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Die Kassierer |
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Am 12. April, kurz vor ihrem "bezaubernden" Auftritt in Münster, machten sich die kompletten Kassierer für ein Interview mit Mario K. bereit. Thematisch ging es unter anderem um die Bühnenshows der Wattenscheider, ein neues Studioalbum, diverse Sexualpraktiken und jede Menge... |
Datum:
Wir fragten...
| | Hallo, wie geht es so?
Wolfgang: Ich hab ein bisschen Angst und ein bisschen innere Unruhe.
Und warum?
Wolfgang: Das war nicht die Frage. Jetzt sind die anderen erstmal dran.
Mitch: Das war eine Befindlichkeitsfrage, darauf fragt man nie "warum?".
Unsere Leser werden euch wahrscheinlich nicht kennen, weil unser Magazin sich eher mit Metal und Rock beschäftigt. Könnt ihr für uns kurz und knapp die Kassierer in ihrer Vollkommenheit beschreiben?
Volker: Wir machen Musik für Entwicklungsgestörte Jugendliche und Psychopathen.
Mitch: Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Was erwartet ihr vom Konzert hier in Münster heute Abend?
Mitch: Geld.
Wolfgang: In erster Linie Geld. Deswegen heißt die Band auch Die Kassierer.
Mitch: Ich sehe mich schon in wenigen Stunden viele kleine Scheine zählen. Ich habe ein besonderes Verhältnis zu den Scheinen:
Bei einer Sexualpraktik, die ist schon ein paar Jahre her, da habe ich mir Geldscheine mit einem Gummiband um den Penis gewickelt und mich stimuliert.
Nikolaj: Es mussten aber 500 Euro-Scheine sein.
Mitch: Nein, da gab es noch Mark, 500 Mark.
Wolfgang: Es waren tausend Mark!
Nikolaj: Das stimmt wirklich, das ist wirklich wahr.
Mitch: Es gibt zwar über uns viele Gerüchte aber manche Dinge, die sind wahr.
Was dürfen eure Fans heute Abend erwarten?
Wolfgang: Einen bunten Blumenstrauß beliebter Melodien. Lieder wie "Sex mit dem Sozialarbeiter", "Mein Glied ist zu groß" und dergleichen.
Mitch: Und wir als Musiker werden einen zauberhaften Klangteppich dazu weben.
Volker: Wir werden uns darüber hinaus ausziehen. Und auf die Bühne scheißen.
Ihr habt dieses Jahr bei vielen Auftritten Emscherkurve77 als Vorband dabei. Wie kommt es zu dieser Zusammenarbeit?
Mitch: Geld.
Volker: Der Marc war eine Zeit lang mein Friseur, jetzt ist er mein Lebenspartner.
Nikolaj: Das hat doch irgendwas mit Erpressung zu tun! Ich kann mir das eigentlich auch nicht erklären.
Wolfgang: Ich auch nicht. Ich denke, dass das irgendwie auf kriminelle Machenschaften im Backstageraum zurück zu führen ist.
Euer letztes Album, MÄNNER, BOMBEN, SATELLITEN ist mittlerweile fünf Jahre alt. Wann kann man mit einem neuen Album von euch rechnen?
Wolfgang: Rechnen kann man immer damit, ob diese Berechnungen aber in Erfüllung gehen, das weiß nur der Herrgott höchstselbst.
Schreibt ihr denn schon an neuen Songs?
Wolfgang: Öhm…ja! Ununterbrochen.
Wie entsteht ein typischer Kassierersong? Schreibt jeder für sich zu Hause an Songs oder alle im Proberaum zusammen?
Nikolaj: Wir treffen uns mit einem Reimlexikon und setzen uns dann vor den Computer und reimen. So einfach ist das.
Wolfgang: Mittlerweile gibt es aber auch Reimlexika, die in den Computer als Programm integriert sind. Und es gibt auch das entsprechende Angebot im Internet.
Welche Bands und Künstler beeinflussen euch beim musikalischen Teil des Songwritings?
Wolfgang: Musikalisch sehr beeinflusst hat mich Oskar Saler. Von der Textführung her und dem gesamten Gedankengang, der dahinter steckt, würde ich sagen Die vier Nachrichter und als Einzelkünstler auf jeden Fall Ralf Bendix.
Mitch: Wer mich beeinflusst hat, das geht niemanden was an.
Volker: Ich höre WDR 2.
Wolfgang: Ralf Bendix hat auch früher den Heino gemanagt.
Volker: Eigentlich mag ich gar keine Musik. Es gibt drei Dinge, die ich verarchte: Sex, Humor und Musik.
Nikolaj: Ich höre nur WDR5.
Volker: Als viertes ist hinzu zu fügen: Natur.
Wenn demnächst das Album anstehen sollte, wann wird es ungefähr erscheinen?
Wolfgang: Es sollte schon längst erschienen sein…
Aber…?
Wolfgang: Aber ist es noch nicht!
Nikolaj: Wir sind halt total anspruchsvoll und das steht uns so ein bisschen im Weg.
Mitch: Wir können unseren Fans doch jetzt an dieser Stelle einfach mal versprechen: 2009.
Nikolaj: 2009 kommt definitiv ein neues Album!
Mitch: Es ist zwar ein Album, das nur zwei Lieder enthält…
Volker: Aber die zwei Lieder haben wir schon fertig.
Mitch: …es kommt auf den guten Willen an.
Mit welchen Themen werdet ihr euch lyrisch befassen?
Wolfgang: Wie immer: Gewalt, Sex, Alkohol und Kot. Und Außerirdische.
Mitch: Diesmal steht glaube ich der Kot mehr im Vordergrund. Es wird ein Album über Kot.
Wolfgang: Also philosophisch gesehen soll es dieses Mal auf jeden Fall phänomenologisch sein. Und man sollte versuchen, den Satz "Der Positivismus sabotiert Wahrheit durch den Verweis auf bloße Meinung" zu vertonen.
Mitch: Also Kot, wie ich schon sagte.
Volker: Die Titelidee lautet: "Wenn du tot bist kommen zwei Erzengel und holen dich ab".
Mitch: Ist das denn auch wirklich sicher?
Volker: Hundertprozentig!
Ihr seid für eure Bühnenshows bekannt. Gibt es etwas, was ihr schon immer mal auf der Bühne machen wollt, bisher aber nicht dazu gekommen seid?
Wolfgang: Ich persönlich würde gerne so was im Bereich Meditation machen aber ich glaube, dafür bin ich zu schwer.
Volker: Ich hätte gerne mal Sex mit einem Verwandten von mir. Tante oder Onkel und dem würde ich vorher noch einen Bart ankleben. Und das natürlich sehr demütigend auf meine bestialische Art und Weise.
Gibt es für euch auf der Bühne eine Grenze?
Wolfgang: Wie immer finden sich die Grenzen in dem, was juristisch verboten ist.
Nikolaj: Wir glauben an das Gesetz.
Ich habe euch letztes Jahr auf dem With Full Force gesehen und da ging es relativ gesittet zu. Sind die Zeiten von Kot und Exkrementen vorbei?
Wolfgang: Im Bereich für Bühnenaufführungen gelten im Bereich der ehemaligen DDR noch andere Gesetze und an die müssen wir uns halten.
Volker: Außerdem dämmert die Era von Kot und Exkrementen erst noch herauf. Da können die Leute sich noch auf einiges gefasst machen.
Nikolaj: "Die Era dämmert herauf" (lacht).
Eure Konzerte sind meist sehr gut besucht und ihr werdet unter anderem für Metalfestivals gebucht. Wie beschreibt ihr das Erfolgsrezept der Kassierer?
Mitch: Kot.
Wolfgang: Nein, man kann schon sagen, dass es irgendwie ein Rezept ist. Das ist so schon ganz gut gesagt. Ich denke es kommt auch darauf an, wie man es macht. Ein Rezept ist ja auch nur eine Zutatenliste und die Zutaten sind halt Sex, Kot und hyperoriginelle Texte. Aber es kommt auch drauf an wie wir das Ganze zubereiten. Insofern ist es mit den Zutaten nicht getan, es gehört auch dazu dass man es ein bisschen kann.
Nikolaj: Also, man kann uns gar nicht kopieren. Obwohl es ja immer wieder so einige Versuchen…klägliche Plagiate.
Volker: Sich aus zu ziehen ist ja eins, aber sich lustig ausziehen, das muss gekonnt sein. Einfach mal ausziehen ist okay aber es muss auch lustig sein.
Mitch: Außerdem haben wir den Altersvorsprung. Wenn sich ein 20jähriger auszieht ist das einfach nicht komisch.
Wolfgang: Genau, wenn alte, dicke Säcke sich ausziehen, dann ist das irrsinnig komisch.
Wölfi, du hast eine Initiative für ein Kulturzentrum in Bochum-Wattenscheid gestartet. Wie ist dort der aktuelle Stand?
Wolfgang: Die Stadt Bochum überlegt jetzt für die nächsten vier Jahre 8.000 Euro pro Jahr für Rockkonzerte zur Verfügung zu stellen. Aber das ist entschieden zu wenig. Wir werden dieses Angebot ignorieren.
Und was macht die politische Karriere?
Wolfgang: Von Karriere kann nicht die Rede sein. Ich denke, dass sämtliche politische Visionen Jahrhunderte brauchen können bis sie durchgesetzt werden. Zum Beispiel hat Rudolf Diesel ja nicht nur den Dieselmotor erfunden sondern auch mit seinem Solidarismus alle sozialen Probleme bereits 1900 gelöst. Trotzdem haben wir davon nichts erfahren. Insofern wird das Zeitalter der Pogoanarchie frühestens 2136 eintreten.
Was ist, für euch, das beste Album aller Zeiten und weshalb?
Nikolaj: KIMONO MY HOUSE von The Sparks.
Mitch: Deep Purple - IN ROCK.
Volker: Mir fällt jetzt spontan nichts ein.
Wolfgang: Ich habe zu Hause ein Album von Oskar Saler (?) aber ich weiß beim besten Willen grade nicht wie es heißt. Es war so das erste von ihm.
Habt ihr noch letzte Worte an unserer Leser und eure Fans?
Wolfgang: Ich bin immer bei letzten Worten vorsichtig. Ich hab immer Angst, dass ich danach dann tot bin.
Vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit für ein Interview genommen habt.
Wolfgang (Wölfi) Wendland, Gesang Nikolaj Sonnenscheiße, Gitarre Mitch Maestro, Bass Volker Kampfgarten, Schlagzeug |
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