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Jon Oliva's Pain
 
Jon OlivaJon Oliva gehört zu mit zu den authentischsten Persönlichkeiten im Musikbusiness. Mit Jon Oliva's Pain hält er die Fackel von Savatage und seines verstorbenen Bruders Criss am lodern. Und wie! Global Warming ist ein erneutes Hammer-Album und seine Konzerte gehören jedes Jahr zu den absoluten Highlights. Dass dabei auch eine große Tragik mitspielt und welche Rolle das Trans-Siberian Orchestra spielt, erfahrt ihr mit den folgenden Zeilen.

Datum:
 R.W., 01.05.2008

Wir fragten...
 Herzliche Gratulation zum neuen Album GLOBAL WARNING.

Jon: Danke dafür.


Gibt es einen Zusammenhang zwischen GLOBAL WARNING und "Global Warming" (Globale Warnung und Globale Erwärmung)?

Jon: Nein, nicht wirklich. Global Warming ist über das Klima. Und dieses war einfach ein Buchstabenspiel. Wir haben einfach das 'm' durch ein 'n' ersetzt. Wir haben das als eine Art Thema für die CD gewählt. Aber es bedeutet nicht dasselbe.


Ich dachte nur daran, als ich die Skelette auf dem Frontcover sah. Die schienen ein Bisschen warm gehabt zu haben.

Jon: Ja, die hatten es ein Bisschen warm, wie getoastet.


Aber das meint der Titel GLOBAL WARNING nicht?

Jon: Nein, überhaupt nicht. Das Bild symbolisiert so ein wenig das Ende der Welt. Also z.B. die Welt nach einem Atombombenabwurf. Bump, und schon lebt niemand mehr. Tragisch, tragisch.


Also tragische Momente auf den Covers von Jon Oliva's Pain?

Jon: Ja, tragische Momente. Wie sie immer wieder vorkommen (macht Kriegsgeräuche und lacht)


Insgesamt ist GLOBAL WARNING mehr experimentierfreudig als die letzte CD?

Jon: Ja, wir haben darauf viele verschiedenen Sachen. Wir wollten das Album abwechslungsreich halten. Es ist auf viele Arten experimentell. Ich habe das den Leuten nach den Aufnahmen vom letzten Album MANIACAL RENDERINGS auch erzählt. Ich habe da angekündigt, dass ich auf dem nächsten Album ein Bisschen herum basteln werde, und dass ich verschiedene Sachen machen werde. Und das habe ich jetzt auch getan. Nun, viele mögen das Album sehr, und andere, habe ich gesehen, mögen es weniger. Aber du kannst einfach nicht alle Leute glücklich machen. (lacht) (äfft nach) Aber was willst du dagegen tun, da scheinen wir ein oder zwei Arschlöcher da draußen zu haben?


Es geht nicht so leicht ins Ohr, aber wenn du die Zeit dazu nimmst, klappt es.

Jon: Da bin ich mit dir einverstanden. Das ist so.


Du hast mir vor einem Jahr erzählt, dass Jon Olivas Pain die Band ist, mit der du alles machen kannst, ohne auf irgendwelche stilistische Grenzen oder so achten zu müssen. Ist das neue Album als Statement dazu zu verstehen?

Jon: Ja ich denke, das ist so. Das neue Album zeigt deutlich, dass die Vielfalt in der Band wirklich da ist. Ich meine auf dem neuen Album sind sehr viele verschiedene Musikstile drauf. Von wirklich hartem Zeugs bis zu sehr leichtem und weichem. Ich mag am meisten melodische Sachen. Ob es jetzt sehr heavy oder in der Balladenform kommt. Es sind die Melodien, welche? (lautes schnaufen/schnarchen) oh, das ist nur Matt (LaPorte, Leadgitarrist). Er ist müde. Er ist ein müder junger Mann. Also das ist halt mein Stil. "Oh, jetzt habe ich den Faden verloren, dank diesem Mann". Nächste Frage! (lacht)


Okay. Ich habe den Faden ebenfalls verloren. Auf dem Album sind Lieder, deren Fragmente sehr alt sind und sogar bis in die frühen Avatar-Tage (Vorläuferband von Savatage) zurückgehen. Eine coole Sache?

Jon: Ja, das ist eine coole Sache. Wir haben sehr viele Criss Oliva-Stücke auf dem Album, was sehr nett ist. Es sind Songs wie "Look at the World", kleine Teile von "Firefly", "You never know", "Stories", der Bonustrack "No more Saturday Nights". Es hat von ihm Musik in all diesen Songs. Was sehr cool ist. Es ist Zeugs, welches du niemals hören könntest, würde es kein Jon Oliva's Pain geben. Du würdest es nie hören. Und das ist der Grund, wieso wir diese einflechten. Es ist einer der Gründe. Um es sind die Reste seiner Lieder, oder der Rest der Musik, an der er gearbeitet hat, bevor er endgültig gegangen ist. So können es die Leute hören.


Also sind Criss Ideen auf sechs Liedern zu hören. Du hältst ihn damit wirklich am Leben.

Jon: Ja, irgendwie schon. Meine Frau hat ja diese Schachtel mit den Aufnahmen gefunden. Du hast wahrscheinlich die Geschichte darüber bereits gehört. Ich hatte wirklich keine Ahnung, dass da so viel Zeugs drauf ist. Ich dachte, wir hätten alles bereits aufgenommen, was auf diesen Tapes zu hören ist. Shit! Eigentlich waren das nur verkratzte Arbeitstapes, welche wir weggelegt hatten. Danke Gott, dass meine Frau sie gefunden hat. Weil wir diese Schachtel für verdammte zwölf Jahre verloren hatten. Aber jetzt haben wir sie gefunden. Da sind viele kleine Musikfragmente drauf. Da gibt es noch mehr Sachen. Das wird vermutlich für zwei oder drei weiteren Alben zu Ehren von ihm reichen. Das ist cool, dass die Leute jetzt den Rest von dem hören können, was Criss geschrieben hat. Weil sie ansonsten nie die Chance gehabt hätten, es zu hören.


Also hast du immer noch genug, für ein drittes Album mit Criss Oliva-Sachen?

Jon: Ja, also sogar locker für zwei oder drei weitere Alben. Insgesamt sind es etwa 45 Tapes. Und wir haben erst Sachen aus 18 oder 19 weiterverarbeitet. Und daraus sind bereits zwei Alben entstanden.


Letztes mal hast du mir erzählt, dass die Songs, die ihr bereits für MANICAL RENDERINGS geschrieben hattet, als deine Frau die Schachtel mit den Tapes gefunden hat, auf dem nächsten Album landen werden. Was passierte mit diesen Songs? Sind sie jetzt auf dem GLOBAL WARNING-Album?

Jon: Ja, all die Sachen, die vom letzten Album übrig geblieben sind, sind auf dem neuen Album. Ich kann mich nicht mehr an alle Songs erinnern. Verdammt dass ich das nicht mehr weiß.

Von hinten der Gitarrist Matt LaPorte: Der Computer-Song?

Jon: Ja, der Computer-Song war einer davon, der "Master". Das war einer, welchen wir fürs letzte Album genommen hatten, und den wir jetzt aufs neue Album gepackt haben. Weil es mehr einer dieser experimentellen Songs war, bei dem wir einfach alle Regeln aus dem Fenster geworfen haben. Wir haben sogar eine Waschmaschine aufgenommen, wie wir sie da mit Schläger malträtierten. Das ist sogar darauf. Es sind wirklich einige Sachen vom letzten Album auf dem neuen. Aber vieles sind neue Sachen, welche von Criss Musikfragmenten beeinflusst wurden. Es war wirklich cool.


GLOBAL WARNING ist Greg "Super G" Marchak gewidmet.

Matt: Greg war unser Soundmann und unser Coproduzent für unser erstes Jon Oliva's Pain-Album. Tatsächlich habe ich in den letzten 15 Jahren oft mit ihm gearbeitet. Er ist im Dezember gestorben. Genau dann, als wir bereit waren, dass Album aufzunehmen und damit beginnen wollten. Es ist immer traurig, einen solchen Freund zu verlieren. Wir standen uns sehr nahe. Und wir waren sehr erschüttert darüber. Er starb ca. 4 Tage bevor wir unsere ersten Tracks aufnehmen wollten. Und das ist so schade. Das verletzte uns sehr, weil es alles um die acht Wochen zurückwarf. Also haben wir den Album-Abgabetermin und dadurch auch viele der diesjährigen Sommer-Festivals verpasst, weil ich nichts fest abmachen konnte. Ich konnte keine definitive Aussage treffen, wann das Album fertig sein würde. Weil ich nicht wusste, wann wir wieder so weit sein würden, um daran zu arbeiten.
Wir fühlten uns alle irgendwie ausgebombt. Und keiner wollte überhaupt noch etwas machen. Aber dann motivierten wir uns wieder gegenseitig. Und haben gesagt: "Komm, lass uns dieses Album für Greg aufnehmen. Es ist die letzte Sache, an der er gearbeitet hat. So lasst es uns gut machen!" Und dann zerplatzten wir fast vor Motivation und haben begonnen daran zu arbeiten. Es war wie ein Bombeneinschlag. Und dann ging alles sehr schnell. Ich habe "O to G" geschrieben. Weil sein Spitzname G war. Das war es und wir werden diesen Song heute Nacht sicher auch spielen. Du wirst ihn also Live hören!!! (fängt an zu schreien) Live, live, es ist ein live!!!!


Um Weihnachten hast du verlauten lassen, dass es keine weiteren Aktivitäten mit Savatage geben wird. Sind Savatage damit definitiv gestorben?

Jon: Das Ding ist, wie ich allen gesagt habe, dass es mit Savatage sehr schwierig ist. Diese Band hat aber im Wesentlichen nur ihren Namen in Trans-Siberian Orchestra gewechselt, was ein großer Erfolg in Amerika wurde. Und der Metal-Band Savatage wurde da eine Art Pause gegönnt. Wir konnten für Savatage überhaupt kein Interesse mehr in Amerika wecken, wenn wir diesen Namen benutzt haben. Wir sind dort als tot erklärt worden. Wir haben nur den Namen geändert und jetzt habe ich 5 Platin-Alben in meiner Wohnung hängen. Ich bin reich und berühmt. In Amerika ist sie eine sehr große bedeutende Band. Aber sie macht keine Savatage-Musik. Es ist Trans-Siberian Orchestra Musik, geschrieben von Paul O'Neil, mir selbst, Bob Kinkel und Al Pitrelli.
Ich habe dies alles mit Jon Oliva's Pain zusammentragen um dort weiter zu machen, wo ich mit Savatage weitergemacht hätte. Ich spiele die Savatage-Lieder an jedem Konzert, ich halte Savatage im Gespräch. Auf viele Arten habe ich einfach die Plätze mit den Jungs getauscht, also mit Johnni (Lee Middleton, Bassist), mit Al Pitrelli, Chris Caffery, welche nun alle im Trans-Siberian Orchestra spielen. Ich habe nur ein wenig die Plätze getauscht.
Ich habe Jon Oliva's Pain gegründet um die Musik von Savatage am Leben zu erhalten. Und ich habe diese Jungs dazu gebracht fürs Trans-Siberian Orchestra zu arbeiten. Damit sie davon leben können. Und das ist es, was so passiert ist. Wir haben schlicht den Namen Savatage auf die Seite gelegt, was ich zwar nicht für richtig halte, aber ich glaube nicht, dass die Savatage-Fans blöd sind. Jeder wird jetzt hoffentlich wissen, dass Jon Oliva's Pain eigentlich Savatage sind. Wir nennen es einfach nicht Savatage aus Respekt für das, was Savatage war und für die Jungs, welche in der Band waren, als wir es Savatage genannt haben. In den 25 Jahren, in denen wir keinen Penny daran verdient haben. Wir haben da dauernd ums Überleben gekämpft. Darum würde es nicht fair sein, wenn wir jetzt mit den neuen Jungs unter diesem Name weitermachen würden. Wir wissen es nicht. Eines Tages werden wir vielleicht wieder etwas unter dem Savatage-Banner machen. Aber das wird noch lange dauern. Aber die Chance dazu ist im Moment nicht sehr gut.


Paul O'Neil soll ja letztes Jahr gesagt haben, dass er im Moment gleichzeitig an 7 Trans-Siberian Orchestra Alben und an zwei Broadway-Musicals am arbeiten sei. Weißt du mehr darüber?

Jon: Also eines davon wird im Moment fertig. Während ich hier auf Tour bin, arbeiten die mit Al Pitrelli an den Gitarren-Soli für das aktuelle NIGHTCASTLE-Album. Es wird jetzt nach fünf Jahren endlich fertig gestellt, weil Millionen und Millionen Dollars von jeder CD abhängen. Aber was soll's. Es kommt jetzt dann bald raus und es wird über zwei Million Mal gekauft werden. Es ist schlicht eine sehr frustrierende Sache für mich damit umzugehen. Ich verstehe nicht, woher ich eigentlich komme. Ich fühle mich angepisst. Natürlich ist es großartig. Ich verdiene sehr viel Geld. Und ich habe mehr Geld in einem Jahr mit dem Trans-Siberien Orchestra verdient, als mit Savatage in 25 Jahren. In nur einem Jahr! In nur einem verdammten Jahr.
Kannst du dir vorstellen, wie beschissen das ist?
Also wir sagen da nur: (schaut an die Decke und schreit direkt zu Gott:) "Herzlichen Dank!!! In Ordnung! Danke vielmals! Hätte das nicht bereits 10 Jahre früher passieren können!? Als ich das verdammte Geld gebraucht habe!!! Da musste ich warten! Vielen Dank dafür!"
Aber in Ordnung. Ich bin jetzt glücklich mit JOP. Ich halte die Savatage-Fackel am brennen. Also für alle Savatage-Fans da draußen, nehmt Jon Olivas Pain als Savatage, weil es das nämlich ist.


Trans-Siberian Orchestra klingen ja auch ein wenig nach Savatage. Ist es möglich, die mal in Europa zu sehen?

Jon: Ja, schon sehr bald. Wir planen so etwas. Es wird wahrscheinlich nicht dieses Jahr dazu kommen, aber nächstes Jahr. Wir werden TSO für 14 Shows in verschiedenen Städten nach Europa rüber bringen, glaube ich. Also nur in Locations mit 3.000 oder 5.000 Sitzen. Alles was ich darüber weiß ist, dass die Band in Amerika drüben ein Phänomen ist. Und das alle viel Geld daran verdienen. Es nimmt vielen Leuten großen Druck weg und es ermöglicht mir, dieses hier zu tun. Ich meine ich verdiene mit dem hier überhaupt kein Geld. Du verdienst überhaupt nie Geld, wenn du nach Europa kommst. Weil hier alles so viel kostet. Ich meine, es kostet alleine schon 20.000 Dollar um jeden hier und das ganze Equipment rüber fliegen zu können. Ich bin hier, weil mich das nicht mehr kümmern muss.


Die Show soll ja scheinbar die verschiedensten Leute zusammenbringen?

Jon: Es ist eine der größten Shows weltweit, überhaupt. Und bei den Konzerten siehst du alles. Familien mit kleinen Kindern, Omas und Opas und Savatage-Fans in unseren T-Shirts. Da ist wirklich jedes Alter und jede Schicht vertreten.

Roger Wetli - Jon Oliva

Die Zeit ist leider bereits zu Ende. Gibt es noch irgendeine wichtige Mitteilung von dir an die Schweizer Fans?

Jon: Ich genieße es jedes Mal, wieder hier zu sein. Danke, dass ihr kommt und das Andenken an Savatage aufrecht haltet. Und (schreit) ich hoffe, dass das verfluchte Bein baldmöglichst heilt!!! (Andeutung auf sein Bein, welches er sich kurz vor Tourneestart verletzt hatte.)

 
 
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