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Big Day Out 4.0 Festival
 

Big Day Out 4.0 Festival
Freitag, 03.08.2007

Bands: Finn, The Heartbreak Motel, Karpatenhund, The Films, i.O., Die Happy, 5bugs, Big Boy, Beatsteaks
Bereits zum vierten Mal hieß es im ostwestfälischen Anröchte (zwischen Soest und Paderborn): Big Day Out! Mehrere tausend Besucher folgten diesem Aufruf, der Campingplatz war mit gut 2.500 Besuchern sehr gut gefüllt. Ein solcher Andrang herrschte in Anröchte noch nie. Am ersten Tag tummelten sich geschätzte 8.000 Leute auf dem Bürgerhausvorplatz im Zentrum des Ortes. Vorteil des Festivals ist, dass sich keine Band überschneidet, trotz zwei Bühnen. Ein ausgeklügelter Zeitplan also.

Finn

Finn
Mit Indierock aus der Umgebung von Dortmund ging es auf der kleinen S-Club Bühne los. S-Club steht hier nicht für eine (fast) gleichnamige Teenieband der 90er, sondern für die Sparkassen-Club-Bühne. Und diese wurde vom westfälischen Sextett Finn direkt ordentlich ausgefüllt. Das besondere am Indierock der fünf Jungs plus Frontdame Sarah Bröer war der Einsatz einer elektrischen Violine, die von Andreas Dorn bespielt wurde. Hierdurch hatte die Band kleine Einflüsse aus dem Folk- und Humppa-Bereich zu verzeichnen. Und wie bei Humppa so üblich, ging es bei einem kurzen Instrumental gut ab im Publikum. Kleine Moshpits um die frühe Uhrzeit (14:45 Uhr) bei strahlendem Sonnenschein waren das Resultat.

Finn
Das Publikum ging gut mit und bereitete dem Sextett einen gelungenen, halbstündigen Auftritt. Nur Sängerin Sarah Bröer, die übrigens über eine sehr gute Livestimme verfügt, sollte fürs nächste Mal ihre Hausaufgaben machen: Das Big Day Out findet alle zwei Jahre statt, so kann die Band also nicht nächstes Jahr "da hinten" auf der Hauptbühne stehen. Außerdem ist Anröchte nicht das benachbarte Erwitte.


The Heartbreak Motel

The Heartbreak Motel
Erste Band auf der großen Mainstage waren The Heartbreak Motel aus Recklinghausen. Das Publikum, welches dem 45 Minuten andauernden Auftritt beiwohnte, wurde von Frontmann Michael zum Mitmachen und Tanzen animiert, welches auch teilweise gelang. Auch die Ansagen wussten zu unterhalten und wirkten spontan. So wurde ein Metallica-Shirt-Träger gefragt, wo denn seine langen Haare seien. Machte schon Spaß, aber auch musikalisch wussten die fünf Jungs zu überzeugen.

The Heartbreak Motel
Zu Punk Rock, welcher schon die Beatsteaks supportete, tobten die Bandmitglieder über die Bühne, unterstützt vom druckvollen Sound. Einige jüngere Festivalbesucher, von denen es dieses Jahr sehr viele gab, sorgten für den erste Moshpit vor der großen Bühne. Um Ende hin wurde noch der Beginn von "Eye of the Tiger" von Survivor intoniert, bevor der Auftritt nach zu kurz erscheinenden fünfundvierzig Minuten sein Ende fand.


Karpatenhund

Karpatenhund
Schnell zurück zur S-Club-Bühne, denn dort standen mit Karpatenhund zwei Mädels und drei Jungs, die mit ihrer Mischung aus Indiepop und Rock so manch einen in ihren Bann ziehen konnten. Leider wurde ihr, ebenfalls 45 minuten andauernder, Auftritt durch einige technische Probleme überschattet. So fiel das Mikrofon von Frontfrau Claire gekonnt aus und auch die Monitorboxen entschlossen sich zu kurzzeitigen Streiks.

Karpatenhund
Die Band lies sich hiervon nur kurzzeitig beirren und konzentrierte sich lieber aufs ordentlich vorgetragene Material. Die Songs der Band wirken jedoch auf Dauer monoton, etwas Abwechslung würde dem Songwriting sowie den vielen Wiederholungen der Lyrics gut tun. Dafür kam es bei Karpatenhund zum ersten Crowdsurfing des diesjährigen Big Day Out. Auch mit Special Effects wurde nicht gespart: Beim Song "Gegen den Rest" gab es die Ladung der Konfettikanone zu bestaunen.


The Films

The Films
Wieder auf die große Bühne: Die einzige amerikanische Band des Festivals, The Films aus South Carolina, U.S.A., standen auf den Brettern. Auch hier wurde Indierock präsentiert, dafür mit britischem Einfluss. The Films waren wohl eien der Bands, die lange erwartet wurden. Und dementsprechend laut wurde die Gruppe von den zahlreich anzutreffenden Fans empfangen. Die Band füllte ihre Stunde Spielzeit mit ihrer Version des derzeit populären Indierock, der sich in diesem Falle durchaus durch kaum vorhandenes Talent an den Gitarren auszeichnete.

The Films
Was ein Geschrammel. The Films, die auch schon The Kooks supporteten, gehören zu den derzeit gehypten Indierockbands. Das austauschbare Material findet zwar im Radio viel Beachtung, jedoch ist die Langzeithaltbarkeit der "The"-Bands fraglich. Dennoch ein solider Auftritt, der zumindest unterhalten konnte.


i.O.

i.O.
Die eigentlich geplanten Turbostaat mussten aus, wie es offiziell heißt, familären Gründen absagen. Dennoch gelang es dem JZI-Team, einen gleichwertigen Ersatz zu holen: i.O.! Wer? Naja, drei Viertel von den Guano Apes plus Charles Simmons, einem Sänger, der ursprünglich aus dem Soul stammt. Und diese Mischung funktiont verdammt gut. Es wurde eine Mischung aus Alternative Rock und Crossover geboten, wie sie schon von den Apes bekannt war. Ich muss jedoch sagen, dass mir i.O. besser gefallen.

i.O.
Die Mischung sagt mir einfach mehr zu, und Simmons verfügt über eine geniale Stimme, die live einfach nur gut funktioniert. Auch seine symphatischen Ansagen lassen Apes-Frontfrau Sandra Nasic vergessen. Das Publikum schien meiner Meinung zu sein, vor der kleinen Bühne ging in den folgenden 45 Minuten richtig die Post ab. Zu Songs wie "Fight Back" wurden Moshpits gestartet oder einfach nur enthusiastisch getanzt. In jedem Fall hatten die anwesenden zu Recht Spaß. Ein auf ganzer Linie überzeugender Auftritt.


Die Happy

Die Happy
Auf der Mainstage stand nun mit Die Happy eine Band, die schon beim zweiten Big Day Out vor vier Jahren dabei war. Auch dieses Jahr wurde es gut voll vor der Bühne, als Sängerin Marta Jandová mit ihren drei männlichen Mitmusikern um 18:30 Uhr in ihren Auftritt startete. Und eben jene Marta geizte in den nächsten 75 Minuten nicht mit ihren Reizen. Neben einem gut gewählten Ausschnitt fielen auch ihre Ansagen auf, die sich meistens um das Thema Sex drehten.

Die Happy
Aber auch Musik wurde gespielt: Neben viel Material vom neuen Album NO NUTS, NO GLORY fanden auch ältere Hits wie "Big, Big Trouble" oder "Supersonic Speed" ihren Weg in die Setlist. Vereinzelt wurden Crowdsurfer gesichtet, die im Pressegraben von der wachsamen Security in Empfang genommen wurden. Zum Abschluss des sehr unterhaltsamen und umjubelten Auftritts spielten Die Happy noch "God gave Rock and Roll to you" von Kiss an, bevor um 19:45 Schluss für die symphatische Band war.


5bugs

5bugs
Weiter ging es auf der kleineren Bühne, welche gegenüber der Mainstage am anderen Ende des Festivals liegt, mit dem Berliner Quintett 5bugs. Auch diese Band bekam, wie auch i.O., fünfundvierzig Minuten Zeit, um der Menge bei strahlendem Sonnenschein einzuheizen. Und dies gelang der agilen Truppe um Sänger Chris bestens. Der erste Circle Pit des Festivals startete zu den Songs vom TOMORROW, I'LL PLAY GOD-Album der aufstrebenden Band, die mit einer Mischung aus Punk Rock, Emo und Rock glänzen konnte. Eine Art Headlinerstimmung kam auf. Eventuell, weil sich die Band als Beatsteaks ankündigte? Man weiß es nicht.

5bugs
Neben der Musik hatten die fünf Jungs auch eine abwechlungsreiche Interaktion mit dem Publikum zu bieten. Sie zeigten sich recht fanfreundlich und unterhielten sich nach ihrem Auftritt mit dem Publikum der ersten Reihen. Das einzig negative am Auftritt der Band war ein Stromausfall, der die P.A. teilweise lahm legte. Und es sollte nicht der Letzte an der S-Club-Bühne sein.


Big Boy

Big Boy
Nachdem auf der Mainstage Revolverheld gespielt haben, wurde eben jene Band zum Opfer von Big Boy. Der Frontmann der gleichnamigen Band hatte es sich zum Ziel gesetzt, Revolverheld aufs Korn zu nehmen. Und dies gelang ihm das ein oder andere Mal, ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Ansonsten bot das geschminkte Quartett eine bunte Mischung aus Glamrock, Punk und Rotzrock, die mit einer dazu passenden Rockshow garniert wurde. Da gab es Absolut Vodka auf der Bühne, welcher auch an einen Fan der Band ausgeschenkt wurde, Wasserflaschen wurden umher geschmissen, Podeste umgetreten und Mikrofonständer unsanft in den Fotograben befördert.

Big Boy
Ja, so muss eine Rockstarshow aussehen. Erinnerte an die Frühzeiten von Marilyn Manson. Ob die Betreiber des Big Day Out mit einer solchen Show gerechnet haben, ist fraglich. Big Boy, welcher im übrigen auch bei Lacrimas Profundere am Mikrofon steht, muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, teilweise mit Playback gesungen zu haben. Dies und insgesamt drei Stromausfälle bleiben mir negativ vom Big Boy-Auftritt in Erinnerung. Ansonsten war es spaßig, dabei zu zu sehen, wie die S-Club Bühne im Chaos versank.


Beatsteaks

Beatsteaks
Mit den Beatsteaks stand um 22:30 Uhr der Freitagsheadliner auf der Bühne. Die fünf Berliner Jungs sorgten dafür, dass der Platz vor der Bühne rappelvoll war. Selbst die Behindertentribüne, die das ganze Festival über eh kaum genutzt war, wurde von Zuschauern eingenommen. Und die Gruppe um Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß, der sich als Entertainer vor dem Herrn heraus stellt, spielte einen würdigen Headlinerauftritt. Die Fanmassen gingen richtig gut ab, vor der Bühne wurde nahezu durchgehend Pogo getanzt.

Beatsteaks
Als lustig stellte sich Arnim am Keyboard heraus, wo es neben etwas Hip Hop-Klamauk noch den Beginn von "I don't care as long as you sing" zu bestaunen. Dieses Lied folgte in der Setlist der Band dann auch. Ansonsten fanden sich auch weitere bekannte Hits wie "Let me in" oder "What's coming over you" in der Setlist. Vom neuen Album .LIMBO MESSIAH wurden unter anderem die beiden Singles "Cut off the Top" und "Jane became insane" live dargeboten. Ansonsten kam es zum von Slipknot eingeführten Hochspringspiel der Band, welches allen Anwesenden sichtlich Spaß machte. Ein sehr unterhaltsamer und würdiger Headlinerauftritt!


Nach dem Auftritt der Beatsteaks hatten die Festivalbesucher noch die Möglichkeit, auf der S-Club-Bühne dem "Late Night Special"-Auftritt der Monsters of Liedermaching beizuwohnen oder im Bürgerhaus die After Show-Party zu besuchen.

Fazit: Der Freitag des Big Day Out 2007 hatte eine gute Mischung aus etablierten Acts und frischen Newcomern zu bieten. Mich überzeugen konnten vor allem die Auftritte von 5bugs, Beatsteaks, Big Boy und i.O. Einen Totalausfall gab es nicht, nur The Films konnten mich nicht unbedingt mitreißen.

    M.K., 06.08.2007
    Fotos von: Mario Kloschinski und Melanie Wiechers

Der zweite Tag:
 
  • Big Day Out 4.0 Festival - 04.08.2007

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