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Review: Ezperanza
 
KILT THE KONVENTION

Album:
 KILT THE KONVENTION, 2005, Rockparade Records

Stil:
 Nu Metal, Progressive Metal, Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 02.02.2006

Review:
 Ich konnte der Versuchung einfach nicht länger wiederstehen und habe in den verlockenden goldenen Apfel gebissen, den mir eine süße Maid in kurzem Karo-Röckchen und schwarzen Stiefeln so bereitwillig anbietet. Wenn der Inhalt hält, was das Cover verspricht, dann habe ich von den vier Kölner Jungs und ihrem Debüt-Album einiges zu erwarten.
So leicht der Einstieg gelungen ist, so schwer fällt es die musikalische Richtung eindeutig zu benennen.
Der Opener "Drowning in myself" ist noch relativ schnell zugänglich. Egal ob das Gitarren-Intro, die Hooklines oder der Refrain, spätestens beim zweiten Durchlauf ist das Liedchen im Kopf und hat eine sichtbare Nu Metal-Spur mit gehöriger Portion Melodik hinterlassen.
Nach kurzen Zwischenspiel werden bei "Vermilion" schon die schwereren Geschütze aufgefahren. Breite Riffs und eine dominante Rhytmusfraktion helfen, das stellenweise sperrige Mega-Brett auch richtig zu verdauen. Obwohl es nur knapp vier Minuten dauert, bin ich hinterher erstaunt, wie vielschichtig hier gearbeitet wurde.
"Blow me away" startet fast im bester Doom-Manier, bevor es sich zu einer abwechslungsreichen Mixtur aus Nu und Prog-Metal entwickelt. Spätestens jetzt sollte auch der letzten Schnarchnase klar sein, wer das hauptsächliche Songwriting bei dieser Combo übernimmt - richtig, es ist nicht der Sänger, nein auch nicht der Gitarrist obwohl er häufig mithilft, nö der Bassist is' es auch nich' (Iron Maiden oder was?) - genau, der Drummer ist es.
Nur wenige Bands wagen es vom herkömmlichen Schema abzuweichen, wo alles nur um Gitarrenriffs herumgebaut wird und die Rhythmusfraktion oftmals nur die Begleitung ist. Warum nicht mal der Rhythmusabteilung die "führende Rolle" übertragen?
Der Titelsong "Kilt the Konvention" startet relativ sanft und Blue Grass-like, bevor beim Refrain die Gitarren Marke Extrabreit ausgepackt werden. Man hat kaum eine Chance das Mitnicken zu unterdrücken.
Nach den ersten Hooklines überrascht das zu Beginn disharmonisch anmutende "Another Lulla-Bye" mit überraschenden Wendungen, sodass es schwer fällt, die nächte Richtungsänderung zu erraten. Auch bei "Get down" erlebt man die eine oder andere scharfe Kurve. Einerseits genial für Breitband-Zuhörer wie mich und andererseits riskant, denn Die-Hard-Schmalspur-Kopfnicker werden so ihre Schwierigkeiten haben, schnell genug zu folgen und vom fahrenden Zug abspringen.
Keine Angst, denn der sehr eingängige und ruhige Rocksong "Die young" fängt so manch verstört umherirrende Kleingeister wieder ein.
Für die beiden nächsten Teile "Wasting away" und "Shake it" wurde mächtig im Fundus und in der Trickkiste gewühlt. Rhythmuswechsel, geniale Breaks, jede Menge Soli, ja sogar Shanty Einflüsse bei What shall we do with a drunken Sailer kann man finden. Kurz bevor die Sache dann zu sehr abdriftet, stoppt meist ein eingängiger Refrain die Falschfahrer(-denker).
Was einmal hilft... "Save yourself" ist wieder ein reinrassiger Rocksong, der sofort in den Kopf geht und auch eine Weile dort bleibt. Bon Jovi, nehm dir mal ein Beispiel, so klingen erdige Songs.
Es endet, wie es begonnen hat. Zwei eigenständige Nu Metal-Bretter "Firesign" und "Generation sick" unterstreichen abschließend erneut mit ziemlich eingängigen Riffs und erfrischenden Refrains bzw. Chören den Anspruch auf Eigenständigkeit.

Fazit: Ist es Nu Metal? Nein. Ist es Prog Metal? Nein. Ist es Hard Rock? Nein. Ja was ist es dann? Mit einem Wort: Ezperanza.
Und wer ist Ezperanza?
Vier Musiker aus Köln mit erfrischenden Ideen und überzeugender Leistung.

Tipp:
 Kein Metal für in Schubladen denkende Betonköpfe, sondern eine interessante Mischung von Nu- und Prog-Elementen für alle, die auch einmal den Blick über den Tellerrand wagen.

Titel-Liste:
 
  1. Drowning in myself
  2. Interlude one
  3. Vermilion
  4. Blow me away
  5. Kilt the Konvention
  6. Interlude two
  7. Another Lulla-Bye
  8. Interlude three
  9. Get down
  10. Die young
  11. Wasting away
  12. Shake it
  13. Interlude four
  14. Save yourself
  15. Firesign
  16. Generation sick

Laufzeit:
 51:16 Min.

Download:
 Den Song "Shake it" gibt es auf der Homepage der Band vom 17.05.–31.07.2006 anlässlich der Fußballwelt-
meisterschaft in Deutschland kostenlos zum Download.

Interviews:
 
  • Ezperanza, 19.03.2006

  • Band-Infos:
     
  • www.ezperanza.com 


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