Archiv
  
 Newsflash 
 Archiv Apr. 06 - Jun. 15
 
 Zugänge (Alben) 
 2015 | 2014 | ältere
 
 Zum Schmunzeln 
 Zitate, Sprüche, Cover 
 

Redaktion
  
 Suchen & Finden 
 Startseite | Übersicht
History | Suchen
 
 Reviews 
 LP/Album | EP/Demo
DVD/Video | Bücher
Reports | SongLAB
Alben nach Genres
 
 Tipp des Monats 
 2014 | 2013 | ältere
 
 Ausgrabung d. Woche 
  Aktuelle | Übersicht
 
 Interviews 
 Interviews | Videos
 
 Konzerte 
 Konzerte | Vorberichte
 
 Gegen den Strom 
 Was uns nervt...  
 

Kontakt
  
 Kontakt zu uns 
           
Adresse/Anschrift
Kontakt-Formular
 
 Antworten 
 auf eure Fragen 
 

Glossar
  
 Stilrichtungen 
 Stilrichtungen A-Z
Rock, Metal, Punk
Stil-Beschreibungen
Bands & Stile
 
 Allgemein 
 Musik-Fachbegriffe
BPM - Übersicht
 
 

Über uns
  
 Über uns 
 Mitarbeiter-Liste
Idee/Beteiligte
 
 Was Recht ist 
 Impressum
Copyright
 
 

Links
  
 Noch mehr Infos 
  Fan-/Magazine
Internet Radios
 
 Shopping 
 Merchandising
 
 Unsere Partner 
 Label-Partner 
 
Interview: Black Label Society
 
Black Label Society - Nick CataneseNicht allzu oft gastierten Zakk Wylde und seine Black Label Society in den letzten Jahren Europa , doch der Erfolg spricht für sich: Vielerorts waren die Konzerte Wochen im Vorfeld ausverkauft, und selbst ein mitten in der Tour ausgewechselter Schlagzeuger taten den Shows und erst Recht der Stimmung keinen Abbruch. Wir trafen vor dem Berlin-Gig auf einen bestens gelaunten, und überaus gesprächigen Nick Catanese, seit anderthalb Dekaden tätig als Zakks rechte Hand, den „Evil Twin“.

Datum:
 S.J., 01.04.2011

Wir fragten...
 Hey Nick, ihr seid ja jetzt schon ein ganz paar Wochen in Europa auf Tour. Wie geht es euch?

Nick: Ohja. Die Nacht zu Februar sind wir rübergekommen, wir sind also schon eine Weile hier. Wir sind fast alle krank, und versuchen das durchzustehen, um gute Shows zu bieten. Es ist ja nur knapp eine Stunde, in der man funktionieren muss. Danach kann man sich immer noch beschissen fühlen. Zakk hält sich fit indem er sich viel ausruht, Tee mit Honig trinkt, mit Halsspray und so weiter. Er ist einfach unglaublich, seine Stimme war mal quasi weg, und trotzdem hat er das Set runtergerissen! Obwohl es gesundheitlich bei niemandem aufwärts geht während dieser Tour, haben wir alle viel Spaß, es ist super!


Welche Show oder welche Stadt ist dein Favorit bis jetzt?

Paris. Diese coole Bar, und die Leute waren komplett verrückt! Alle sind gesprungen und mitgegangen, der Boden hat gebebt, besonders bei „Funeral Bell“. Aber auch Polen, letzte Nacht, die waren ja noch verrückter. Aber es funktioniert mit jedem Publikum, das ist wie ein Kreislauf: Wir geben ihnen die Energie, und sie geben sie uns. Allemal besser als ein Publikum, das nur dasteht und dich anstarrt, das ist dann so... ohne Höhepunkt („unclimactic“ orig.). Da frag ich mich dann manchmal schon „Ist das alles, was ihr zu bieten habt? Was zur Hölle soll ich denn noch anstellen?“ (lacht). Aber irgendwann klappt es dann meistens und letztlich haben alle ihren Spaß.


Wo du gerade „Paris“ erwähnst: Das war ja auch zugleich die erste Show mit eurem neuen Drummer, Johnny (-Kelly, ex Type of Negative, Anm. d. R.).

Oh ja, er war einfach großartig! Wir haben ja nicht wirklich zusammen geprobt, wir haben nur sechs Songs oder so vorher im Soundcheck mal angespielt. Will hat ihn aber auch wirklich gut vorbereitet, mit einer Menge Live Videos und Tipps, wie er es spielt und so weiter. Einiges ist live ja doch völlig anders als auf Platte, und so hat Johnny halt direkt die Live-Versionen gelernt. Er war erst etwas unsicher, von wegen „Jungs, ich will das nicht versauen“, aber wir haben ihm gleich gesagt „das wirst du nicht, du bist Johnny Kelly, verdammt, spiel einfach!“. Aber ich merke auch, dass er sich von Nacht zu Nacht besser fühlt. Er bringt nach und nach immer mehr seine eigene Spielweise mit ein, diese genialen Drums in „Suicide Messiah“ zum Beispiel, er ist einfach super! Will ist mittlerweile wieder zu beschäftigt mit Evanescence, sie arbeiten gerade an der Pre-Production oder so. Ich vermisse ihn. Aber das ist ja hier öfter so, dass plötzlich einfach Leute kommen und verschwinden. Zakk und Ich sind die beiden, die vom ersten Tag an dabei sind. JD hat aber auch seinen Platz gefunden, er ist dauerhaft hier. Bassisten müssen uns nun also nicht mehr verlassen (lacht).


Das ist ja nun die erste Black Label Society Tour in Europa, seitdem Zakk aufhören musste zu trinken. Aber auch du bist mittlerweile komplett clean seit 3 Jahren, oder?

Ja, also im April sind's dann drei Jahre, genau.


Was hat das in deinem Leben allgemein, insbesondere aber im Touralltag geändert?

Ich kann mich daran erinnern! Zuvor konnte mich nichtmal an die Touren erinnern. Wenn ich mir die Doom Troopin' DVD ansehe, welche wir veröffentlicht haben – ich weiß nichts mehr von der Show. Ich weiß nicht mehr, wie wir die Amps in die Menge geschmissen haben, ich weiß nicht mehr, wie die Fans angekommen sind, nichts! Auch die Soli und so, ich habe ja Zakks Leads gedoppelt und so weiter, aber ich weiß nichts mehr davon. Das ärgert mich total. Nur dass es sehr heiß auf der Bühne war, weiß ich. Das ist aber auch das Einzige. Natürlich ist es wirklich traurig, dass es so weit gekommen ist. Aber man muss hart aufschlagen, damit man aufhört. Aber jetzt lass ich ganz sicher die Finger von dem Scheiß, ich lass mir davon nichts mehr versauen.


Was war es denn überhaupt, Alkohol?

Pillen. Ich hab nie getrunken, höchstens mal ein Glas Wein zum Essen oder so, aber sehr selten. Ich konnte auf Tour oft nicht gut schlafen, also haben sie mir Tabletten gegeben. Da hat eine nicht gewirkt, zwei haben nicht gewirkt, die dritte auch nicht.. dann nehm ich beim nächsten Mal halt zehn! Das war dann irgendwann der Moment wo ich merkte: Ich hab ein Problem.
Aber nun geht es mir gut, und Zakk geht es gut. Ich meine, es ist Zakk. Er ist nie schlecht. Klar, er hat sein Ding schon immer verdammt gut gemacht, aber jetzt erst! Während der Show in Paris stand ich während des Solos neben Zakks Frau.. Er ist so verdammt schnell geworden, seine Soli sind so frisch, es hört sich so gut an. Ich bin stolz auf ihn! So sind wir's beide losgeworden [Die Sucht], das ist gut.


Aber du hast nie Pillen oder so genommen, um in die richtige Partystimmung zu kommen?

Doch, klar! Natürlich liebe ich die berauschende Wirkung. Nur am Ende gab es halt bei mir keine Wirkung mehr, und ich wurde davon einfach nur krank. Das nervt, du gibst ja auch einen Haufen Geld für diesen Scheiß aus! Was soll das für ein Spaß sein? Ich mein, ich gebe hunderte Dollar für diesen Mist aus, und habe nichtmal etwas davon. Was für ein Bullshit! Da spare ich mein Geld jetzt doch lieber.


Also bist du jetzt ein schwer reicher Mann?

Oh nein! (lacht) Aber, ich mein, irgendwann wird jeder in irgendetwas reingezogen. Ich traf letztens einen Typen am Flughafen. Es waren vier Flüge bis London, und er saß jedes Mal neben mir. Er hatte genau so ein Problem, er war tablettenabhängig. Wir haben uns lange unterhalten, wie es ist, mit der Entwöhnung und so weiter. Ich konnte aus meiner Erfahrung heraus diesem Typen etwas helfen, und er fühlte sich besser danach. Ich sagte:“Schäm dich nicht dafür, so etwas passiert halt. Aber du musst stark genug sein, damit aufzuhören.“ Es ist echt sehr schwer, und ich wünsche niemandem, durch diesen Entwöhnungsprozess zu müssen, aber dafür kann ich jetzt mein Leben auch wirklich leben! Jetzt weiß ich, was „Master of Puppets“ bedeutet. Dieser Song ist die absolute Wahrheit: „obey your Master“. Das ist alles, was man tut. Alles dreht sich nur darum: „Wo kriege ich es her“, „wie viel brauche ich“, „wie viel wird es mich kosten“, und natürlich „was passiert, wenn mir der Stoff mal ausgeht?“. Gott sei Dank liegt diese Zeit jetzt hinter mir!


Denkst du, Ozzys Trennung von Zakk als Gitarrist könnte etwas mit Zakks Trinkerei zu tun gehabt haben?

Nein. Also, ich rede da nicht viel drüber, das ist halt sein privates Ding. Genau weiß ich es auch nicht, aber es ist doch noch alles gut: Wenn Ozzy etwas braucht, wird Zakk sofort für ihn da sein, dafür schlägt sein Herz.


Klar! Immerhin seid ihr ja auch schon wieder als Support Act für Ozzy in Oberhausen bestätigt.

Wirklich? Das wusste ich noch gar nicht! Da hast du mir ja jetzt etwas erzählt! (lacht) Aber so finde ich viele Sachen raus, über Twitter und die Fans! Aber das ist großartig, und das beweist ja auch meine Aussage. Der Grund dafür, dass Zakk dort ist, wo er ist, ist Ozzy! Der Grund dafür, dass Ich dort bin, wo ich bin, ist Zakk! Wenn Zakk etwas braucht, werde ich immer für ihn da sein: Ich werde den Typen nie verlassen.


Hast du dich schonmal an eigenen Ideen für BLS versucht?

Nein. Wirst du?

Nein. Dafür hab ich ja Speed X gemacht. BLS ist Zakks Vision. Deshalb bin ich ja solange hier: Ich kenne die Regeln. So sieht er die Dinge eben. Wenn er mich fragte, würde ich natürlich, keine Frage! Wenn er aber im Studio ist, und dann halt in, sagen wir, zwei Tagen mit 14 Songs oder so ankommt, sag ich nur: Mach es! JD ist ja vor Ort, aber ich sage immer nur „Macht die CD fertig, und dann lasst uns auf Tour gehen!“. Das ist alles was mir wichtig ist, ganz ehrlich.
Ich liebe es zu spielen. Wenn Leute ankommen und sagen „Hey, das ist echt cool dass du dafür bezahlt wirst, Gitarre zu spielen!“, sage ich auch immer: “Nein. Ich werde für die anderen 19 Stunden des Tages bezahlt: Rumsitzen, Warten, aus dem Koffer leben, … aber wenn Abends die Lichter ausgehen und du auf die Bühne gehst, macht das alles Sinn. Dafür ist man eben in einer Band, man will spielen!“ Als Musiker ist man doch irgendwie wie ein Vampir, man kann einfach nicht ohne leben! Es ist ganz egal, selbst wenn du 60Billionen Dollar hättest, und nicht touren müsstest: Zuhause wärst du unglücklich. Dir fehlt einfach dieser Kick. Wir spielen ja auch jeden Abend die selben Songs, aber sobald der Vorhang fällt, geht es einfach los!
Dabei ist es auch total unterschiedlich, wie wir den Moment genießen. Wenn ich an die ersten großen Arena-Shows zurückdenke, wo es so laut war, und dann kommt das Intro, und der Vorhang hängt vor der Bühne.. ich war total begeistert, gucke zu Zakk rüber und er sagt nur „Cool, oder?“. Oder letztens in Kanada, wieder eine große Show, mit lauter Menge, Intro und so weiter, und Zakk und ich sitzen einfach nur wie zwei alte Ladies rum und jeder twittert für sich. So nach dem Motto „Oh, ein Backdrop, cool! „klick“ ! “. Es ist einfach cool, so oder so habe ich schon einen super Job. Ich werde im April vierzig, aber ihr seid ja noch jung. Wenn ihr in einer Band spielen wollt, tut es, es lohnt sich!


Wie du ja eben schon angesprochen hast: Warum ändert ihr denn im Laufe der Tour nicht die Setlist mal etwas ab?

Naja, das ist jetzt der zweite Teil der Berzerkus Tour, nach den Staaten. Diese war ja die erste Tour mit Will, und ihm zuliebe wollten wir nicht alle Nase lang die Songs ändern. Jetzt sind wir hier, er musste uns ja verlassen, und Johnny ist neu. Da können wir auch nicht sagen „Hey, lasst uns mal dasunddas reinschmeißen“. Es ist erst seine fünfte Show oder so. Aber für unseren Stage-Run im Mai haben wir schon abgesprochen, dass wir dann einiges verändern werden. Da werden dann auch Sachen bei sein, die wir noch nie zuvor gespielt haben.


Gibt es denn einen Song, den du ganz besonders gern mal live spielen würdest?

Oh ja! Ich würde gerne „Southern Dissolution“ spielen, oder auch „War of Heaven“. Letzteren werden wir bestimmt auch machen, weil er dieses Intro hat. Wäre sicher ein cooler Song um das Set zu eröffnen! Aber auch ältere Sachen, ich würde es lieben „SDMF“ zu spielen. Ich meine, genau darum geht es doch in dieser Band [gemeint ist das Motto „Strength, Determination, Merciless Forever“ Anm. d. R.]! Da ist auch dieser coole Toggle-Switch Part in der Strophe, der einfach alles wegbläst (imitiert abgehackte Toggle-Switch Sounds). Aber naja, das ist ein super aufgenommener Song, aber live... hm... (überlegt). Wobei, warum eigentlich nicht?


Im Vergleich neuerer BLS-Shows mit denen von vor einigen Jahren fällt auf, dass du mehr und mehr auch schwierigere Sachen spielst, was früher nicht so der Fall war. Das Solo in „In this River“, welches du jetzt spielst, ist ja nur ein Beispiel dafür. Bist du ein besserer Gitarrist geworden, oder war es dir früher einfach nicht erlaubt?

Das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall wird es von Tour zu Tour mehr. Es ist ja nicht nur das „In this River“ Solo, da ist ja auch das gedoppelte Solo in „Genocide Junkies“, was ich seit längerem spiele, diese Dur-Skala in „What's in You“ und so weiter. Zakk sagt immer öfter „Dopple dies, spiel das“ und so weiter. Aber, das lustige ist ja (lacht), jetzt, wo Zakk nüchtern ist, fallen ihm auch Dinge auf, welche ich seit Jahren so spiele. „The Beginning at Last“, zum Beispiel, seit der verdammten „Sonic Brew“ spiele ich das genau so, und letztens fragte er mich „Hey, ist das das, was du spielst?“ , und ich antwortete nur „Ja verdammt! Seit '98!“. Und dann sagt er mir, dass es falsch ist. (lacht) Das ist jetzt echt super so, Zakk hört wirklich alles! Aber noch immer gibt es Momente wie die Proben zur vorletzten Tour, wo er mich plötzlich fragt: „Warum spielst du das Solo nicht mit?“, und ich nur sagen kann: „Weil ich das noch nie gemacht habe!“. Zakk meinte nur „okay, dann spiel es jetzt!“. Ich wollte, dass er mir eine Nacht lang Zeit gibt, um es zu lernen und so, aber er sagte: „Nein. Jetzt!“. Genau das ist gut für mich als Gitarrist, es ist eine Herausforderung: Er fordert mich, und ich möchte natürlich auch, dass er stolz auf mich ist. Übrigens habe ich auch auf der Sonic Brew Tour '98 schon das Mircale Man Solo gedoppelt, aber es wird halt mehr und mehr. Zakk sorgt schon dafür, dass mir nicht langweilig wird. Früher war ich in solchen Situationen oft nervös und dachte „Bitte lass mich das hinkriegen, sonst bin ich gefeuert!“, aber jetzt bin ich seit 15 Jahren hier und weiß ich natürlich, dass ich nicht gefeuert werde. Aber stolz auf mich sein, möchte ich natürlich trotzdem.


Wenn du im Moment so eingespannt bei BLS bist, wann wirst denn mal wieder Zeit für Speed X finden?

Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich, das war eine echt coole Sache, die mehr Geld gekostet, als sie eingebracht hat. Das Problem war auch, dass wir alle aus unterschiedlichen Gegenden kommen: Ich aus Pittsburgh, Mike Stone aus Wisconsin, die anderen Drei sind aus Atlanta. Da kann man nicht mal eben zusammen jammen, oder einfach nur abhängen. Es hat echt Spaß gemacht, die Songs zu schreiben und zusammen aufzunehmen, aber jetzt habe ich auch zwei Typen aus Pittsburgh, mit denen ich jammen kann. Das lustige ist: Als ich so 18, 19 Jahre alt war, spielte ich in einer Band namens „High Voltage“. Wir hatten aber nichts mit AC/DC zu tun, dafür war unser Sänger eine viel zu große Pussy. Jedenfalls gab es zu der Zeit noch eine Band namens „Triple X“ aus unserer Gegend. Und dieser eine Typ von denen, Freddie Nelson, spielte mittlerweile auch mit Paul Gilbert und so. Jedenfalls war er damals DER Mann aus Pittsburgh für Bands. Ich habe ihn nicht mehr gesehen seit ich 22 war oder so, aber jetzt seit kurzem jammen wir zusammen und haben eine Menge Spaß. Und er ist aus Pittsburgh, das ist das wichtigste.
Es ist ja grundsätzlich so: Wenn du in einer Band spielst, und einen, sagen wir mal, Drummer, brauchst: Da kann jemand kommen der spielt wie John Bonham. Wenn er sich menschlich anstellt wie der letzte Schwanz – nimm ihn nicht. Nimm dann auf jeden Fall lieber jemanden der vielleicht eher mittelmäßig spielt, mit dem du aber gut auskommst. Wenn du dann nämlich erstmal 3 Monate im Tourbus mit ihm eingesperrt bist, wirst du eh sagen „Scheiß auf John Bonham, ich will einfach jemanden der spielt wie Rikki Rockett, aber dafür ein netter Typ ist!“ Anders geht es gar nicht, wenn euer Vorhaben von Dauer sein soll.
Genau das ist ja auch der Grund, warum wir Typen hier schon so lange zusammen sind. Auch unsere Soundleute sind schon von Anfang an dabei, seit '98. JD ist mit Zakk befreundet seitdem er 14 war! Auch Phil und Marc gehören fest zur Familie.


Naja, es gibt ja nicht wenige Bands, in denen auch die Musiker getrennt voneinander reisen.

Das ist doch Mist! Selbst wenn bei uns jeder seinen einzelnen Bus haben würde: Zumindest JD und ich würden zusammen fahren! Schon auf der US-Tour haben wir beide jeden Abend Hockey auf der X-Box zusammen gezockt, bis 3 Uhr morgens, während Will meistens vorne saß und Wein getrunken und ferngesehen hat. Bevor es auf die Europatour ging, fragte mich JD noch: „Bringst du deine X-Box mit?“, aber ich war mir nicht sicher, wegen der Verbindungen und so. Aber er meinte „Mann, wir können unmöglich zwei Monate unterwegs sein ohne Hockey!“, und jetzt stimme ich ihm zu, das wäre echt tragisch! Jedenfalls kommen wir in den Tourbus – und da stehen zwei X-Boxen. Mein erster Gedanke war „Verdammt, ich hab das Spiel nicht mitgenommen!“: Wir hatten also die X-Box, aber kein Spiel. Während der ersten Tage der Tour durchwühlten wir jeden Elektromarkt nach Hockey, aber sie hatten es nicht - bis wir nach Cambridge kamen. Ich wachte auf, und JD meinte nur „Komm, ich hab 'ne Überraschung für dich!“. Er hatte es gefunden! Seitdem hat die ganze Tour sich geändert! Wir haben mittlerweile alle zum Hockey gebracht (lacht). Wir fechten mit Band und Crew nachts komplette Hockeyturniere aus! Der Gewinner spielt dann im Finale meist gegen JD, er ist der Hockey-Guru.


Wie du ja bereits hast anklingen lassen, beteiligst du dich ja nicht nur an Gaming, sondern nutzt auch viel Internet und Social Media. Zum Beispiel twitterst du ja regelmäßig, und bist auch bei Facebook vertreten. Ist das mehr so ein Spaß für dich, gegen die Langeweile auf Tour, oder nutzt du das auch ganz bewusst, um die Band zu promoten?

Ja natürlich! Aber es macht zeitgleich auch Spaß, ich rede gerne mit den Fans! Ich nehme mir da gern Dimebag oder auch Zakk als Vorbild; ihre Art und Weise, Leute zu behandeln: Ich bin immer nett zu anderen. Meist dauert es nur 5 Sekunden, jemanden glücklich zu machen: Fans, die ankommen, denen man die Hand schüttelt. Man ist doch nichts besseres als sie. Man spielt Gitarre in einer Band, ja, aber man ist doch kein Gott. Ohne Fans gibt es keine Band!
Vorletzte Nacht spielten wir in Polen, und da war dieser vielleicht 16, 17 Jahre alte Junge, der dort in der Local Crew arbeitete. Ich fragte ihn wo die Umkleide ist, und er schaute mir lange hinterher, so dass ich ihn fragte „Was ist?“. - „Mann, ich liebe eure Band!“ sagte er. Er konnte sich kein Ticket leisten, aber sie ließen ihn dort arbeiten, damit er wenigstens die Show sehen konnte. Ich gab ihm also ein paar Pleks, und da er lange den Merchstand ansah, und ich wusste, dass er sich nichts davon leisten konnte, gab ich ihm meinen Hoodie. Das waren solche 5 Sekunden. Ich sah in sein Gesicht, und er war glücklich. Daran wird er sich erinnern!
Aber das traurige ist ja, dass du mit hunderten von Fans Fotos machen kannst, ihnen Autogramme geben und so weiter, aber die eine einzige Person, die du ausgelassen hast, schreibt sofort bei Blabbermouth, was für eine Sau du doch bist. Es ist ganz egal, warum man sie übersehen hat. Da muss man nichtmal schlecht drauf gewesen zu sein, oder krank oder so. Vielleicht hast du wirklich nur aus Versehen ausgerechnet ihre Hand ausgelassen, ich mache so etwas sicher nicht mit Absicht! Aber genau das ist auch der Grund, warum ich Blabbermouth schon gar nicht mehr lese. Da sind doch wirklich diese 12 Jahre alten Kids, die nichts zu tun haben. Ich meine.. 18 Seiten, in denen sie sich gegenseitig beschimpfen, ob Randy Rhoads oder Eddie Van Halen besser ist? Leute kommt, das ist doch Unsinn. Seid nett zu einander!


Kannst du denn einige Black Label Society Fans verstehen, die sauer sind, weil ihr euer „Meet & Greet“ verkauft, man sich als Fan quasi den Kontakt zur Band erkauf soll?

Ja, kann ich. Weißt du... man kann mich, JD oder Johnny auch einfach treffen, während wir irgendwo herumlaufen. Das ist für Zakk schwieriger. Nach der ganzen Geschichte mit Dime und so kann er nicht mehr einfach, beispielweise, zu Mc Donalds gehen. Das hat sich alles geändert. Er steht nicht mehr einfach in der Menge. Man kann schließlich nie sicher sein, ob nicht doch irgendein Idiot dabei ist, der einfach berühmt sein will. Wie dieser Typ, der John Lennon erschossen hat. Was hat John getan? Nichts! Dieser Typ wollte einfach berühmt sein, also hat er ihn getötet. Verrückte hat es schon immer gegeben, und Fans sind eben oft „fanatisch“. Deswegen haben wir [beim Meet & Greet] auch Phil und Mark dabei, unsere Security. Ja, leider.. (zögert) ist das halt so. Das Geld vom M&G geht nicht an uns, es geht an St.Jude [Kinderklinik für Krebserkrankte, Anm. d. R.]. Ich sehe da keinen Cent für.


Das ist interessant, viele Fans sind nämlich enttäuscht, und sehen nur, wie ihr euch eure Taschen vollstopft.

Nein. Das ist keine „Fuck the fans, ich brauch nochmal 100 Dollar!“ Geschichte. Jeden Tag um 3 sind wir da, weil's einfach unser Job ist.


Dann ist es ja vielleicht ganz gut, das jetzt mal klarzustellen.

Ja, auf jeden Fall. Ich dachte ja, das wäre bekannt. Aber ich halte mich aus den ganzen geschäftlichen Belangen aber auch raus, ich bin einfach hier, um zu spielen. Ich weiß, dass ich um drei da [beim M&G, Anm. d. R.] bin, und dann habe ich frei bis um Neun (lacht). Manchmal heißt es dann noch „Du hast ein Interview um fünf“ - „okay, cool!“, aber das war es dann auch. Ab Neun spiele ich halt, und danach gehe ich eben wieder zu McDonalds, oder so.


Es gibt ja mehr und mehr Fans der Black Label Society, die sich in einzelnen „Chaptern“ organisieren.

Ja genau! Ich bin letztens erst nach hause gekommen und meine Mutter erzählte, dass es ein „Pittsburgh-Chapter“ gibt. Ich wusste ja nichtmal, dass es genügend Pittsburgh-Leute gibt, um ein Chapter zu machen. Aber sowas passiert überall.
Wenn die Leute das allerdings eher wie einen Motorradclub aufziehen, stehen sie damit allein da. Wir haben an einigen Orten Probleme wegen Respektlosigkeit gegenüber den lokalen Gangs. Wenn in dieser Richtung jemand in die Sache einsteigen will, kann es zu Verletzten kommen. Die Leute in Manchester beispielsweise tragen ihre Westen nicht außerhalb des Clubs, aus Respekt für die Leute dort vor Ort. Diese wollten es einfach nicht, in ihrem Gebiet. Was auch immer wir in der Halle anstellen, ist völlig in Ordnung. So etwas muss man akzeptieren. Diese Leute machen echt verdammt viel durch für ihre Patches und Westen, das ist eine ganz andere Geschichte. Wir tun auch nichts aus Respektlosigkeit oder so, wir sind sogar mit vielen von ihnen befreundet. Aber ich sage den Leuten auch immer: „Wenn du diesen Patch hast [gemeint ist der, denen von Motorradclubs nachempfundene, dreiteilige Rückenaufnäher Anm. d. R.] und damit Motorrad fährst, bist du einfach dumm. Mach das nicht!“ Ja, es ist eine Band, und es steht nicht „MC“ hinten drauf, aber wenn jemand mit 60mp/h hinter dir herfährt, sieht er nur schwarz und weiß. Dann wird er dich natürlich verfolgen, und dir deine Weste abnehmen. Diese Leute leben einfach wortwörtlich für ihre Patches, für ihren Motorradclub! Deswegen haben wir ja jetzt auch den „The Order“ Backpatch, der nicht diese Dreiteiler-Anordnung hat.


Gibt es denn Pläne, diesen auch regulär an die Fans zu verkaufen?

Ja, über den „Black Label Order“ Fanclub sind mal einige rausgegangen.


Naja, aber die finden sich ja mittlerweile auch für bis zu 500 Dollar pro Stück bei ebay wieder...

Wow. Naja, an sich wird schon die „originale“ Weste die „richtige“ bleiben. Aber selbst wenn ich zuhause bin, laufe ich damit nicht täglich durch die Gegend. Gene Simmons läuft ja auch nicht täglich mit diesen Stiefeln herum.


Ach, tut er nicht?

Höchstens im Wal-Mart. (lacht) Das ist halt ein Bühnen-Outfit.
Aber da war auch mal dieser Typ in Kanada, der mich vor der Show ansprach „Yeah Mann, geile Weste! Gehst du auch zur Show heute? Ich bin auch Gitarrist, ich kann's gar nicht erwarten, Zakk und Nick auf der Bühne zu sehen!“ Bis ich mich dann rumdrehte... (lacht) Aber das ist super, das Ganze hat einfach solchen Wiedererkennungswert! Man sieht es überall. Und wie wir immer sagen: Nicht Fans, sondern Fams. Wir sind alle eine große Familie.
Nichts desto trotz hat natürlich jede Band ihre Hauptfigur. Als ich 1996 begann, mit Zakk zu spielen, wusste niemand, wer ich bin. Ich hab sogar alles aufgebaut, die Amps, die Gitarrensaiten aufgezogen, und so weiter. Und auch als BLS anfingen, hieß es stets „Zakk kommt!“. Er ist halt einfach eine Ikone. Ich stehe mit einem der großartigsten Gitarristen dieser Welt auf einer Bühne – und spiele Gitarre! Natürlich ist sein Schatten verdammt groß, aber ich stehe da, und nehme, was ich kriegen kann. Und man wertschätzt das im Laufe der Zeit auch immer mehr. Wenn ich mich allein daran erinnere, wie ich meine erste Signature Gitarre bekam: „Wow!“ Es ist halt immer die Frage: Machst du das, weil du Musik liebst, oder weil du Mal xy bei MTV gesehen hast, und genauso berühmt werden wolltest?


Black Label Society - Stefan Junge (HHH) - Nick Catanese

Tja, dann hätte ich dann mal noch eine letzte, theoretische, Frage an dich: Was hättest du getan, wenn Ozzy dich als Nachfolger von Zakk hätte anheuern wollen?

Ich hätte es nicht gemacht. Das könnte ich nicht. Ich wüsste ja, dass wir hier noch beschäftigter werden würden, dass Zakk seine Energie nun zu hunderttausend Prozent in Black Label Society steckt. Außerdem wäre es ziemlich geschmacklos: Ich verlasse ihn doch nicht, um da hinzugehen, wo er herkommt. Ozzy ist Cool, Zakk ist mein Bruder; ich verlasse ihn nicht! Wie Zakk von Anfang an zu mir sagte:“Vergiss nicht, wo du herkommst!“. Und ich weiß, wo ich zuhause bin. Natürlich wäre es cool, einfach für mich zu wissen, dass Ozzy an mich gedacht hat, aber dafür sind Zakk und ich einfach zu lange durch Dick und Dünn gegangen.


 
 
    Seitenanfang   
Bandinfos
  Bandbiographie
¬ Black Label Society
Musiker
¬ Zakk Wylde
Reviews
¬ ORDER OF THE BLACK
¬ MAFIA
Interviews
¬ 01.04.2011
 
 

Top-15 Interviews
 
Sunrise Avenue 949
Kamikaze Kings 376
Blind Guardian 326
Die Kassierer 323
Negative 319
Boysetsfire 317
Frei Wild 315
Sportfreunde Stiller 313
At Vance 311
Ronnie James Dio 305
Gorgoroth 299
Doro 296
Judas Priest 293
Demian Heuke 286
Powerwolf 274

21 Tage-Hits bis 19.10.2014
 
 

Top-15 Bands
 
Gun Barrel 491
Victory 406
Dare 402
Bonfire 391
Kiss 384
Accept 377
AC/DC 357
Gotthard 352
UFO 348
Iron Maiden 345
Krokus 337
Die Ärzte 332
Running Wild 330
Helloween 317
MSG 317

21 Tage-Hits bis 19.10.2014
 
 

Top-16 Reviews
 
My Dominion
 CONSUMED
396
Lechery
 IN FIRE
362
Hear Me Loud
 THE SYSTEM
353
Bullet
 STORM OF BLADES
347
Hard Riot
 THE BLACKENED HEART
331
Philip Sayce
 INFLUENCE
321
Dynamite
 BLACKOUT STATION
315
Joe Bonamassa
 DIFFERENT SHADES OF BLUE
311
Garagedays
 PASSION OF DIRT
301
Merkabah
 UBIQUITY
297
Burden of Life
 THE VANITY SYNDROME
297
Infinitys Call
 UNCONDITIONAL
291
Miseo
 LUNATIC CONFESSIONS
291
Order To Ruin
 THE LOSS OF DISTRESS
289
Stepfather Fred
 HELLO LARRY BROWN
280
Vision Divine
 9 DEGREES WEST OF...
279

21 Tage-Hits bis 19.10.2014
 
 
Werbung 
   
 






© 2002-2016 by HardHarderHeavy  -  supported by Poly4Media®  -  mailTo: WebAdmin  -  Last Update: 15.11.2013