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Review: Abandon Hope
 
THE ENDLESS RIDE

Album:
 THE ENDLESS RIDE, 2006, Eigenvertrieb

Stil:
 Modern Metal

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 M.K., 06.03.2007

Review:
 Abandon Hope stammen aus dem beschaulichen Münster. Und das dort erfolgreiche Musik der härteren Gangart herkommt, haben H-Blockx und Neaera bewiesen. Ob dieses Prädikat auch auf Abandon Hope zutrifft, gilt es, herauszufinden. Und dafür landet das selbst produzierte Erstlingswerk namens THE ENDLESS RIDE bei mir auf dem Tisch.

Ruhig und melodisch beginnt das Album mit dem Intro namens "The Goddess". Erinnert etwas an Metallica, vom Stil her.
Nahtlos geht es weiter mit "Someone's Desire", wo sofort ordentlich die Riffkeule geschwungen wird. Die Produktion drückt nur so aus den Boxen, und der Gesang von Michael "Hommel" Homborg erinnert an die Stimme von Godsmack-Mastermind Sully Erna. In jedem Fall wird hier musikalisch eine Mischung aus Pantera, eben jenen Godsmack und einigen einschlägigen Nu Metal-Riffs geboten. Der Song kann einiges, vor allem der Refrain weiß restlos zu überzeugen. Ebenfalls kann der Mittelteil mich begeistern, gerade gesanglich gibt es hier nix zu meckern. Klasse!
Mit "The Sad, the Damned, the Dead" geht es weiter, und sofort weiß das einfallsreiche Schlagzeugspiel von Alex Salaj zu überzeugen. Musikalisch wird hier aufs Gaspedal getreten, die Double Bass regiert. Wieder bleibt der Refrain im Kopf hängen, und der Aufbau der Strophe braucht sich musikalisch vor den großen Namen nicht zu verstecken. Nach knapp drei Minuten wird es langsamer, eine melodische Bridge bahnt sich den Weg durch das Double Bass-Gewitter. Der nachfolgende Teil is schon aggressiver und an Fear Factory erinnernd, während der Hauptriff aus der Feder von Max Cavalera stammen könnte. Großer Song, welcher am Ende einen kleinen Schwenk Richtung Meshuggah macht, um dann mit einem schweren Riff a la Celtic Frost zu enden.
Mit einem verzerrten Nu Metal-Riff beginnt "No other Time". Hier geht es etwas langsamer zur Sache, was der Stimme von "Hommel" eine weitere Variabel entlockt. Refraintechnisch wussten die vorherigen Songs etwas mehr zu überzeugen, man kann jedoch auch hier gut damit leben. Im Laufe der fünf Minuten Spieldauer wird dieses Stück schneller und überrascht immer wieder durch nicht vorhersehbares Songwriting. So könnte das Gitarrensolo in der zweiten Hälfte durchaus auch von Audioslave-Gitarrist Tom Morello stammen. Kaum zu glauben, dass Axtmann Jörg Holzhauer früher unter anderem bei den Grindcorelern von World Downfall in die Seiten griff.
Mit "Locomotive Breath" präsentiert die Band, ähnlich wie in "The Sad, the Damned, the Dead" ein sehr gutes Timinggefühl, alles passt hier, auch wenn es sich "nur" um eine Cover-Version der legendären Jethro Tull handelt. Musikalisch ein weiterer Nackenbrecher, wenn auch "nur" im Mid-Tempo. Nach anderthalb Minuten kommt schon wieder ein sehr gut gespieltes Gitarrensolo um die Ecke, von dem sich manche Musiker mit Plattenvertrag einiges abgucken können. In den letzten 30 Sekunden wird dann noch mal kurz das Tempo angezogen, bevor endgültig Schluß ist und es weiter geht mit...
..."World of Hurt". Hier geht es sofort aggressiv zu Sache, der Song erinnert an Pantera, schwere Riffs dominieren. Und Geschwindigkeit. Im Refrain hört sich "Hommel" an wie ein Hybrid aus Roger Miret (Agnostic Front) und Ozzy Osbourne. Sehr schön. Der Mittelteil weiß durch Ruhe, Melodie und gesangliche Champions League zu überzeugen. Im weiteren Verlauf folgt noch mehr Tempo und ein weiteres, gefühlvolles Solo. Hier wird noch ordentlich mit Breaks gearbeitet, meine Damen und Herren! Verdammt, was ein guter Song!
"Displaced" ist, abgesehen vom Intro und, das bisher kürzeste Stück der CD und kann nicht ganz so überzeugen. Der Refrain ist in jedem Fall in Ordnung, jedoch wirken die Strophen etwas überladen. Clawfinger trifft hier auf System of a Down, und auch das Gitarrensolo hätte hier etwas weniger Effekte und mehr Spannung vertragen können. Der ab der Zwei-Minuten-Grenze einsetzende, schneidende Riff überzeugt da schon mehr. Jedoch bleibt ein fader Nachgeschmack.
Ein kurzes Instrumental namens "Interlude" tritt nun an den Hörer heran und beinhaltet ein gefühlvoll gespieltes Gitarrensolo sowie Percussion. Gut gespielt.
Ein Tribut an Dimebag Darrell, den ermordeten Gitarristen von Pantera und Damageplan, gibt es nun auf die Ohren: "Lost but not forgotton" ist einer der heftigsten Songs auf Platte und besitzt eine klare Pantera-Schlagseite. "Hommel" kann im Refrain aber mal so richtig derbst überzeugen, und seine Mitstreiter lassen bei mir ordentlich den Kopf wackeln. Jawoll, ab und an schaut hier auch der Southern Rock mal rein und gibt seinen Senf ab. Das bei einem Tribut an Dimebag das Solo stimmen muss, ist natürlich eine Frage der Ehre.
Nun geht es weiter mit einem simpel gestrickten, aber griffigen Mid Tempo-Rocker namens "Praise but One". Hier wird einmal mehr die variable Stimme von Michael Homborg gut in Szene gesetzt. Kann man sich getrost anhören, die Riffs wissen ebenfalls zu überzeugen, nur das Gitarrensolo ist eventuell etwas zu überdreht ausgefallen.
Der "Road Song" ist mit über sieben Minuten Spielzeit das längste Stück auf THE ENDLESS RIDE und bildet zeitgleich den Abschluss. Langsam geht es los, und gesanglich gibt es hier, wieder einmal, überhaupt nix zu meckern. Teilweise erinnert die nasale Stimme von Hommel an Ozzy Osbourne, gerade im etwas heftigeren Refrain. Der Mittelteil wird wieder etwas ruhiger und vereinzelt lassen sich kurze, verzerrte Gitarrensounds erlauschen. Hommel wechselt hier von Ozzy zu Ex-Audioslave-Frontmann Chris Cornell, stimmlich gesehen, nur um von einem längeren und gefühlvollen Gitarrensolo abgewechselt zu werden. Dieses wird kurz darauf mit schnellen Drum-Attacken konfrontiert, und die Jungs von Abandon Hope ziehen das Tempo etwas an. Die letzte Minute wird instrumental verbracht, und verzerrte Riffs paaren sich hier mit tribalartigen Drummings. Dann ist Schluss.

Fazit: Ich persönlich habe sehr selten, wenn überhaupt, eine dermaßen fett produzierte und überzeugende Eigenproduktion gehört. Man merkt der CD nicht an, dass sie nicht von irgendeinem namhaften, überhypten Produzenten überarbeitet wurde. Nein, hier sind, in dem Sinne, Laien am Werk. Und die machen ihre Sache gut.
Musikalisch liegt die CD irgendwo zwischen Heavy Metal, Southern Rock, Thrash und Stoner Rock. Neben den meist verzerrten Soli weiß vor allem die äußerst Variable und zu 100 Prozent passende Stimme von Michael Homborg zu gefallen.
Verdammt, da kriegt man ja Pipi in den Augen vor Freude. Ich zücke ohne Zweifel die Höchstnote: 7 volle Punkte!

Tipp:
 Wenn man jetzt mal vom Intro und vom Interlude absieht, kann ich alle Songs bis auf das etwas zerfahrene und überladene "Displaced" empfehlen.

Titel-Liste:
 
  1. The Goddess
  2. Someone's Desire
  3. The Sad, the Damned, the Dead
  4. No other Time
  5. Locomotive Breath
  6. World Of Hurt
  7. Displaced
  8. Interlude
  9. Lost but not forgotten
  10. Praise but One
  11. Road Song

Laufzeit:
 44:51 Min.

Band-Infos:
 
  • www.abandon-hope.de 


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