und nach einzelne Titel zu veröffentlichen?

Früher fand ich es unheimlich reizvoll, Konzeptalben wie CANTARA ANACHORETA oder THE LEGACY OF LOVE zu schreiben und aufzunehmen - und obwohl dies eine wirklich spannende künstlerische Herausforderung darstellte, kam es bei dieser Arbeitsweise auch immer wieder vor, dass richtig gute Songs durch das Raster fielen, weil sie nicht zum Konzept des jeweiligen Albums passten. So gesehen unterwarf ich mich bei dieser Arbeitsweise einer gewissen Form der Selbstzensur.
Daher finde ich es mittlerweile geradezu befreiend, jeden Song einfach als ein in sich geschlossenes Projekt zu betrachten, das den Hörern sofort nach seiner Fertigstellung zugänglich gemacht werden kann. Darüber hinaus denke ich, dass sich das Album als Kunstform überlebt hat: Das Internet hat die Hörgewohnheiten diesbezüglich einfach grundlegend verändert. Früher musste man ein komplettes Album inklusive aller darauf enthaltenen Songs kaufen, die man eigentlich gar nicht mochte - und ehrlich gesagt gibt es nur sehr wenige Alben, denen es gelingt, ein durchgängig hohes Niveau zu halten. Aber dadurch, dass es mittlerweile möglich ist, einzelne Songs per Download zu kaufen, entscheidet der Hörer selbst, welche Songs er haben und in welcher Reihenfolge er sie hören möchte, was in meinen Augen eine durchaus positive Entwicklung darstellt: Es findet eine Art Demokratisierung der Musik auf der rezeptiven Ebene statt; der Hörer ist nicht mehr den Vorgaben des Künstlers bzw. der Plattenfirmen ausgeliefert - zumal die Darbietungsform "Album" ja ursprünglich keineswegs erfunden wurde, um den Musikern bessere oder umfassendere musikalische Ausdrucksformen zu ermöglichen, sondern schlichtweg nur, um den Plattenfirmen eine bessere Wertschöpfung zu ermöglichen (weshalb Alben in den 50er und 60er Jahren lediglich eine Ansammlung von Singles des jeweiligen Künstlers waren, das mit etwas Füllmaterial aufgepeppt wurden, um auf eine annehmbare Spieldauer zu kommen).
Für Musiker und Produzenten sehe ich in der Abkehr vom Album ebenfalls einige entscheidende Vorteile: Die Techno-Szene hat seit Jahren erfolgreich vorexerziert, dass ein einzelner Song relevanter ist als ein wie auch immer geartetes Album - und dass es daher umso wichtiger ist, einen Song nach dessen Fertigstellung so schnell wie möglich zu veröffentlichen. Diese Vorgehensweise trägt zu einer viel unmittelbareren Kommunikation zwischen Künstler und Hörer bei: Es gibt keine Wartezeiten auf ein Album mehr; der Hörer kann sich aus den einzelnen Songs sein eigenes, individuell angepasstes Album zusammenstellen; und falls dem Künstler der inhaltliche Zusammenhang der einzelnen Stücke oder eine bestimmte Song-Reihenfolge wichtig erscheinen sollte, kann er jederzeit die in seinen Augen optimale Zusammenstellung in Form eines entsprechenden Vorschlags auf seiner Website veröffentlichen.


Das erste Antichrisis-Album "Cantara Anachoreta" war noch sehr metallastig. Später verschwanden nach und nach immer mehr metallische Elemente aus deiner Musik. Wie stehst du heute zum Metal?

Das Lustige ist, dass ich mit Metal nie wirklich etwas am Hut hatte: Okay, in meiner Jugend fand ich Slade, T. Rex und Sweet gut - aber die waren ja nicht wirklich Metal, sondern eher Glam-Rock. Später konnte ich zwar mit einigen Motörhead-Songs durchaus etwas anfangen (Morgens zum Aufwachen "Overkill" oder "Bomber" in voller Lautstärke, und der Tag ist Dein Freund), aber klassische Metal-Bands wie Iron Maiden, Manowar, Black Sabbath oder Judas Priest haben mich eher gelangweilt; die komplette NWoBHM ist sozusagen völlig an mir vorbeigegangen, weil meine musikalische Sozialisation zu diesem Zeitpunkt in der Punk-Szene stattgefunden hat.
So gesehen bestehen die Songs auf CANTARA ANACHORETA eigentlich nur aus extrem langsam gespielten Punk-Riffs, die ich mit Irish Folk-Elementen angereichert habe. Erst nach Veröffentlichung des Albums wurde mir nach und nach klar, dass die Leute das anscheinend für Metal hielten und daher dachten, dass ich irgendeinen Metal-Background hätte - aber wie gesagt: Den hab' ich gar nicht - in der Hinsicht ist Ayuma weitaus mehr in dieser Szene verwurzelt, als ich es bin, denn sie steht total auf Bands wie Dio oder Accept.


Hörst du heutzutage selbst noch gerne härtere Musik? Wenn ja, welche Unterarten des Metal bevorzugst du?

Ich hör so gut wie keinen Metal - dafür viel lieber Bruce Springsteen, Magnetic Fields, The Gaslight Anthem, Amy MacDonald, Bedouin Soundclash, White Lies, Billy Bragg oder Airborne Toxic Event. Allerdings hat sich mit Nachtmystiums "Addicts: Black Meddle II" tatsächlich auch mal ein Metal-Album in meine Playlist verirrt, das ich ziemlich gelungen finde…


Würdest du vielleicht gerne noch mal selbst so was in der Richtung wie die "Cantara Anachoreta" machen?

Nein - CANTARA ANACHORETA hatte in der Zeit, in der das Album entstand, absolut seine Berechtigung und war auch der richtige musikalische Einstand für Antichrisis - aber getreu dem Motto "Repetita non placent! sollte man sich als Künstler niemals wiederholen, sonst endet man am Ende noch wie AC/DC, die zwar in puncto Präzision und Groove eine erstklassige Band sind, deren Alben jedoch im Prinzip stets die Kopie des Altbekannten darstellen. Da orientiere ich mich lieber an Künstlern wie David Bowie, der sich immer wieder neu erfand und damit sein Publikum überraschte.


Welchen Namen würdest du der Musikrichtung von Antichrisis geben?

Einfach nur "Musik" - alles andere macht keinen Sinn, weil es völlig egal ist, um welchen Musikstil es geht, da es im Grunde genommen nur gute oder schlechte Musik gibt… und selbst diese Unterscheidung ist höchst subjektiver Natur.


Welche Künstler sind deine musikalischen Vorbilder?

Da gäbe es Einige zu nennen - z. B. Bruce Springsteen, The Pogues, The Jam, The Mekons, The Clash, Joy Division, Theatre of Hate, Mountain Goats, Midnight Choir, Sex Pistols, The Ramones, Roy Orbison, Gene Pitney, Them, Yazoo oder die Tindersticks - auch in diesem Bereich lasse ich mich auf keine bestimmte Musikrichtung festlegen.


Früher hatten deine Texte oft spirituelle Inhalte. Auf dem ersten Album war ein zentrales Thema der alte matriarchale Glaube an die Göttin, ein anderes die Kritik am Christentum. In späteren Liedern ging es mehr um Themen wie Liebe, Trennung und Einsamkeit. Worüber singst du heutzutage am liebsten?

Ich wähle die Themen, mit denen sich meine Songs beschäftigen, nicht aus - sie treten einfach ans Tageslicht und ich lasse sie frei in die Richtung fließen, die sie einschlagen wollen. Von daher könnte ich gar nicht sagen, worüber ich am liebsten schreibe, weil ich so etwas wie ein Lieblingsthema nicht habe. Die einzige Gemeinsamkeit, die all meine Songtexte bis zum heutigen Tag aufweisen, ist ihre Authentizität: Sie beruhen stets auf meinen eigenen Erfahrungen, Überzeugungen und teilweise auch meinen Träumen.


Spielt der Glaube an die Göttin auch heute noch eine Rolle in deinem Leben?

Absolut - und diese Thematik taucht auch immer wieder in den Stücken auf, wenn auch nicht mehr so vordergründig wie noch zu CANTARA ANACHORETA-Zeiten. So gibt es z. B. in "Forever I Ride", "We Are The Witches" oder auch "Crossing The Line" entsprechende Referenzen; allerdings bin ich im Lauf der Zeit davon abgerückt, diese spirituellen Inhalte zu sehr in den Mittelpunkt meiner Musik zu rücken, da ich ansonsten die Gefahr sehe, dass sie dadurch eine Art missionarischen Charakter bekommen könnte, der letztendlich genau so nerven könnte wie irgendwelche christlichen Erbauungstexte auf einigen Alben von Bob Dylan oder Johnny Cash.


Welchen Aktivitäten gehst du abseits der Musik gerne nach?

Obwohl die Musik den Löwenanteil meiner Freizeit in Anspruch nimmt (so nebenbei arbeite ich noch in einem Vollzeitjob, da ja irgendwie auch der Lebensunterhalt bestritten sein will), beschäftige ich mich sehr gerne mit Literatur, Religion und Politik, kann mich für so ziemlich alles begeistern, was mit Apple-Produkten zu tun hat, und genieße ansonsten das Leben an der Seite meiner Frau in vollen Zügen.


Bist du mit deinem Leben, so wie es jetzt läuft, zufrieden oder sogar glücklich?

Besser könnte es nur noch werden, wenn ich und Ayuma irgendwo ein kleines Häuschen an der Küste von Cornwall oder Norwegen haben und ausschließlich von der Musik leben könnten. Doch darüber hinaus bin ich heute zufriedener und glücklicher, als ich es je zuvor in meinem Leben war.


Wie denkst du über das aktuelle politische Geschehen in Deutschland? Hast du Zukunftsängste angesichts des planlosen Kurses der Regierung?

"Planlos" ist in Bezug auf die schwarz-gelbe Koalition eigentlich der falsche Begriff: Die haben sehr wohl einen Plan - und der besteht in ihrer Klientel-Politik, mit der die jeweiligen Lobbyisten und Parteifreunde zufrieden gestellt werden. Da verbrät man seit der Einführung von Hartz IV über 50 Milliarden Euro an Steuergeldern für Lohnsubventionen, anstatt den schon längst überfälligen gesetzlichen Mindestlohn (den es übrigens außer in Deutschland und Zypern in jedem anderen EU-Mitgliedsland gibt!) einzuführen; da wird trotz Jugendarbeitslosigkeit und trotz des Umstands, dass immer mehr Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen müssen, allen Ernstes ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren in Erwägung gezogen; im Bildungsbereich und in der Jugendarbeit werden trotz Jugendkriminalität und Perspektivlosigkeit Einsparungen vorgenommen, anstatt gerade in diesen Bereich in die Zukunft der Jugendlichen zu investieren; und obwohl 1 Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent des gesamtdeutschen Vermögens besitzt und die Vermögensschere immer weiter auseinanderklafft, wird keine Erhöhung der Vermögenssteuer eingeführt; darüber hinaus pflegt man im Namen der Wirtschaftsbeziehungen beste Kontakte mit Staaten wie Iran oder China, obwohl diese die Menschenrechte mit Füßen treten; anstatt in alternative Energien oder biologische Landwirtschaft zu investieren, werden tierquälerische Massentierhaltungsbetriebe und Energieversorgungskonzerne subventioniert; anstatt ein vernünftiges und bezahlbares Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen, wird lediglich der Arbeitgeberanteil zum Krankenkassenbeitrag eingefroren und die Mehrkosten allein auf die Arbeitnehmer abgeschoben; statt endlich wirksame Maßnahmen gegen die bevorstehende Klimakatastrophe einzuleiten, einigt man sich auf unverbindliche Absichtserklärungen- und diese Aufzählung ließe sich noch stundenlang weiterführen!
Nein, diese Regierung ist nicht planlos - ihr Plan besteht lediglich darin, stets die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, sich und den eigenen Parteifreunden die Taschen zu füllen und dabei auf die Ignoranz und Dummheit des Wählers zu vertrauen, der anscheinend noch längst nicht bereit ist, die Konsequenzen aus dieser groß angelegten Verarschung zu ziehen.
Es ist allerhöchste Zeit, sich mal wieder mit den Schriften von Karl Marx, Rosa Luxemburg und Friedrich Engels zu beschäftigen!


Wird es irgendwann in der Zukunft wieder die Möglichkeit geben, Antichrisis, in welcher Form auch immer, live zu erleben?

Beim derzeitigen Stand der Dinge leider nein: Als Duo könnten wir die Musik von Antichrisis live nur unter Zuhilfenahme von Playbacks umsetzen - und das wäre nicht unbedingt im Sinne des Erfinders. Aber Ayuma und ich spielen unsere Songs genau so gerne unplugged - möglicherweise wird sich in dieser Hinsicht irgendwann einmal etwas realisieren lassen - doch das steht momentan noch in den Sternen.


Sid, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein Interview genommen hast.


 
 
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