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Review: Blood Stain Child
 
IDOLATOR

Album:
 IDOLATOR, 2006, Dockyard1

Stil:
 Melodic Black/Death Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 17.11.2006

Review:
 Japan, das Land des Lächelns ist immer wieder für eine Überraschung gut. Vielleicht ist es die große Entfernung zu Europa, die so manchen das Musik-Potential dieses Landes unterschätzen lässt.
Konnten doch schon viele Bands aus dem Westen in Japan ihre größten Erfolge feiern. Denken wir nur an Cheap Trick, dessen Live-Version von "I want you to want me" aus dem Budokan noch heute über alle Radio-Sender läuft. Oder die Jungs von Fair Warning, die zu Anfang in ihrer Heimat Deutschland und auch im übrigen Europa nie richtig Fuß fassen konnten, trotz genialem Songmaterial. In Japan konnten sie jedoch ab ihrem Debüt durchgehend ihre größten Erfolge feiern u.a. im Club Citta in Kawasaki wo zwischenzeitlich eine Live-DVD verfügbar ist. Noch heute können sie auf eine treue Fan-Schar bauen.
Wie sieht es aber in der Gegenrichtung aus? Welche japanische Band ist wohl in Deutschland oder Europa bekannt? Spontan fallen mir Concerto Moon, Double Dealer, Marble Sheep oder die legendären Loudness ein, aber mehr auch nicht.
Dieser Liste kann ich nun Blood Stain Child hinzufügen, denn mit ihrem dritten Album IDOLATOR wagen sie den Sprung nach Europa, der angesichts des Potenzials mehr als überfällig war. Es sollte ihnen leicht fallen, sich im europäischen Metal-Teich zu etablieren. Stilistisch ungefähr bei Children of Bodom angesiedelt (hätte ich auch ohne Hinweis im Anschreiben erkannt), treffen sie durchaus den Zeitgeist.
Haben Sie allerdings auch genügend Eigenständigkeit, um nicht sofort als fernöstlicher Klon abgestempelt zu werden? Ja, sie haben! Würde man bei europäischen Bands in diesem Genre gitarrenlastige Riffs und Growls erwarten, so setzen die Japaner hier neue Akzente. Exzessiver Synthesizer-Einsatz und abwechslungsreiche Gesangslinien, die extrem aggressive Growls und cleanen Gesang bieten, liefern dem Hörer eine eigenwillige, spacig angehauchte, frische Mischung, die jeder Eintönigkeit schnell das Wasser abgräbt.

Einen fulminanten Start legen die Japaner mit "Hyper Sonic" auf's Parkett. Hohes Tempo, spacige Synthies und Killer-Riffs treiben den Song gnadenlos durch die Lautsprecher. Geschickte Gesangslinien mit cleanen und Growl-Abschnitten sorgen für Kontraste und werden sich wie ein roter Faden durch die meisten Songs des Album ziehen.
Etwas gebremster setzt "Truth" die Linie dort fort, wo der Opener geendet hatte. Lustigerweise erinnern mich die verzerrten Sprechgesang-Einlagen an Songs von Falco, der zuletzt z.B. bei "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da", auf dieses Stilmittel zurück griff.
Bei "Live Inside" legt die Truppe ein höllisches Tempo vor und trotzdem hat man noch den Eindruck, dass die Rhythmus-Fraktion kurzzeitig zum Überholen ansetzt, weil es noch zu langsam ist. Hier besteht Anschnallpflicht, sonst fliegt man in den Kurven von der Straße...
Klassisches Synthesizer-Klavier-Intro lässt noch nicht erahnen, welches Metal-Brett bei "Embrace Me" noch folgen wird. Abgesehen von ultraschnellen Zwischenspurts gehört er zu einer der ruhigsten und für mich gefälligsten Titel des Albums.
"Trial Spiral" ist ein ideales Beispiel für die Synthese beider Spielarten. Nahezu fließend ist der Übergang zwischen rattenscharfen Gitarren-Soli und Synthie-Überleitungen. Gesanglich bewegt man sich in beiden Welten Growl und Clean.
"Void" lässt sich eindeutig in die Linie klassischer Nackenbrecher einsortieren. Hier haben die Gitarren die Oberhoheit und werden nur bedingt von Synthie-Fill-Ins und Background-Loops getragen.
"Blue" hält genau, was man sich wünscht. Es beendet das Album in gleicher Manier, wie "Hyper Sonic" die High-Speed-Fahrt begonnen hatte. Was bleibt einem also übrig, als die Repeat-Taste zu drücken...

Fazit: Die Allianz aus gitarrenlastiger Tradition und synthetischer Neuzeit ist auf den ganzen Linie gelungen. Mit IDOLATOR schaffen es die Japaner sicherlich mühelos für etwas Aufregung im skandinavisch dominierten Death-Metal-Lager zu sorgen.
Handwerklich makellos, schaffen es Japaner im allgemeinen leider nur selten, ihrem Streben nach Perfektion noch eine Spur Herzblut beizufügen. Hier sollten sie vielleicht bei dem Musik anfangen, ihre strengen Sitten und Gebräuche des Alltags an den Nagel zu hängen. Blood Stain Child ist bereits auf dem besten Weg, ihren Landsleuten zu zeigen, wie man es macht.

Tipp:
 Für alle, die Bands wie Children of Bodom in ihrem Regal stehen haben und der modernen Synthie-Welt nicht gänzlich den Rücken kehren, sollten hier genauer hinhören - es lohnt sich!

Titel-Liste:
 
  1. Hyper Sonic
  2. Truth
  3. Final Sky
  4. Live Inside
  5. Ag2O
  6. Embrace Me
  7. Trial Spiral
  8. Void
  9. Type-N
  10. True
  11. Blue
    - - - - Bonus Video - - - -
  12. Truth

Laufzeit:
 39:28 Min.

Band-Infos:
 
  • www.bloodstainchild.com 


  •  
     
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