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Review: Evergrey
 
MONDAY MORNING APOCALYPSE

Album:
 MONDAY MORNING APOCALYPSE, 2006, Inside Out

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 02.04.2006

Review:
 Es gibt viel Gründe, etwas am Songwriting und an der musikalischen Ausrichtung zu ändern. Manches wächst und entwickelt sich einfach organisch und manches wird bestimmt von dem Bestreben kommerziell besser zu landen.
Meistens ist der erste Fall die aussichtsreichere Zielsetzung. Aber es gibt auch Ausnahmen, wie im Fall von Evergrey.
Kaum eine Band vorher hat es geschafft, sich qualitativ von Album zu Album zu steigern und dabei auch immer sehr gute Kritiken einzusammeln. Jetzt hat die Band allerdings befunden, dass man in vielerlei Hinsicht das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Die Prog-Anteile sind oftmals nicht sofort eingängig, die Liedlängen für die Bühne, ebenso wie für das Radio zu lang. Was tun? Ganz einfach! Abspecken, vereinfachen und harmonisieren ist gefragt. Das die Rechnung vielleicht aufgehen könnte, versucht das neue Werk zu beweisen.
Der Opener und gleichzeitig Titel-Track "Monday Morning Apocalypse" gibt schon mal die grobe Richtung vor. Flotte Heavy-Riffs begleiten die herausragende Stimme von Tom Englund. Beim Refrain wird nicht gefrickelt oder experimentiert. Hier werden schon mal die ersten haftenden und gefälligen Nägel mit Köpfen gemacht.
Deutlich Evergrey-typischer beginnt der nächste Song "Unspeakable". Aber auch hier hat man gewagt, lange tragende Hooklines durch kurzes griffiges Material zu ersetzen. Trotzdem erscheint es anspruchsvoll genug und ist meilenweit entfernt von kommerziellen Banalitäten.
"Lost" weiß sofort zu überzeugen. Hier stimmt einfach alles, wenn die Absicht bestand, Anspruch und Radiotauglichkeit zu verbinden. Eingängige Riffs, genügend Härte - aber nicht übertrieben und ein Refrain, der sofort in den Kopf steigt, wird hier von den Schweden geboten.
Das weitgehend durchgetretene Gaspedal wird erst bei "In Remembrance" wieder etwas geschont. Die Power-Ballade versteht es musikalische Dichte zu vermitteln, die niemanden erschlägt, sondern einen angenehm umgibt, sodass man sich sofort wohl fühlt.
Mit "At Loss for Words" wird sofort ein dicker Knüppel hinterher geschickt, das einen nur so das Hören und Sehen vergeht. Auch wenn der Refrain schmeicheln mag, muss man sich von dem Angriff erst wieder erholen.
Die gefühlvolle instrumentelle Überleitung "Till Dagmar" warnt jeden eingefleichten Heavy Metaller frühzeitig - hier wird gleich das dicke Ende des Klaviers folgen - ungeachtet dessen, dass es sich eigentlich um eine Hommage an die kürzlich verstorbene Großmutter von Gitarrist Hendrik handelt.
Und richtig. Fast schon an Rammstein erinnernde Gitarrenwände bauen sich hier auf, bevor die leidenschaftliche Gesangsarbeit bei "Still in the Water" in einen etwas gemächlicheren Refrain abbiegt. Die weibliche Stimme ist übrigens Carina Englund, persönlich.
Auf das relativ intensive "I should" folgt mit dem Bonus-Song "Closure" ein unerwartet sanftes Stück, das nur mit Klavier und Stimme für Wehmut sorgt.

Fazit: Ich bin durchaus mit dem Ergebnis zufrieden. Die frühere, manchmal etwas schwer verdauliche Kost war sicherlich eine Klasse für sich. Kaum eine andere Band konnte eine so dichte musikalische Atmosphäre schaffen, die man stellenweise mit einem scharfen Messer teilen musste, um sie zu genießen/ertragen. Dies ist nun flotteren Rhythmen gewichen, die trotz ihrer Verschlankung noch alle Attribute der früheren Evergrey-Titel besitzen.
Erstaunlicherweise genieße ich nach dem kompletten Durchlauf zunächst die einsetzende Stille. Die Kost war also doch nicht so leicht verdaulich, wie ich zuerst dachte. Aber mein Zeigefinger wird schon bald wieder nervös zucken und sich Richtung Play-Taste begeben - ich kenne mich.

Tipp:
 Evergrey-Fans werden immer noch gut bedient und stellenweise vom frischen Wind angenehm überrascht sein. Neulinge haben eine Chance, sich schneller mit der Gruppe anzufreunden. Danach können sie immer noch die etwas melancholischere, schwerere Kost der alten Alben konsumieren - ohne Magen-Drücken.

Titel-Liste:
 
  1. Monday Morning Apocalypse
  2. Unspeakable
  3. Lost
  4. Obedience
  5. The Curtain fall
  6. In Remembrance
  7. At Loss for Words
  8. Till Dagmar
  9. Still in the Water
  10. The Dark I walk you Through
  11. I should
    - - Bonus Track - -
  12. Closure

Laufzeit:
 44:47 Min.


 
 
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