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Review: Buried Time
 
INNOCENCE GONE

Album:
 INNOCENCE GONE, 2006, Eigenvertrieb

Stil:
 Alternative Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 25.02.2007

Review:
 Inzwischen hat das Album schon so einige Runden in meinem CD-Player hinter sich und ich frage mich, woran es liegt, dass gerade INNOCENCE GONE auf mich eine magische Anziehungskraft ausübt?
In jedem Fall sind es die überwiegend harten Rock-Gitarren, die hier eine solide Basis schaffen. Alle weiteren Elemente drücken der Basis kleine eigenständige Stempel auf. Das sind stellenweise moderne Alternativ Rock-Elemente, Keyboards mit Pop-Attitüde, abschnittsweise melancholisch düstere Gothic-Anleihen und auch so manches Prog-Gesprengsel.
Für mich ist es nicht erklärbar, wie es das Bochumer Quartett bisher geschafft hat, sich erfolgreich um einen lukrativen Plattenvertrag zu drücken. Immerhin ist INNOCENCE GONE schon das vierte Album und die Band schon seit 1998 aktiv. Mangelnde Songwriting-Qualitäten sind es wohl kaum, denn was hier geboten wird, sollten sich auch deutlich bekanntere Bands auf die Fahnen schreiben. Mangelnder Mut zur Eigenständigkeit ist ebenfalls nicht Schuld, denn hier erscheinen viele Songs als Einheit und klingen eben nicht nach experimentellem Stückwerk, wie ich es in letzter Zeit von anderen Bands häufiger ertragen musste. Aber vor allem das Gespür für Ohrwürmer-Melodien, ohne gleich in Pop oder Kitsch abzudriften sind wohl die Ursache für die persönliche Beliebtheit.
Nach einem verzichtbaren "Intro", startet das Album mit "Expect", dem ersten typischen Vertreter mit Ohrwurm-Alarm. Dem Hard Rock-Riff zu Beginn folgt ein Kinderliedähnliches mit Keyboard aufgepepptes Riff, dass den Gehörgang nicht mehr so schnell verlassen will. Was zunächst vielleicht etwas zusammengeschustert klingen mag, verschmelzt nach mehreren Durchläufen schnell zu einem leicht verdaulichen Rock-Song mit einigen abgedrehten Passagen, die einfach nur Spaß machen. Manches erinnert entfernt an System of a Down, hält letztendlich jedoch keinem Vergleich stand.
In bester Scorpions-Manier wird aus dem dezent angedeuteten "Compare" schnell ein solider langsam groovender Song, der immer wieder angenehme Zwischenspurts einlegt. Über allem steht die beeindruckende Gesangsleistung von Alex und das Gespür seiner Mitstreiter, die Songstrukturen auszufüllen ohne diese durch unsinnige Spielereien zu überfrachten.
"Swallow my Pride" bewegt sich als Halb-Ballade zwischen den angestrebten Welten und kann sofort überzeugen. Hier kommen eindeutig die kompositorischen Stärken von Buried Time zum tragen.
Für Hardliner unter den Rock-Fans stellt "Hypanovae" mit seinen dominanten Keyboards sicherlich deren Geduld auf eine harte Probe. Die düstere, melancholische Stimmung wird jedoch für richtige Gothic-Fans wiederum zu rockig erscheinen. Was bleibt ist Musik für diejenigen, die sich auch gerne zwischen den Welten bewegen.
"Diary of Souls" weckt sicherlich Erinnerungen an Bekanntes und ist als flüssige Halb-Ballade schnell verdaut. Sie unterstreicht mit ihrem Akustik-Gitarren-Flair einmal mehr die musikalische Bandbreite und mag von besonders peniblen Pädanten auch also Lückenfüller angesehen werden. Mir gefällt's.
Einzig bei "Fading Future" verliere ich etwas den Faden und mir wird auch nach mehreren Durchläufen nicht klar, wohin der eigentliche Kurs gehen soll. Was bleibt ist ein treibender Rhythmus der zum Mitnicken animiert.
Der Titel-Song "Innocence Gone" ein solider Alternativ Rocker mit so manchen Überraschungen im Gepäck, kann durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leichtigkeit, Verspieltheit und angenehmer Härte überzeugen und wird seiner Rolle als Titelsong gerecht.
Danach folgen mit "Take a Look behind" und "You said Goodbye" zum Schluss zwei sanftere Stücke, die dem Album einen würdigen und angenehmen Ausklang verleihen.

Fazit: Hier haben Musiker ihr Ding durchgezogen, müssen sich natürlich auch kritische Stimmen gefallen lassen, konnten mich jedoch durchaus überzeugen. Mit etwas professioneller fremder Führung könnte hier etwas wirklich großes heranwachsen, denn an Songwirter-Potenzial oder instrumentaler Fertigkeit mangelt es den Jungs nun wirklich nicht.

Tipp:
 Ein typisches Album mit eigenständigen Songs zwischen den Welten. In jedem Fall melodiös, eingängig, nicht zu schwer verdaulich und auch für mehrere Durchläufe geeignet.

Titel-Liste:
 
  1. Intro
  2. Expect
  3. Compare
  4. Swallow my Pride
  5. Hypanovae
  6. Something like this
  7. Diary of Souls
  8. Fading Future
  9. Wings
  10. Innocence gone
  11. Take a Look behind
  12. You said Goodbye

Laufzeit:
 46:43 Min.

Band-Infos:
 
  • www.buried-time.de 


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