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Causa Sui, Drive by Shooting und Marble Sheep aus Dänemark, Berlin und Japan am Mittwoch, 15.03.2006 in Fürth.
Wir sind schon gespannt, was Bodo diesmal für Combos an Land gezogen hat und ob sich unsere 7.-€ auch auszahlen werden. Die erste Überraschung kommt aus Dänemark und verursacht einen unplanmäßig pünktlichen Start um 21:00 Uhr.
Übrigens: Wenn ihr die Bilder vergrößern wollt, einfach anklicken
Causa Sui
Dieser frühe Start hat zur Folge, das sich Causa Sui und ihrem Psychedelic Retro Rock mit einem noch halb gefüllten Keller zufrieden geben müssen. Glücklich überhaupt spielen zu können, da es einige Probleme auf ihrer Tour gab, stört das die Dänen jedoch wenig.
Nicht nur durch ihr Outfit, schaffen sie es mühelos die guten alten Zeiten der 60er und 70er aufleben zu lassen. Trittsicher bewegen sie sich auf den Spuren der Großen wie Kyuss und Queens of the Stone Age, wenn auch mit einigen Unterschieden. Trotz dichter Gitarrenteppiche und extremer Rhythmusbetonung hat man sich beim Verzerren des Gitarrensounds etwas mehr als Kyuss zurückgehalten.
Da ihr Psychedelic schon von sich aus überzeugen kann, muss auch nicht großartig mit künstlichen Mittelchen wie Hall und ähnlichem nachgeholfen und gepuscht werden. Altbewährte Gitarreneffekte und eine gehörige Portion Rhythmus genügen vollkommen. Zum Abschluss schnappt sich Frontmann Kasper eine Bongo und trommelt sich fast selbst bis zur Ekstase.
Fazit: Der rundum gelungene Auftritt wird von den Zuhörern mit gehörigem Applaus quittiert und hilft sicherlich die eine oder andere Debüt-Scheibe noch an den Mann zu bringen. Als ich mir mein Exemplar sichern wollte, brachte mich Kasper fast in Verlegenheit, als er darauf bestand es mir zu schenken. Danke Causa Sui!
Drive by Shooting
Als Drive by Shooting aus Berlin nach kurzer Umbauphase die Bühne betreten, wird es zunehmend voller im o 27.
Ohne große Einleitung geht das Trio dann auch gleich zur Sache und feuern ein derbes Riff nach dem anderen in die Zuhörerschaft. Der Stoner Rock, direkt aus der Garage entsprungen zündet sofort. Doch Stoner alleine wäre als Beschreibung zu einfach. Es tummeln sich auch einige Blues Elemente und Spielweisen aus dem Punk wo mit einem Riff, ohne Bridge alles in knapp 1:30 Min durchgepeitscht wird.
Auch wenn der Gitarrist mit seinem ziemlich rotzig-frech angezerrten Sound, die Doppelbelastung Gitarre + Vocals gut meistert, hat man manchmal den Eindruck, es wäre sogar noch etwas mehr gegangen. Ob die paar Fehlgriffe auf das gute fränkische Bier zurückzuführen sind, lassen wir mal im Raum stehen.
Der Bassist produzierte ebenfalls, neben einigen akrobatischen Einlagen, einen absolut stimmigen Basssound und trieb damit die Songs erst richtig an. Die beiden Kollegen machten es ihrem Drummer nicht gerade leicht. Trotz Monitor war es ihm manchmal nicht möglich, seinem engagierten Gitarristen und Bassisten zu folgen.
Einzig und allein ein paar fehlende Zwischentexte zur Auflockerung und scheinbar mangelnde Erfahrung mit dem generell schwer erwärmbaren fränkischen Publikum sollten die Jungs in Zukunft noch etwas besser in den Griff bekommen.
Fazit: Gerade Live kann die Truppe leicht punkten mit ihren ziemlich scharfen, überschaubaren Gitarren-Riffs und eingängigen Hooklines, d.h. es bereitet kein Problem den Refrain mitzusingen. In jedem Fall versprühten sie mit jeder Spielminute Lust und Laune auf mehr Live-Rock'n'Roll.
Hinter der Bühne erfuhr ich dann von Bassist Timo, dass die Band angenehm überrascht war von ihrem Erfolg und auf Beiwerk wie Zwischentexte verzichtete, weil dies in Berlin sowieso nix bringen würde...
Marble Sheep
Als die Headliner des Abends dann schließlich die Bühne betraten, war das o27 mit 75-80 zahlenden Besuchern rappelvoll. Die Japaner setzten an diesem Abend in vielerlei Hinsicht Akzente.
Da war zuerst die Bassistin, die für ihre Größe (kaum höher gewachsen als der Gibson SG Bass selbst) mit wahrer Fingerfertigkeit auftrumpfte. Im Gegensatz zu manch anderen spielt sie den Bass und lässt nicht nur einzelne Töne stehen. Es war immer wieder bewundernswert, den langen Wegen ihrer zierliche Hand zu folgen. Dass sie dabei extreme Griffsicherheit zeigte und auch bei der gewagtesten Tanzeinlage noch den richtigen Ton traf, verlangt Respekt. Ihr runder angenehmer Sound trug dabei sehr viel zum gesamten Soundfeeling bei.
Marble Sheep leistete sich außerdem zwei Schlagzeuger, die für den richtigen Rhythmus sorgten. Sehr gut aufeinander eingespielt, harmonierten sie die ganze Zeit prächtig, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen.
Auch Oldie und Frontmann Ken Matsutani (Jahrgang 1960) in seiner typisch japanischen Bescheidenheit verzichtete selbst auf übertriebene Star-Allüren und setzte lieber während des Auftritts immer wieder seine Mitstreiter namentlich in Szene.
Anstatt mit Synthesizer aufzutreten setzte man auf einen zweiten Gitarrist. Dieser verstand sein Handwerk und schaffte es, bei US-Angehauchten Stücken mit gekonnten Down- und Up-Strokes die Songs vorantreiben.
Bei den Psychedelic Songs wurde dann auch mal gerne Bottleneck als Stilmittel eingesetzt. Besonders die Soloeinlagen beider Gitarristen waren sehr präzise und melodiös was auch auf genügend Bühnenerfahrung und so manche Überstunde im Proberaum hindeutete.
Das musikalische Repertoire war ebenfalls beeindruckend. Mit einem Mix aus Psychedelic Rock und Road-Rock ala Bachman Turner Overdrive zogen sie die Besucher vom ersten Moment an in ihren Bann. Der Psychedelic Rock wies extrem dicht gewebte Songstrukturen auf, die es manchmal unmöglich machten, Einzelleistungen zu unterscheiden.
Beim Road Rock setzte man voll auf knackige, kurze und einprägsame Riffs, die sehr rhythmusbetont in typisch westlicher Manier serviert wurden.
Nach der Pflicht waren die Besucher dann mittlerweile so aufgeputscht, dass lautstark nach einer Zugabe verlangt wurde. Den Kür-Teil begannen die beiden Drummer und zeigten eindrucksvoll, wie man mit vier Händen und Füßen für Stimmung sorgen kann, als quasi Japanische Variante des DoubleBase verteilt auf zwei Schlagzeuge.
Während des Schlagzeug-Duos war die restliche Truppe hinter der Bühne nicht untätig und verkleidete Bassistin Rie Miyazaki als Marble Sheep Maskottchen, das kurz darauf die Bühne zur nächsten Zugabe betrat. Doch die Zuhörer hatten danach immer noch nicht genug, sodass die Truppe anschließend nochmals (wieder als unverkleideter Fünfer) auf die Bühne gepfiffen wurde.
Um 0:20 Uhr war dann aber wirklich Schuss und nach einem kurzen Backstage-Besuch für ein kleines Photoshooting ließ auch ich den Japanern ihre verdiente Ruhepause.
Fazit: Für Marble Sheep ist ein Traum in Erfüllung gegangen, einmal in Deutschland spielen zu dürfen und für die Besucher hat sich der Aufwand dieser langen Anreise ebenfalls ausgezahlt, denn die Japaner bewiesen eindeutige Headliner-Qualitäten.
Hier wurde professionell gearbeitet. Verstimmte Gitarren wurden immer wieder nachgestimmt, sodass es auch möglich war, die reichhaltige Substanz, jederzeit zu reproduzieren.
Und das o 27?
Und wieder einmal war ein ziemlich gemischtes Publikum anzutreffen. Einige schienen direkt vom Straßenkampf anno 68 gekommen zu sein ohne sich vorher umgezogen zu haben. Andere wiederum hätten ihren Bartwuchs mühelos mit Peeling-Paste bewältigen können.
Und ja, unsere 7.-€ haben sich gelohnt!
Und noch zum Abschluss die Vorhersage eines Vorstandsmitglieds des Veranstalters: Dies war wohl das härteste Konzert des Jahres im o 27 und wird nur schwer zu toppen sein. Warten wir es ab.
J.G./J.R. 18.03.2006
Fotos von: Jochen Galsterer |
Reviews:
Band-Infos:
| | Causa Sui: www.causasui.com
Drive by Shooting: www.punkrock-in-stonerland.de.vu
Marble Sheep: www.soho-net.ne.jp/~ohr/marblesheep.htm  |
Veranstalter-Infos:
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