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Die Apokalyptischen Reiter
 
Die Apokalyptischen ReiterMichael S. nutze das Angebot ein Interview mit Den Apokalyptischen Reitern vor ihrem Auftritt am 12.10. 2007 in der Live Factory in Adelsheim zu führen. In üblich guter Plauderlaune gaben vier der fünf Reiter ihren Senf dazu während Michael seinen langen Fragenkatalog durcharbeitete.

Datum:
 M.S., 23.10.2007

Wir fragten...
 Danke erst einmal, dass das mit dem Interview geklappt hat. Kennt ihr hardharderheavy.de eigentlich?

Volk-Man: Bisher noch nicht, aber wir werden jetzt schon mal einen Blick darauf werfen!


Nun aber zur ersten Frage: War dieser Sommer der bisherige Höhepunkt der Reiter-Karriere?

Fuchs: Nö, das Wetter war viel zu schlecht! (lacht) Aber sagen wir mal so: Wacken war sicherlich ein kleiner Höhepunkt. Wir waren das fünfte Mal, nur dieses mal Hauptbühne. Das war schon beeindruckend.


Ich habe den Auftritt gesehen und gerade dir hat man über die Leinwand schon ein Schimmern in den Augen angesehen!

Fuchs: Echt? Ja, man kann das emotional auch schlecht einschätzen. Es wird halt seit vielen Jahren vor der Bühne immer voller!


Du sagst immer voller? Da spielt ihr hier doch in einer relativ kleinen Halle, oder?

Volk-Man: Das ist ja schon eine große Halle!


Warum, wie viele Leute passen hier rein?

Volk-Man: 1500! Die Bühne ist leider nicht entsprechend groß und die Halle zieht sich schlauchmäßig nach hinten.


Auf dieser Tour habt ihr ja keinen festen Support, sondern immer lokale Band. Wie kam es denn dazu?

Fuchs: Na im Prinzip ist es ja keine zusammenhängende Headliner-Tour, sondern nur einzelne Auftritte am Wochenende, das macht es für die ein oder andere Band natürlich schwierig. Wir haben aber auch gar nicht explizit geschaut!
Volk-Man: Es gab aber auch so viele Anfragen. Wenn man die Tourdaten in Netz stellt, schreiben sowieso immer viele Bands und wollen uns supporten und weil es eben auch nicht zusammenhängend ist, wird es auch logistisch schwierig. Eine Band aus Stuttgart müsste uns auf der ganzen Tour hinterherfahren.
Fuchs: Oder stell dir mal ne Band aus Schweden vor…
Volk-Man: Deshalb haben wir den Veranstaltern gesagt, sie sollen in der Gegend schauen…
Fuchs: Das kommt den lokalen Bands ja auch zu Gute!


Und wie kam es zu dieser "Wochenend-Tour"? Hattet ihr Angst, dass ihr die Hallen nicht voll bekommt oder habt ihr alle noch "normale" Jobs?

Volk-Man: Das hängt so ein bisschen mit der Earthshaker-Tour zusammen, die ja auf halber Strecke liegen geblieben ist. Adelsheim ist zum Beispiel auch so eine Show, die ausgefallen ist und deshalb sind die Hälfte der Shows auf dieser Tour Nachhol-Shows. Wien waren wir schon, jetzt Saarbrüchen, Pratteln… Überall da, wo wir nicht waren, wollten wir sowieso noch mal hin. Und durch das Wochenende hat jeder die Chance hinzugehen, das ist einfach entspannter. Wir haben für RIDERS ON THE STORM außerdem schon eine große Tour, haben im Ausland eine Tour gespielt, waren im Sommer auf Open-Airs. Eine wirkliche Tour für diese Platte macht jetzt einfach keinen Sinn mehr!


Ihr habe mittlerweile also schon einen Status, dass ihr von der Musik leben könnt?

Fuchs: Wir machen es einfach, sagen wir es einfach mal so!
Volk-Man: Jeder von den Reitern macht nebenher noch kleinere Sachen, damit auch mal der Kopf frei ist.


Ich denke man kann schon sagen, dass ihr eine sehr fanfreundliche Band seid. Ich hab gerade die T-Shirt-Preise gesehen - 15 Euro - da kann man nichts dagegen sagen und auch das Ticket war mit 12 Euro relativ günstig. Schau ihr selber danach?

Fuchs: Man hat schon einen gewissen Einfluss darauf, wie die preisliche Gestaltung ist. Es ist immer ziemlich amüsant zu sehen, wenn sich eine andere Band hinstellt und sagt, sie habe mit der Sache nichts zu tun…


...wie Maiden zum Beispiel, die T-Shirts für 35, 40 Euro verkaufen und sagen, sie wissen nichts davon...

Volk-Man: Da macht man sich die Sache relativ einfach.
Fuchs: Man kann das sicher so machen! Aber wir sind das den Leuten auch irgendwie schuldig.
Volk-Man: Das ist auch nicht unsere Art! Wir haben in der Schweiz mal eine lustige Geschichte erlebt: Da kam der Veranstalter zu uns und hat gesagt, dass bei den billigen Preisen kein Mensch etwas kauft. Die Schweizer denken: billig gleich schlechte Qualität. Deshalb sollten wir die Preise höher machen. Das war schon eine sehr spezielle Erfahrung.
Fuchs: Wir haben auch schon einen Booker entlassen, unseren Österreich-Booker, der eine Show für über 20 Euro angeboten hat, obwohl es von uns eine genaue Regel gab, wo Schluss ist. Er hat sich aber nicht daran gehalten! Mit solchen Leuten werden wir dann eben nicht mehr zusammenarbeiten.
Österreich: Man muss auch immer sehen, wie groß ist die Halle, was kostet es…Aber es gibt von uns vorher immer eine Ansage, was wir uns als Obergrenze vorstellen.


Ihr steuert also alles selber?

Volk-Man: Gewissermaßen ja. Du kannst es jetzt auch nicht so machen, dass jede Show 12 Euro kostet! Es ist auch etwas anderes, ob du in Berlin spielst oder in Adelsheim, das muss man auch sehen! In Ostdeutschland hast du mit einer Show für 17 Euro Probleme, während die Leute in Stuttgart sagen, dass 17 Euro billig sind.


Was auch noch zum Fan-freundlichen gehört, ist, dass ich noch nie von einer schlechten Show von euch gehört habe. Spielt ihr auch schlechte Shows?

Fuchs: (lacht) Tja, wir geben uns halt Mühe! Ist echt schon Jahre her mit schlechten Shows…


Was macht für euch denn eine gute Show aus?

Fuchs: Na wenn es ordentlich abgegangen ist. Und wenn abgesehen von den Fans auch die Technik stimmt. Meistens hat man auch schon wenn man in die Halle reinkommt so ein Gefühl wie es wird. Das es aber wirklich schlecht war ist wirklich schon hundert Jahre her und da lag es an uns! (lacht) Meist ist es entweder der Wahnsinn oder es ist der totale Wahnsinn!!!


Wenn man z.B. Festivalberichte liest, dann steht meistens nur da: "Die Reiter haben auch gespielt" oder "es war geil wie immer." Viel mehr schreiben die Magazine gar nicht mehr!

Pitrone: Das ist fast schon ärgerlich! Man bereitet sich monatelang auf so eine Show vor und bekommt dann grad mal fünf Zeilen!


Was bei euch auf der Bühne natürlich auffällt ist die Figur des Dr. Pest.

Dr. Pest: (lacht) die Figur?


Ich denke das kann man schon so sagen, oder? Wie kam es denn eigentlich dazu? War es dir beim Keyboard spielen zu langweilig, weil du noch einen Käfig und dein "Kostüm" gebraucht hast???

Dr. Pest: So in etwa! Das war aber keine sprunghafte Entwicklung, sondern hat sich eben so entwickelt.
Volk-Man: Der Dr. fällt noch auf? Wir vergessen manchmal schon, dass da hinten einer steht (lacht)


Werdet ihr heute Abend ein Best-of-Programm spielen oder wie auf den Festivals eher die neuere Schiene?

Fuchs: Wir haben es im Vergleich zu den Festivals schon umgestellt, da hat man ja meist nur eine dreiviertel Stunde, Stunde…
Volk-Man: Ich denke so ähnlich wie auf den Festivals wird es schon, wir spielen aber schon von jedem Album Songs.


Spielt ihr dann die ganze Tour durch die gleiche Setlist?

Pitrone: Also bis jetzt hat es immer gewechselt, natürlich nicht komplett, das Grundgerüst ist schon immer gleich! Das gibt einem auch eine gewisse Sicherheit, wenn du auf die Bühne gehst und weißt, es gib einen roten Faden…
Fuchs: Wir spielen heute zum Beispiel auch wieder "Komm", das haben wir jetzt zwei Jahre nicht mehr gespielt. Da kam im Proberaum die Idee: "Sollen wir nicht mal wieder..?"
Volk-Man: Umso mehr Platten wir machen, desto schwieriger wird es auch Setlisten zu machen.
Fuchs: Jeder Fan hat halt sein Lieblingsalbum mit seinen Lieblingssongs, die er gerne hören würde und dann heißt es hinterher: "Warum habt ihr das und das nicht gespielt?"


Kann man eigentlich sagen, dass die Reiter eine demokratische Band sind?

Volk-Man: Ich denke schon!
Fuchs: Die Aufgaben sind aufgeteilt in gewisse Bereiche, je nachdem, wo die Talente des Einzelnen liegen. Jeder hat da dann auch seinen Freiraum…


Wenn man z.B. das Thema "Öffentlichkeitsarbeit" nimmt, dann machen das ja vor allem Volk-Man und Fuchs! (und hatten auch bei diesem Interview wieder die größten Anteile)

Fuchs: Das hängt sicherlich damit zusammen, wer den Job machen will oder ihn auch machen kann. Viele Fragen kommen ja zu den Texten und die kann eben ich am besten beantworten. Du stellst dir es jetzt vielleicht auch so leicht vor, ständig mit irgendwelchen Leuten zu reden. Gerade wenn du eine Platte promotest und du hängst wochenlang nur am Telefon von früh bis abends…


...und dabei wahrscheinlich noch immer die gleichen Fragen gestellt bekommst! Zum Beispiel diese Frage werdet ihr bestimmt nicht mehr hören können: Wenn man eure Alben chronologisch durchhört, dann stellt man eine Entwicklung fest! Viele sagen, es wird softer, ich würde aber eher sagen, dass ihr offener für Einflüsse geworden seid! Volk-Man: Also das definitiv!

Pitrone: Das Songwriting hat sich auch komplett verändert, man arbeitet viel ernsthafter an den Sachen, was sich auch in der Musik widerspiegelt.


Wenn man sich z.B. SOFT & STRONGER anhört, dann hört sich das Album deutlich weniger abwechslungsreich an als z.B. RIDERS ON THE STORM.

Fuchs: Da merkt man auch eine gewisse Reife. Wenn du mit zwanzig anfängst in einer Band zu spielen, dann willst du nur in der krassesten und extremsten Band überhaupt spielen und das verläuft sich mit den Jahren. Du schaust: "Ah, da gibt es ja auch noch etwas anderes!" Das können auch Sachen sein, die dich im Leben einfach beeinflussen.
Pitrone: Auch die Instrumente, die im Laufe der Zeit dazukommen! Ich war vor den Reitern auch in anderen Metalbands und da kam keiner auf die Idee auch einmal etwas mit Keyboards oder so auszuprobieren.
Fuchs: Es ist auch schrecklich sich zu limitieren! Zu sagen: "Ne, das klingt jetzt nicht genug nach Metal."


Wechseln wir mal das Thema: Letzte Woche war der 3.10. Tag der Deutschen Einheit. Ihr als "ostdeutsche Band", die auch noch viel rumkommt, könnt doch bestimmt beurteilen, wo der größte Unterschied zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland ist?

Fuchs: Es ist einfach so, dass es vier, fünf Städte im Osten gibt, die noch eine Konjunktur haben und beim Rest sieht es einfach furchtbar aus. Da schwebt die Glocke der Depression. Es gibt bei uns in der Nähe einen Landkreis mit 80 Prozent Arbeitslosigkeit und dementsprechend sind die Leute auch drauf!
Pitrone: Wenn du mit verbunden Augen in einen Club reingehst, merkst du gleich wo du bist. Nicht nur während des Gigs, sondern wie die Leute generell drauf sind.
Volk-Man: Es ist aber auch ein Unterschied, ob du in Hamburg spielst oder irgendwo in Bayern. Es gibt also nicht nur Ost-West, sondern auch Nord-Süd!
Fuchs: Und auch ob du wie jetzt hier in Adelsheim auf dem Land spielst oder wie in Hamburg in einer Großstadt! In den Großstädten sind die Leute verwöhnt, dass jeden Tag irgendwas ist.


Dann bedanke ich mich herzlich, dass ihr euch Zeit für mich genommen habt und wünsch euch für nachher viel Spaß und Glück auf der Bühne...


 
 
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