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Converge
 
Am 11. Juli spielten die Mathcore-Chaoten von Converge eine ihrer beliebten Clubshows in der Bochumer Matrix. Kurz vor dem Konzert hatte Mastermind, Songwriter und Gitarrist Kurt Ballou Zeit für ein ausführliches Interview mit Mario K., welches in den Katakomben der Matrix stattfand. Der ruhige und freundliche Gitarrist dreht auf der Bühne regelrecht durch. Im Interview zeigte er sich redselig, gebildet und gab einiges über die Zukunft von Converge preis:

Datum:
 M.K., 11.07.2008

Wir fragten...
 Hi Kurt, wie geht es dir?

Kurt Ballou: Mir geht es gut, wie geht's dir?


Mir auch. Wie läuft die Tour bisher?

Oh, es läuft wirklich gut. Wir waren überall. Wir starteten in Norwegen, dann folgten Schweden und Belgien. Danach spielten wir zwei Shows in Russland, was ziemlich cool war. Wir waren vorher nie in Russland und speziell für uns Amerikaner, die wir im kalten Krieg aufwuchsen war es etwas besonderes, den "Feind", wie wir es beigebracht bekamen, zu besuchen. Aber Leute sind Leute, egal wo hin man geht. Jeder hat dieselben Hoffnungen und Träume. Aber die Shows in Russland wahren der Wahnsinn.
Dann waren wir in Polen, danach ging es zurück nach Westeuropa; wir spielten in Deutschland und Holland und morgen geht es dann nach Finnland. Alle Shows waren gut, die anderen Bands sind toll und jeder kommt gut miteinander aus. Wir haben eine gute Zeit.


Was ist deine Meinung über die Musik von Integrity und Coliseum?

Beide sind toll. Integrity sind Legenden. Sie sind schon ewig unterwegs und spielen brutale, einflussreiche Musik. Aber sie bekommen nicht das Ansehen, das sie verdienen, obwohl Sie seit Jahren Bands beeinflussen.
Coliseum sind eine meiner Lieblings-Hardcorebands. Sie haben das Talent, wirklich aggressive Sounds in eine catchy Verpackung zu schreiben, es bleibt im Ohr. Jeder Song, den sie auf dieser Tour spielen, ist eine Hymne. Es ist aber kein schleimiger Pop sondern straighter Hardcore, ich liebe es.


Ihr habt letztes Wochenende auf dem With Full Force-Festival gespielt, ich habe euren Auftritt dort gesehen. Bist du zufrieden mit eurem dortigen Auftritt?

Es war okay. Diese großen Outdoor-Festivals sind immer etwas komisch für uns. Wir spielen sonst nie wirklich auf diesen großen Bühnen vor Leuten, die nicht nur wegen uns kommen. Mit der Barrikade vor der Bühne wird man nicht wirklich warm mit dem Publikum. Wir mögen es zwar, Festivals zu spielen, da es Spaß macht draußen aufzutreten, aber Clubshows ziehen wir vor.


Hast du dir dort irgendwelche Bands angeschaut?

Wir waren nicht wirklich lange da. Die einzige Band, die ich mir angeschaut habe, waren Entombed. Ich bin jetzt seit fünfzehn Jahren Fan der Band und der Auftritt war unglaublich gut.


Das letzte Converge-Album, NO HEROES, wurde 2006 veröffentlicht. Wann können wir ein neues Album erwarten?

Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht Ende 2009. Wir haben gerade erst mit dem Schreiben von neuem Material begonnen und noch nicht viel zusammen. Wir lassen uns Zeit. Würden wir direkt ein neues Album schreiben wären keine Unterschiede zum letzten Album da. Deswegen lassen wir uns Zeit und machen ein auch für uns neues Album, das Sachen beeinhaltet, die wir vorher noch nie gemacht haben, die neu für uns sind.


Wenn du jetzt zurück schaust: Würdest du irgendwas an NO HEROES ändern?

Ich denke nicht. Vielleicht ein paar Kleinigkeiten hier und da, wie der Gitarrensound an manchen Stellen. Aber ich bin wirklich glücklich mit dem Album. Ich bin sogar glücklich mit den letzten drei Alben.


Wie schreiben Converge Songs? Jeder für sich zu Hause oder im Proberaum?

Weißt du, es ist bei jedem Song anders. Manchmal schreibe ich einen kompletten Song, bringe ihn mit zu den Proben und wir jammen etwas und ändern kleinere Parts. Nate schreibt oft Songparts und bringt diese mit zu Proben. Manchmal haben wir aber auch nur einen Drumbeat, ich schreibe einen Gitarrenpart dazu und so entsteht der Song weiter. Jeder Song entsteht anders und ich finde das gut, weil es zeigt, dass jeder Song komplett anders ist. Man geht nicht jedes Mal durch denselben Prozess. So ist auch nicht jeder Song im selben Tuning, alles ist immer anders.


Was inspiriert dich für Musik und Texte?

Das Leben. Als kreative Person muss man sich selbst ausdrücken und den Weg finden wie man dies am besten tut und braucht da seine Werkzeuge für. Damit meine ich nicht nur physische Objekte sondern auch die Fähigkeiten. Du kannst ein guter Maler, Drummer, Gitarrist oder Klavierspieler sein. Ich benutze alle Werkzeuge die ich habe und versuche mich auszudrücken. Das ist der Weg wie ich lebe. Jeder braucht so was. Für manche ist es Football mit Freunden gucken und dabei ein Bier trinken, für mich ist es das Gitarre spielen.


Du hast mit Converge in der Vergangenheit einige Split-CDs aufgenommen. Gibt es eine Band mit der du gerne mal eine Split-CD aufnehmen wollen würdest?

Da gibt es viele Bands. Neurosis, Mastodon. Ich würde gerne eine ganze Serie machen, es gibt so viele gute Bands.


Planst du irgendwas in die Richtung?

Nein. Wenn du Kollaborationen oder Splits spielst, werden diese kaum Interesse wecken. Alben hingegen werden nicht vergessen. Wenn wir also eine 7" auf den Markt bringen erreichen die Songs nicht so viele Leute wie auf einem Album. Und wir wollen derzeit nicht einfach Material wegwerfen. Wir fokussieren uns im Moment lieber auf Converge-Alben.


Die Musik von Converge wird unter anderem als Mathcore, Grindcore, Metalcore usw. bezeichnet. Wie würdest du Converge beschreiben oder in welches Genre einsortieren, wenn du es wollen würdest?

Ich denke, Genres sind Erfindungen von Journalisten und Labelmitarbeiter um die Musik zu verkaufen. Es ist aber nicht etwas, was eine Band in ihrer Musik beeinflussen sollte. Eine Band sollte nicht in ein Genre gedrückt werden. Wenn ich aber eins wählen müsste wäre es Hardcore, weil wir aus der Szene kommen und wie diese Haltung haben, selbst wenn unsere Musik nicht nach Hardcore klingt. Aber unsere Haltung zur Musik kommt von unserem Hardcorebackground und daher würde ich sagen, Converge ist Hardcore.


Was denkst du über Filesharing und das Downloaden von Musik?

Ich habs ehrlich gesagt auch schon getan, es ist ein super Weg neue Dinge zu entdecken. Aber viele Menschen verstehen folgendes nicht: Wenn sie Musik stehlen nehmen sie Geld aus den Portemonnaies der Plattenfirmen und der Künstler. Und dies schwächt im weiteren Verlauf die Qualität des Produkts, also der Musik. Wenn ein Label kein Geld hat können sie es sich nicht leisten, eine Band unter Vertrag zu nehmen oder eine Albumproduktion bezahlen. Wenn du also eine großartige Band hast, aber kein Geld zum aufnehmen, dann wirst du auch kein großartiges Album bekommen. Auf kurze Sicht ist es sicherlich cool mit seinen Freunden Musik zu tauschen - auf lange Sicht verdurstet die Musik so, da kein Geld mehr übrig bleibt um qualitativ hochwertige Alben aufzunehmen.
Ich besitze ja selber ein Studio und kenne großartige Bands, die nicht wirklich populär sind und kein Geld haben um ein Album aufzunehmen da die Labels kein Geld für sie übrig haben. Ich denke, dieses ganze Downloadthema ist die Realität der Musikindustrie. Es ist ein guter Weg, neue Bands und Musik zu finden, die man vorher nie gehört hat. Ich downloade normalerweise nicht, tausche aber ab und zu Musik mit Freunden. Wenn ich etwas bekomme, das ich wirklich liebe bin ich
a) viel begeisterter mir das CD-Package oder die Vinyl zu kaufen und
b) freue ich mich viel mehr darauf sie dann live zu sehen.
Ich denke, downloaden ist für eine Band auf der einen Seite gut, weil mehr Leute die Band kennen lernen. Es ist eine harte Frage aber so sieht die Realität nun aus. Ich hoffe nur, dass die Leute, die Musik downloaden, sich dem bewusst sind wie sie auf langer Sicht dem Musikbusiness und den Bands schaden.


Ja, und viele Labels müssen Kosten einsparen und verlieren so Bands. Nine Inch Nails oder Radiohead verschenken ihre Musik mittlerweile unabhängig von Labels über ihre Homepage. Ist das eine theoretische Möglichkeit für Converge?

Ich möchte weiterhin Teil einer Plattenfirma sein. Ich mag es bei Epitaph zu sein und hoffe, dass wir noch weiter zusammen arbeiten können. Wir werden wenigstens noch ein Album bei Epitaph heraus bringen. Bands wie Nine Inch Nails oder Radiohead sind groß auf einem Level, auf dem kaum eine andere Band sein kann und sie sich wegen ihrer Größe ihre eigenen Businesspläne machen. Eine kleinere Band hat diese Chancen nicht da sie nicht dieselbe Popularität hat und kann sich in Folge dessen die Ideologie von zum Beispiel Nine Inch Nails nicht leisten.


Du hast gerade erwähnt, dass du mit Godcity Studios dein eigenes Studio besitzt. Was kannst du mir hierüber und über die Bands, die dort aufnehmen, erzählen?

Ich nehme nun seit knapp über zehn Jahren Musik auf und bin nun in meinem vierten Studio. Ich habe endlich ein komplett eingerichtetes, professionelles Studio, mit schönen Mix-Maschinen, Kontrollpulten und so was alles. Ich konzentriere mich darauf, andere Punk-, Metal- oder Indiebands zu produzieren und mit ihnen aufzunehmen. Das sind Leute mit künstlerischen Fähigkeiten, die ich respektiere und Musik, die mir gefällt. Ich versuche, Projekte zu übernehmen zu denen ich etwas beitragen kann. Coliseum zum Beispiel. Ich hatte die Möglichkeit wirklich in die Produktion involviert zu werden, die Musik mit zu arrangieren und an Songs mit zu schreiben. Das ist es, was mich wirklich freut: Teil des kreativen Prozesses zu werden, nicht nur des Aufnahmeprozesses.
Ich wähle außerdem Bands aus, mit denen ich befreundet bin oder mit denen wir getourt sind. Leute, die ich respektiere.


Du bist außerdem Mitglied von Supermachiner, zusammen mit Jacob. Was kannst du mir hierüber erzählen?

Das war ein Ambient-Projekt mit Jacobs Bruder Seth und seinem Freund Ryan. Ich spielte dort etwas Gitarre und wir nahmen ein Album auf. Das ist fast zehn Jahre her, seitdem ist dort nichts mehr passiert. Es war von Bands wie Godflesh inspiriert und wir spielten hartes, dunkles Material.


Du bist Veganer, der Rest der Band ist Vegetarier. Wie kam es dazu, dass du entschieden hast, vegan zu leben?

Ich habe mich vor ungefähr vierzehn Jahren hierzu entschieden. Ich war bereits ein Jahr zuvor Vegetarier und das Mädchen, das ich damals datete, meinte ich sollte Veganer werden. Und ich sagte "okay" weil Kerle das immer bei ihren Mädels tun (lacht).
Man hat Dinge, die man jeden Tag tut und es ist hart, das von heute auf morgen in Frage zu stellen weil man sich dran gewöhnt hat und es Teil deines Lebens ist. Aber wenn man eine Zeit lang einen Schritt zurück geht und etwas nicht jeden Tag tut, kannst du besser entscheiden ob es oder ob es nicht das richtige für dich ist. Es geht nicht um die ethischen oder gesundheitlichen Gründe, ich hatte auch davon ab einfach keinen guten Grund weiter Fleisch zu essen.
Mein einziger wirklicher Grund, nachdem ich all dies mit den gesundheitlichen und ethischen für mich geklärt hatte, war der Geschmack. Ich fand das sehr egoistisch von mir, Fleisch nur wegen dem Geschmack zu essen. Ich habe das aus meinem Leben ausgeschlossen und da auch nicht wirklich wieder drüber nachgedacht. Es ist so auch einfach für mich. Es ist zwar ab und zu schwierig auf Tour aber ansonsten komme ich gut damit klar. Vegan leben fühlt sich für mich normal an.


Was ist dein Lieblingsalbum aller Zeiten und wieso?

Ich kann mich nicht auf eins festlegen. Entombed mit WOLVERINE BLUES gehört zu meinen Favoriten. Außerdem Nick Cave & The Bad Seeds mit MURDER BALLADS und Slayer mit SOUTH OF HEAVEN.


Hast du letzte Worte oder Grüße für unsere Leser?

Danke für das Lesen des Interviews, ich hoffe man sieht sich bei den Shows. Passt auf euch auf.


Vielen Dank!

Danke dir!


 
 
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