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Review: Caliban
 
THE AWAKENING

Album:
 THE AWAKENING, 2007, Roadrunner

Stil:
 Metalcore

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.K., 29.05.2007

Review:
 Caliban veröffentlichen mit THE AWAKENING ihr sechstes Studioalbum, geschrieben und aufgenommen irgendwann zwischen den unzähligen Touren und Festivalauftritten, die die Band pro Jahr bestreitet. Während der Vorgänger, THE UNDYING DARKNESS, vielen Fans zu soft war, garantierte Drummer Patrick Gruen im Interview mit HardHarderHeavy.de das bisher härteste Album Calibans.

Der Opener, "I will never let you down", tritt sofort ordentlich Arsch, Geschwindigkeit und leicht schwedisch angehauchte Riffs dominieren neben dem Growls von Andreas Dörner den Anfang. Nach einem Break inkl. Tempowechsel folgt ein fast schon hymnischer Refrain, gesungen von Denis Schmidt, welcher für die klaren Vocals zuständig ist. Caliban ziehen das Tempo wieder an, und dieses Spielchen wiederholt sich nun. In der zweiten Hälfte des Songs kommt es zum regelrechten Moshpit-Futter, und dann ist auch schon Schluß mit dem Opener.
Weiter geht es mit "Let go", eingeleitet von einem Trommelwirbel Gruens. Danach regiert der schnelle Metalcore, zweistimmige Gitarrenleads werden hier durch die Boxen gefeuert, auch die Double Bass kommt nicht zu kurz. Auch in diesem Song präsentieren Caliban ausgeklügeltes Songwriting, es herrscht Abwechslung, ohne an Härte einzubüßen. Auf klaren Gesang wird im zweiten Song von THE AWAKENING verzichtet, hier kann sich wirklich niemand wegen nicht vorhandener Härte beschweren.
An Fear Factory erinnert mich der Beginn von "Another cold Day", hier arbeiten Double Bass und Riff zusammen, und auch ein kurzer Sample findet sich in den Song ein. Ansonsten lässt sich zu "Another cold Day" sagen, dass er perfekt an "Let go" anschließt, Härte und Geschwindigkeit dominiert auch hier größtenteils, selbst im melodischeren Refrain bleibt die Stimme von Denis Schmidt arbeitslos. Dafür kommt der Song mit Keyboards und Samples, eingespielt vom Produzenten Benny Richter aus den Boxen geballert, in der zweiten Hälfte drosselt die Band das Tempo und präsentiert einen sehr melodischen, sauber gespielten Part. Sehr geiler Song.
Schnell und brutal startet ebenfalls "My Time has come", auch hier erinnern die Gitarren etwas an schwedische Kollegen. Denis Schmidt ist hier wieder für den klaren Refrain verantwortlich, die Gesangslinie hat durchaus Ohrwurmpotential. Im Laufe des Songs wechselt die Band des öfteren das Tempo, einige Breaks finden sich im Song zurecht, wenn auch manchmal etwas überraschend. Metalcore-Breakdowns halt. Im Mittelteil überraschen Caliban mit einem äußert ruhigen und melodischen Teil, der vom klaren, leicht verzerrten Gesang sowie Keyboards dominiert wird, bevor es mit den normalen Refrain weiter geht. Dann gibt es noch einen kurzen, langsamen und harten Teil, bevor der Song dem Ende zugeht.
Mit ordentlich Druck kommt "Life is too short" aus den Boxen geballert, die Double Bass sorgt für eine hohe Geschwindigkeit, verbunden mit einem äußerst passenden Riff, so macht das Zuhören Spaß. Im Refrain arbeiten die verschiedenen Stimmen von Andy Doerner und Denis Schmidt gut zusammen, eine positive Grundstimmung herrscht im fünften Song des Albums. Das abwechslungsreiche Drumming von Patrick Gruen gefällt mir hier am besten. Das Ende kommt etwas überraschend, der Song gefällt mir jedoch, ebenso wie "Another cold Day", richtig gut.
Die erste Hälfte der CD wird mit "Give me a Reason" abgeschlossen, und auch hier wird mit Geschwindigkeit und Aggression nicht gespart. Punktgenaues Riffing in den Strophen, der Refrain wird mit teils melodischer Gitarrenarbeit aufgebaut, wieder andere Teiel erinnern wieder an die oben genannten Fear Factory, Abwechslung pur. In der zweiten Hälfte des Songs kommt es zu einem langsamen Teil, der live durch die Interaktion mit Fans äußerst gut funktionieren sollte. Garniert wird das ganze mit einem Black Metal-Riff. Das Tempo variiert nun des öfteren, wird jedoch dominiert von typischen Metalcore-Breakdowns. Dann ist auch schon Feierabend.
Als nächstes folgt "Stop running", welcher insgesamt etwas langsamer als die Songs zuvor beginnt. Größtenteils halten sich Caliban hier im Mid-Tempo auf, jedoch wird auch des öfteren die Double Bass ordentlich geprügelt. In diesen Momenten sorgen jedoch die Gitarren (erstmals werden hier 7-Strings verwendet) und Andys Gesang für den ruhigeren Gegenpol. "Stop running" ist in meinen Augen ein vom Songwriting her guter Song, jedoch bleibt nicht viel im Gehörgang hängen.
Mit "The Awakening" folgt nun sowohl der Titelsong als auch der wohl untypischste Caliban-Song. Von Keyboards und Samples eingeleitet, erzeugt der Song eine etwas beklemmende Atmosphäre. Schlagzeuger Patrick erwähnte im Interview, dass er bei diesem Song jedes Mal einen Kloß im Hals bekommt. Nach einiger Zeit kommt die Band zum Einsatz, sehr langsam wird hier gespielt und geschrien. Der Schreigesang Doerners klingt verzweifelt und wird kombiniert mit der Keyboardmelodie vom Beginn. Kurzer, untypischer Song, jedoch eine willkommene Abwechslung. Mal was neues von einer Metalcore-Band.
Direkt in die entgegengesetzte Richtung (musikalisch gesehen) beginnt "I believe...", denn hier regiert anfangs wieder einmal die pure Härte und Aggression. Jedoch präsentiert sich der Refrain einmal mehr mit klaren Vocals. Hier ziehen Caliban alle Register des Metalcore: Breakdowns, Shouten, alles dabei. Mitten in diesen brutalen Brocken schleicht sich eine Keyboardmelodie, die mit Streichern und klarem Gesang vervollständigt wird. Die Band setzt wieder ein, es geht von hier an melodisch und klar gesungen weiter. Gutes Stück Musik.
Ein typischer Metalcore-Songtitel ist das nachfolgende "Rise and Fight", und auch der Song hält sich im dazu passenden Genre auf, wenn auch relativ langsam gespielt. Neben vielen knallharten Riffs präsentiert die Gitarrenfraktion der Band im Refrain melodisches Spiel. Der Song lebt von den vielen Tempo- und Stilwechseln, kommt noch dazu ohne klare Vocals aus und sollte damit auch den hartgesottenen Fans gefallen.
Der vorletzte Song auf THE AWAKENING nennt sich "Nowhere to run, no Place to hide" und legt ein hohes Tempo an den Tag. Die üblichen Verdächtigen: Double Bass und schnelles Riffing. Im Laufe des Songs kommt es zu mehrere Breakdowns und langsameren Parts, Futter für die Violent Dancer unter den Caliban-Fans. Nach einem etwas ruhigen Mittelteil geht des wieder brutaler zu Werke, garniert mit doppelläufigen Leads, ein langsameres Part beendet dann den Song.
Mit "I'll show no Fear" beginnt nun der letzte Song der CD, und hier wird nochmal richtig reingehauen. Einmal mehr gibt es hier klaren Gesang im Refrain zu hören, während in den aggressiven Strophen weiterhin das Shouten von Andy Doerner dominiert. Ansonsten gibt es hier einmal mehr viele Tempowechsel, teilweise regiert hier kurzzeitig das pure Geballer. Wie anfangs erwähnt, werden hier alle Register gezogen, stehen bleibt am Ende ein perfekter Caliban-Song.

Fazit: THE AWAKENING kann mich persönlich komplett überzeugen. Das Songwriting wirkt noch ausgereifter, die Produktion knallt ohne Ende und ist, im Gegensatz zu THE UNDYING DARKNESS, nicht allzu seicht abgemischt. Benny Richter als Produzent und Mixer Adam Dutkiewicz (Gitarrist bei Killswitch Engage) haben gute Arbeit geleistet, gerade die Gitarren hören sich richtig gut an.
Aufgefallen ist auch, dass der Anteil der Songs mit klarem Gesang zurück gegangen ist, dennoch haben viele der Titel eine positive Stimmung und Message. THE AWAKENING ist die logische Fortführung der aktuellen Caliban-Entwicklung, erinnert an Lifeforce-Frühwerke wie VENT oder SHADOWS HEARTS, ohne jedoch die neugewonnenen Fans der seichten Unterhaltung abzuschrecken.

Tipp:
 Meiner Meinung nach stechen vor allem "Another cold Day", "Life is too short" und das untypische "The Awakening" heraus.

Titel-Liste:
 
  1. I will never let you down
  2. Let go
  3. Another cold Day
  4. My Time has come
  5. Life is too short
  6. Give me a Reason
  7. Stop running
  8. The Awakening
  9. I believe...
  10. Rise and Fight
  11. Nowhere to run, no Place to hide
  12. I'll show no Fear

Laufzeit:
 45:15 Min.


 
 
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