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Konzertbericht: Rock Harz Festival
 

Rock Harz Festival
Samstag, 08.07.2006

Bands: Zeroed, Fated, Legio Mortis, Vader, Victory, Jon Oliva's Pain, J.B.O., Gamma Ray...

Ich war ziemlich übermüdet am nächsten Tag. Für Alle, die nicht die Gabe haben, sich ins Bett legen zu können und sofort in einen unerschütterlichen Tiefschlaf zu fallen, war es wohl auch unmöglich in dieser Nacht mehr als 4 Stunden Schlaf zu bekommen. Ich höre wirklich gern Cannibal Corpse, aber nicht Nachts um halb 5 mit voller Lautstärke über den gesamten Campingplatz, wenn ich mit dickem Kopf im Zelt liege und mir nichts sehnlicher wünsche als ein paar Stunden wohlverdienten Schlafes.

Übrigens:
Wenn ihr die Bilder vergrößern wollt, einfach anklicken

Umso mehr ärgerte ich mich als ich am nächsten Morgen feststellen musste, dass der Krach ausgerechnet aus dem Pavillon herrührte, deren Besitzern ich am vorigen Tag mein Cinch-Kabel geborgt hatte. Es hatte in meiner Macht gestanden, ihre Anlage an der Inbetriebnahme zu hindern, ich hatte meine Chance vertan (und musste auch darunter leiden..).

Wie auch immer, nachdem ich von den sanften Klängen geweckt wurde ("Breakin' the Law" in der Endlosschleife..), war Zeroed die erste Live-Band die ich zu Beginn des zweiten Festivaltages zu hören bekommen sollte. Es lohnte sich, geboten wurde eine gesunde Mischung aus Thrash und Death Metal. Wenn gleich sie auch (uhrzeitbedingt) vor nicht mehr als 20 Leuten spielten, Sitzrockerund diese zum Großteil auch nur auf der Weise saßen und sich die Sonne Pelz brennen ließen, vermittelten sie eine Menge Spielfreude und konnten mit ihrem Songmaterial überzeugen. Zum Abschluss des 45-minütigen Sets wurde dann mit dem Sepultura Cover "Territory" sogar im Publikum die 25-Zuschauer Marke geknackt.

Fated sollten laut Programmheft Covers von Iron Maiden, Metallica und AC/DC darbieten. Gespielt wurden im Endeffekt nur AC/DC Cover, worüber man in gewisser Weise aber auch froh sein konnte, denn die Stimme von Sänger Martin Lüders passt einfach absolut nicht zu Songs wie denen von AC/DC. Wie "Creeping Death" geklungen hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen. Allerdings wirkten die wenigen eigenen Stücke, die die Band präsentierte gar nicht schlecht, und dort passte dann auch die Stimme zur Musik. Also ein ganz klarer Appell: Jungs, mehr Mut zur Eigeninitiative!

Mit Legio Mortis war auch eine Black Metal Band auf dem diesjährigen RockHarz Festival vertreten. Legio MortisIronischer Weise kam just im Moment des Auftritts der düsteren Herren (und einer Dame) die Sonne so kräftig hinter den Wolken vor, wie nie zuvor an den Festivaltagen. Das tat allerdings dem Auftritt keinen Abbruch, und Legio Mortis boten eine gute Show. Die Songs waren teils rasend schnell, aber auch gemäßigte melodische Passagen waren vorhanden und wechselten sich in einer gesunden Mischung ab. Angeführt von einer sehr markanten Stimme, schaffte es die Band immerhin eine Reihe mit Headbangern zur schwarzmetallischen Mittagszeit vor die Bühne zu locken.

VaderIm Anschluss begann es zum wiederholten Male zu regnen, und das nicht gerade wenig. So waren erst Vader die nächste Band die ich zu sehen bekam, denn ich musste zwischenzeitlich mit helfen, unseren Pavillon vor eindringenden Wassermassen zu schützen. Vader ließen sich beim Aufbau und dem Soundcheck gehörig Zeit, und bis sie zu spielen begannen, schien auch schon wieder herrlich die Sonne. Als es dann endlich so weit war legten sie mit "Sothis" gleich ordentlich los. In Folge gab es die Klassiker zu hören, Vader waren mit nur einer Dreiviertel Stunde Spielzeit recht knapp bemessen und hatten offenbar vor, diese Zeit voll auszunutzen. Es waren viele Vader-Fans vor Ort, und dementsprechend war auch die Stimmung im Publikum. Als dann zum Abschluss des Auftritts noch Slayer's "Raining blood" gecovert wurde gab es für so manchen im Moshpit kein Halten mehr. Zusammenfassend kann man sagen, dass es sicher kein besonderer Gig der Band war, jedoch bei einer Band mit dem Status wie dem von Vader auch die Routine genügt um das Publikum voll auf zufrieden zu stellen.

VictorySehr gespannt war ich im Anschluss auf Victory. Nachdem ich die Hannoveraner knapp zwei Monate zuvor in ihrer Heimatstadt als Support von Metal Church gesehen hatte und ihr Auftritt mich wirklich überzeugt hatte, hoffte ich nun stark, dass sie sich vor mehr Publikum noch steigern würden. Und das taten sie auch gewaltig. Aufgrund dessen, das zahlenmäßig weniger Leute vor der Bühne standen als noch bei Vader (80er Jahre Hardrock zieht anscheinend kaum junge Leute an..), mussten die verbliebenen umso mehr Gas geben. Doch auch das klappte, und so wurde es eine äußerst unterhaltsame Stunden wirklich bodenständigen Rocks. Auch wenn Sänger Jioti Parcharidis einfach nicht an die Qualitäten des früheren Fernando Garcia's heranlangt, so gab er doch mehr als eine gute Figur ab. Stimmlich selbst einwandfrei, sprang er auch mehrfach samt Mikro von der Bühne um die Fans der ersten zwei Reihen die Refrains von z.B. "Checks in the mail" oder "Backseat rider" singen zu lassen. Auf jeden Fall war es ein Auftritt der allen Beteiligten sichtbar Freude bereitet hat.

Knorkator übersprang ich, die nächste Festivalband die ich mir anhörte, war Jon Oliva's Pain. Jon Oliva's PainMann, was war das für eine Show! Der Savatage Sänger spielte abgesehen von zwei Song ausschließlich Songs der Savatage Ära - eine Hommage an seinen Bruder Criss. Es war eine schlichtweg geniale Show die Jon teils stehend und dem Publikum zulächelnd, teils singend hinter dem Keyboard sitzend hinlegte. Die gesamte Band wirkte überaus eingespielt und aufeinander abgestimmt. Das Publikum bebte vor Enthusiasmus, es waren sehr viele Savatage-Shirts in der Menschenmenge auszumachen - eine Gänsehautatmosphäre ganz im positiven Sinn. Als im Zugabenteil dann der wohl größte Savatage Klassiker "Hall of the Mountain King" erklang, wurde den meisten Fans erst wirklich bewusst was sie so eben für eine Show erlebt hatten. Als Reaktion sprangen nach Abgang der Band von der Bühne mehrere Fans auf selbige, nur um eine Setlist als Andenken für die heimische Wohnstube ergattern zu können.

Die Spaßrocker von J.B.O. waren die nächsten, welche die Rockharz Bühne betreten durften. Bis zum Beginn ihres Auftritts ward es dunkel, was den Vorteil mit sich brachte, dass ihr hellrosa Outfit besser zur Geltung kam. Sie boten einen Querschnitt quer durch all ihre Alben, unter Anderem "Bolle", "Glaubensbekenntnis" und "Mei Alde is im Playboy drin". Zwischendrin wurde stetig der aktuelle Spielstand des deutschen Teams bei der Fußball-WM verkündet, was die Stimmung natürlich zusätzlich verbesserte. Auch wenn das Publikum ordentlich abfeierte, wirkten die Spaßvögel um Hannes G. Laber Holzmann auf mich unmotiviert. Natürlich kommt man bei einer Band wie J.B.O. um Witze nicht herum, und die Fans anzuheizen ist sowieso Pflicht. Doch mir persönlich fehlte das spürbare Eigenvergnügen der Band.

Gamma RayAls Headliner schließlich betraten Gamma Ray über eine Stunde zu spät die Bühne. Doch der ausführliche Soundcheck hatte sich gelohnt: War dieser während mehreren anderen Bands an beiden Tagen mitunter arg in die Kritik geraten, war er nun wirklich gut. Vielleicht nicht perfekt, aber gut. Gamma Ray starteten standesgemäß mit "Gardens of the sinner". Die Band wurde gefeiert, Kai Hansen scheint zufrieden und plaudert auch ein wenig aus seiner Kindheit. Gamma Ray"Ich bin im Harz mit meinen Eltern immer wandern gegangen...". Sicher ein Höhepunkt war "I want out", und nicht zu Unrecht erklangen im Publikum "Happy happy Gamma Ray, Gamma Ray" Gesänge der Helloween Melodie. Alles in allem ein guter Abschluss eines würdigen Headliners.

Das gesamte Festival als solches war ein Erfolg, und auch mit Notsituation wurde gekonnt umgegangen, so zum Beispiel fielen schon beim ersten Regenguss bevor das Festival wirklich begonnen hatte angeblich die Monitorboxen aus, und am Tag darauf musste vom THW ein völlig neues Stromaggregat geliefert werden. Umso mehr Respekt an die Veranstalter. Es war ein vielleicht chaotisches, aber auf jeden Fall friedliches Festival, und das bleibt hoffentlich auch in den nächsten Jahren so.
    S.J., 08.07.2006
    Fotos von: Stefan Junge

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  • Rock Harz Festival - 07.07.2006

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