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Review: Autokannibalistika
 
AUTOKANNIBALISTIKA

Album:
 AUTOKANNIBALISTIKA, 2006, Eigenproduktion

Stil:
 Alles und Nichts

Wertung:
 2 von 7
2 von 7 Punkten
 S.J., 17.12.2006

Review:
 Autokannibalistika. Ein seltsam anmutender Name. Was damit ausgedrückt werden soll bleibt ungeklärt, was dahintersteckt dagegen klärt sich schnell. Autokannibalistika sind eine 2003 in Nürnberg gegründete Band, welche sich keinem bestimmten Genre zuordnen will. Das aber nicht aus dem verbreiteten Grund, darauf zu bestehen etwas besonders einzigartig zu sein, sondern mit der einfachen Erklärung, dass die Einflüsse der einzelnen Bandmitglieder an sich schon viel zu verschieden ausfallen und sich daher nur schwerlich auf eine Linie bringen lassen.
Auf einen gemeinsamen zu Nenner hingegen schon, denn schließlich ist in Eigenregie die schlicht AUTOKANNIBALISTIKA betitelte CD in diesem Jahr erschienen. Mit viel Liebe zum Detail ist man schon beim Cover zu Werke gegangen, zeigt sich doch bei Betrachtung einer Negativaufnahme des Covers ein Totenschädel. Wie war das doch gleich mit satanischer Rockmusik und versteckten Botschaften?

Doch widmen wir uns dem Wesentlichen: Der Musik. Diese ist leider weniger gelungen als das Artwork. "Jetzt = Jetzt" beginnt mit wirrem, nicht ganz taktgenauen Geschredder der hohen E-Saite. Nach diesem kurzen, wenn man denn so will, Intro geht es in einen kurzen Riffpart, bis in abstraktem Rhythmus der Gesangspart beginnt. Musikalische Parallelen zu anderen Bands fallen in der Tat schwer, zu unterschiedlich sind die einzelnen Passagen. Da wird neben Speedmetal-artigen Riffs auch ein langsam melancholischer Part eingebaut bis es erneut in den Nu-Metal lastigen Refrain geht. Somit ist der Song mit fast sechs Minuten Länge sehr vielschichtig, allerdings wirken die Fragmente irgendwie zusammenhangslos und überladen. Zu Viel gewollt und die Bindglieder außer Acht gelassen, könnte man sagen.
"Nicht mehr" ist im Midtempo anzusiedeln. Sänger Matthias Bogner zeigt im agressiven Gesang durchaus Qualitäten. Seine klaren Passagen hingegen wissen noch nicht so zu überzeugen. In hohen Lagen nicht ganz tonsicher, im mittleren Tonhöhenbereich zu gequält.
Hat man die Chromatik und die darauf folgenden unerwarteten, eigenartigen Breaks überstanden ist man mit "Willkommen in der Wirklichkeit" in einem schleppenden Punksong gelandet. Die textliche Kritik wird emotional in der Musik kaum umgesetzt. Dazu kommt dass die Jungs anscheinend wirklich nicht ganz taktischer sind, und es wirkt alles in allem ziemlich holprig.
"Leeres Glas" schraubt die unerwartet melodische Leadgitarre bis zur Unkenntlichkeit in den Hintergrund. Danach findet man sich in einem Gemisch aus Death Metal, Metalcore und Thrash-Metal wieder. Der ganze Song ist wieder Mal von sehr vielen Breaks durchzogen welche ihn uneingängig machen.
Atmosphärisch startet "Angst". Ein sehr persönlicher Text, und dazu ein Song der wirklich mal entstehen kann ohne stetig von Breaks und Taktwechseln unerbrochen zu werden.
Gänsehautatmosphäre gibt es zu Beginn von "(W:anz)en". Allerdings nicht lang, danach folgt ein primitives Rockriff mit Punkeinschlag, welches überhaupt nicht zum Vorangegangenen passen mag. Was danach folgt schildere ich jetzt nicht, es passt jedoch weder zum Erst- noch zum Zweitgenannten in diesem Song.
In "Dunkle Nacht" freut sich der Rezensent, lassen sich doch endlich mal Vergleiche zu anderen Bands finden. Zumindest für eine knappe Minute lässt sich die Musik an modernen Death- und Core Größen festmachen. Danach folgt (wie erwartet) ein unpassender Zwischenpart bis man sich wieder im Galoppriff-Geboller wieder findet.
Wer oder was ist "Ontri"? Auf jeden Fall nichts was der Rede Wert wäre, im Fall AUTOKANNIBALISTIKA ein kurzes akustisches Zwischenspiel.
"Koma-Amok" hat eine starke Punk-Schlagseite in den ersten Sekunden, danach wechseln sich wieder verschiedenste Richtungen ab, ohne dass sich letztendlich mal für eine der angedeuteten wirklich entschieden wird.
Ähnlich ergeht es dem "Familienportrait". Da gibt es Nu-Metal und einfache Punkriffs.
Mit "Das Herz und dessen Schmerz" verhält es sich kaum anders, einzig dass es sich eindeutig um Sänger Matthias' Herz zu handeln scheint, so gequält wie an einigen Stellen dieses Songs klang er noch nicht auf der CD. Wenn man doch nur wüsste ob das beabsichtigt ist.
Mit dem letzten Track "Das Cordon-Bleu entpuppte sich als Schnitzel" beweist man allen Schmerzen zum Trotz Sinn für Humor. Kein Ernst zu nehmender Track, aber doch ein lustiger Abschluss.

Fazit: Stiloffenheit ist nicht immer positiv. Im Fall AUTOKANNIBALISTIKA klingt alles schlichtweg überladen. Hier sind Einflüsse verschiedenster Genres wahllos aneinandergereiht. Daher unbedingt: Songwriting üben! Es fehlen Übergänge, viele Breaks reißen die Songs aus den Angeln. Musik muss greifbar sein, und sollte man sich Prog-ähnlich dem künstlerischen Elementen zuwenden wollen, so sollte auf jeden Fall geprobt werden bis zum Umfallen, denn Taktgefühl sollte einfach Voraussetzung sein.

Titel-Liste:
 
  1. Jetzt = Jetzt
  2. Nicht mehr
  3. Willkommen in der Wirklichkeit
  4. Leeres Glas
  5. Angst
  6. (W:anz)en
  7. Dunkle Nacht
  8. Ontri
  9. Koma-amoK
  10. Familienportrait
  11. Das Herz und dessen Schmerz
  12. Das Cordon-Bleu entpuppte sich als Schnitzel

Laufzeit:
 52:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.autokannibalistika.de 


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