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Review: Cripper
 
FREAK INSIDE

Album:
 FREAK INSIDE, 2007, Eigenvertrieb

Stil:
 Thrash Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 M.K., 07.06.2007

Review:
 Cripper stammen aus Hannover und legen mit FREAK INSIDE ihr erstes full-length Album vor. Die Band hat schon einiges an Erfolgen vorzuweisen, so trat man zum Beispiel letztes Jahr auf dem slowenischen Metalcamp-Festival auf, und auch dieses Jahr sind Cripper dort gebucht. In Deutschland kann man die Band auf dem Battle Of Metal- und dem Queens Of Metal-Festival sehen. 2007 scheint das bisher erfolgreichste Jahr für Cripper zu werden, nicht zuletzt aufgrund des Releases von FREAK INSIDE.

Los geh es mit "Shortcut", und sofort regiert hier der Thrash. Das dort mit Britta Görtz eine Frau am Mikrofon steht, hört man definitiv nicht sofort. Erinnert an Angela Gossow von Arch Enemy, auch wenn Britta's Stimmer rauer ist. Musikalisch gibt es hier einen mittelschnellen Bay Area-Thrash-Song aufs Gehör, welcher durch intelligentes Songwritng besticht. So findet sich zum Ende hin ein ruhiger Teil, welcher abrupt endent, so auch der Song.
Weiter geht es mit dem moderner angehauchten "Sun; Colour: Black". Wer sich hierzu nicht bewegt, dem ist nicht mehr zu helfen. Cripper gehen hier richtig steil und präsentieren sich von ihrer abwechlungsreichen Seite. Britta braucht sich vor männlichen Kollegen nicht verstecken, was dort aus ihrer Kehle kommt passt verdammt gut zum Thrash-Gebräu von Cripper. Mir sagt vor allem das Songwriting hier zu, die Riffs bauen schön aufeinander auf und die einzelnen Songteile gehen gut ineinander über. Im Mittelteil wird das Tempo deutlich gedrosselt, ein schwerer Riff dominiert den nun folgenden, langsamen Groove-Teil. Sehr geiler Song, da kommt Freude auf.
Vertrackt beginnt "Fire walk with me", Drummer Dennis Weber bemüht sich hier jedoch um Gradlinigkeit. In den Strophen fällt vor allem der von der Betonung an Kreator erinnernde Gesang auf, im Refrain duelliet sich Britta mit der Stimme von Christian Bröhenhorst, seines Zeichens nach einer von zwei Gitarristen. Britta beherrscht auch das tiefe Growlen, was dem Song noch einen Tick mehr Eigenständigkeit verschafft. "Fire walk with me" schlägt gekonnt eine Brücke zwischen modernem und Old School-Thrash.
"60bpm" folgt nun und startet mit einer verträumten Gitarrenmelodie, die von an Metallica erinnernden Riffs unterbrochen wird. Der Song nimmt mit einem knackigen Riff an Fahrt auf, bleibt jedoch im Mid-Tempo. Der Refrain zieht das Tempo noch etwas runter, kurzzeitig schließt sich ein langsamer Moshpit-Part an. Mit knapp über sechs Minuten ist der vierte Song auf FREAK INSIDE das zweitlängste Stück, man findet jedoch keinen Langweiler, sondern einen abwechslungsreichen, groovenden Mid-Tempo-Song, welcher in der zweiten Hälfte den Gitarristen viel Platz zum Austoben lässt. Das Tempo verringert sich hier mehr und mehr, ein gefühlvolles Solo schließt sich an. Kurz vor Schluß meldet sich Britta noch einmal zu Wort, dann war es das auch schon wieder.
Mit "Vicious Condition" gehts weiter. Ein schneller Riff startet hier einen noch schnelleren Song. Da kommt ordentlich Stimmung auf, live sollte der Moshpit hier nicht nur kochen, sondern brodeln. Im Refreain gibts einen kleinen Break mit Tempowechsel, bevor das Gaspedal wieder durchgedrückt wird. In diesem Rhythmus gehts nun erstmal weiter. IM zwieten Teil des Songs wird der Riff noch mal einzeln zelibriert, das war's dann.
"Strike the Force" erinnert mich an alte Sepultura oder auch Soulfly. Relativ einfach gehaltenes Songwriting mit stampfenden Drums trifft auf gebrüllte Vocals. Gehobenes Mid-Tempo wird hier geboten, sollte live jedoch auch funktionieren. Macht Spaß beim hören, wenn auch etwas die Abwechslung fehlt. Dafür gibt es ein kurzes Gitarrensolo.
Langsam und mit zwei Leads beginnt "Masquerade". Erinnert an Metallica. Langsam aber sicher wird dann das Tempo angezogen. Britta kommt erst nach anderthalb Minuten Instrumentalmetal zum Einsatz. "Masquerade" hält sich im selben Tempo wie "Strike the Force" auf, bietet jedoch deutlich mehr Abwechslung.
"Attention Deficit" nennt sich der achte Song auf FREAK INSIDE. Beginnend mit einem unnötigen Geräusch und Military-like Drumming, bis kurz darauf die Hölle los bricht. Die Band findet jedoch wieder in die Spur und präsentiert schnörkellosen Thrash Metal, wie er zu sein hat. Der Refrain eignet sich gut zum Mitgröhlen, auch die Spuren kann man gut mitsingen. Aber nicht nur zum trällern, auch zum Mähne schütteln eignet sich dieser Song sehr gut. Gerade im zweiten Teil wird noch einmal kurzzeitig das Tempo angezogen. So hat Thrash Metal zu klingen.
Weiter geht die wilde Fahrt mit "Slowly beaten Hate Machine". Hier ist vor allem der Bass angenehmerweise sehr präsent. Das Songwriting stellt sich als abwechlungsreich heraus, das Tempo variiert des öfteren. Hier sitzt jeder Riff, nur bei manchen Übergängen von schnelleren auf langsamere Parts hapert es etwas. Dafür gibt es hier ein schnell gespieltes Gitarrensolo zu vermerken.
Kompromisslos auf die Ohren gibt es nun mit "Break out". Hier wird anfangs Geschwindigkeit mit einem kurzen Gitarrensolo gepaart, bis es auf einmal langsamer zur Sache geht und Frontfrau Britta ins Spiel kommt. Kurz darauf wird das Tempo wieder angezogen. Gerade der Refrain überzeugt durch den vorhandenen Fluß im Gesang. Aber auch der Rest des Songs überzeugt durch überlegtes Songwriting. Die letzte Minute kann durchaus stellvertretend dafür gesehen werden.
Mit "Trapped" geht es weiter. Zu Beginn dominiert ein langsamer Riff, der dem Song ordentlich Groove verpasst. Mit dem Einsatz von Britta geht man jedoch etwas schneller an die Sache heran. "Trapped" fällt durch die gekonnte Mischung von modernen und old school-Songwriting auf. So finden sich Riffs, die mich an System Of A Down oder auch Static-X erinnern, während der Mittelteil mich an alte Metallica erinnert. Abwechslungsreich ist hier das offensichtliche Stichwort.
Der letzte (und auch längste) Song nennt sich "Kill my Thirst" und beginnt ruhig. Nach einer guten Minute geht es dann etwas schneller weiter, komplettiert mit einer Gitarrenmelodie, die im Kopf bleibt. Britta kommt in der Folge auch zum Einsatz, und in ihren Passagen geht es noch etwas schneller und auch brutaler zu Werke. Allgemein zu notieren ist hier die Abwechslung. "Kill my Thirst" bietet sowohl langsame, melodische Parts als auch schnellere. Die letzten zwei Minuten bieten den instrumentalen Beweis und schließen das Album hiermit ab.

Fazit: Schnörkellosen, verdammt abwechslungsreichen Thrash Metal bieten Cripper aus Hannover mit ihrem Debütalbum. Einige Parts erinnern natürlich an Genregrößen wie Exodus, Metallica oder Testament, jedoch bleiben Cripper eigenständig und haben es nicht nötig, zu klauen.
Der Erfolg gibt der Band recht. Welche andere Gruppe ohne Plattenvertrag kann schon von sich behaupten, zwei Mal in Folge auf dem bekannten Metal Camp-Festival gespielt zu haben? Traurig, dass diese Ausnahmeband noch keinen Plattenvertrag hat. Das einzige, was es zu kritisieren gibt, währe die ausbaufähige Variabilität von Brittas Stimme. Aber auch sonst braucht sich die Dame hinter Größen wie Angela Gossow (Arch Enemy) nicht zu verstecken.
Interessant für alle Leser, die sich dem Thrash Metal verschrieben haben. Das Album ist auf der Homepage der Band erhältlich.

Tipp:
 "Sun; Colour: Black", "Attention Deficit" sowie "Kill my Thirst" überzeugten mich am meisten.

Titel-Liste:
 
  1. Shorecut
  2. Sun; Colour: Black
  3. Fire Walk with Me
  4. 60bpm
  5. Vicious Condition
  6. Strike the Force
  7. Masquerade
  8. Attention Deficit
  9. Slowly beaten Hate Machine
  10. Break out
  11. Trapped
  12. Kill my Thirst

Laufzeit:
 52:29 Min.

Band-Infos:
 
  • Cripper


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