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Interview: Gamma Ray
 
Gamma Ray - Henjo Richter (li.), Dirk Schlächter (re.)Spezialisierung kann verdammt gefährlich werden. Das durfte ich erfahren, als es kurz vor dem Gamma Ray-Interview hieß, dass ich nicht mit Kai Hansen, sondern mit Henjo Richter (Gitarrist) und Dirk Schlächter (Bassist) reden kann (da hätt es Wort gfählt). Nun, 90% der vorbereiteten Fragen waren auf Hansen zugeschnitten, welcher als Ex-Helloween-Mitglied maßgeblich zur historischen Bedeutung dieser Hellisch-Rock-Tour beitrug. Ich entschied mich für die Variante "Zweimal kurz durchatmen und ab die Post" und stellte den beiden eher spontan Fragen. Was sehr gut klappte, waren die beiden, frisch vom Auftritt zurück, doch in bester Laune. Aus den geplanten 15 Gesprächsminuten wurden dann sogar 30. Aber lest jetzt selber über Bühnensound-Verhältnisse, das neue Gamma Ray-Album LAND OF THE FREE 2 und erfahrt, wer tatsächlich für die Annäherung zwischen Gamma Ray und Helloween verantwortlich ist.

Datum:
 R.W., 29.11.2007

Wir fragten...
 Ihr seid jetzt frisch von der Bühne runter. Wie war's?

Henjo Richter: Heute war es gut. Ich hatte gar keine Erwartungen, weil ich den Laden nicht kenne. Finde es aber schön hier und es hat mir gut gefallen. Das Essen war gut, die Duschen prima, es ist warm genug, es ist großräumig, die Halle ist toll, die Bühne war groß und es waren viele Leute da. Das sind alles wichtige Dinge, die man im Vorfeld nicht abschätzen kann. Und die Stimmung war gut. Die Leute sahen sehr zufrieden aus. In der Schweiz ist es immer ganz lustig, weil das Publikum sehr durchmischt ist. Vorne hast du einen Pulk, wo alle abbangen wie die Blöden und hinten hast du mal einen der völlig ausflippt, einen der freakig ist und vielleicht einen, der nur so am zuhören ist. Also eine bunte Mischung. Aber ein geiles Publikum.


Wie war es bezüglich Problemen auf der Bühne. Dirk, hast du dich am Bass gehört?

Dirk Schlächter: Ja. Klar, ich meine der Bass ist immer zu leise bei Gamma Ray, das ist ganz normal. Ich sage da schon gar nichts mehr dazu. Ich sage da nichts mehr dazu!!! (spielt den Verärgerten)
Henjo: Das ist so ein Kampfpunkt, um welchen wir uns immer ein bisschen streiten. Ich mag nicht so gern viel Bass auf meinem Sidefield. Die Tieffrequenzen schieben nämlich die mittleren Frequenzen der Gitarre weg.
Dirk: Deswegen kriegst du in Zukunft auch keine Tiefen mehr, damit du hörst, was der Bass spielt. Und wenn ich dann mal nicht zur Probe komme, dann wundern sie sich: "Oh, ohne Bass klingt das ja doof!" Aber mich dann nicht hören wollen! Das passt dann auch wieder nicht so zusammen.
Henjo: (äfft Dirk nach)
Dirk: Ja, da sieht man es schon wieder wie es abgeht.
Henjo: Die kaschieren uns die Gitarren falsch.
Dirk: Aber ich muss sowieso immer dafür herhalten.


Aber das heißt nicht, dass du blind spielst, also dich gar nicht hörst?

Dirk: Hm... nein... gut aber. Aber man hört sich halt auf der Bühne nicht überall gleich gut. Vor allem wenn man die Situation nicht hat, dass der Monitormann wirklich die Bühne einsehen kann. Wenn der Monitormann die Bühne einsehen kann, dann kann er natürlich Henjo ein bisschen auf dem Sidefield reindrehen wenn er zu mir rüber kommt. Und umgekehrt komm ich da rauf, wenn ich zu ihm komme. Und ansonsten gibt es natürlich auch Momente, die man blind spielen kann.
Henjo: Also der Japaner macht das. Der macht das sogar unaufgefordert. Also wenn man auf die andere Bühnenseite geht, dann zieht er einen da hoch.


Also in Japan?

Henjo: Ja, in Japan. Ja, da passiert so was. Automatisch.
Dirk: Wie gesagt, es gibt da auch Stellen wie auf diesen Reiser neben dem Schlagzeug. Also wenn wir da hochgehen, dann wissen wir, dass da bei uns kein Monitor steht. Die Helloween-Bühne hat da Gitterreiser. Da stehen Monitoren drunter. Das heißt, wenn da jemand hoch geht, dann hört er sich da auch. Und wenn wir da hoch gehen, dann sind wir schon sehr auf uns gestellt, dann hörst du nicht mehr viel. Und dann muss man einfach nach Gefühl spielen und nicht daneben greifen. Man kennt die Songs eigentlich und man sollte das drauf haben, auch mal kurz ein paar Takte blind zu spielen.
Henjo: Man geht dann auch an Stellen hoch, wo das gut funktioniert. Dirk hat ja auch mal Gitarre gespielt und er hat mal gesagt, dass er es nachvollziehen kann, wenn ich zum Spielen einen guten Sound wünsche. Für mich ist es voll scheiße, wenn ich mich nicht hören kann. Dann mag ich auch nicht spielen. Ich kann dann auch keine Spiellust entwickeln. Und da hast du mal gesagt, dass dir der Unterschied aufgefallen ist, als du wieder zum Bass gewechselt hast. Also dass das damit eher geht.
Dirk: Man kann auf jeden Fall mit einem schlechten Sound mit dem Bass viel leichter leben, als mit der Gitarre. Also wenn man sich überhaupt hört, ist dass auch sehr schön, aber als Gitarrist muss man irgendwie auch einen schönen Sound haben, um arbeiten zu können. Als Bassist ist es eher wichtig, dass man sich überhaupt hört. Und der Sound ist dann nur noch ein Kontrollding, damit man weiß, dass man in der richtigen Lage ist, wenn man mal gerade nicht auf das Griffbrett guckt. Aber bei der Gitarre ist es schon wichtig, dass man auch einen vernünftigen Sound hat, den man so ein bisschen ausleben kann. Das ist auf dem Bass nicht ganz so schlimm. Da stimmen mir auch viele Bassistenkollegen zu. (lacht) Weil den Traumsound hast du eigentlich ganz selten. Du hast auf einer Tournee schätzungsweise von 10 Shows so zwei Mal einen richtig geilen Sound auf der Bühne und ansonsten ist das eher so okay. Also man kann damit arbeiten und man produziert für die Leute und die PA einen guten Sound. Aber das, was auf der Bühne passiert, ist dann schlußendlich ein reines Monitoring. Dafür sind Monitore ja auch da, damit man hört, was man macht und das hat nicht oft so mit Spass und Traumsound zu tun.
Henjo: Man hat ja auch keinen Mix auf der Bühne. Also z.B. höre ich auf meiner Seite von Kai (Hansen) fast gar nichts. Wenn ich für die zweistimmigen Geschichten in die Mitte gehe, dann bläst er mich von hinten an und ich hör mich kaum. Also du hast keinen wirklichen PA-Sound, das geht ja auch gar nicht. Es sei denn, man würde mit In-Ear (Ohrmonitoring) spielen. Vielleicht machen wir das irgendwann einmal. Weil im Moment kommen immer wieder Diskussionen auf, ob man das vielleicht ein bisschen komprimiert weil das immer wieder Probleme gibt mit dem Monitorsound auf der Bühne. Aber schließlich sind wir immer noch eine Rock'n'Roll-Band und mit Stöpseln...
Dirk: Wir spielen keinen Rock'n'Roll. Wir sind eine Metal-Band.
Henjo: Ja, also das ist für mich auch der nächste Schritt nach dem Rock'n'Roll.


Aber wieso funktionieren denn diese wahnsinns Lead-Gitarren-Doppel-Dinger? Also wieso passt es zusammen, obwohl ihr euch fast nicht hört?

Henjo: Na gut. Ich habe ja gesagt, dass ich zu ihm in die Mitte rüber gehe.


Ja, aber dann hörst du dich nicht mehr.

Henjo: Hm ja, doch genug. Dann höre ich ihn natürlich lauter. Dann höre ich ja, wo er ist. Dann höre ich auch, welches Timing er gerade spielt und kann ihm genau folgen. Aber letztendlich haben wir das oft genug geprobt, so dass wir das dann auch spielen können. Dirk: Man groovet sich halt ein. Und dann geht es eben auch manchmal ganz blind, oder ganz taub. (lacht)


Zu einem ganz anderem Thema. Herzliche Gratulation zum neuen Album. Fand es spitzenmäßig.

Henjo: Das freut uns.


Ich habe der neuen Helloween die gleiche Punktzahl gegeben, damit die Diskussion darüber, welches Album besser sei, erst gar nicht aufkommt. Weil ihr euch ja schon ziemlich klar von Helloween unterscheidet.

Henjo: Das stimmt. Wenn du jetzt mal die beiden Alben so nebeneinander hörst, dann hörst du schon große Unterschiede. Wir hatten gestern in Mailand eine Autogrammstunde, und da hat der Inhaber der Location immer so zwei Songs von Helloween, zwei Songs von Gamma Ray gespielt. Und wenn man das mal so richtig im Vergleich hört, dann merkt man, dass das schon ein unterschiedlicher Sound ist. Ich weiß jetzt nicht, wie ich das zuweisen soll. Aber es klingt unterschiedlich. Wir machen ein anderes Zeugs.


Ihr seid meistens schneller.

Henjo: Na?


Nicht?

Henjo: Wir sind vielleicht ein bisschen rauer, teilweise.
Dirk: Wobei der Sound von der neuen Helloween-Scheibe gerade in Bezug auf den Gitarren-Sound sehr aggressiv für Helloween ist, sehr heavy. Und das Riffing hie und da ist sehr heavy und wird auch sehr gut von den Rhythmus-Gitarren unterstützt. Das hat mich sehr gewundert. Das ist mir irgendwie auch positiv aufgefallen.
Henjo: Also für Insider vielleicht, also für Gitarristen, die was davon verstehen: Wir haben mehr den "modern high gain preset sound" und Helloween fährt mehr den "Rectifier Sound". Die spielen auch noch einen Halbton tiefer als wir. Stimmt, die haben das neue Album sogar in zwei Halbtöne, also wiederum in originalen Tönen aufgenommen. Die spielen das Album sogar zwei Halbtöne tiefer als wir.
Dirk: Haben die das Album in D aufgenommen? Ich weiß es nicht.
Henjo: Also ich möchte jetzt nichts Falsches sagen. Wir haben auf jeden Fall dieses Jahr das neue Album in Originaltönen aufgenommen. Was natürlich schon wieder einen ganz anderen Sound gibt.
Dirk: Es wirkt dadurch einfach härter selbst wenn man nicht hart spielt. Weil die Seitenspannungen von Gitarren und Bass sind damit höher. Und dadurch klingt alles einfach etwas mit mehr Spannung. Das ist wirklich so. Das ist eine physikalische Sache. Und wenn du runter gestimmt spielst, klingt es auch ganz anders. Dieser Trend breitet sich im Moment ja ziemlich aus. So Bands wie Bullet For My Valentine oder Killswitch Engage spielen in Drop-C. Das heißt, dass die ganzen Instrumente einen Ton runter gestimmt sind. Und die tiefe E-Seite noch einen Ton. Da bist du dann bereits schon sehr weit im Bassbereich. Und das wird dadurch natürlich auch weicher. Zwar tiefer aber eben auch weicher, weil die Seitenspannung dann auch entsprechend tiefer ist. Man muss dann dickere Seiten drauf spannen, aber die Spannung ist dann eben trotzdem nicht so wie Original.
Henjo: Es ist dann vor allem auch nicht mehr wirklich tonal, richtig fest und ortbar. Ich habe jetzt auf der neuen Avantasia ein bisschen mitgespielt. Und die ist auch in D. Also auch zwei Dinger runtergetunt. Und als ich so die Soli dazu gespielt habe, da war der Bass tonal nicht mehr richtig zu ordnen. Wenn du jetzt nur Bass und Schlagzeug hättest, dann würde es wahrscheinlich keiner merken. Oder ich würde es gar nicht merken, ob ich jetzt richtig oder falsch spielen würde. Da brauchst du dann schon Keyboards, um wieder diese Ordnung zu finden. Dieser Sound geht dafür halt direkt in die Magengrube.


Zurück zum neuen Album. LAND OF THE FREE stellte damals einen Neuanfang dar mit Kai Hansen zurück am Gesang. Wo seht ihr den Neuanfang bei Part 2. Ist das vor allem die neue Plattenfirma oder gibt's da mehr?

Dirk: Das mit der Plattenfirma war noch gar nicht klar, als wir angefangen haben, LAND OF THE FREE 2 aufzunehmen. Da war erstens noch nicht klar, ob die Scheibe tatsächlich so heißen wird und zweitens, bei wem die neue Scheibe veröffentlicht wird. Was da mit Century Records abging, war damals völlig unklar. Und der Wechsel zu SPV hat sich dann erst ergeben, als die Scheibe bereits fertig war. Und was heißt Neuanfang... Das war alles so nicht geplant. Die Idee kam so bei den ersten paar Songs auf, die uns irgendwie ein bisschen an LAND OF THE FREE erinnert haben. Und der Spirit war ähnlich. Seit wir im neuen Studio sind, haben wir eine sehr entspannte und relaxte Atmosphäre. Und das merkt man halt auch. Das Banner des LAND OF THE FREE 2 wurde dann anschließend so eine Orientierung für die nächsten Songs, die dann noch komponiert wurden. Das war dann so ein wenig eine Guideline. Aber weit weg von einem Konzept sondern mehr so als Orientierung. Und textlich gesehen hast du mit LAND OF THE FREE sowieso alles offen. Das sagt der Titel ja an sich schon. Und darum, Neuanfang... Vielleicht haben wir uns...
Henjo: Also Neuanfang schon. Wie du schon gesagt hast, mussten wir unser altes Studio verlassen. Wir waren da seit Anfang in diesem Bunker drin ohne Tageslicht, was auch sehr schön war. Aber wir mussten da raus. Das heißt, es ist das erste Album, welches wir im neuen Studio mit Tageslicht und Blick aufs Wasser aufgenommen haben. Und so gesehen ist es schon ein Neuanfang. Und was vielleicht noch ganz wichtig ist, ist das letzte Album MAJESTIC. Dieses wurde eher als düster und Gamma Ray-untypisch eingestuft. Was ich eigentlich so gar nicht empfinde. Aber man hört das ständig und immer wieder...
Dirk: Das ist den Leuten auch in den Mund gelegt worden. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das die gesamte Presse nachlabert. Aber nichtsdestotrotz war es wirklich so, dass diese Stimmung bei der MAJESTIC gerade in den letzten 3 Monaten besonders war, weil wir wussten, dass wir aus dem Studio raus mussten. Und das hat eine böse Stimmung verursacht. Dann war auch die Produktion unter uns ein bisschen verkrampft und angespannter. Also angespannter als bei anderen Produktionen auf jeden Fall. Hinzu kommen die privaten Situationen von allen, die nicht so rosig waren. Man ist nicht so entspannt ins Studio gekommen und man stand generell ein bisschen mehr unter Spannung. Das merkt man irgendwie auch. Das neue Album ist jetzt wesentlich entspannter und relaxter.
Henjo: Deswegen haben wir uns auch erstmals diese Guideline zu LAND OF THE FREE festgelegt. Also zu dieser positiven Aussage.


Was auch sehr geil ist, ist das neue Cover. Wer hatte die Idee dazu oder kam sie vom Maler?

Henjo: Na, letztlich hat er was angeboten, der Herr Hervé (Monjeaud http://herve-monjeaud.com). Und das haben wir dann immer mehr verfeinert. Die Idee war ein bisschen frei. Es ging uns ums Thema Freiheitsstatue. Also so als Symbol für LAND OF THE FREE eben. Aber nicht so mit diesem Friede, Freude, Eierkuchen. Weil, was da alles dahinter steckt, ist ja auch gar nicht so schön, wie es auf den ersten Blick aussieht. Und das sollte diese Freiheitsstatue irgendwie symbolisieren, also auch die Schattenseiten. Das war so der Grundgedanke dabei. Monjeaud hat dann verschiedene Entwürfe gemacht und damit haben wir dann die Idee verfeinert und ihn gelenkt. Es sollte auch einen Bezug zum ersten LAND OF THE FREE haben. Und so hat sich das dann entwickelt.
Dann wollten wir natürlich auch so ein paar Teile drauf, welche wir immer benutzen. Wie unsere Pyramiden, oder die Wächter, und so ist es gewachsen. Also letztendlich hat da vor allem Kai unheimlich viel mit dem Maler kommuniziert, mit dem Herr H. Monjeaud, dem Franzosen. Denn der bietet sich immer an. Und dann entstand das Cover so Stück für Stück. Bis wir dann mal gesagt haben, dass wir das jetzt so gut finden.


Kommen wir jetzt noch kurz zur Helloween-Geschichte. Ich habe vorher mit Michael Weikath gesprochen. Er hat mir erzählt, dass die Annäherung zwischen ihm und Kai Hansen von Henjo ausgegangen sei.

Henjo: Ja, das war ich. Das ist eine normale, logische Geschichte. Also bevor ich zu Gamma Ray gekommen bin, hing ich halt mit den Helloween's rum. (lacht)


Hast du mit denen gespielt oder warst du eher so in den gleichen Kneipen wie sie?

Henjo: Ich habe z.B. mit Markus (Grosskopf) zusammen in einer Band gespielt (wahrscheinlich bei Easy Livin http://www.elephant-place.de/Easy-Livin/) und ich auch mit Uli (Kusch, mittlerweile Ex-Schlagzeuger von Helloween, Mitgründer von Masterplan und heute bei Ride The Sky). Weiki ist mein bester Freund und hat damals eine Band von mir produziert. Das war aber nur so ein Demo ohne Plattendeal. Und von daher kannte ich sie alle.
Ich bin ziemlich früh bei Helloween dabei gewesen und hatte auch viel mehr Zeit als heute (lacht). Damals hatte man ja eh viel mehr Zeit. Und darum hing ich bei allen Studioproduktionen so mit rum. Und wir hatten auch immer schön über Gamma Ray gelästert.
Damals war das von Weiki aus schon schwierig. Ich würde nicht Feindschaft sagen, aber es war definitiv keine gute Stimmung zwischen den beiden Bands. Und dann kam ich nun zu Gamma Ray rein. Also gerade so zum Todfeind, böse ausgedrückt. Da saß ich natürlich dann total zwischen den Stühlen. Ich hatte da im Vorfeld also sehr viel Negatives über Gamma Ray gehört, mir aber selber kein abschließendes Bild gemacht, sondern wollte das selber sehen. Ich habe das dann nicht so empfunden. Und dann hat man das so alles ein bisschen miteinander verbunden. Und es kam dann langsam wieder zusammen.


Heißt das, dass es auch ein bisschen dein Verdienst ist, dass die beiden Bands heute zusammen auf Tour sind?

Henjo: Das würde ich so nicht sagen. Vielleicht habe ich dazu beigetragen, dass es passiert ist.


Viele Fans können dir also dankbar sein.

Henjo: Also ich hoffe jetzt nicht, dass ich nun Morddrohungen von irgendwelchen Hardcore-Fans bekomme, die das nie sehen und hören wollten (lacht).


Kommen wir noch zu einem mittlerweile leidigen Thema. Das ist die Gamma Ray-DVD. Wann kommt die jetzt?

Dirk: Da müssen wir uns bei allen entschuldigen. Weil wir da immer wieder gesagt haben, dass sie jetzt dann kommt, und dann ist sie doch nicht gekommen. Der letzte Todesstoß war jetzt natürlich die Situation mit der Plattenfirma. Die DVD an sich ist schon lange fertig. Aber SPV war jetzt definitiv nicht in der Lage, das neue Album und die DVD gleichzeitig raus zubringen.
Für uns war es wichtig, dass die aktuelle Scheibe noch rechtzeitig zur Tour in den Läden steht. Was auch gerade so noch hingehauen hat. Und da gleichzeitig noch die DVD raus zubringen, war Manpower-mässig überhaupt nicht möglich, also inklusiv der Werbung. Das heißt, dass sobald die ganzen Promo-Aktivitäten zur neuen Scheibe vorbei sind, sollte das mit der DVD anlaufen. Also die wird mit Sicherheit (lacht), ich möchte es ja schon fast nicht mehr sagen, im nächsten Jahr auf jeden Fall vor dem Sommer noch rauskommen. Das ist definitiv so geplant.


Gibt es auch Pläne, auf dieser Tour eine DVD mitzuschneiden?

Dirk: Ich möchte ja nichts dazu sagen, aber mir sollte man damit besser nicht kommen.
Henjo: Also was heißt Pläne? Es wurde im Vorfeld darüber gesprochen und die Sache abgecheckt. Es wird mit Sicherheit noch mitgefilmt werden. Das lässt man sich nicht entgehen. Schon wegen diesem Happening alleine. Also wenn man da nicht was mitfilmt und das zumindest bereithält. Aber ob das jetzt eine wirkliche Tour-DVD wird, sei mal dahin gestellt. Es kann auch sein, dass es als Bonusmaterial für eine DVD verwendet wird. Aber es wird garantiert was aufgezeichnet, da bin ich mir ganz sicher.


Wacken wäre ja was, weil da eh schon die Kameras bereit stehen.

Henjo: Ja, die Kameras stehen dort unter anderem auch bereit, weil da die Avantasia-Aufzeichnung stattfinden wird.


Also wäre es doch ideal dort. Zumal du dort ja wahrscheinlich eh sein wirst?

Henjo: Ja. Das muss ich mir frei halten (lacht). Also Avantasia werden ein paar Festivals spielen. Auf dem Sweden-Rock soll es anfangen und ich muss natürlich sehen, dass man dass ein wenig koordiniert kriegt. So dass wir mit Gamma Ray an den gleichen Tagen nicht wo ganz anders sind. Damit ich beides machen kann.


Du könntest ja die Forderung stellen, dass man Avantasia nur zusammen mit Gamma Ray und Helloween kriegt?

Henjo: Nein, nein. Ich weiß gar nicht, ob ich das könnte. Aber das wäre natürlich ein Super-Paket (lacht). Dann hätte ich auch ganz schön viel zu tun und garantiert keine Langeweile.


Wenn ihr dann noch Jorn mit seiner Band dazu packen würdet, bräuchtet ihr fast keine anderen Bands mehr auf den Festivals.

Henjo: Ja schon. Das ist eigentlich eine gute Idee... Nein, nein. Es gibt ja genug große Festivals. Und da irgendwie noch was ganz Neues zu machen, ist übertrieben. Das haben ja dieses Jahr Manowar gemacht. War das nicht bereits das 2. Mal?
Dirk: Das war das erste.
Henjo: Die haben ja ihr eigenes Festival gemacht, wo wir auch gespielt haben. Das funktionierte. Aber es funktionierte wohl auch deswegen, weil es mit 10 oder 20 Euro Eintritt für ein 2-Tages-Ticket sehr günstig war. Und damit haben sie natürlich reichliche Leute gekriegt. So kann man so was noch machen. Ansonsten gibt's ja genügend Plattformen.


Und die Leute haben dafür wahrscheinlich noch für 100 Euro gesoffen?

Henjo: Wahrscheinlich (lacht). Das weiß man nicht. Irgendwie wird sich das schon finanziert haben.


Die Tour geht noch 3 Monate, unter anderem mit Japan-Konzerten. Gibt es Orte, auf welche ihr euch besonders freut?

Henjo: Jetzt überhaupt komplett?


Ja, so gesamthaft.

Henjo: Ja, wo freut man sich besonders drauf? Also Japan freue ich mich immer besonders drauf. Ich mag das da sehr gerne. Es ist irgendwie ein ganz anderes Land. Es ist immer gut da, mit den besten Voraussetzungen. Südamerika ist immer toll. Das einzige, worauf ich mich nie freue, sind die Flüge. Flüge und Fährfahrten. Ansonsten freue ich mich nicht auf irgendwas ganz besonderes. Da müsste man vielleicht auch umgekehrt überlegen. Wo ist man eigentlich nicht so gerne?


Ist das wegen Flugangst?

Henjo: Das ist wegen dem Gleichgewichtssinn. Ich mag es nicht, wenn es schaukelt.


Und bei dir?

Dirk: Ach, ich denke, dass ich eigentlich überall sehr gerne spiele. Und Japan wird bestimmt sehr schön, weil das immer so schön organisiert ist, und man da weiß, was einen genau erwartet. Also jetzt von der Organisation her. Also nicht von den Fanreaktionen.
Das weiß man natürlich nicht. Aber ansonsten... Es gibt da keine Nervereien, irgendetwas was nicht da ist, z.B. Backstage. Oder irgendwas, was man bestellt hat und dann nicht da ist. Das gibt es da einfach nicht. Da ist alles immer sehr, sehr korrekt. Und das macht es einem schon sehr bequem. Und deswegen fühlt man sich da auch wohl.
Henjo: Und lecker essen! Es gibt da immer sehr gutes und gesundes Essen.


Gibt es Türen, die euch durch dieses Package jetzt erst geöffnet werden?

Dirk: Eigentlich nicht. Okay, es sind beide Seiten da. Es gibt in gewissen Ländern jetzt plötzlich Promotern, die an uns interessiert sind. Z.B. wird jetzt in diesen Tagen die Südamerika-Kiste festgemacht, wo Gamma Ray noch gar nie gespielt haben. Also z.B. Ecuador. Oder Costa Rica ist drin. Wobei wir in Costa Rica schon einmal gespielt haben. Das sind also Promoter, die sich uns einzeln nicht leisten könnten. Da hat es also was bewegt. Auf der anderen Seite gibt es auch umgekehrt Sachen, wo Promoter sagen, dass sie das gerne machen würden, aber dass sie damit auch nur ihre Halle oder ihren Club voll kriegen würden. Und dann wollen da zwei Bands und eine doppelte Crew irgendwie bezahlt werden, was dann nicht mehr drin liegt. Das heißt, dass es auch den umgekehrten Effekt gibt, dass man irgendwo nicht spielt mit diesem Paket.
Henjo: Aber das entwickelt sich noch. Man merkt das daran, weil jetzt wieder Shows dazu gekommen sind. Für uns ist es sofern auch ganz gut, als dass wir schon an Orte hinkommen, wie z.B. Istanbul, wo ich nicht weiss, ob wir da sonst je gespielt hätten. Genauso verhält es sich mit Russland, wo wir zwei Shows gespielt haben. Also es wird ein bisschen grösser, was man schon merkt.


Die Sendung (Interview wurde fürs Taktlos Metal auf Radio Kanal K und Rockstation geführt) wird kurz vor Weihnachten ausgestrahlt. Habt ihr irgendwelche Weihnachtswünsche, welche euch die Fans nach Hamburg schicken können?

Dirk: Ich muss gestehen, dass ich überhaupt nicht der Weihnachtstyp bin. Ich versuche das schon seit Jahrzehnten meiner Familie beizubringen, dass ich nichts geschenkt haben will und auch nichts schenke. Was natürlich für die Kids nicht so toll ist. Ich habe für die vor ein paar Jahren auch den Weihnachtsmann gespielt. Aber letztendlich findet bei mir gerade diese Geschenke-Aktion überhaupt nicht statt. Denn der eigentliche Gedanke von Weihnachten ist ein anderer. Also wenn man jetzt gläubiger Christ ist, sollte man auch Weihnachten feiern. Und als Fest finde ich das auch okay. Wenn man das aber nicht ist und kein praktizierender gläubiger Christ ist, (das klingt jetzt ganz blöd), aber dann sollte man das Ganze einfach vergessen und es links liegen lassen. Weil letztendlich ist es nach aussen hin und in den Medien ein reines Geschäftsding und ein riesiges Business. Und da kann ich mich überhaupt nicht damit anfreunden.
Henjo: Also womit ich mich anfreunden kann ist die Weihnachtsstimmung. Die mag ich eigentlich total gerne. Weil innerhalb meiner Familie wird das immer sehr eigen, aber sehr weihnachtlich praktiziert. Mein Bruder hat zwei kleine Kinder und ich habe ja selber keine. Das ist ein sehr gemütliches Fest, wo man als Familie zusammen ist. Ich finde das sehr angenehm. Das einzige was mich nervt ist der Weihnachtsrummel, welcher von Jahr zu Jahr früher losgeht. Ich gehe dann am liebsten gar nicht mehr auf die Strasse. Man merkt es bereits Monate vorher wenn man in ein Einkaufszentrum geht, wie rappelvoll das alles ist und wie die Leute alle gestresst sind. Das nervt mich. Aber Weihnachten an sich finde ich eine angenehme Zeit. Das hat was. Es hat besondere Düfte, eine schöne Atmosphäre. Wir haben ja zu letzt auch mal so richtig Weihnachten mit Schnee gehabt. Also ich finde das echt romantisch.


Wir sind am Ende. Habt ihr noch eine wichtige Botschaft an eure Fans?

Henjo: Seid einfach tolerant und friedlich. Steht für eine gute, bessere Welt ein und kämpft dafür.
Dirk: Da könnte man jetzt solche Themen-Kisten auftun? Und deswegen sage ich einfach nur: "Keep The Faith!" Das ist so mein Standartspruch.
Henjo: Ja, lebt die Wahrheit!
Dirk: Folget nicht den dummen Demagogen.
Henjo: Ja, lasst euch nicht mit jedem Quatsch anstecken, hinter welchem ihr selber nicht steht.
Dirk: In Deutschland würde man sagen: ?Kauft keine Bild-Zeitung!?
Henjo: Und kuckt kein Fernsehen!
Dirk: Ja, und kuckt kein Fernsehen! Und seht zu, dass ihr euch irgendwo gescheit informiert über das, was in der Welt so los ist. Und lasst euch nicht verblenden!
Henjo: Ja, man muss ja nicht immer alles glauben.


Vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit für ein Interview genommen habt.


 
 
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