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Konzertbericht
 

Joch'n'Roll Open Air
auf der Hafenspitze in Hameln
Freitag, 31.08.2007

Bands: Last one Dying, Abgefuckt, In case of fyr, Raid 4, Hate Squad, And still I bleed, Go faster nuns, Subconcious, SS-kaliert, Zero Mentality, Bad Nenndorf Boys, Dödelhaie, A traitor like Judas, Drone, Cataract, Rasta Knast, Volbeat, Antidote, Sick of it all

Es gibt verschiedene Vorstellungen davon, wie das "ideale" Festivalwetter auszusehen hat. Die Einen wollen es möglichst heiß und trocken, Andere genießen lieber gemäßigte Temperaturen und sind auch dem einen oder anderen Regenschauer nicht ganz abgeneigt. Dauerregen bei 10°C wollen wohl aber die allerwenigsten, und genau so sollte es laut Vorhersage am Joch'n'Roll Wochenende in Hameln werden.

Am Vormittag war zunächst davon glücklicherweise nichts zu spüren. Am Hamelner Bahnhof angekommen stellte ich fest,dass wegweisende Schilder wohl für überflüssig befunden wurden, und auch über den angekündigten Shuttle-Bus war nichts herauszufinden. Folglich sammelte ich meine sieben Sachen erneut zusammen und begann mich zur Hafenspitze durchzufragen.

Auf dem Gelände angekommen, bot sich mir ein fast komplett leeres Campingareal, wodurch ich aber immerhin fast freie Platzwahl hatte. Also: Zelt aufgebaut, und pünktlich zu den ersten Klängen von In case of fyr stand ich vor der Hauptbühne.

In case of fyr

In case of fyr
Mit ihrem melodischen Metalcore schafften sie die wenigen anwesenden Leute in Bühnennähe zu locken. Ihr überwiegend schneller Sound konnte sich durchaus hören lassen, aber da einfach kaum jemand dort war der dies hätte hören können, beließen es In case of fyr bei Ansagen und der Vorbereitung des Publikums auf die folgende Band der Hauptbühne: "Kennt hier jemand Hatesquad?".


Last one Dying

Last one Dying
Zunächst ging es aber auf der Zeltbühne weiter, wo Last one Dying eine etwas gemäßigtere Form von Metalcore darboten. Bei den etwa 30 Leuten im Publikum herrschte kaum Stimmung, was aber auch mit an der Unbeweglichkeit der Musiker gelegen haben dürfte.


Raid 4

Raid 4
Das Joch n Roll Gelände verfügte über drei Bühnen: Zwei draußen und die besagte Zeltbühne. Bei Einhaltung des Zeitplans wäre für Musik also immer gesorgt gewesen. Ein löbliches Konzept, und so waren Raid 4 auf der Winniebühne die nächsten die sich präsentieren durften. Ihr schneller Sound der bisweilen mit plötzlich einsetzenden Knüppelattacken garniert wurde, schaffte es immerhin die ersten Headbanger vor die Bühne zu locken.


Abgefuckt

Abgefuckt
Anschließend tobte auf der Zeltbühne der Punk: Abgefuckt - "liebt dich", wie ich anhand der Ansagen feststellte, und da sie "dich" so gern haben, stellten sie live ihre neue EP "Gute Nachrichten" vor. Ihr Deutschpunk wirkte gar nicht schlecht, jedoch wirkten die Musiker auf der Bühne viel zu steif und unbeweglich, als dass ihr Gesamtbild wirklich mitreißend gewesen wäre.


Hate Squad

Hate Squad
Im Anschluss wurde die Hauptbühne zum zweiten Mal in Beschlag genommen: Hatesquad aus Hannover wollten die kleine Meute jenseits der Absperrung mit ihrem modernen Thrashmetal Konzept überzeugen. Leider mussten sie während der Show zwei Stromausfälle miterleben. Diese wurden zwar nach ein paar Minuten behoben, aber Stimmungskiller sind solche Pannen natürlich trotzdem. Musikalisch waren die Herren jedoch nett anzuhören, wenngleich der Background Gesang besser in eine Hardcore/Crust-Band gepasst hätte.


Go Faster Nuns

Ein paar Minuten später legten die Go Faster Nuns auf der Winniebühne los. Ihr Beatpunk, wie sie selbst ihre Musik umschreiben klang überraschend soft, angesichts der Bands die den Auftritt der Nonnen umrahmten. Dennoch, oder gerade deswegen konnte man allmählich mitzählen, wie es nach und nach ein paar mehr Leute zum Bühnengelände zog.


And still I bleed

And still I bleed
Zum wiederholten Male Metalcore gab es derzeit bei And still I bleed im Zelt zu bestaunen. Das war natürlich nichts grundsätzlich neues, jedoch brachte das Sextett mit seinen zwei Sängern ein wenig Abwechslung hinein was der Band auch gut zu Gesicht stand. Obwohl sich draußen sogar die Sonne sehen ließ, zog es mehr und mehr Leute in's Zelt.


Subconcious

Subconcious
Vorbei mit dem schönen Wetter war es daraufhin beim Auftritt von Subconcious auf der Hauptbühne. Nach wenigen Songs setzte der Regen voll ein. Ein paar Hartnäckige blieben dennoch vor der Bühne stehen und wurden von der Band natürlich zum Näher kommen aufgefordert. Die Musik siedelte sich im mittel bis schnellen Bereich an, doch leider boten die Vocals keinerlei Abwechslung.


SS-kaliert

SS-kaliert
Im fliegenden Wechsel ging's für mich danach wieder zur Zeltbühne wo SS-kaliert offenbar im Begriff waren, Musik zu machen. Nunja, auch das Gitarre-Stimmen will gelernt sein. Trotz allem sammelte sich bei ihnen zum ersten Mal ein etwas größeres Publikum an diesem Tag. Es sollte nicht das letzte Mal am Wochenende sein dass eine Band aufgrund der Witterungsverhältnisse auf der kleinen Zeltbühne vor verhältnismäßig riesigem Publikum spielt, während die Hauptbühne "leer" ausgeht.


Zero Mentality

Zero Mentality
Vermutlich des Regens wegen war das Festivalgelände eine geschätzte halbe Stunde lang ruhig und wie leergefegt. Zum Soundcheck von Zero Mentality fanden sich dann die ersten Herrschaften wieder ein. Während des Auftritts heizten diese dem Publikum mit ihrem dem Metalcore auch nicht ganz unähnlichen Sound gehörig ein. Dass sie unter diesem eifrig Biermarken für gute "Mittänzer" verteilten war dabei eine willkommener Anreiz für das zuvor eher gelangweilt wirkende Publikum.


Bad Nenndorf Boys

Bad Nenndorf Boys
Ska-Punk gab es danach auf der Zeltbühne. Die ganz in weiß gekleideten Bad Nenndorf Boys profitierten auch vom schlechten Wetter. Sie boten eine insgesamt gute Show und agierten auf der Bühne auch sehr bewegungsfreudig. Das übertrug sich auf Publikum, und so können die Boys die ein original Ortschild von bad Nenndorf auf der Bühne haben den Auftritt auf dem Joch n Roll getrost als Pluspunkt verbuchen.


A Traitor like Judas

A Traitor like Judas
Die selbe Bühne stürmten zwanzig Minuten später A Traitor like Judas. Nun, mir ist klar dass es guten Metalcore gibt - und eben auch weniger guten. In jedem Genre ist es schwer aufzufallen und eigene Akzente zu setzen, doch ich denke dass es im Metalcore-Sektor besonders extrem ist. Zwar machen A Traitor like Judas optisch bisweilen was her, wenn beide Gitarristen die das selbe ESP Modell spielen und sich dabei ordentlich in's Zeug legen beispielsweise, doch wenn der Sänger ununterbrochen ohne weitere Handlungen wie ein Tiger im Käfig noch von links nach rechts stapft, wirkt der Auftritt doch eher gekünstelt.


Dödelhaie

Dödelhaie
Als ziemliche Publikumslieblinge stellten sich die Dödelhaie heraus. Trotz des immer wieder einsetzenden Regens fand sich eine beachtliche Menge vor der Hauptbühne ein um die Punks zu feiern. Diese erzählen eifrig Geschichten zwischen ihren Songs und haben spürbar auch ihren Spaß an der Sache. Ob Cover oder "eigene" Sache: Songs wie "Hätt ich dich heut erwartet..." mit dem freundlichen Gruß an die Männer in Grün für die Hausdurchsuchung oder auch die frei interpretierte Version vom "Drunken Sailor" machen einfach Spaß und jeder kann sie mitsingen. Doch auch die Ernsthaftigkeit kam nicht zu kurz, klingen doch Songtexte wie "Worauf bist du stolz?" doch stark nach politischem Hintergrund. Alles in Allem war der Auftritt der Dödelhaie auf dem Joch n Roll ein Erfolg, an dem sowohl Band als auch Zuschauer ihre Freude gehabt haben sollten.


Drone

Drone
Erfolg hatten auch die Thrasher Drone auf der Zeltbühne. Ein ganz paar Fans waren aus dem nicht allzu entfernten Celle mitgereist und sangen Songs wie "Chainsaw symphony" natürlich lauthals mit. Als Sänger und Geburtstagskind Moritz dann zur "Wall of Ass" aufrief, hielt sich die Teilname allerdings in Grenzen. Musikalisch jedoch ließen die Dronen nichts anbrennen und servierten eine geballte Ladung ihres an Pantera erinnernden Thrashmetals.


Cataract

Cataract
Es gab eine kurze Ansage auf dem Festivalgelände, Girlschool würden leider ausfallen, und da Volbeat noch im Stau steckten, waren Cataract die nächsten die die Hauptbühne entern durften. Sie boten über 60 Minuten eine klasse Show, und auch das Publikum wusste das zu schätzen Auch die klaren Absagen an die "Nazis, die unsere Musik missbrauchen" wusste das Publikum zu schätzen und belohnte Cataract mit eifrigen Headbangern vorn und einem Circle-Pit in der Mitte.


Rasta Knast

Rasta Knast
Auf der Zeltbühne gab es danach Rasta Knast zu begutachten. Auch wenn ich persönlich mit Punk Rock nicht allzu viel anfangen kann schien die Band vom Publikum gemocht zu werden und auch dementsprechend gut anzukommen. Einige Rasta Knast Aufnäher die man bei genauerem Hinsehen auf vielen Jacken und Rucksäcken sah, bezeugten dies.


Volbeat

Volbeat
Ihren Stau offenbar endlich überstanden, standen Volbeat als nächstes auf der Winniebühne. Viele Fans waren dort, und die feierten ihre Band auch entsprechend. Ihre Querbeet Mischung aus Rock n Roll, Blues und einer Prise Metal kam richtig gut an, und auch die ersten Crowdsurfer des Festivals konnten Volbeat so für sich verbuchen.


Antidote

Antidote
Ein letztes Mal ging es für mich während des Wartens auf den Headliner für mich in's Zelt wo gerade Antidote ihr Set unter die Leute brachten. Das taten sie beileibe nicht virtuos, doch das hatte wohl auch keiner der Bunthaarigen Genossen im Publikum erwartet. Nichts besonderes, aber mit einem Bier auch für mich ein ganz ansehnlicher Auftritt.


Sick of it all

Sick of it all
Der wohlverdiente Headliner des Abends waren natürlich Sick of it all. Die New Yorker Hardcore-Legende brachte in den Abendstunden sehr viel Bewegung auf die Bühne und im Publikum. Wer weiß wie ihre Show erst bei trockener Bühne ausgesehen hätte, bei der Nässe die sie vorfanden waren ihre Sprünge nur halbherzig, aber ohne dass man es aus dem Publikum gemerkt hätte. Das Publikum dankte es mit außergewöhnlich vielen Crowdsurfern, guter Laune trotz des schlechten Wetters und natürlich mit zahlreicher Anwesenheit.
Sick of it all
Auch das mittlerweile ausgelegte Stroh erwies sich als nützlich, sei es als Auffang für Leute aus dem Moshpit, oder auch nur zum Herumwerfen. Sick of it all jedenfalls bewiesen ihre Klasse und ließen sich zu Recht als letzte Band des Abends feiern.


After-Show Party

After-Show Party
Nunja, nicht ganz die letzte Band, schließlich gab es noch die angekündigte After-Show Party in der Supfblume, einem umfunktionierten Kino ein paar Hundert Meter weiter. Dort spielten bis in die Nacht hinein noch die Hamelner Puta Realidad, die mit politischen Ansagen sowie gutem Set glänzenden Narziss und die Österreicher Estate. Die Party erwies sich bei vollem Haus als gute Idee und ist auch im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder zu begrüßen.


    S.J., 02.09.2007
    Fotos von: Stefan Junge

 
 
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