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Big Day Out 4.0 Festival
 

Big Day Out 4.0 Festival
Samstag, 04.08.2007

Bands: Peachbox, Mission To Mars, Cosmic Casino, Julia, Bitune, H-Blockx, Lost Alone, Madsen, 40pm, Sportfreunde Stiller
Der zweite und letzte Tag des diesjährigen Big Day Out-Festivals im 11.000-Seelen-Ort Anröchte (Kreis Soest) begann, wie der vorherige aufhörte: Mit verdammt guten Wetter. Die Sonne knallte ohne Unterlass auf das Festivalgeläde, während Melanie W. und ich nach unkompliziertem Einlass die erste Band des Tages begutachteten.

Peachbox

Peachbox
Und diese stand mit der jüngsten Band des Festivals auf der Mainstage: Peachbox aus Paderborn standen bereits zum Soundcheck auf der Bühne, als wir den Bürgerhausvorplatz im Zentrum der Ortschaft betraten. Und dieser Soundcheck zog sich noch etwas hin. Leicht verspätet begann das junge Quartett, welches Tags zuvor von einer Clubtour aus Texas zurück kam, mit ihrem Auftritt. Doch bereits nach dem ersten gespielten Song riss das Snare-Fell von Drummer Sven Zumbrock.

Peachbox
Frontmann und Bassist David "Dada" Müller war bemüht, die lichten Reihen vor der Bühne mit spontanen, aber symphatischen Überbrückungsgesprächen zu unterhalten, bis es dann endlich weiter gehen konnte. Aufgrund der technischen Probelem und des verzögerten Beginns musste die Gruppe zwei Songs aus ihrer Setlist streichen, um nicht mit dem straffen Zeitplan des Festivals zu kollidieren. Eigentlich schade, denn der Alternative Rock, welcher mit Keyboards ganiert war, wusste zu unterhalten. Nicht umsonst hat die Band dieses Jahr unter anderem auch bei Rock am Ring spielen dürfen. Kurzweilige dreißig Minuten.


Mission To Mars

Mission To Mars
Weiter ging es mit Mission To Mars, die sich ihren Auftritt auf dem Big Day Out-Festival durch den Sieg beim Wickeder Amateurrockfestival "On the Deck" erspielt haben. Auf der kleineren S-Club Bühne ging es nun also mit einer Mischung aus Punkrock, Pop und Emo zur Sache. Und diese Mischung kam beim vorhandenen Publikum durchaus gut an. Bei strahlendem Sonnenschein wurde zu solch früher Stunde (14:45 Uhr) eine halbe Stunde lang Frühsport betrieben. Die Band auf der Bühne zeigte sich jedoch agiler.

Mission To Mars
Die Musik, die durchaus zum sommerlichen Wetter passte, lockte immer mehr Zuschauer an. Ein Auftritt, der beim Zuschauen Spaß machte! Nachdem die Band dreißig Minuten lang mit Songs wie "Could this be Love?" oder "Who I am" unterhalten konnte, war dann leider schon Schluss.
Fragwürdig nur: Mission To Mars haben bei jedem Auftritt einen anderen Heimatort. Dieses Mal war es Münster, kurz zuvor in Wickede jedoch Werl und Hamm...?


Cosmic Casino

Cosmic Casino
Den Auftritt von Singer/Songwriter Roman Fischer haben wir uns nur aus der Ferne angeschaut, da er wohl für HardHarderHeavy.de nicht wirklich relevant ist. Dann doch lieber Indierock aus der bayrischen Hauptstadt München: Cosmic Casino standen um 16 Uhr auf der kleineren der beiden Bühne. Und was anderes taten die Herren auch nicht: Bewegung war kaum auszumachen, nur Bassist Markus Schaefer sowie Drummer Nicolas Sierig zeigten Elan, während der Rest der Band wie festgeklebt wirkte.

Cosmic Casino
Könnte natürlich am verschütteten Wodka von Big Boy Tags zuvor liegen. Oder an der Hitze. Dennoch zieht passives Verhalten auf der Bühne in den meisten Fällen passives Verhalten vor der Bühne nach sich: Kaum Zuschauer fanden sich direkt vor der Absperrung ein, noch weniger Besucher des Festivals bewegten sich zur Musik des Quintetts. Die uncharismatische Performance von Frontmann Richard Goerlich lud auch wirklich nicht dazu ein. Ein wunderbar nichtssagender Auftritt.


Julia

Julia
Besser gefallen hat da schon der Auftritt der österreicherischen Combo Julia. Diese legten eine gute, einstündige Performance auf der Hauptbühne hin. Mich erinnerte der Auftritt der vier Wiener Herren an so manche Liveshow von Billy Talent. Und trotz knallender Sonne und null Schatten kam es zu viel Bewegung im Pulk vor der Bühne. Dort wurde Pogo getanzt oder einfach nur mitgeklatscht.

Julia
Auch das Animieren des Publikums klappte bestens. Die Band, die derzeit mit dem Aufnahmen zum dritten Album beschäftigt ist, zeigte sich dementsprechend begeistert und hatte sichtlich Spaß am Spielen. Ein, wie zuvor erwähnt, guter Auftritt, auf den ich mich im Vorfeld freute. Und enttäuscht wurde ich auf keinen Fall.


Bitune

Bitune
Weiter ging es auf der S-Club-Stage mit einer der härteren Bands des Festivals: Die Hessen von Bitune, die bei einem englischen Label unter Vertrag stehen, bekamen fünfundvierzig Minuten Zeit, um das Publikum mit einer Mixtur aus Grunge, Stoner Rock und Heavy Rock zu begeistern. Drummer Martin Bartscher hatte sichtlich Spaß am Auftritt, anders lässt sich das Dauergrinsegesicht hinter dem Schlagzeug nicht erklären.

Bitune
Auch die Zuschauer hatten Freude am Auftritt, einige tanzten ausgelassen auf dem Rasen vor der Bühne. Die Band, die schon große Acts wie Die Toten Hosen und Billy Talent als Supportband begleitete, konnte definitiv überzeugen. Dieser Meinung waren auch Mission To Mars, die sich den ganzen Auftritt direkt vor der Bühne anschauten.


H-Blockx

H-Blockx
Auf der Mainstage stand nun um 18:30 Uhr der Auftritt der Münsteraner Crossover-Institution H-Blockx an. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt, wie auch schon beim Auftritt der Band zwei Jahre zuvor an selber Stelle. Die Setlist war die Selbe wie knapp anderthalb Monate zuvor auf dem Serengeti Festival. Frontmann Henning Wehland schien jedoch einiges an überflüssigen Kilos verloren zu haben, die Plautze ist geschrumpft. Aufgrund der prallen Sonne liefen auch die Fans Gefahr, durch exzessives Schwitzen um einiges erleichtert zu werden. Die Feuerwehr hatte jedoch etwas dagegen und bespritzte den Großteil des Publikums mit Wasser aus zwei Feuerwehrschläuchen.

H-Blockx
Henning schien davon so begeistert zu sein, dass er sich den Schlauch hochreichen ließ, um selbst die Fans zu bespritzen. Aber auch als Kameramann betätigte sich der symphatische Frontmann im Laufe des 75minütigen Sets. Musikalisch gab es alle Hits der Band, wie "Little Girl", "Leave me alone" oder "Move". Aber auch neues Material wie die Single "Countdown to Insanity" konnte begeistern. Der Sound war weiterhin richtig gut, bis zur S-Club-Bühne waren die Songs der Band klar und deutlich zu hören. Der Auftritt wurde mit dem bekannten Hochspringspiel sowie den Hits "The Power" und "Ring of Fire" beendet. Besser als 2005, hat absolut Spaß gemacht!


Lost Alone

Lost Alone
Die erste Reihe vor der kleinen Bühne wurde nun von der Emo-Fraktion der Besucher des Big Day Out ausgefüllt, denn der Auftritt des britischen Trios Lost Alone stand an. Sowohl auf, als auch vor der Bühne kam es in den nächsten fünfundvierzig Minuten zu allerhand Bewegung. Die Band, allen voran Gitarrist und Sänger Steven Battelle, zeigte sich sehr spielfreudig und agil.

Lost Alone
Auch der Sound wusste zu überzeugen und kam klar und druckvoll aus den Boxen. Nur zu Beginn des Auftritts waren die Vocals viel zu leise. Ansonsten spielten die drei Jungs einen überzeugenden Auftritt, der auch nicht von Tokio Hotel-Rufen einiger, wohl durch einen herben Sonnenstich beeinträchtigen, Fans gestört werden konnte. Ein wahrer Glücksgriff der Veranstalter.


Madsen

Madsen
Co-Headliner des zweiten Festivaltages waren Madsen. Das norddeutsche Quintett, welches zu drei Fünfteln aus Mitgliedern der Familie Madsen besteht, lockte reichlich Publikum an, die zum Mix aus Rock, Punk und einer Priese Pop tanzten. Die sehr gut gelaunte Band konnte die folgenden fünfundsiebzig Minuten gut unterhalten. Viele Crowdsurfer machten sich auf den Weg Richtung Bühne, die Security hatte allerhand zu tun. Die Setlist bot eine gute Mischung als den zwei vorhandenen Alben, noch dazu gab es zwei brandneue Songs auf die Ohren sowie einige kleine Überraschungen. Da wurde schnell vergessen, dass in den ersten Sekunden Vocals und Gitarre von Sebastian Madsen zu leise waren.

Madsen
Den Fans wurde im Verlaufe des Sets wohl so warm, dass sie wieder nach dem kühlenden Nass der Feuerwehr riefen. Und dies bekamen sie dann auch. Grund genug für uns, den vorderen Bereich zu verlassen und den Rest des Auftritts aus sicherer Entfernung zu schauen. Denn durchnässte Kameras etc. müssen nun wirklich nicht sein. Die Band bot insgesamt einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Auftritt, welcher mit einem kurzen Zugabeblock endete. Beim Ramones-Cover "Blitzkrieg Bop" betätigte sich Sebastian nur als Sänger und Rampensau, da Keyboarder Folkert Jahnke seine Gitarre übernahm.

Setlist Madsen:
  1. Ein Sturm
  2. Diese Kinder
  3. Vielleicht
  4. Immer mehr
  5. Goodbye Logik
  6. Ich rette die Welt
  7. Warum nicht jetzt?
  8. 99 Problems (Jay-Z-Cover, kurz angespielt)
  9. Panik
  10. Roots bloody Roots (Sepultura-Cover, kurz angespielt)
  11. Frieden im Krieg
  12. Ich komme nicht mit
  13. Die Perfektion
  14. Du schreibst Geschichte
  15. Blitzkrieg Bop
  16. Mein Therapeut und ich

Forty Pound Marriage

Forty Pound Marriage
Letzte Band auf der kleinen Bühne (mit Ausnahme des "Late Night Specials", hier traten noch die Norweger von Tuco's Lounge auf) waren 40pm aka Forty Pound Marriage. Die Lippstädter Band spielt international angehauchten Alternative Rock und konnte hiermit die Fans vor der Bühne unterhalten. Die Scharen an Zuschauern hielten sich jedoch in Grenzen, da viele Fans sich lieber einen guten Platz vor der Mainstage sicherten, denn schließlich fand hier noch der Headlinerauftritt statt.

Forty Pound Marriage
Dementsprechend wenig Bewegung war im Publikum erkennbar. Erschwerend hinzu kamen die Probleme mit der links vor der Bühne stehenden Seite der P.A., die unentwegt knartschte. Ein Wackelkontakt schien hier wohl der Übeltäter zu sein. Das Quartett spielte trotz dieser unschönen Umstände einen soliden Auftritt, der durch Eigenständigkeit überzeugen konnte. Passende Band für das Big Day Out.


Sportfreunde Stiller

Sportfreunde Stiller
Nun war es an der Zeit für den Headliner: Die Sportfreunde Stiller aus Bayern standen auf der großen Bühne und blickten von ihren eigens errichteten Podesten auf einen Platz, der nicht weniger voll war als Tags zuvor bei den Beatsteaks zur selben Zeit. Nachdem das Intro der belgischen Band Scala ausgeklungen war, legte die Band direkt mit brandneuem Material vom LA BUM-Album los. Dieses Album erschien einen Tag zuvor, die Sportfreunde hatten also in Anröchte Festivalpremiere hiermit.

Sportfreunde Stiller
Aber auch altes Material wie "Siehst du das genauso?", "Ein Kompliment" oder "Ich, Roque" wurde gespielt und mit lautem Jubel aufgenommen. Leider konnte man Dank der größtenteils dunklen Lightshow nicht allzu viel von der Band selber sehen, dennoch machte der Auftritt einfach nur Spaß. Zwischen den Songs herrschte reine Stadionatmosphäre, die Fans sangen immer wieder den #1-Hit der Band aus dem Vorjahr: "'54, '74, '90, 2010".

Sportfreunde Stiller
Auch das Hinsetzen-und-Hochspringen-Spiel kam wieder zur Verwendung, dieses Mal beteiligte sich sogar die Band hieran. Die angestimmten FC-Bayern-Songs von Gitarrist und Sänger Peter Brugger ernteten jedoch ein Pfeifkonzert. Jedoch wurde es ihm nicht übel genommen, im Endeffekt war "Alles Roger!". Nach den neunzig Minuten Spiedauer verließ die Band die Bühne, um kurz darauf für zwei Zugaben zurück zu kommen. Die Fans ließen jedoch nicht locker, sie hatten ihren WM-Hit immer noch nicht gehört. Und so blieb der Gruppe nichts anderes übrig, als die Moderatoren des Big Day Out sowie die abbauende Crew von der Bühne zu verscheuchen und "'54, '74, '90, 2010" zu spielen. Nach zwanzig Minuten Zugabe und einer Gesamtspieldauer von 110 Minuten war dann definitiv Schluss mit den Sportfreunden. Ein besonderes Lob gebührt hier Drummer Florian Weber, welcher auf Krücken auf die Bühne kam und trotzdem seine Arbeit sauber ableistete.


Auch am zweiten Tag hatte das feiernde Volk nun noch die Möglichkeit, den oben erwähnten Tuco's Lounge auf der kleinen Bühne zu lauschen oder auf der Aftershowparty noch einmal richtig die Sau raus zu lassen.

Fazit: Auch der zweite Tag überzeugte auf ganzer Linie. Musikalisch oben dabei waren die Sportfreunde, Julia, Lost Alone, Mission To Mars und Madsen. Eher unterdurchschnittlich fand ich den Auftritt von Cosmic Casino.
Ansonsten fiel auf, dass sich am zweiten Tag mehr Leute auf dem Gelände befanden als Freitags. Auch der enorm gesunkene Altersdurchschnitt im Vergleich mit 2005 sorgte für Verwunderung. Sehr positiv zu vermelden ist die Tatsache, dass das BDO ein sogenanntes Sounds for Nature-Festival ist. Mülltrennung und der Verzicht auf Dixi-Klos sorgten für ein sauberes und umweltfreundliches Festival. Auch organisatorisch gibt es hier nichts zu meckern. Ein symphatisches, nicht zu großes Festival, welches mich in zwei Jahren definitiv wieder als Gast begrüßen darf.

    M.K., 06.08.2007
    Fotos von: Mario Kloschinski und Melanie Wiechers

Der erste Tag:
 
  • Big Day Out 4.0 Festival - 03.08.2007

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