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Review: Firewind
 
ALLEGIANCE

Album:
 ALLEGIANCE, 2006, Century Media

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 7 von 7
7 von 7 Punkten
 J.G., 10.08.2006

Review:
 Waren die drei Vorgänger schon eine Klasse für sich, so hat man bei dem aktuellen Werk noch gehörig ein paar Schippchen drauf gepackt. Das alles kam jedoch nicht von ungefähr.
Meistens zahlt es sich aus, wenn man sich voll und ganz auf ein Projekt konzentriert und obwohl ALLEGIANCE soviel wie "Treue" bedeutet, sah es scheinbar kaum jemand bei Firewind in dieser Hinsicht so ernst.
Bandleader und Saitenzauberer Gus G. hatte rechtzeitig die brenzlige Lage im Vorfeld des neuen Albums erkannt und kurzfristig alle anderen seiner Verpflichtungen z.B. bei Dream Evil, Nightrage und Mystic Prophecy gecancelt.
Auch der bisherige Frontmann Chity Somapala nahm es mit der Treue nicht so genau und verließ die Band dummerweise mitten in der Vorbereitungen zu einer Europa-Tournee. Bei der Neubesetzung hat sich Gus hier für seinen Landsmann Apollo Papathanasio entschieden, der u.a. schon bei Majestic und Time Requiem seine Brötchen verdient hatte. Obwohl dieser unzweifelhaft nicht das Charisma seines Vorgängers besitzt, so verleiht seine charakteristische Rockstimme dem Power Metal der Band ein gewisses Etwas, ebenso der in Griechenland lebende neue Mann am Schlagzeug, Mark Cross.
Bei der Aufnahme des Albums ging man ebenfalls neue Wege. Bisher hatten alle Bandmitglieder ihre Parts in unterschiedlichen Studios eingespielt. Doch diesmal hatte man die Termine so gelegt, dass alle gemeinsam in Göteburg im gleichen Studio ihre Parts einspielen konnten.
Das Ergebnis hört sich auch deutlicher "wie aus einem Guss" an, als beispielsweise das Debüt, bei dem man noch leicht die Parts unterscheiden konnte.

Schon beim Opener und Titelsong "Allegiance" lässt man nichts anbrennen. Nach wenigen Augenblicken fressen sich die energiegeladenen Power-Riffs in die Gehörgänge und spätestens beim Refrain und Headbangen hat man vergessen, dass hier ein neuer Mann hinter dem Mikro steht.
Will man Höchstpunktzahlen, darf man sich keine Ausrutscher leisten. "Insanity", nicht ganz so eingängig, wie sein Vorgänger, versöhnt mit treibenden Nackenbrecher-Rhythmen und spätestens beim melodischen Refrain ist das Eis gebrochen.
Etwas gebremster lassen es die Griechen bei "Falling to Pieces" angehen. Dafür setzt man von Anfang an auf gitarrenlastige eingängige Hooklines, die es verstehen, dem Ohr zu schmeicheln. Kein Soli klingt aufgesetzt und auch die Chöre wirken nicht künstlich, weil vielleicht gerade Chic, sondern ergeben sich nahezu von selbst.
Bei "Ready to strike" sind die verschiedensten Stilrichtungen geschickt zu einer neuen Einheit verschmolzen worden. Der Grundtonus des Heavy Metal, wie ihn Saxon noch heute abliefern, gepaart mit Gesangslinien, die mich an Dio erinnern, bekommen den unverwechselbaren Firewind Power Metal Stempel verpasst - eine Kombination, die wirklich Freude macht.
Mut und Offenheit für neue Ideen beweisen die Griechen mit ihrem "Breaking the Silence". Hier zündet nicht nur das Duett zwischen Apollo und der in Schweden ansässigen Tara sondern nahezu jedes Riff. Obwohl es bei dem Gitarren-Solo durchaus zur Sache geht, wird hier nichts soweit übertrieben, sodass man diesen Song sogar eine gewisse Radiotauglichkeit zuschreiben kann.
Auch Power-Balladen stellen die Truppe vor keine großen Probleme. "Deliverance" ist voll auf der Höhe der Zeit und versteht es Ausdrucksstärke und Leidenschaft mit der nötigen Power zu verbinden.
Es überrascht kaum, dass man gleich im Anschluss bei "Till the End of Time" wieder voll auf's Gaspedal drückt und die Drums mit ihren Power-Blasts den Gitarren mühelos Paroli bieten können.
Angesichts der hohen Qualität des Songs, ist auch niemand böse, wenn sich der Bandleader mit seinem Lieblings-Spielzeug, der Gitarre mit dem Instrumental "Before the Storm" so richtig austobt.
"The Essence" bestreitet zwei Wege. Während die gitarrenlastigen, vom Gesang an Dio erinnernden Riffs die richtige Power absetzen, setzen die Soli und balladesken Refrains auf Melodie und Eingängigkeit.
Der Abschluss bildet des Song "Where do we go from here?", der sicherlich nicht einer gewissen Selbstironie entbehrt. Wer es bis hier her noch nicht mitbekommen hat und diese Frage nicht eindeutig beantworten kann, der sollte sowieso lieber zur Volksmusik wechseln.
Die einzige Unbekannte für die Zukunft heißt Treue, womit sich der Kreis geschlossen hat. Jetzt wäre die Mischung perfekt, aber was ist schon für die Ewigkeit...

Fazit: Mit dem aktuellen Langeisen haben die Griechen eine deutliche Weiterentwicklung hingelegt, die es ihnen sicherlich selbst schwer machen wird, wollen sie das nächste Mal ein ähnliches Niveau erreichen - an Verbesserung möchte ich gar nicht denken.

Tipp:
 Für alle Fans von Firewind besteht absolute Kaufpflicht. Neben einem Video wurde auch eine lustige Dokumentation drauf gepackt, die in über 17 Minuten einige Bühnen- und Studioeinblicke gewährt. Alle übrigen Freunde von abwechslungsreicher kraftvoller Metal-Kost sollten sich dieses Scheibchen in jedem Fall nicht entgehen lassen.

Titel-Liste:
 
  1. Allegiance
  2. Insanity
  3. Falling to Pieces
  4. Ready to strike
  5. Breaking the Silence
  6. Deliverance
  7. Till the End of Time
  8. Dreamchaser
  9. Before the Storm
  10. The Essence
  11. Where do we go from here?
    - - Bonus - -
  12. Falling to Pieces [Video]
  13. The Firewind Documentary

Laufzeit:
 48:42 Min.


 
 
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