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Review: Alcoholica la Christo
 
TOXICNOLOGY PART 1 & 2

Album:
 TOXICNOLOGY PART 1 & 2, 2006, Locomotive

Stil:
 Nu-Metal, Industrial Metal, Gothic

Wertung:
 3 von 7
3 von 7 Punkten
 J.G., 29.09.2006

Review:
 Da bereits zwei von mir "bestimmte" Freiwillige schreiend davon gerannt sind, obwohl ich ihnen mit dem Review-Angebot dieses Scheibchens doch nur Gutes tun wollte, bleibt es dann doch an mir hängen, das dritte Werk der Bolivianer näher in Ohrenschein zu nehmen.

Man muss schon zur Gattung Besonders Hartgesotten gehören um bei der stilistischen Berg- und Talfahrt nicht freiwillig seine letzte Nahrung der freien Natur zu spenden. Dies liegt nicht nur allein an den teilweise exzessiven Bass- und Drum-Orgien oder den textlich ausschweifenden Banalitäten, die sich häufig zwischen Fuck", "What a Fuck" und "Motherfucker" bewegen, was ja durchaus von gewissem Einfallsreichtum zeugt.
Da wäre auch der aggressiv ausgelegte Mix aus Nu-Metal und Industrial Metal, dann extrem Bass- und rhytmusbetonte Industrial-Disco-Stampfer, Gothic Metal, Einflüsse von Funk und manchmal schimmern sogar noch die eigenen Thrash-Wurzeln durch - aber nur ganz dezent.
Für multilingual begabte Zeitgenossen ist dieses Album ein regelrechtes Schatzkästchen, denn neben dem gernetypischen Englisch gibt es auch noch Französisch, Spanisch und sogar einige Deutsche Sätze zu hören. Wobei ich bemerken möchte, dass ich den Text des "Vater unser" schon kannte und der Songtitel Nazischwein, für südamerikanische Verhältnise sicherlich mit einem verständlichen Zorn belegt, auch im Englischen nicht übersetzt wird.

Wer auf wüste Outputs steht, der bekommt neben einigen textlichen "Fucks" mit dem Titeltrack "Toxicnology" sicherlich eine gehörige Portion Agressivität vor den Latz geknallt. Ein, zwei Nachschläge kann man sich zwei Titel später bei "Indoustrial Messiah" und gleich im Anschluss auch bei "Mi Sangre" abholen.
Retro-Disco-Industrial mit einer Spur zu viel Synthie, darf man bei "Etienne" über sich ergehen lassen.
Eine kleine Perle der sanfteren Gothic-Art entdecke ich in dem Song "Desolation", der so gar nicht in das bisher gehörte Schema passen will.
"Souffrir" erinnert mich etwas an die wilden Zeiten der italienischen Rockröhre Gianna Nanini und fällt ebenfalls "stilistisch angenehm" aus dem üblichen Rahmen.
Dumpfe Disco-Beats und eine streckenweise gehauchte Stimme zeichnen die nächste Perle dieser Scheibe, den Song "Depression" aus und beenden offiziell den 1. Teil des Werks.
Der 2. Teil ist über weite Strecken mit Titeln wie "Tristezza", "Trace la Mort" und "Desolate" mit etwas weniger Aggressivität behaftet - obwohl, wenn ich mir "Nazischwein", "Kannibal" oder "Matador" so anhöre, muss ich meine Meinung doch wieder revidieren.

Fazit: Was bleibt? Viel "Fuck". Jede Menge Ausdrucksstärke und Aggressivität. Nicht enden wollende 22 Tracks mit einer Spielzeit von fast 73 Minuten. Und viel Lärm um eigentlich "Nichts".
Ich denke, die Hälfte der Songs hätte durchaus genügt, wenn man dem verbleibenden Rest wenigstens mehr Substanz verpasst hätte. Potenzial mag bei den Bolivianern durchaus vorhanden sein, jedoch haben sie es geschickt verschleiert.
Aber: Zugute halten muss man der Truppe immerhin, dass sie ihre Musik in einer der ärmsten Länder Südamerikas seit 1994 an den Mann und die Frau bringen müssen. Ich denke, dass sich kaum jemand die dortigen Lebensumstände so richtig vorstellen kann, der nicht wie ich bereits Südamerika bereist hat. Dann wird es auch den Meisten von uns klar, warum so viel Frust, Kriminalität und Dunkelheit den Songs thematisch zu Grunde liegt.
Die von mir geäußerte Kritik muss entsprechend differenziert verstanden werden, denn ich höre das Album mit den Ohren eines "Kindes der Wohlstandsgesellschaft".

Tipp:
 Probehören ist Pflicht, denn wenn schon meine beiden Extrem-Tester mir die Freundschaft aufkündigen wollen, gibt mir das zu denken.

Titel-Liste:
 
    - - - - <Part 1> - - - -
  1. Glamours Day of Suicide
  2. Toxicnology
  3. Etienne
  4. Indoustrial Messiah
  5. Mi Sangre
  6. Desolation
  7. La Biesta
  8. Souffrir
  9. Crimelinks
  10. Dunkelheit
  11. Depression
    - - - - <Part 2> - - - -
  12. Tristezza
  13. Trace la Mort
  14. Raza de Bronce
  15. Desolate
  16. Nazischwein
  17. Pene tration
  18. Kannibal
  19. Suenos
  20. Witchcraft
  21. Matador
  22. Hiden Track

Laufzeit:
 72:52 Min.

Band-Infos:
 
  • www.alcoholika.com 


  •  
     
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