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Konzertbericht: Area 4 |
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Flugplatz Borkenberge bei Lüdinghausen Samstag, 25.08.2007
Bands: Turbostaat, Itchy Poopzkid, Muff Potter, From Autumn To Ashes, Blackmail, Art Brut, The 69 Eyes, Juliette & The Licks, The Hives, Billy Talent |
Am zweiten Tag des Area4-Festivals im idyllischen Münsterland gab es mit zehn Bands die meisten der drei Tage zu sehen. Als Headliner standen Billy Talent auf dem Programm, doch zuvor gin es mit drei deutschen Punkbands hintereinander bereits um kurz vor 12 Uhr mittags los.
Turbostaat
Die fünf Nordlicht aus Flensburg starteten einige Minuten früher in ihr Set. Für die unchristliche Uhrzeit von Punkt 12 Uhr war es schon gut voll auf dem eigentlichen Festivalgelände. Der Deutschpunk des Quintetts kam gut an, die noch müden Knochen wurden zentral vor der Stage wachgerüttelt. Großartige Bewegungen im Publikum blieben jedoch aus. Dafür war die band gut gelaunt und agil, nur Frontmann Jan Windmeier könnte etwas agiler sein. Der Sound war, wie auch am Vortag, druckvoll und klar, allerdings bei Turbostaat verdammt laut. Nach fünfundzwanzig Minuten mit viel Material vom neuen Album VORMANN LEISS verließ die Band dann die Bühne. Ein solider Auftritt ohne große Highlights oder Schwachpunkte.
Itchy Poopzkid
Die unermüdlich tourenden drei Skatepunks von Itchy Poopzkid aus Eislingen an der Fils waren als nächstes dran. Zum Intro "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss betrat die Band die Bühne. Gut gelaunt zeigten sich Gitarrist Sebastian "Sibbi" Hafner, Viersaiter Daniel "Panzer" Friedl und Drummer Tobias "Saikov" Danne. Sebastian und Daniel teilen sich außerdem die Vocals und tauschen auch mal ihre Instrumente untereinander. Die Fans nahmen die Band begeistert auf und tanzten sich warm, während auch auf der Bühne durchgehend Bewegung angesagt war und jeder Quadratzentimeter Bühne abgeschritten wurd.
Während sich im ersten Song einige Verspieler einschlichen, wurden diese durch symphatische und lustige Ansagen wieder wett gemacht. Passend zur fröhlichen Musik des Trios, die mit Spielfreude vorgetragen wurde, kam die Sonne raus. Bei "Time to ignite" kam es zu einer Wall Of Death, wie es bei Itchy Poopzkid bei diesem Song üblich ist. Hiernach wurde die Erfolgssingle "Silence is killing me" dargeboten. Die Setlist ähnelte stark dem Auftritt bei den T-Mobile Extreme Playground einige Monate zuvor, was aber kein Nachteil ist. Eine gute, halbstündige Punkrockshow, die beim Zusehen Spaß machte.
Muff Potter
Wieder etwas mehr Zuspruch vor der Bühne bekamen nun die vier Münsteraner Deutschpunks von Muff Potter. Die Band ist gut gelaunt und präsentiert neben aktuellem Material aus ihrem neuen Album STEAY FREMDDKÖRPER ("Wunschkonzert", "Fotoautomat") auch älteres Material wie "Wenn dann das hier", welches einem Lüdinghausener Kinderbuchautor gewidmet wurde. Die Leute im Publikum hatten Spaß am Auftritt von Nagel und Co. und tanzten ausgelassen vor der Bühne. Das gute Wetter hielt sich weiterhin, die Stimmung im Publikum blieb weiter auf hohem Niveau. Muff Potter spielten, wie auch Turbostaat, einen grundsoliden Auftritt, der nach vierzig Minuten beendet war.
From Autum To Ashes
Nun kam es zum Auftritt der New Yorker Post-Harcoreband From Autumn To Ashes. Das Ami-Quintett um Sänger Francis Mark veröffentlichte im April 2007 ihr viertes Studioalbum HOLDING A WOLF BY THE EARS und befand sich zum Zeitpunkt des Area4 auf Europatour. Ein Abstecher nach Lüdinghausen bot sich also an. Die Band hatte 45 Minuten Zeit, um das Publikum mit ihrem aggressiven Post-Hardcore zu unterhalten. Die neben Tool und Soulfly wohl härteste Band des kompletten Festivals bekam viel Nebel aus den jeweiligen Maschinen spendiert, dies störte die Band jedoch eher weniger. Bewegung und Spielfreude standen im Vordergrund, auch wenn From Autum To Ashes mit weniger Besucher auskommen mussten als die vorher aktiven Muff Potter. Dafür gab es einiges mehr an Bewegung im Publikum zu bestaunen. Der druckvolle Sound tat sein übriges zu einem gelungenen Auftritt, der mit "Death Kult Social Club" vom neuen Album beendet wurde.
Setlist From Autumn To Ashes:
- Everything I need
- On the Offensive
- Recounts and Recollection
- Where to draw the Line
- Milligram Smile
- Alive out of Habit
- The After Dinner Payback
- Travel
- Underpass Tutorial
- Pioneers
- Death Kult Social Club
Blackmail
Mit Blackmail stand nun eine deutsche Indie-Rockband auf der Bühne. Das Songwriting der Koblenzer Band kann gefallen, musikalisch überzeugte die Band auf ganzer Linie. Die eingängigen Melodien animierten das Publikum zum Tanzen. Blackmail hatten jedoch weniger Zuschauer als From Autum To Ashes zuvor. Die Stimmung war trotzdem gut, die Fans klatschten in den entsprechenden Parts begeistert mit. Hört sich nach einem guten Auftritt an?
Stimmt. Jedoch machte Sänger Aydo Abay mit seinen umsymphatischen und unmotivierten Ansagen den guten Eindruck der Band etwas zunichte. Der gute Mann bzw. Seine Ansagen schafften es immer wieder, der Stimmung den ein oder anderen Dämpfer zu verpassen. Und irgendwie cooler wirkte Abay hiermit auch nicht.
Art Brut
Nun kam es zum Auftritt der Londoner Indieband Art Brut. Das Quintett spielt recht eintönige Musik, das Songwriting vieler Songs ähnelt sich sehr. Außerdem werden oftmals die Lyrics bis zum Erbrechen wiederholt. Von Singen kann man bei Eddie Argos nicht sprechen, der Mann mit dem Seitenscheitel legt eher Wert auf das Sprechen der Lyrics mit erhobenem Zeigefinger und dem typisch britischen Akzent und stolziert dabei über die Bühne. Der Rest der Band zeigt sich dagegen agil und hat Spaß am Spiel. Songs wie "Emily Kane", "Bang Bang Rock & Roll" oder "Moving to L.A." wurden den begeisterten Fans präsentiert. Zwischen den Stücken kam es zu Ansagen von Eddie, in denen der Bandname, von dem er in der dritten Person sprach, extrem oft genannt wurde. Auf mich wirkte das Ganze langweilig, der einstündige Auftritt der Band bot genügend Zeit um dem reichhaltigen Angebot an Merchandise einen Besuch abzustatten.
The 69 Eyes
Komplett in eine andere Richtung ging es danach mit den finnischen Dark Rockern von The 69 Eyes. Direkt zu Beginn fiel die ausgereifte Lichtshow ins Auge, die gut zur Musik der fünf Skandinavier passte. Diese zeigten sich agil und hatten trotz des düsteren Images Spaß in den Backen. Auch die Leute vor der Bühne, die sich hier wieder zahlreicher aufhielten, feierten die Gruppe ab. Die Band um Sänger Jyrki 69 war komplett in abgestimmten Outfits erschienen und hatte teilweise mit Rückkopplungen zu kämpfen. Die Interaktion mit dem Publikum beschränkte sich auf ein Mitklatschspiel, ansonsten animierte die Band nicht weiter zu Aktionen im Publikum. Auf der Bühne wurde eine unterhaltsame Show geboten, die ihren Höhepunkt in der Umbennenung des Festivals in "Area 69" fand. Nach einer Stunde war der Spuk dann jedoch schon vorbei, als The 69 Eyes mit "Lost Boys" ihr Set beendeten. Zugaberufe konnte die Band wegen dem Zeitplan leider nicht erfüllen.
Juliette & The Licks
Danach folgten dann Schauspielerin Juliette Lewis (bekannt aus Filmen wie "From Dusk till Dawn" oder "Kap der Angst") und ihre Licks-Begleitband. Juliette betrat mit Federschmuck und enger Latexhose die Bühne. An ihrer Show können sich einige andere Frontfrauen und -Männer noch eine Scheibe abschneiden. Auch bei Stimme zeigte sich die Frau gut. Bei der Vorstellung der Band dürfen die jeweiligen Mitglieder direkt jeweils ein Solo fabrizieren. Juliette hingegen spielte die komplette Show über mit ihrem Sex-Appeal und hatte auch keine Berührungsangst vor dem Bühnenboden, auf den sich spontan gelegt wurde. Zum Ende des Auftritts spielten alle Mitglieder der Band am mit Glitter verzierten Drumset von Jason Morrison herum, Lewis kümmerte sich hier um die Becken. Zum Ende hin kam es zu einer ausgiebigen Verabschiedung, bei der sich Lewis für meinen Geschmack etwas zu sehr feiern lies. Eine enthusiastische und richtig gute Rockshow, die Juliette & The Licks da auf die Beine stellten. Diese Show wollten sich auch die meisten Besucher des Festivals nicht entgehen lassen. Auch die nachfolgende Autogrammstunde war gut besucht.
The Hives
Als Co-Headliner gab es nun die Schweden The Hives auf die Ohren. Der Mix aus Alternative- und Indie-Rock wurde vom begeisterten Publikum abgefeiert, während die Band sich wie gehabt in schwarzweiße, maßgeschneiderte Anzüge hüllte und eine gute Performance ableistete. Statt einem Backdrop gab es eine im Fifties-Stil gehaltene, rote Leuchtreklame mit dem Bandnamen zu bestaunen. Auch mal etwas anderes. Die Band zeigte sich sehr agil und präsentierte neben neuen Songs vom THE BLACK AND WHITE ALBUM auch alte, bekannte Stücke wie "Walk Idiot walk". Zwischendurch wurden immer wiede Plektren der Gitarristen ins Publikum geworfen, während Frontmann Pelle Almqvist immer wieder von der "besten Rockband der Welt" sprach und überzogene Ansagen brachte. War sehr unterhaltsam. Neben der guten Show war auch der Sound sowie die Lichtshow auf Top-Level. Under den vielen Zuschauern, von denen eine Menge aus Crowdsufern bestand, befanden sich auch Teile von Art Brut. Eine unterhaltsame Show, die leider fünf Minuten zu früh beendet wurde.
Billy Talent
Als Headliner und somit letzte Band des zweiten Festivaltages standen die angesagten Kanada-Punks von Billy Talent auf der Bühne. Der Platz vor der Bühne war sehr gut gefüllt, als die Band zu den ersten Takten von "This is how it goes" die Bühne betrat und mit lautem Jubel empfangen wurde. Im Anschluss gab es eine 16 Songs starke Punkrockshow, die routiniert gespielt wurde. Teilweise wirkte die Band auch erschöpft, jedoch war das Hauptziel der Mannen um Sänger Ben Kowalewicz ganz klar, die Fans zu unterhalten. Die helle Lightshow sorgte bei den Fotografen für gute Laune, während der Rest des Publikums mit Hits wie "Devil in a Midnight Mess", "Try Honesty" oder der aktuellen Single "Surrender" unterhalten wurde.
Die Band kam früh ins Schwitzen, die Haartolle von Gitarrist Ian D'Sa hielt trotz Ventilator auf der Bühne nicht allzu lange. Auch Ben entledigte sich nach einigen Songs zur Freude des weiblichen Publikums seines T-Shirts. Eben jene Besucher wurden von ihm dann auch mit Komplimenten beglückt. Für seine Verflossene hat er jedoch nicht allzu liebe Worte über, wie in der Ansage zu "The Ex" deutlich wurde.
Zum Ende hin kam die Band für die Zugaben "Fallen Leaves" sowie "Red Flag" noch einmal auf die Bühne. Dann war, zehn Minuten zu früh, leider schon Schluss. Zumindest "Living in the Shadows" sowie "Standing in the Rain" von BILLY TALENT hätten noch in die Setlist eingebaut werden können. Ansonsten spielte die Truppe einen guten, routinierten, jedoch nicht langweiligen Headliner-Auftritt.
Setlist Billy Talent:
- This is how it goes
- Devil in a Midnight Mess
- This Suffering
- Navy Song
- Line & Sinker
- Worker Bees
- The Ex
- Surrender
- River below
- Where is the Line?
- Pins and Needles
- Perfect World
- Symphathy
- Try Honesty
- Fallen Leaves
- Red Flag
Fazit:
Der zweite Tag konnte vor allem mit Billy Talent, The Hives, Itchy Poopzkid und From Autumn To Ashes glänzen. Auch Juliette & The Licks wussten zu gefallen. Gar nicht gefallen haben mir die Briten von Art Brut.
M.K., 03.09.2007
Fotos von: Melanie Wiechers |
Area 4 Festival:
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