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G e g e n d e n S t r o m : Übersicht
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Kopierschutz und das Ende
Tja, da fragt man sich doch langsam, was Label sich einbilden. Da bekommt man eine persönlich numerierte Scheibe zugeschickt und damit sollte auch der Dümmste wissen, dass man damit registriert ist. Finde ich prima, denn ich will die Promo-Scheibe testen und nicht auf Tauschbörsen veröffentlichen, vielleicht auch noch vor Veröffentlichung, um mich besonders Wichtig zu machen. Alles schon passiert und für mich absolut nicht nachzuvollziehen. Solchen Idioten verdanken wir Tester, dass es immer widersinniger wird, das mit jeder Menge "Kopierschützen" versehene Material zu testen.
Wären die Musiker nur halb so kreativ wie die Labels, so könnten wir so manches musikalische Highlight erwarten.
Angefangen mit Voice-Over, dem gefühlslosen Hineinquatschen in jede noch so geniale Hookline, meist auch noch mit Stimmlagen, die so passend für die Musik sind, wie Marmelade zu Makrele.
Nicht genug, wird bald die Palette nerviger Add-Ons deutlich erweitert. Pfeifen, Piepsen, Telefonklingeln sind die Highlight der Perversion und veranlassen so manchen Tester auszusteigen - auch aus unserer Redaktion.
Ach da hätte ich doch glatt vergessen, dass man schon lange kaum noch Promos in den "Geräten des Teufels", manche nennen sie auch PCs oder Laptops abspielen kann. Vergaß die ich Auto-CD-Player? Damit wird es zunehmend schwerer eine Promo anzuhören und gleichzeitig zu schreiben - und das mit nur einem Gerät - vielleicht auch noch, wenn man unterwegs ist und sein Home-Stereo-System nicht im Gepäck mitführt.
Die Label haben gelernt (oder vielleicht auch lernen müssen) und begonnen uns lieber mit nervigen Fade-Outs zu traktieren. Wenn man Glück hat sind aber noch 1-3 "Saubere Songs" auf der Scheibe, die zumindest kurzweilige vernünftige Testbedingungen schaffen.
Wenn man aber dann noch feststellen muss, dass anstatt elf Songs nur acht auf die Scheibe gepresst wurden, ist das Maß langsam voll. Wenn ein Produkt nicht vollständig ist, gibts auch keine Wertung, das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Eine Tendenz vielleicht aber auch nicht mehr und da macht es keinen Unterschied, ob ich eine neue Digi-Cam, ein PC-System oder eben eine Promo vor mir liegen habe. Abgesehen von der nicht vergebenen Wertung, werde zukünftig solche Frechheiten in die Rundablage wandern lassen - ungetestet versteht sich! Schade nur um das Material, das Porto und vorallem den Künstler.
Ob die Musiker davon wissen, was sein Label treibt, bin ich überfragt, denn schließlich ist es allen bekannt, dass sich hinter Magazinen, egal ob Print oder Online ausschließlich illegale Tauschbörsen verstecken, die den Label Milliarden-Schäden (Millionen sind schon längst out) bescheren. Solches Gesocks bekommt dann auch kein vernünftiges Testmaterial. Tests sind sowieso oftmals recht hinderlich, denn da könnte sich bereits im Vorfeld herausstellen, dass die neue Produktion Mist ist und noch weniger Fans den Müll kaufen.
Irgend jemanden sind diese Ansichten sicherlich recht nützlich. Genau den Lobbyisten, die sich auch für Internet-Zensur-Werkzeuge stark machen, um dem illegalen Treiben ein Ende zu bereiten, auf Kosten aller - aber das ist eine andere Geschichte.
Ok, wenn man dieser Ansicht ist, dass man Redakteuren kein vernünftiges Material mehr zusenden muss, dann erlaube ich mir als Chefredakteur zukünftig nur noch jene mit einem Test zu bedenken, die uns auch testbares Material zuschicken. Promos frei von Kopierschützen, wobei ich eine eindeutige Kennzeichnung zur Identifizierung sogar unterstützen würde, aber kein Voice-Over, Fade-Out oder sonstige Verstümmelungen.
Auch eine digitale Bemusterung werde ich nur in Ausnahmesituationen nutzen, denn ich finde es bei aller Liebe zum Fortschritt nicht ok, die zusätzliche Last von Informationen- und Datensammeln dem Tester aufzubürden, der mit seinem (Non-Profit-)Magazin sowieso schon über die Maßen Kraft und Zeit investiert. Bekommen tut man dann oftmals nur minderqualitative MP3-Daten, wo sich dann oftmals die Frage stellt: Ist das nun 'ne verzerrte Gitarre oder ein Tribut an 128kBit?
Da bekommen wir einerseits Final Versions direkt aus den U.S.A. aus China, Indien oder Australien und hier im eigenen Land werden wir mit testunwürdigem Promomaterial beliefert. Klar, dass uns die Wahl leicht fällt, was wir testen und was nicht.
Sorry lieber Musiker, denn dein Album hat es sicherlich nicht verdient, in dieser amputierten Version als Promo verteilt zu werden, wie auch die unzähligen verstümmelten Scheiben deiner Kollegen, aber jeder hat auch die Wahl, sich einen geeigneten Vertrieb auszusuchen. Wenn es der Künstler nicht mehr in der Hand hat, sein Schicksal auf Kosten des Kommerzdenkens zu bestimmen, dann tut es mir leid.
Ich als "Verbraucher" habe vielleicht ebenso wenig "Macht", individuell betrachtet, aber ich weiß auch, ich bin nicht alleine...
Und wer nicht bei sich selbst beginnt, braucht andere nicht zu belehren... |
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