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Interview: Liquid Horizon
 
Liquid HorizonWenn man das Gefühl hat, da spielt eine Band nicht nur mit dem Kopf sondern auch mit dem Herzen und legt alles rein in die Musik, dann wächst schnell der Wunsch die Musiker mit einem Interview näher kennen zu lernen. Um so erfreulicher wenn die mit Fragen gelöcherten Interviewpartner, Oliver Kilthau Gitarre und Vocals, Michael Heck Keyboards, Marc Schroth Bass und Chuck West Drums sich als ausgesprochen umgänglich erweisen. Auf diesem Weg erfährt man dann noch nebenbei, dass hinter einem Gitarristen auch ein guter Hobby Grafiker steckt, ein Bassist zum Instrumentenbauer mutiert und wie man auf der Suche nach einem Hund zu einem Bandmitglied wird.

Datum:
 U.B., 18.12.2011

Wir fragten...
 Hallo Liquid Horizon, vielen Dank, dass Ihr bereit seid Euch die Zeit für ein Interview zu nehmen.

Fangen wir doch gleich mal bei Eurem Bandnamen an. Liquid Horizon klingt nicht nur gut sondern weckt unterschwellig auch gewisse Assoziationen, da denkt man an etwas Entferntes nicht Greifbares, die imaginäre Grenze zwischen Himmel und Erde. Der Horizon ist ständig sichtbar aber man erreicht ihn ja nie und läuft ihm höchstens immer hinterher, also ein Sinnbild für Sehnsucht. Waren das Eure Hintergedanken als Ihr den Bandnamen gewählt habt oder ging es Euch vordergründig nur um einen phonetisch gut klingenden Namen?


Michael: Ich finde es umgekehrt mindestens genauso interessant, was Menschen in einen Bandnamen, oder auch einen Songnamen oder –Text hineininterpretieren. Daher möchte ich jetzt auch gar nicht alle Illusionen komplett zerstören, aber ich verrate Dir dass unser Band-Name letztendlich aus einer Kombination von 2 Namen entstanden ist, die uns ziemlich gut gefallen hatten, aber für sich alleine dann aus verschiedenen Gründen doch nicht genommen wurden.
Als wir die beiden Ideen dann kombinierten, bemerkten wir recht schnell dass wir wohl einen wirklich guten Namen für die Band gefunden hatten.


Auf Eurer Homepage finden sich leider keine Infos wie ihr als Band zueinander gefunden habt. Prog Metal Musiker frönen nun mal einem von mir zwar sehr geschätzten Stil sind aber zahlenmäßig leider eher die Ausnahme. Da würde mich interessieren wie da bei Euch die Anfänge ausgesehen haben, wie habt ihr zueinander gefunden?

Michael: Lustigerweise spielten 3/4 der Band schon vor Liquid Horizon zusammen, und da waren wir noch alles Andere als eine Prog Metal Band. Die Chemie in der Band ist einfach so glücklich und positiv, und der gemeinsame Wunsch und Wille sich auch musikalisch immer mehr auszuprobieren und weiterzuentwickeln hat uns zu der Band gemacht, die wir heute sind.


Wenn man sich dazu entschließt Progressive Metal zu machen, eine Musikrichtung die beinahe als Synonym für Komplexität und technische Schwierigkeiten steht, ist das eine große Herausforderung. Seid Ihr da ganz locker ran gegangen mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen nach dem Motto: wenn schon dann aber auch richtig, oder hat sich das erst mit der Zeit ergeben?

Marc: Ich würde sagen, man wächst mit der Aufgabe. Mir macht es am meisten Spaß neue Sachen zu versuchen und zu spielen. Oftmals ist es eine echte Herausforderung und manchmal sicherlich auch frustrierend, aber immer wieder erleben wir echte Highlights wenn man sieht wie sich gerade neue Songs entwickeln.


Jetzt sind bereits mehr als ein Jahr ins Land gegangen seid Ihr mit THE SCRIPT OF LIFE Euer drittes Album veröffentlicht habt. Nun auch mit einem gewissen Maß an zeitlichem Abstand, wie waren die Reaktionen?

Michael: Der größte Unterschied zu unseren bisherigen Produktionen ist wohl, dass wir mit FIREFIELD RECORDS zum ersten Mal ein richtiges Label im Hintergrund haben. Es ist ein kleines aber aufstrebendes Label, das sowohl hinter dem Album als auch hinter der Band steht und uns im Rahmen seiner Möglichkeiten wirklich unterstützt wo es nur kann.
Zumal wir nun auch die Möglichkeit haben, das Album wirklich weltweit zu vertreiben.
Was die Kritiken und das Feedback der CD angeht, sind wir aber auch mehr als zufrieden.


Nach einem Album heißt aber auch „vor einem Album“, eben dem nächsten Output. Im Booklet der THE SCRIPT OF LIFE steht weit hinten, Zitat: “Liquid Horizon will return”. Oder wie Arnie sagte: I`ll be back. Kann ich daraus schließen, dass Ihr weiter hungrig seid und man auf weitere Alben hoffen darf? Ist vielleicht sogar schon was in der Mache, einzelne Songs bereits geschrieben? Wenn man den Horizont im Bandnamen trägt ist das eben eine Verpflichtung immer noch vorn zu schauen, grins.

Oliver: Klar, wir schreiben schon an den Songs für das nächste Album. Ich glaube, wir haben mit dem Schreiben für das nächste Album schon angefangen, bevor die aktuelle CD aus dem Presswerk kam. Allerdings sind wir nicht die schnellsten beim Komponieren, und wir verwerfen auch viele Ideen im Nachhinein wieder. Schließlich soll das Endergebnis möglichst optimal werden.


SCRIPT OF LIFE ist spürbar düsterer und härter, weniger melodisch eingängig dafür progiger ausgefallen als der Vorgänger REVOLUTIONS. Nun ist Progressive Metal ohnehin nicht sehr massenkompatibel, durch weniger melodische Elemente ist für den nicht Prog Fan die SCRIPT, ich nenne es mal „schwerer verdaulich“ als die REVOLUTIONS Scheibe. War Euch das bewusst vielleicht sogar von Euch erwünscht oder ergab sich diese Verschiebung beim Stil automatisch, man will sich als Musiker ja auch weiterentwickeln?

Oliver: Echt? Die SCRIPT OF LIFE ist schwerer verdaulich? Also, ich empfinde das ja gar nicht so, aber wir sind natürlich auch nicht wirklich objektiv. Auf jeden Fall war es keine bewusste Entscheidung, mit dieser Platte in eine andere Richtung zu gehen. Bei uns passiert das aber ganz automatisch, dass jedes Album anders klingt als der Vorgänger.
Michael: Ja, wir als Band haben im Vergleich wirklich eher den Eindruck, eher etwas melodischer zu sein als noch bei der REVOLUTIONS. Das mit der gesteigerten Härte sehen wir aber ganz genauso und das war auch so beabsichtigt. Wir wollten auf jeden Fall dass die „Script Of Life“ härter und moderner klingt.


Wenn man sich mit den Lyrics beschäftigt ist sofort klar, ihr legt Wert auf aussagekräftige, zum Nachdenken anregende Texte. Auf der ersten Seite des Booklet sind die Themen aller Songs kurz zusammen gefasst, prima Idee. Oliver Du textest alle Lieder, fällt Dir das schwer? Was habt Ihr als erstes fertig den Song oder den Text oder läuft das manchmal auch parallel?

Oliver: Äh, ja, mir fällt das schon schwer. Ich habe eben den Anspruch, dass die Songtexte nicht banal und nichtssagend sein sollten. An manchen Texten schraube ich deshalb ziemlich lange herum. Auf jeden Fall haben wir bisher immer die Musik zuerst komponiert, die Texte kamen danach. Ich weiß, dass das andere Bands auch andersrum machen, aber irgendwie kommt mir unsere Reihenfolge natürlicher vor, zumindest ist es das für mich. Ich brauche einfach Musik, um beurteilen zu können, ob ein Text passt und ob die Worte richtig fließen.


Die REVOLUTIONS war ein Konzeptalbum, wie schaut es bei der SCRIPT aus. Auf den ersten Blick ist es kein Konzeptalbum auf den zweiten schon. Wenn man die Lyrics als Ganzes betrachtet ergeben sie so etwas wie einen Lebenszyklus mit all den Problemen denen sich die Menschen im 21ten Jahrhundert ausgesetzt sehen. Nur um ein paar zu nennen: "Coast of Holland" behandelt die Erderwärmung und seine Folgen, "Every Second" geht über den Sinn des Lebens, "Daily Dose"- Beeinflussung und Manipulation der Menschen durch Fernsehen und Medien, "Crown of Creation"- kritisches Hinterfragen ob der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung ist. Und schließlich mit "To the Stars" wird die Frage aufgeworfen ob mit dem Tode alles endet oder das in irgendeiner Form ein Neuanfang ist. Aus meiner Sicht könnte man die SCRIPT somit durchaus als Konzeptalbum bezeichnen, nicht im eng gefassten Sinn aber dadurch hattet Ihr auch mehr Freiheiten was die Themen der Songs betrifft. Ein roter Faden ist auf alle Fälle vorhanden. Wie seht ihr das?

Oliver: Ich sehe das im Nachhinein auch so. Überraschenderweise war mir das beim Schreiben der Texte bis zur Hälfte der Platte gar nicht klar, dass es so was wie einen roten Faden gibt. Irgendwie hat sich bei der SCRIPT vieles einfach so ergeben und ist einfach so passiert. Erst als einige Texte fertig waren, ist mir aufgefallen, dass es doch so etwas wie einen roten Faden gibt, und ich habe dann weiter in diese Richtung getextet. Ich hatte aber ehrlich gesagt meine Zweifel, ob das jemandem auffällt. Was hiermit bewiesen wäre: Dir ist es aufgefallen! Sehr merkwürdig war dann auch der Zufall, als Marc mit dem Vorschlag kam, die Platte THE SCRIPT OF LIFE zu nennen. Wir hatten nämlich nie darüber gesprochen, dass die Platte einen roten Faden und eine Art zusammenhängendes Thema hat. Für mich ist das also die Platte der merkwürdigen Zufälle...


Oliver, Du bist nicht nur der Sänger sondern auch Gitarrist der Band und stehst damit natürlich besonders im Fokus. Geniest Du das oder ist das manchmal auch eine Belastung?

Oliver: Das ist schon eine ziemlich Belastung. Deshalb haben wir auch ewig einen Gitarristen gesucht, weil ich mich komplett auf das Singen konzentrieren wollte. Aber es hat einfach nie wirklich gepasst mit den Musikern, die bei uns einsteigen wollten. Vielleicht sind wir auch einfach zu lange zusammen, da ist es irgendwie nicht ganz einfach, neue Musiker zu integrieren...


Im Booklet habe ich gesehen, dass Du das Cover der SCRIPT OF LIFE, was mir übrigens sehr gut gefällt, selber gestaltet hast. Besonders gelungen finde ich den Panoramablick der sich ergibt wenn man das Booklet aufklappt und Vorder- und Rückseite betrachtet. Schlummert da neben Deinen musikalischen Talenten auch noch ein Grafiker in Dir? Nicht zu vergessen den Marc der war an der Gestaltung der Innenseiten des Booklet beteiligt!

Oliver: Ja, Marc hatte auch schon bei der REVOLUTIONS die komplette Gestaltung des Booklets innen übernommen. Und das mit dem Cover war auch so ein merkwürdiger Zufall. Ich bin überhaupt kein Grafiker, aber hin und wieder bastle ich doch mal mit einem Bildbearbeitungs-Programm herum. Und dabei kam dieses Bild mit dem Astronauten am Strand heraus. Ich fand das dann für unsere Musik so passend, dass ich daran immer weiter gearbeitet habe. Wahrscheinlich ist das fertige Cover die 200. Version davon...
Marc: Aus zeitlichen Gründen konnte ich beim letzten Album leider nicht viel an der Grafik arbeiten. Allerdings war das auch nicht nötig. Ich kann mich noch genau daran erinnern als Oliver uns den ersten Entwurf des Covers zeigte – Einfach unglaublich, ein echter Eyecatcher.


Da wir gerade beim Cover sind, es gibt auf dem Album den Song „Coast of Holland“. Da passt das Cover mit Strand und Meer sehr gut zu. Ist das Zufall oder steckt da Absicht dahinter? Dann ist da noch der riesige Zeppelin. Da denke ich natürlich sofort an das letzte Threshold Album DEAD RECKONING das ebenfalls Zeppeline auf dem Cover hat. Hast Du dich da inspirieren lassen? Ich gehe mal fest davon aus, dass Threshold die wie Ihr aus der Prog Metal Ecke kommen, Euch wohl bekannt sind. Zumal Threshold und Liquid Horizon musikalisch recht ähnlich sind.

Oliver: Ganz ehrlich, ich kenne die letzte Threshold-Platte gar nicht! Da habe ich mich also eindeutig nicht inspirieren lassen. Allerdings bin ich ein großer Steampunk-Fan. Du weißt schon, futuristische Geschichten, in denen man allerdings altertümlichen Techniken begegnet, wie z.B. Luftschiffen. Lustigerweise war das Bild allerdings schon fertig, und zwar ohne Zeppelin. Aber irgendwie fand ich, dass da noch was fehlt, und das ist dann eben der Zeppelin geworden. Das ganze Bild lebt ja von Kontrasten: Ein Astronaut, ein Strand, ein Zeppelin.


Mir fiel auf Eurer sehr schön gestalteten Homepage (macht die etwa auch der Oliver?) auf, alles ist in Englisch. Nun seid Ihr eine deutsche Band und auch wenn ihr durchgehend auf englische Lyrics setzt, warum ist da nichts in Deutsch?

Oliver: Ja, inzwischen mache ich die. Und das mit der englischen Sprache hat einen ganz einfachen Grund: Es ist schrecklich aufwändig, eine Seite in mehreren Sprachen zu pflegen. Und wir gehen einfach mal davon aus, dass Jeder rudimentär englisch kann, damit müssten wir dann sowohl das deutsche als auch das internationale Publikum erreicht.


Bleiben wir noch bei Dir Oliver. Du spielst auf Deiner siebensaitigen Axt ja so richtig fette Düsterriffs, das haut schon mächtig rein. Und deine Vocals sind auch nicht ohne, da fallen mit zartem Naturell versehene Kuschelrock Hörer garantiert unsanft vom Sofa. Hegst Du auch sonst eher düstere Gedanken oder ist das nur der von Dir bevorzugte Musikstil und Du bist im „Privatleben“ ein eher fröhlicher Mensch?

Oliver: Ich bin eigentlich ein ganz Lieber, ehrlich… Aber wenn es musikalisch nicht kracht, fehlt mir irgendwas!
Marc: (lacht) Eigentlich sind wir ganz brav.
Michael: Das war’s dann wohl mit unserem „Böse Buben – Image“…*g*


Auf der REVOLUTIONS haben mir bei Deiner Stimme die hohen Vibratos ala Kiske und Dickinson gut gefallen. Die habe ich auf SCRIPT OF LIFE vermisst. Jetzt hast Du mir im Vorfeld des Interviews verraten, dass genau diese Vibratos von einigen Leuten kritisiert wurden und Du sie deshalb (vielleicht auch unbewusst) weggelassen hast. Du siehst man kann es nicht allen Leuten recht machen! Wie gehst Du mit Kritik um? Ist es nicht besser man zieht sein Ding durch und gestaltet die Songs so wie man sie selber am besten empfindet und lässt Kritik einfach abperlen?

Oliver: Im Prinzip schon, da gebe ich dir recht. Und ich denke auch, dass wir bei unseren Songs in allererster Linie darauf achten, dass Sie uns selbst gefallen. Aber ich würde nicht ausschließen, dass einen Kritik doch unterbewusst beeinflussen kann, und man dann mache Dinge doch irgendwie ändert.


Michael, als Keyboarder hast Du sicher keinen leichten Stand. Die Gitarre von Oliver, ich habe es bereits angeführt, ist von mächtigem Kaliber. Auf einem Video zur Entstehung der REVOLUTIONS hast Du sinngemäß gesagt, Deine Arbeit wäre durch die beinahe übermächtige Gitarre sicher nicht einfach. Gibt es da schon mal Diskussionen, dass sich der eine oder andere von Euch auch mal etwas zurück nimmt was den Einsatz seines Instrumentes betrifft? Oder klappt da die Feinabstimmung untereinander immer ohne Probleme?

Michael: Ich versuche mich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur Gitarre zu sehen. Mir ist auch klar dass ich in einer Metal-Band spiele, wo die Musik eben primär von der Gitarre geprägt wird, und das ist auch gut so.
Beim Schreiben macht es mir sogar großen Spaß mit meinen Sounds eben genau DIE Akzente zu setzen, die eine oder sogar 2 Gitarristen nicht schaffen würden. Besondere Atmosphären oder dynamische Wendungen durch bestimmte Klänge. Natürlich gibt es ab und an auch mal Diskussionen darüber ob an der einen oder anderen Stelle jetzt Gitarre oder Keyboard dominieren soll, aber das ist ja mit einem Bass-, oder Schlagzeug-Teil nicht anders und Teil des kreativen Prozesses. Und bisher haben wir auch immer gute Kompromisse gefunden, mit denen wir am Ende alle gut leben konnten.


Ich habe mir von Eurer Website den Press Kit (Info) runter geladen. Da werden als Einfluss neben Dream Theater und Vanden Plas auch Dokken und Savatage genannt. Okay, Dream Theater und Vanden Plas lasse ich gelten und kann das auch leicht nachvollziehen. Aber Dokken und Savatage…sorry das sehe ich gar nicht. Dokken ist Melodic Hard Rock und Ihr macht sehr progressiven Metal, da sehe ich überhaupt keine Berührungspunkte, nicht viel anders schaut es bei einem Vergleich mit Savatage aus. Habt Ihr den Text verfasst oder ist da jemandem von der Marketing Abteilung Eures Labels der Gaul durchgegangen?

Michael: Die Einflüsse Dokken und Savatage sind auf unseren früheren Werken sicher um einiges deutlicher vertreten, als z.B. auf unseren letzten beiden Alben. Da gebe ich Dir absolut Recht. Besonders was das Thema Riffing oder dynamische Stimmungen innerhalb eines Songs angeht.
Wir werden aber auf jeden Fall mal darüber nachdenken, inwieweit die Einflüsse für LIQUID HORIZON 2011 / 2012 noch zutreffen. *grins*


Da ich gerade bei dem Press Kit bin, die Band Fotos finde ich gelungen konnte mir aber ein Schmunzeln nicht verkneifen. Da seid Ihr doch tatsächlich auf einigen Fotos mit Anzug und (teils) Krawatte abgelichtet. Wow! Und dann das Foto mit den Hüten, also das hat schon was, fast so als seid Ihr Darsteller in Martin Scorseses Mafia Film Goodfellas. Ups, aber das war mein erster Gedanke, ich muss aber zugeben, sehr chic! Wer hatte die Idee dazu statt mit Denim and Leather als „Gentleman Metaller“ aufzutreten?

Marc: Wir wollten unbedingt mal etwas anderes probieren und da kam uns die Idee mit dem Mafia-Look. Wir hatten auch Zigarren, Pokerchips und Karten dabei. Das war dann allerdings doch etwas zu gestellt. Immer nur im T-Shirt und Jeans war uns zu abgedroschen und an den Anzug kann man sich gewöhnen. Leider ist es nichts für die Bühne, weil es da immer ziemlich warm ist.


Dream Theater, wer sich mit Prog Metal beschäftigt kommt an der Band sowieso nicht vorbei und da ihr sie als Einfluss nennt, direkt eine Frage dazu. Dream Theater wurde über die Jahre vom Stil her fast ständig härter und ein musikalischer Komplexitäts-Overkill jagte den nächsten. Nun hat mich DT mit dem letzten Album dann doch sehr überrascht. A DRAMATIC TURN OF EVENTS ist beinahe eine 180 Grad Drehung zu den Alben davor, da sind auf einmal viele balladeske Stücke und das Ganze ist sehr melodisch. Das kann nicht nur am Weggang von Drummer Mike Portnoy liegen. Nun habt Ihr euch, wie bereits erwähnt, auch hin zu einem härteren Stil entwickelt, von der tollen Ballade „To the Stars“ mal abgesehen. Könntet Ihr euch vorstellen, dass bei Eurem nächstes Album das Pendel auch wieder zurück schwingt und die melodischen Elemente mehr im Vordergrund stehen, die Härte dafür ein wenig zurück genommen wird?

Oliver: Ich könnte mir das absolut vorstellen. Das soll jetzt aber keine Ankündigung sein. Wir planen nämlich nicht, wie unsere Platten klingen sollen. Das entwickelt sich einfach organisch im Kompositions-Prozess. Der Effekt ist, dass alle unsere Platten eindeutig verschieden klingen, ohne dass das Absicht war. Wir kriegen das halt nicht so hin wie AC/DC, haha...
Michael: Die Tatsache dass unsere Alben bisher wirklich alle „anders“ klingen, dürfte, zusammen mit dem Begriff PROG in unserer Musik, so ziemlich das Einzige sein, was wir mit Dream Theater gemeinsam haben…*smile*…Aber ich denke es ist auch eine gute Sache wenn man das schafft, und trotzdem seinen eigenen Stil und einen gewissen Wiedererkennungswert hat.


Die SCRIPT OF LIFE wurde von Markus Teske produziert und der Mann hat seine Sache richtig gut gemacht mit mehr als fetter Produktion. Ich denke Ihr seid mit seiner Arbeit auch hoch zufrieden oder, wie war die Zusammenarbeit?

Marc: Es war ja schon das zweite Mal das wir Markus bemüht haben. Die Revolutions trägt ja ebenfalls seine Handschrift, zumindest was den Sound betrifft. Allerdings muss man sagen, dass alle Produktionen in unserem eigenen Studio aufgenommen werden und wir nur für den Mix und das Mastering auf die Erfahrung und das Können von Markus Teske zurückgreifen. Des Weiteren haben wir gelernt, dass ein frischer Satz Ohren immer goldwert ist.


Bei dem Namen Teske fallen mir neben Mob Rules noch Vanden Plas ein, für die hat er auch gearbeitet. Ihr seid schon mit Vanden Plas aufgetreten. Da Vanden Plas für mich zur absoluten Spitze (nicht nur national sondern auch international) des Prog Metal zählen, würde mich interessieren wie ihr diese Band seht. Ihr nennt die Band ja auch in der Special Thanks Sparte im Booklet. Hat Vanden Plas Euch vielleicht sogar stärker geprägt als andere Bands?

Marc: Vanden Plas hat uns in der Hinsicht geprägt, da sie bei unserem ersten gemeinsamen Konzert uns mit großer Freundlichkeit begegnet sind und uns nicht wie „die Vorgruppe“ behandelt haben. Die Musiker von VP sind ausnahmslos sehr umgänglich und freundlich. Du kannst mir glauben wenn dir sage, dass wir da auch schon ganz andere Bands erlebt haben.
Michael: Richtig ! Und man darf auch nicht vergessen dass es zwischen einigen Mitgliedern von Vanden Plas und uns mittlerweile richtige Freundschaften gibt. Wir besuchen uns gegenseitig auf Konzerten oder man hat sogar mal private Termine mit den Jungs. Da passt es halt auch sehr gut dass wir nicht allzu weit voneinander entfernt leben, und wie Du schon sagtest: Die Jungs sind allesamt international arbeitende Musiker. Wer hat schon das Glück, solche musikalischen und auch menschlichen Vorbilder, quasi direkt vor seiner Haustür zu haben.


Marc, du stehst mit Deinem Bass dem Oliver in nichts nach und sogst für mächtig Druck. Auf dem Video: Revolutions The Making Of (Youtube sei Dank) habe ich gesehen, Du setzt da ein Monsterding mit sieben Saiten ein. Wie (im positiven Sinne!) verrückt muss man sein um sich so ein Ding bauen zu lassen?

Marc: Schön das dir das aufgefallen ist. Da gibt es eine schöne Geschichte aus unserem Proberaum. Ich steh jede Woche in der Probe neben Oliver und nach 6 Jahren hat er mich gefragt seid wann ich einen 7-Saiter spiele ;-)
Ich bin unsterblich in diese breiten Griffbretter verliebt und da ich nie wusste woher ich so einen Bass bekommen sollte, habe ich mir kurzerhand selbst einen gebaut. Eben der Bass aus dem Video. Mittlerweile sind doch ein paar Jahre vergangen und es ist nicht bei diesem einen geblieben. Aber dazu mehr bei deiner nächsten Frage.


Marc und Oliver Ihr setzt beide auf Gitarre und Bass der Marke Nature-Shock. Da Musiker sehr eigen mit ihrem Handwerkszeug sind interessiert mich was die Produkte dieser Firma von anderen unterscheidet.

Marc: Ich denke mal bei dieser Antwort lässt Oliver mir gerne den Vortritt. Nachdem also ein paar Jahre durchs Land gegangen sind, ist aus dieser Idee mit dem selbstgebauten 7-Saiter mehr geworden, nämlich Nature-Shock. Zwischenzeitlich hat sich daraus ein kleines Einmann-Unternehmen gebildet und es macht mir neben der Musik auch riesigen Spaß die Instrumente zu bauen. Oliver ist mit seinen Gitarren immer einen Kompromiss eingegangen, egal ob Sound oder Mensur. Dann haben wir uns zusammengesetzt und er hat eine Gitarre nach seinen Wünschen von mir angefertigt bekommen.
Generell kann man sagen, dass wenn man mal ein individuelles und handgefertigtes Instrument gespielt hat, will man es nicht mehr aus der Hand legen. Nature-Shock steht für echte Handarbeit, edelste Hölzer und Hardware.

So, Achtung Schleichwerbung. Ich darf mich glücklich schätzen, Torsten Reichert von Vanden Plas zu meinen Endorsern zu zählen.


Marc, Du erinnerst mich vom Äußeren stark an Mat Sinner von Sinner und Primal Fear. Ihr seid auch beide Bassisten. Ist Dir das schon mal aufgefallen?

Marc: Man hat ja schon viel zu mir gesagt, aber das war noch nicht dabei. Ich habe erst mal im Internet nachschauen müssen wie der gute Mann aussieht. Und du hast irgendwie recht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich vielleicht mal 10 Kilo abnehmen sollte.


Chuck was für ein Landsmann bist Du? Wie bist Du zur Truppe gestoßen?

Chuck: Ich wurde in Pittsburgh, Pennsylvania geboren, ich bin also Amerikaner. Wie ich zur Band kam, ist eine sehr merkwürdige Geschichte. Eigentlich habe ich in den Kleinanzeigen der Zeitung ‚Sperrmüll’ nach einem Hunde gesucht. Nachdem die Suche eher erfolglos war, habe ich mehr aus Langeweile die Rubrik ‚Musiker gesucht’ angeschaut. Und da gab es diese Band, die nach einem guten Schlagzeuger gesucht hat. Bisher hatte ich in Deutschland nur in einer Cover-Band gesucht, wollte aber unbedingt wieder eigene Songs schreiben und spielen. Nachdem ich dann eine Aufnahme dieser Band gehört hatte, dachte ich mir, das könnte es sein! So kam ich zu Liquid Horizon…


Auf einem Video sagst Du Chuck Dir mache die Arbeit mit Liquid Horizon viel Spaß weil es eben mehr ist als nur "normal" Schlagzeug zu spielen. Das würde ich als höfliche Untertreibung bezeichnen. Bei Prog Metal werden speziell an den Drummer besondere Anforderungen gestellt. Liebst Du diese Herausforderung?

Chuck: Ja, genau, ich liebe die Herausforderung. Und genau die hast du natürlich bei Prog Metal. Hier hilft mir wahrscheinlich die Tatsache, dass ich schon in der Schule angefangen habe, in sehr verschiedenen Bands zu spielen. Ich habe in einer Big Band gespielt, Jazz gemacht, war in einer Marching Band und noch in allem möglichen anderen Kapellen. Ehrlich gesagt hat mir das meinen Abschluss in der High School gerettet, weil es für diese ganzen Bands Noten gab. Und dann habe ich noch abends mit meiner eigenen Band Songs von Led Zeppelin, Black Sabbath, Van Halen und Rush gespielt. Ich denke, dass sich diese ganzen Einflüsse in meiner Art Schlagzeug zu spielen wieder finden.


REVOLUTIONS war ein Konzeptalbum, es ging, wer hätte es bei dem Titel anders gedacht, um Revolutionen. Habt Ihr dieses Thema gewählt weil es zu Eurer Musik passt? Mir als nicht so geschichtskundigen Menschen fällt bei diesem Thema als erstes die berühmt berüchtigte französische Revolution ein der Ihr euch dann ja auch mit mehreren Teilen thematisch besonders intensiv gewidmet habt. Verlangt ein harter Musikstil geradezu nach Themen wie Krieg, Kampf oder eben Revolutionen?

Oliver: Ich bin mir jetzt gar nicht so sicher, ob das am Progressive Metal liegt. Aber ich war schon immer ein Geschichts-Fan, insofern konnte ich das auf der Platte hemmungslos ausleben. Wenn ich mir das recht überlege, hat es auf eine bestimmt Art aber vielleicht doch was mit unserem Musikstil zu tun: Wenn deine Songs nur drei Minuten lang sind, kriegst du in der Zeit garantiert keinen vernünftigen Text über die Französische Revolution unter!


Ich weiß nicht wie es Euch geht aber habt ihr nicht eine Sache auf dem Herzen die ihr bei so einer Gelegenheit mal an die Öffentlichkeit bringen wolltet die aber bei einem Interview von so Schreiberlingen wie mir nie gestellt wurde. Nun habt Ihr die Gelegenheit, lasst es raus!

Marc: Ich will mich an dieser Stelle mal bei all denen bedanken, die uns ständig bei unseren Auftritten und im Studio helfen. Ohne eure Hilfe wüssten wir manchmal nicht was wir machen sollen. Vielen Dank an euch.
Michael: Da Marc und Nature Shock leider keine Keyboards baut... *räusper*…Falls mir der eine oder andere Keyboard-Hersteller ein Endorsement-Angebot unterbreiten möchte…Immer her damit!!!


Damit sind wir dann auch am Ende des Interviews angelangt und ich darf mich für Eure Mitarbeit recht herzlich bedanken. Seid versichert ich werde den Horizont im Auge behalten, den natürlichen und den musikalischen!


 
 
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