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Review: Band
 
NORTHWIND

Album:
 NORTHWIND, 2006, Metal Blade

Stil:
 Folk Metal, Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 01.10.2006

Review:
 Falconer ist eine der Gruppen, die ich seit ihrem 2001er Debüt eigentlich immer aufmerksam verfolge. Nicht nur das gelungene Songwriting mit einer gesunden Mischung aus Folk und Power Metal machte damals die Combo so attraktiv sondern auch der Theater-Sänger Mathias Blad. Er sollte eigentlich eine führende Rolle bei einer Produktion von "Jesus Christ Superstar" spielen und wurde quasi überredet bei Falconer einzusteigen - glücklicherweise werden die Fans noch heute bestätigen.
Umso härter traf es die meisten, als er ab dem zweiten Album nur noch Background-Vocals übernahm und der mehr als bemühte (aber auch nicht mehr) Kristoffer Göbel die Nachfolge übernahm. So entsetzt war ich damals über das Album GRIME VS. GRANDEUR und sah schon das Ende der Band oder zumindest den Untergang im Sumpf des Einheitsbreis.

Hat die erneute Zusage Mathias Blads wieder voll einzusteigen das dringend benötigte Wunder vollbracht? Wenn ich mir die ersten Takte von NORTHWIND so anhöre, kann ich nur jauchzend bestätigen: "Ja, es hat!"
Sowohl vom Songwriting als auch gesangslich knüpft es nahtlos an die Glanzzeiten des Debüts und des magischen CHAPTERS FROM A VALE FORLORD an. Einerseits wurde viel störender Ballast und unsinnige Frickelei über Bord gekippt und andererseits neben der kräftigen Portion Folk sogar manche schlagerhafte Komponente beigemischt.

Schon die ersten Takte von "Northwind" sorgen für klare Verhältnisse. Mathias Blad is back und vermittelt mit seiner Ausnahmestimme von Anfang an für Gänsehaut-Feeling, das noch über 50 Minuten anhalten soll. Der Opener versteht es, sich mit gemächlichem Folk-Rhythmus und Power-Drumming regelrecht in den Gehörgängen festzusaugen. Dabei treten die Instrumente nie als echte Konkurrenten des Sängers auf, sondern schaffen lediglich ein dichtgeknüpftes musikalisches Umfeld.
"Waltz with the Dead" überzeugt mit einem intensiven Mid-Tempo-Erlebnis, das vom Wechselspiel zwischen gesangsdominanten und gitarrenlastigen Abschnitten lebt. Der Folk-Charakter lässt den Kopf angenehm im gemächlichen Grundtakt mitwiegen.
Akustik-Gitarren und sanfte Synthie-Klänge lassen hinter "Legend an the Lore" kaum einen so mächtigen Stampfer vermuten, der nach einer Minute mit eindrucksvollen Drums erst richtig loslegt. Leider ist er fast etwas zu kurz geraten.
Bei "Catch the Shadow" gibt es kein Täuschen oder Tarnen. Start - und los geht's in die Vollen. Ein zuckersüßer Refrain und Klebstoff-Riffs sorgen für Langzeitgenuss.
"Tower of the Queen" spielt in der gleichen Liga, wie es schon der Opener vorgeturnt hat. Eine gekonnte Mischung aus Power und Folk Metal, der jeden Fan sicherlich in Verzückung geraten lässt.
Es muss jedoch nicht immer Power sein. Wahre Qualitäten einer Band offenbaren sich manchmal erst bei langsamen Passagen und Balladen. Für Falconer in dieser bestechenden neuen "alten" Form sind Balladen wie "Long gone by" natürlich keine echte Herausforderung sondern höchstens Aufwärmtraining. Wer hier im richtigen Moment keine Träne im Augenwinkel stehen hat, der gehört dann doch zur "steinharten Gattung".
Zuviel Schmacht-Klänge? Keine Angst, das hymnische Vollgas-Liedchen "Perjury and Sanctity" vermag es schnell, die leicht dösenden Zeitgeister wiederzubeleben.
Es muss nicht immer Englisch sein. Hits können auch auf schwedisch gesungen werden, wie es "Himmel så Trind" mehr als eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Bei "Delusion" ist man zunächt fast geneigt, etwas Falconer-untypisches zu vermuten, bis dann der sehr folkloristische Mittelabschnitt die Messlatte wieder gerade rückt.
Mit "Home of the Knave" legt man noch kurz vor Schluss ein kleines episches Meisterwerk auf, das auch nach mehreren Durchläufen immer wieder Neues bietet - eingängige Riffs und genügend Haftung für die Gehörgänge inbegriffen.
Das Instrumental "Black Tarn" mag auf den ersten Blick vielleicht unpassend erscheinen. Jedoch schafft es nicht nur dem Zuhörer einen gelungenen und würdigen Ausklang zu vermitteln, sondern weckt Lust auf "Repeat" - und das ist es doch was zählt. Ein gutes Album will gehört werden - nicht nur einmal!

Fazit: Bei allem Lob für den Sänger Mathias Blad darf man nicht die Leistung des Songwiters Stefan Weinerhall übersehen, des sich diesmal auf das Wesentliche und die Stärken besonnen hat. Nur so hat er es geschafft mit nur einem Album wieder den Weg zurück zur alten Stärke zu finden und es ist nur zu hoffen, dass Falconer diesmal besser auf die Wegweiser achtet und nicht nochmal eine falsche Abzweigung in unergründlichen Todessumpf erwischt.

Tipp:
 Folk Metal Fans aufgepasst! Falconer sind wieder zurück - und das nicht zu knapp. Hier besteht Kaufpflicht - die Hörsucht kommt von selbst.

Titel-Liste:
 
  1. Northwind
  2. Waltz with the Dead
  3. Spirit of the Hawk
  4. Legend an the Lore
  5. Catch the Shadow
  6. Tower of the Queen
  7. Long gone by
  8. Perjury and Sanctity
  9. Faryland Fanfare
  10. Himmel så Trind
  11. Blinded
  12. Delusion
  13. Home of the Knave
  14. Black Tarn

Laufzeit:
 54:19 Min.


 
 
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