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Am dritten Mai spielten Extrabreit, die alten Herren des Deutschpunk, vor ausverkauftem Haus in Hamm. Kurz danach wurde mit NEUES VON HIOB das aktuelle Album der Hagener Legenden veröffentlicht. Frontmann Kai Havaii war so nett und stellte sich vor dem umjubelten Auftritt einem kurzen, aber ausführlichem Interview: |
Datum:
Wir fragten...
| | Hi Kai, wie geht es dir?
Kai Havaii: Gut, ich bin medizinisch stabil. Ich bin gut drauf, wir haben unser neues Album fertig und fangen jetzt gerade an, die neuen Sachen auch live zu spielen. Das ist auch immer spannend für uns. Dadurch, dass wir geografisch auseinander gezogen sind ist es immer etwas kompliziert zu proben. Ich hoffe mal, dass es gereicht hat. Wir haben gerade beim Soundcheck noch zwei Nummern zusammen gespielt, die wir noch nie vorher alle komplett gespielt haben. Es ging aber ganz gut und ich hoffe, dass es nachher auch klappt.
Am Freitag erscheint euer neues Album NEUES VON HIOB. Was kannst du uns über euer neuestes Album erzählen?
Es ist ein weiter Weg von der völligen Stille bis zum fertigen Album. Wir haben insgesamt sicher anderthalb bis eindreiviertel Jahr dran gearbeitet und Material gesammelt. Dann hatten wir eine sehr intensive Zeit im Homestudio in Hamburg, das war zum Teil auch sehr anstrengend. Aber ich glaube, dass es sich soweit gelohnt hat. Was man am Ende heraus bekommt weiß man am Anfang ja auch nicht so genau. Wir haben uns ja nicht ans Reißbrett gesetzt und gesagt, dass wir eine bestimmte Art von Album machen möchten. Es ist aber eins geworden, dass sicherlich in mancher Hinsicht ein klassisches Extrabreit-Album ist.
Klar klingt das heute alles anders und auch die Themen stammen mehr aus dem Jetzt. Die Ideen dafür kommen einem beim Fernsehen gucken, Buch lesen oder auch an der Straßenecke. Und daraus entstehen dann Texte. Ich glaube, es ist ein klassisches Rockalbum, ohne jetzt gänzlich unmodern zu sein. Manchmal gibt es da auch so Wellen, wo auf einmal etwas wieder modern ist was lange überhaupt nicht modern war. Aber darüber machen wir uns ziemlich wenig Gedanken.
Wir sind jetzt gespannt und haben diesen Titel NEUES VON HIOB gewählt…Erstmal stand das so im Raum als Idee und es ist ja auch so, dass man in Deutschland nahezu süchtig ist nach schlechten Nachrichten. Waldsterben, Ozonloch, Feinstaub - es muss halt nur möglichst apokalyptisch sein. Wir dachten uns außerdem, vielleicht macht der Titel ja auch ein bisschen neugierig.
Gibt es Bands, die euch für das neue Album beeinflusst haben?
Klar, es gibt Bands die wir gerne hören. Von The Hives bis zu Social Distortion. Aber selbst wenn es diese Einflüsse gibt kommt trotzdem immer etwas anderes dabei heraus. Wir wollen ja auch niemanden kopieren.
Wer hat das Albumcover designt und was wollt ihr damit ausdrücken?
Es ist eine Hommage an unsere Kindheit und an die Jerry Cotton-Hefte angelehnt. Ich fand die Ästhetik dieser Kriminalhefte schon immer ganz ansprechend und habe sowieso eine Ader für diese Art von Trash. Wenn man das Booklet ganz durchblättert wird sich das Artwork dem Fan noch weiter erschließen. Das ist bis ins Detail konsequent gemacht.
Das Album ist ja schon an die Presse gegangen. Bist du mit den bisherigen Reaktionen zufrieden?
Nein, es geht. Die "seriöse Musikpresse" ignoriert uns ganz gerne, worüber ich mich aber schon wunder und auch ärger. Aber andererseits sind wir viel gewohnt. Wir haben immer zwischen verschiedenen Stühlen gesessen, waren nie richtig Mainstream aber auch nie Indie genug.
Was ich zum neuen Album bisher gelesen habe ist zum Teil so albern, dass man es wirklich schon zitieren muss. Ich fasse jetzt zwei Kritiken in einer zusammen, wo man versuchte, uns musikalisch und stilistisch einzuordnen. Fünf verschiedene Sachen waren aufgezählt: Wolfgang Petry, Die Toten Hosen, die Böhsen Onkelz, die Ramones und AC/DC und davon können wir uns jetzt aussuchen, was wir sein wollen. Man muss da mit vielen Sachen leben und im Laufe der Jahre haben wir gelernt, uns da ein dickes Fell zuzulegen.
Ich bin der Meinung, dass die meisten Kritiker, mit denen ich zu tun hatte, emotional und intellektuell schwer verkrüppelte Menschen sind und man muss auch etwas Mitleid mit ihnen haben - wenn es nicht so wäre das sie tatsächlich auch etwas Macht haben.
Ihr blickt nun auf eine dreißig Jahre andauernde Karriere zurück. Was sind, in deinen Augen, die Highlights und Lowlights dieser langen Zeit?
Da gibt's natürlich viel. Für mich das erste und unwiederbringliche Highlight war zum ersten Mal mit dieser Band in einem Proberaum zu spielen. Das war auch nur möglich dadurch, dass es Punk gab und das es hieß: Wir sind alle Autodidakten, wir müssen erstmal nicht viel können.
Hart an der Grenze war es Anfang der Neunziger, da war die Band chemisch derart verseucht. Da war es auch nicht so einfach mal ein gutes Konzert zu machen.
Wie schätzt du die Punkszene in Deutschland heute ein und ist sie überhaupt mit den Siebzigern/Achtzigern vergleichbar?
Wahrscheinlich nicht vergleichbar. Natürlich begegnet man auf Festivals auch mal jugendlichen Punkbands. Auch fragen junge Bands an ob sie ein Stück von uns covern dürfen. Und das zeigt, dass wir wohl auch Platten gemacht haben, die über ihre Zeit etwas hinaus wirken.
Ihr spielt, soweit ich weiss, heute erst zum zweiten Mal in Hamm. Was erwartest du dir vom Konzert hier heute?
Ich hoffe, dass wir unsere neuen Songs unfallfrei darbieten können. Außerdem wollen wir selber Spaß haben und das Publikum sollte auch gut bedient werden. Man will hinterher das Gefühl haben, dass man sich abgearbeitet hat und es den Leuten Spaß gemacht hat - dann ist es ein gutes Gefühl.
Danke dir!

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Band-Infos:
| | www.die-breiten.de  |
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