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Tom Hack von Massacre Records eröffnete mir die Möglichkeit im Rahmen der ‚Hell goes on Tour' am 22.01.2010 im Schlachthof in Eisenach ein Interview mit Disbelief zu führen. Nach dem Konzert, es ist mittlerweile gegen 2 Uhr und mächtig kalt draußen, lädt mich Karsten ‚Jagger' Jäger in den Tourbus ein. Während wir noch auf den Bassisten Jochen "Joe" Trunk warten, möchte mich Karsten noch mit alten Thrash-All-Time-Favorites beglücken, leider funktioniert der CD-Player nicht, so dass es mir nicht offenbar wird, um wen oder was es sich handelt. Schade! |
Datum:
Wir fragten...
| | Karsten: So, das ist schon seit 10 Tagen unsere Unterkunft. Ist schon heftig, vor um 9 Uhr (morgens wohl gemerkt) kommt man nicht zum pennen. Dann schläfst Du `ne Runde und weiter geht's.
Karsten zeigt mir erst mal den Bus, ehe wir uns an einem Tisch setzen.
Karsten: War das nicht klasse heute Abend?
Oh ja, könnte noch so weitergehen.
Karsten: Da bin ich sofort dabei.
Dann taucht Joe auf und begrüßt mich freundlich.
So ihr Beiden, ihr seid heute meine Probanden. Das ist mein erstes richtiges Interview.
Karsten: Hey, ein Rookie!
Ja, erst mal einen herzlichen Glückwunsch zum 20jährigen Bandjubiläum.
Joe: Danke, aber eigentlich ist es Karstens Jubiläum, er ist schon so lange dabei. Ich bin jetzt 15 Jahre in der Band.
Ich durfte Eure letzte CD Protected Hell reviewen. Für mich eine der besten Platten 2009 und sicher die beste Death Metal Scheibe.
Joe: Vielen Dank. Es freut uns, wenn Euch unsere Musik gefällt.
Eigentlich ist es ja nicht der typische Death Metal. Eure Musik hat so eine bittersüße Schwere, ja fast schon depressive Atmosphäre. Ihr selber seid doch nicht grundsätzlich so, oder?
Joe: Nein, eigentlich nicht. Mit Musik lassen sich halt bestimmte Empfindungen gut verarbeiten. Es ist unsere Art diese Gefühle so zu präsentieren.
Karsten: Stimmt, eine richtig typische Death Metal Band sind wir nicht. Ich denke wir haben alle wichtigen Metal Arten zu einer vereint. Damit haben wir eine eigene Nische in diesem Genre.
Absolut. Wie läuft die Tour bisher? Seid ihr zufrieden?
Karsten: Begonnen hat es eher nicht so gut. Richtig erfolgreich wäre die Tour, wenn Du jeden Abend 400 bis 500 Leute in der Halle hättest. Aber wir sind schon zufrieden, denn wenn Du wie heute über 200 Zuhörer hast, dann musst Du zufrieden sein. Das muss erst mal jemand erreichen. Irgendwie gab es zu dem Probleme mit der Bewerbung der Tour.
Joe: Ja, im Großen und Ganzen musst Du zufrieden sein.
Eigentlich feiert der Metal ja einen ziemlichen Aufschwung. Zumindest was die Festivals angeht. Die schießen ja wie Pilze aus dem Boden.
Joe: Die großen Festivals platzen aus allen Nähten und die kleinen kommen dabei kaum über die Runden. Ob das alles so sein muss, wage ich zu bezweifeln.
Spielt ihr dieses Jahr auf irgendeinem großen Festival?
Karsten: Wir würden schon gerne, aber das liegt nicht in unseren Händen. Mal sehen, ob es dieses Jahr was wird. Leider haben wir zu wenige Fürsprecher. Beim Summer Breeze zum Beispiel gibt es welche, die uns nicht mögen. Da hast du keine Chance. Beim Rock Hard Festival ist es ähnlich. Da setzt ein Gremium das Line-Up zusammen und da haben wir eben nicht genug Fürsprecher.
Joe: Machen wir uns nichts vor. Es geht rein und allein um die Kohle. Wenn Du genügend Platten verkaufst, dann kommen die nicht an dir vorbei. Da ist es egal, ob die dich mögen.
Ihr ward in den letzten 10 Jahren ziemlich fleißig. Ganze sechs Alben habt ihr veröffentlicht. Das ist eine ganze Menge. Gehen Euch die Ideen nicht aus?
Joe: Wir sind halt ziemlich kreativ. (lacht) Ich finde wir haben einen guten Rhythmus zwischen Tour und neues Album einspielen.
Karsten: Stimmt, eigentlich schon. 2001 erschien Worst Enemy. Man bot uns 2002 eine Tour mit Graveworm an, aber nur unter der Bedingung, dass wir nochmal was Neues herausbringen. Tja, da haben wir uns hingesetzt und Shine eingespielt. Das ist sowieso ein echtes Experiment gewesen. Nur ganze sechs Monate hat es gedauert zwischen einspielen und Veröffentlichung. Dabei konnten wir auch nicht in unsere damaliges angestammtes Studio gehen. Die hatten keine Zeit für uns. Da sind wir in ein Frankfurter Studio ausgewichen. Die hatten dort nicht wirklich mit solcher Art Musik bis dahin zu tun gehabt. Ein echt experimentelles Album also. War aber eigentlich das einzige Album, was wir unter Druck produziert haben.
Vor kurzem hat ja Alejandro Varela nach nur sechs Monaten die Band wieder verlassen. Waren es nur berufliche Gründe?
Karsten: Ja, Alejandro ist ja nicht richtig nach Deutschand gezogen, sondern immer wieder hin und her gejettet.
Wird die Position neu wieder neu besetzt?
Joe: Auf jeden Fall muss die Gitarre wieder neu besetzt werden.
Karsten: Für die Tour haben wir ja den deutschen Alex dabei (Alex Hagenauer von Soul Demise). Natürlich versuchen wir zu klären, ob er über die Tour hinaus leibt, aber ist ja auch in seine Band eingebunden. Mal sehen, was sich ergibt. Im März haben wir ja weitere Konzerte.
Ich habe im Internet gelesen, dass Maurice Swinkels (Legion of the Damned) schon einige Videos für Euch gemacht hat, u.a. auch für ‚A place to hide' von Protected Hell. Man kann die Handschrift durchaus lesen, wenn wir davon ausgehen, dass er auch für die Videos von Legion of the Damned zuständig ist. Wie kam es den zu dem Kontakt?
Joe: Das rührt noch von alten Nuclear Blast Zeiten her. Wir hatten denselben Manager.
Karsten: Die Labels stellen ein bestimmtes Budget dafür zur Verfügung. Und es hat sich damals halt angeboten. Ich denke schon, dass er die Videos für Legion of the Damned auch macht.
Wenn man selber auf der Bühne steht und Musik macht, geht man dann selber noch zu Konzerten?
Joe: Also ich muss mich erst mal outen, dass ich schon ewig auf keinem Konzert war, als Besucher versteht sich. Ist halt auch ein Problem. Entweder du bist mit der Band auf Tour, spielst eine Platte ein, oder gehst halt arbeiten. Zwischendurch braucht man ja auch mal seine Ruhe und will ein bisschen entspannen. Der komplette Jahresurlaub geht eh für die Band drauf. Aber ich habe mir vorgenommen das zu ändern. Ich möchte schon gerne mal wieder sehen, was andere so machen.
Karsten: Genau so ist es. Man braucht einfach zwischendurch mal seine Ruhe. Da geht man dann gar nicht fort. Joe kannst Du Dich erinnern, als wir zu Alice in Chains wollten? Ich war so kaputt, ich kam von der Couch nicht hoch.
Ihr habt also alle noch Jobs. Was sind denn das für Jobs? Im normalen Berufsleben kann man es doch kaum schaffen Band und Beruf.
Joe: Ich habe einen Teilzeitjob. Da klappt das ganz gut. Ich habe damit glücklicherweise keine Probleme.
Karsten: Klar da geht man keinem Beruf nach, an dem das Herzblut klebt. Also sowas wie Aufstiegschancen kannst du knicken. Da müsste man sich dann entscheiden. Beides zusammen geht gar nicht.
Karsten, Du hast in einem Interview mal gesagt, dass die Medien viel zu viel Platz in den Köpfen der Menschen einnehmen. Das war im Bezug auf Eure Texte und die gesellschaftlichen Probleme.
Karsten: Ja klar, schau Dir doch mal alles an. Nimm doch zum Beispiel mal die jungen Mädels von heute. Die wollen doch mit 14 oder sogar noch früher schon Erwachsene sein. Da wird geschminkt, geraucht, gesoffen und gepoppt. Die lassen sich doch von keinem mehr was sagen, außer dem Fernsehen, da wird denen auch noch weiß gemacht, dass das cool ist.
Stimmt, und die Eltern bezahlen auch noch die OP's für künstliche Brüste. Ganz toll. Naja, wie sieht es denn heute mit den Kleinsten aus. Die werden doch schon früh vor die Glotze gesetzt, damit die Eltern ihre Ruhe haben.
Karsten: Genau. Noch so ein Beispiel: Deutschland sucht den Superstar. Da sitzen die Eltern da und puschen die Teenies noch hoch, obwohl die nix können.
Joe: Hör mir bloß auf. Ich habe gar keinen Fernseher. Die machen einen doch nur blöde. Selbst solche seriöse Sendungen wie die Tagesschau. Top-Meldung, Michael Schumacher gibt sein Comeback. Haben wir keine anderen Probleme? Da hätte doch auch eine kurze Notiz im Sportblock gereicht. Ein paar Sekunden. Oder die Zeitungen… Bei der Arbeit habe ich letztens mal in der Bild geblättert. Da stand ein riesen Artikel, dass der Bohlen sich mit seinen Jury-Kollegen zerstritten hat. Geht's noch?
Es geht halt nur noch um Voyeurismus und Schadenfreude.
Joe: Genau, jeder sucht sich jemanden, dem es noch schlechter geht um von seinen Problemen abzulenken, statt sie zu lösen.
Was bedeutet Euch eigentlich Musik?
Karsten: Es gibt einem unendlich viel, wenn man von eigentlich ja wild fremden Menschen ausführlich berichtet wird, dass und wie man ihnen in sehr schweren Zeiten geholfen hat. Und das ist schon mehrfach vorkommen. Einer hat berichtet, dass er ziemlich schwer erkrankt war und sich nur mit viel Disbelief wieder erholen konnte. Ein wirklich unbeschreibliches Gefühl.
Joe: Es gab aber auch jemand, der hat uns berichtet, dass Disbelief immer beim Kacken gehört wird. Ich glaub das war so eine kleine Blonde.
Karsten: Das stimmt wirklich. (Stimme von hinten ‚Geht mir auch so', das war ein Tourbegleiter) (Alle lachen)
Nach und nach treffen auch die Mitglieder der anderen Bands am Bus ein. Es wird unruhiger und alles quatscht durcheinander.
Joe: So, jetzt lasst uns erst mal das Interview zu Ende bringen.
Gute Nachrícht für Euch. Eigentlich bin ich fertig. Wollt ihr Euren Fans noch ein letztes Wort sagen?
Karsten: Ja klar. Wahrscheinlich Ende April kommt ein neues Album von uns auf den Markt. Zum Jubiläum sozusagen ein Resümee. Es haben schon viele Leute gefragt, ob wir irgendwas zum 20jährigen machen. Also ein Album von uns für die Fans.
Joe: Hey, das war ein klasse Interview. Hat echt Spaß gemacht. Aufgeregt warst Du ja nicht, warum auch?
Die kleine Aufregung habt ihr mir schon vor dem Konzert genommen. Vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen habt. Alles Gute für den Rest der Tour. Man sieht sich bestimmt wieder.
Joe: Bestimmt. Wir haben zu danken, dass du dich/ihr euch für uns interessiert.
Karsten: Ja genau. Echt geiles Interview. Sag mal nennt man Dich auch Joe?
Ja, schon.
Karsten: Wieso nennt man sein Kind Joachim, wenn es doch jeder Joe ruft. (lacht) Okay, mach's gut, man sieht sich.
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Band-Infos:
| | www.disbelief.de  |
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