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Review: Ancient Season
 
SUDDEN FADING LOST

Album:
 SUDDEN FADING LOST, 2007, Eigenvertrieb

Stil:
 Progressive Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 15.03.2007

Review:
 Ancient Season, eine junge Schweizer Band, die sich mit Leidenschaft dem Progressive Metal hingibt, wird wohl für viele kein Begriff sein. Da bin ich strategisch im Vorteil, denn schon die erste Demo-CD TERROR landete auf meinem Schreibtisch.
Auch ein anschließendes Interview mit dem Quintett sorgte dafür, dass Unklarheiten und offene Fragen beantwortet wurden.
Mit diesem Vorwissen im Hinterkopf war ich umso gespannter, was sich wohl in der Zwischenzeit alles an Material angesammelt haben mag. Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass damals ein Blitzschlag bei den Aufnahmen der Demo große Zerstörung angerichtet hatte und man die Arbeiten wiederholen musste.
Kaum zu glauben, aber auch diesmal ging nicht alles so glatt, wie es sich die Jungs gewünscht hätten. Der Übeltäter war diesmal ein Laptop, der seinen Dienst an der Musik verweigerte.
Aber wie schon beim Demo-Desaster ließen sich auch diesmal die Schweizer bei ihrer Eigenproduktion nicht gleich aus der Ruhe bringen und schicken mir voller Stolz eine Albumsversion, die kurz darauf auch ins Presswerk geschickt wird. Ich teste also eine quasi Pre-Promo und bin schon sehr gespannt...

...denn die Jungs eröffnen ihr Album mit einem, dem Zeitgeist entsprechenden Intro. "Road to..." soll also den Weg vorgeben und ich bin zunächst gespannt, als sanfte Piano-Klänge mit dezent gehaltenen E-Gitarren meine Gehörgänge erreichen. Erleichtert bemerke ich jedoch typische progressive Elemente und Harmonien die den Hooklines und verspüre die thematische Steigerung,
die mit "Silent Hill" ziemlich konkrete harte Formen annimmt. Vielfältige Breaks und Themenwechsel gehören ebenso zum guten Ton wie einige gewöhnungsbedürftige Hooklines, die sich mir erst nach mehrmaligen Durchläufen erschließen. Erfreulicherweise hat man Marcos Spielfreude etwas gezügelt, denn damals auf meine Frage was denn dran wäre, dass er am liebsten mal für zwei Minuten "abbiegst" und danach wieder "auf die Strecke kommst" antwortete sein Kollege Nöbi noch süffisant: Marco kommt niemals "auf die Strecke zurück", das ist bloß Illusion.
Bei "The other Side" liegt der Fall ganz anders. Der Song zündet bei mir sofort und gehört zu meinen Favoriten. Der geschicke Wechsel langsamer eingängiger Refrain-Passagen mit tempobetonten, teils gitarrenlastigen Interpretationen ist einfach eine runde Sache.
Passend zum Titel "Depressions" beginnt der Song in düsterem Moll mit zurückhaltender Gesangsarbeit und gedrosselter Instrumentalarbeit. Wie schon bei den Songs zuvor sind auch hier inzwischen die Keyboard-Arrangements tragende und verbindende Teile zugleich. Wer jetzt denkt, Eintönigkeit sei angesagt, der irrt. Ideenarmut kann man den Alpenländern auch hier schwerlich vorwerfen.
"Losing tomorrow" überrascht zunächst durch sein symphonisches orchestrales Intro, bevor sich daraus ein vielfältiger Progressive Metal-Song entwickelt. Die Arrangements sind in jedem Fall leichter zu hören als zu beschreiben.
Der mit Abstand aggressivste Song ist "Devil's Toys". Er startet mit forciertem Tempo und gitarrenlastigen Riffs, versteht es dafür in den langsameren, gemäßigten Abschnitten mit umso intensiverer und dichter gewebter Instrumentierung zu überzeugen.
Da verhält sich die Sache bei "Compulsive Act" schon ganz anders. Recht harmlos und melodiös gestimmte Gitarren schmeicheln den Gehörgängen und der Erfahrene mag nicht glauben, dass hier nicht irgendwo das dicke Ende nachfolgt. Als dann auch noch Flamenco-Gitarren den Schmalzfaktor in die Höhe treiben, setzen die Schweizer dem Treiben schnell ein Ende und reiten auf dem bereits bekannten "progressive way" bis zum Ende.
Nein, kein sanfter Fade out, sondern Power Metal-artige Drum-Parts sorgen bei "Cruel Secret" für den Ausklang eines ziemlich abwechslungsreichen Silberlings. Und es sind nicht nur Marcos Gitarren, die sich mit unzähligen Zwischenspurts austoben dürfen, sondern auch Nöbis Stimmbänder, die gefordert werden.

Fazit: Es hat sich seit dem Demo einiges getan im Hause Ancient Season. Was damals oft noch ziemlich ungestüm und impulsiv klang, wurde beim Debüt eindeutig in gemäßigtere, reifere Bahnen gelenkt. Die überwiegend gitarrenlastigen Songs wurden nun mit einer gehörigen Portion Keyboard versorgt. Manchmal übernehmen sogar die Keys die Führung. Das wird die Gitarrenfreund nicht unbedingt erfreuen, ist aber der Songgestaltung nicht unbedingt abträglich. Ein leicht verdaulicher Kommerz-Mucke-Brocken ist es zumindest nicht geworden und hätte mich auch überrascht. Eine etwas druckvollere Produktion würde sicherlich nichts schaden und ist eben der Preis einer Eigenproduktion.
Nur das Ende ist mir einfach zu abrupt gestaltet. Da hätte mehr passieren müssen, denn das Ende entscheidet allzu oft über "Repeat" oder "Open".

Tipp:
 Wer Progressive Metal auch in Normalgeschwindigkeit konsumiert, der sollte sich die Debüt-Scheibe unbedingt näher anhören, denn hier bekommt man eigenständige Kost geboten, die ihres Gleichen sucht.

Titel-Liste:
 
  1. Road to...
  2. Silent Hill
  3. The other Side
  4. Depressions
  5. Losing tomorrow
  6. Mated
  7. Devil's Toys
  8. Compulsive Act
  9. Faith
  10. Cruel Secret

Laufzeit:
 43:28 Min.

Band-Infos:
 
  • www.ancientseason.com 


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