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Konzertbericht: Komplex Open Air |
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Am Kuhm, Schüttorf Samstag, 25.08.2007
Bands: Clawfinger, Gods of Blitz, Crosscut, El*ke, Boozed u.a. |
Mache Leute beschweren sich ja, dass die heutige Zeit viel zu langweilig geworden sei. Es gäbe keine Abenteuer mehr, alles sei von Hektik, Stress und Monotonie geprägt und auch überhaupt biete das Leben ihnen viel zu wenig Abwechslung. Ich kann mich darüber wahrlich nicht beschweren, muss ich doch wenn mir wirklich einmal Langweilig wäre, ich mich nur in den Zug setzen und eine Menge Überraschungen wären mir gewiss. So dauerte meine Fahrt zum Komplex Open Air auch mal fünf Stunden länger als ursprünglich angedacht. Gut, Schüttorf ist keine Metropole, auch dass die Züge am Samstag nicht stündlich dort hinfahren kann ich verstehen, doch gerade wenn die Züge vorher schon Verspätung haben, wird es halt ärgerlich. In meinem Fall so ärgerlich, dass ich mal eben sage und schreibe sechs Bands einfach verpasste.
Endlich am Bahnhof in Schüttorf angekommen, hätte ich mich über das eine oder andere Schild in welche Richtung es denn überhaupt zum Open Air geht sicher gefreut. Nunja, es gibt ja freundliche Festivalbesucher, die mit Bier in der Hand und Bändchen am Arm auch leicht zu erkennen sind, die einem auch gern den Weg weisen. Der Campingplatz war offenbar der Stadtpark oder ähnliches, jedenfalls durfte jeder der wollte kostenfrei sein Zelt dort aufbauen - unkompliziert einfach. Also: schnell Zelt aufgebaut und auf zum Festivalgelände.
El*ke
Dort hatten gerade El*ke ihren Soundcheck beendet und so konnte ich zumindest ihren Auftritt von Anfang an beobachten. Für ihren Punkrock legte sich die Band hörbar und sichtbar in's Zeug, und so war es nicht verwunderlich dass jeder auf der Bühne bald schweißnass war. Dennoch ließen sich die etwa 150 Leute direkt vor der Bühne nicht restlos überzeugen. Songs wie "Elke sein", "Verboten scheißegal" oder auch der letzte Song "Adrenalin" wurden von der Band oft mit Ansagen und direkten Ansprachen zum Publikum versehen, aber auch diese zündeten nicht wirklich. Nichtsdestotrotz war es ein guter Auftritt, auch wenn das im Publikum nicht jeder wahrhaben wollte.
Crosscut
Mit der Entschuldigung für die durch technische Probleme bedingte, verlängerte Umbauphase starteten Crosscut ihr Set. Leider mussten sie ihre Setlist um ein paar Songs kürzen, was sie aber nicht davon abhielt ihren Metalcore sehr bewegungsfreudig zu präsentieren. Das wusste auch das Publikum zu honorieren, und wenn Sänger Frank Holtmann zur Wall of Death und zum Circle Pit ausruft, lässt man sich das natürlich nicht zwei Mal sagen. Die gesamte Show war Energie pur, was sich auch auf das Publikum übertrug. Als dann als Higlight noch zwei neue Songs vorgestellt wurden, die auf dem in Kürze aufzunehmenden Album enthalten sein werden, war wohl der Großteil des Publikums entweder begeistert von Crosscut oder einfach zu traurig über das kurze Set.
Gods of Blitz
Mit tatsächlichen Blitzen auf der Bühne durften Gods of Blitz als nächste Band ran. Ihr im Verhältnis zu Crosscut eher entspannt ausfallender Indie-Rock zog noch einige Leute mehr vor die Bühne. Zwar verzichtete die Band fast komplett auf Ansagen oder jegliche Art von Publikumsansprachen, jedoch klang ihre Musik nahezu wie auf CD. Selbst beurteilen kann ich das nicht, hatte ich doch nur zufällig im Radio mal ihr Single "I know that you know that I know" gehört. Im Gespräch mit anderen Festivalbesuchern stellte ich aber fest dass so einige der Meinung waren eine gute Band gehört zu haben, ein Livekonzert aber doch etwas mehr bieten muss als "nur" Musik wie auf CD.
Clawfinger
Der für Festivals üblichen Verspätung unterlegen, betraten die Schweder von Clawfinger kurz nach halb 12 die Bühne. An Bewegungsfreude war ihr Auftritt wohl kaum zu überbieten. Man sah der Band den Spaß am Spielen deutlich an: Ob Bassist André Skaug mit seinen sensationell langen Haaren wie ein Irrer herumspringt, headbangt und es zugleich noch schafft sein Instrument zu bedienen, Keyboarder Jocke Skog jede Gelegenheit die er nicht am Tastenbrett stehen muss nutzt um seine Kollegen aus nächster Nähe anzugrinsen oder Sänger Zak Tell einfach nur über Monitorboxen und Absperrungen klettert, Fans in's Mikro brüllen lässt und jedem in der ersten Reihe länger direkt in die Augen schaut. Die Kontaktaufnahme zum Publikum klappte bestens, und dieses ließ sich auch nicht zwei Mal bitten.
Musikalisch boten Clawfinger einen Querschnitt durch ihr Schaffen von den Anfangstagen an bis heute. Neben den ersten drei Songs von ihrem frisch erschienenen Album "The price you pay", "Life will kill you" und "Prisoners" wurden so natürlich auch "Nigger", "Biggest & the best" und das den zweiten Zugabenteil ausfüllende und lauthals vom Publikum mitgesungene "Do what I say" zum Besten gegeben. Ein würdiger Headliner waren sie auf jeden Fall, auch wenn sich mir nicht ganz erschließt warum neben der Band und dem Herrn am Bühnenmischpult noch etwa 10 andere, überwiegend Bier trinkende, tanzende und Posergesten machende Personen auf der Bühne rumturnen mussten.
Beim letzten Song hatte die überraschend junge Security ihren einzigen ernsthaften Einsatz als ein Fan auch auf die Bühne wollte und sie zog ihn weg. Sänger Zak sah dies und wies die Burschen an, sie sollten den Mann doch hinauflassen, worüber sich dieser auch sichtlich freute. So bewiesen Clawfinger Fannähe, und auch das persönliche Bedanken für's Vorbeikommen bei jedem vorn stehenden Fan von Gitarrist Bard Torstensen per Handschlag stellte das unter Beweis. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Band hatte Spaß, das Publikum hatte Spaß - so sollte es überall sein.
Boozed
Den Abschluss des Festivals bildeten Boozed. Ob er als Rausschmeißer fungieren sollte oder einfach nur dem Namen der Band alle Ehre machen wollte weiß ich nicht, jedenfalls schien ihr Sänger nicht mehr sehr durstig zu sein. Derartig torkelnd dass er von mehreren vorn stehenden Besuchern festgehalten werden musste als er vorn über die Absperrung klettern wollte, brüllte er die ganze Show über so laut er konnte in's Mikro. Dass er dabei einmal auf das Kabel trat und den Stecker herausriss störte ihn nicht - er brüllte drei Minuten eifrig weiter bis zum Ende des Songs und wartete den Hinweis seines Gitarristen ab, nahm dessen Mikro in die Hand: "Andi, pass' mal auf dein Mikro da auf". Natürlich ist es jeder Band selbst überlassen ob, und wie viel sie vor der Show trinkt. Auch wenn sich Boozed als Spaßband verstehen sollten war das einfach zu viel des Guten. Schade, denn ihr rotziger, an Motörhead erinnernder Sound und die bisweilen sehr blueslastigen Soli an sich könnten richtig Spaß machen. Die Tatsache, dass Boozed um halb drei nachts noch derartig gut in Fahrt waren lässt natürlich auch über ihre "krankheitsbedingte" Absage des Gigs auf dem Area 4 am Folgetag die eine oder andere Vermutung zu.
Fazit:
Zum gesamten Festival lässt sich sagen dass eine gute Mischung verschiedener Stilrichtungen geboten wurde. Die Lage ist zentral in Schüttorf gelegen sehr günstig, mit Supermärkten um die Ecke und dem Zeltplatz im Park. Wenn dann nächstes Mal niemand direkt neben dem "Lebensgefahr, Baden verboten"-Schild in die Vechte nebenan springt und das Festival so friedlich von Statten geht wie dieses Jahr bleibt eine Fortsetzung des Komplex Open-Airs eigentlich nur zu wünschen, genauso wie wohl auch ein paar Besucher mehr. Ob diese in diesem Jahr nun eher der Love Parade oder dem Area 4 gewichen sind, weiß ich nicht. Wenn es nach mir geht, ist eine Fortsetzung des Komplex im nächsten Jahr nur zu wünschen.
S.J., 29.08.2007
Fotos von: Stefan Junge |
Band-Infos:
| | Clawfinger: www.clawfinger.net
Gods of Blitz: www.godsofblitz.de
Crosscut: www.crosscut.tv
El*ke: www.alleselke.de
Boozed: www.boozed-rocks.com  |
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