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Review: Fair Warning
 
BROTHER'S KEEPER

Album:
 BROTHER'S KEEPER, 2006, Frontiers

Stil:
 Melodic Rock, Hard Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 16.07.2006

Review:
 Für kaum eine neue Rock-Scheibe wurde in der letzten Zeit so massiv der Weg geebnet, wie für das Reunion-Album BROTHER'S KEEPER der deutschen Melodic Hard Rocker von Fair Warning. Ganze drei Re-Releases, das Debüt FAIR WARNING, das Album RAINMAKER und das Live-Album LIVE IN JAPAN als DVD mit unveröffentlichtem Filmmaterial stehen mittlerweile wieder in den Verkaufsregalen. "Wieder" deshalb, weil das Originalmaterial zeitweise sehr selten und wenn überhaupt oftmals nur zu Wucherpreisen erhältlich war.
Umso größer ist natürlich die Spannung, was man wohl nun erwarten darf. Ist den Deutschen endlich der Erfolg vergönnt, der ihnen in den 90ern in der Heimat einfach nicht vergönnt war?
Eines vorweg, mit der Spielzeit hat man schon einmal nicht gespart. Über 70 Minuten Melodic Rock sind für heutige Verhältnisse leider immer noch viel zu selten anzutreffen.

Für den richtigen Bombast-Auftakt sorgt der Opener "Don't keep me waiting" mit allen Finessen, die man von der Truppe aus früheren Zeiten gewohnt ist. Dichte Instrumentalisierung mit überzeugender Gesangsstimme und dem richtigen Händchen für griffige, eingängige Melodien sorgen von Anfang an für Gänsehaut-Feeling.
Deutlich rockiger mit Gitarren-Stakkato, das ein bisschen an Axel Rudi Pell erinnert, läutet die nächste Runde mit dem Titel "Generation Jedi". Fast etwas zu künstlich ohrwurmig fällt hier der Refrain aus. Etwas weniger hätte auch nicht geschadet.
Und genau das wird das Problem bei allen folgenden Stücken sein. Etwas weniger wäre mehr gewesen!
Der Song-Titel verrät es schon fast, zumindest wenn man Fair Warning gut genug kennt. "All of my Love" ist eine Ballade der alten Schule und gerade noch "luftig genug" komponiert um nicht zu erdrückend zu wirken. Achtung zu laut genossen kann das Stück mühelos harte Steine (oder auch Herzen) zum Erweichen bringen.
Andere stilistische Ausrichtung und trotzdem kann der sich an der Grenze des Mid-Tempo bewegende Song "Rainbow Eyes" noch gut als Ballade verkaufen.
Für Freunde des Mitnicken ist "Push me on" bestens geeignet. Nicht zu schnell und nicht zu langsam, zieht einem der bestimmende Beat von Anfang an in seinen Bann. Der angenehm melodische Refrain ist spielend leicht nachsingbar.
Hart an der Pop-Grenze schrammt das ruhige "The Cry" entlang. Dieses durchaus Radio-taugliche Stück hat vielleicht gerade diese Absicht - endlich Sendezeit im deutschen Radio zu bekommen. Glücklicherweise hat man nicht alle Rock-Elemente über Bord gekippt und einige Ecken und Kanten beibehalten.
Etwas düsterer geht es bei "In the Dark" zu. Aber auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, etwas weniger "gefüllte musikalische Lücken" hätte dem Song sicherlich besser getan.
Zum Schluss gibt es mit dem Bonus-Track "Still I believe" einen astreinen AOR-Hit, bevor man mit "All I wanna do" am ehesten an alte unbeschwerte Zeiten anknüpfen kann. Ein durchaus gelungener Ausklang eines handwerklich einwandfreien Album. Übrigens rentiert es sich beim letzten Titel nicht die Geduld zu verlieren, ich sage nur: "Hahaha ich lach mich rund..."

Fazit: Tja, und warum dann nicht mehr Punkte? Ganz einfach. Fair Warning haben eigentlich alle alten Tugenden beibehalten. Das Händchen für gefällige Melodien ist ebenso präsent, wie die ungebrochene Spielfreude. Jedoch hat man einfach übertrieben. Es fehlt die Leichtigkeit, Luftigkeit und Unbeschwertheit der 90er. Fast gewinnt man den Eindruck, dass planmäsig und absichtlich jedes verfügbare musikalische Loch mit Soli, Licks, Chören, Bläsern und was weiß ich noch alles regelrecht zugekleistert wurde. Das ist durchaus zeitgemäß, das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, aber es ist nicht Fair Warning, wie ich es kenne und liebe. Als störender Nebeneffekt kommt noch hinzu, das komplexere Stücke weniger gut im Gedächtnis verweilen, als die "einfacheren". Bleibt nur zu hoffen, dass man Live auf etwas Bombast verzichtet - und dann ist alles wieder gut...

Tipp:
 Fair Warning Neulinge und Liebhaber dichter Melodic Rock Arrangements kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer allerdings die luftige Leichtigkeit aus der Vergangenheit sucht, der wird hier etwas enttäuscht sein.

Titel-Liste:
 
  1. Don't keep me waiting
  2. Generation Jedi
  3. All of my Love
  4. Rainbow Eyes
  5. Push me on
  6. Wasted Time
  7. The Cry
  8. The Way
  9. Once bitten, twice shy
  10. Tell me Lies
  11. In the Dark
  12. Still I believe Bonus-Track Europa
  13. All I wanna do

Laufzeit:
 70:23 Min.


 
 
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