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Review: The Gathering
 
HOME

Album:
 HOME, 2006, Sanctuary

Stil:
 Gothic, Psychedelic Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 J.G., 31.03.2006

Review:
 Eigentlich kann man nicht meckern. Da ist die Truppe bereits seit 17 Jahren im Musik-Business tätig und hat neben einigen Line-Up-Wechseln auch stilistisch gesehen, eine Total-Operation überlebt. Man kann es sich nur noch schwer vorstellen, das alles mit Death Metal begann.
Umso erfreulicher war es, als mit der Aufnahme von Sängerin Anneke van Giersbergen ein frischer Wind in der Band für neue Ideen sorgte - sicherlich auch bedingt durch die gänzlich verschiedene Gesangsarbeit der Frontfrau im vergleich zum Vorgänger.
Das neue Album HOME soll alle Facetten des modernen Lebens in entsprechendee Musik abbilden. Die stilistischen Hilfsmittel sind dabei recht vielfältig ausgefallen, besonders bei den Synthie-Effekten wurde nicht gespart.

Die ersten Töne von "Shortest Day" klingen ziemlich verheißungsvoll rockig. Leider ist nach spätestens 2 Minuten alles glatt geschliffen und der leicht leiernde Gesang von Frontfrau Anneke versprüht deutlich mehr Gefühl und Melancholie als Lebensfreude. Man sollte sich also in seinen Rock-Erwartungen zurücknehmen und mehr auf sanfte Songs setzen.
"In between" bestätigt genau diese Annahme. Ein dominanter Rhythmus, der sich überwiegend aus Elektro-Beat-Elementen zusammensetzt, liefert die Basis für die relativ dynamische und abwechslungsreiche Gesangslinie.
Nach den Industrial-Klängen zur Einstimmung, die etwas an Gruppen wie Kraftwerk erinnern, folgen bei "Waking Hour" dezente Passagen mit gefühlvollem, leicht träumerischen Gesang, bei dem der etwas forcierte Takt belebend wirkt.
Ich überspringe mal den Mittelteil.
Der Titel-Song "Home" kommt an dieser Stelle einfach viel zu spät. Mag er ja komplex sein wie er will. Der erneute Slow-Beat und die geringe Spieldauer, die kaum Zeit lässt für einen Refrain, geschweige denn vernünftige Hooklines, kann meinen Gähnreiz kaum noch zurückhalten.
Die Überleitung zum letzten Song mit einer Minute Ruhe-Pause ist eigentlich schon eine Frechheit. Und auch bei "Forgotten reprise" wird kein Feuerwerk mehr abgebrannt.

Mein Resümee: Jetzt muss ich erstmal wieder atmen lernen. Über eine Stunde habe ich krampfhaft immer wieder die Luft angehalten in Erwartung eines wirklich zündenden Songs - auch während des nicht kommentierten Mittelteils. Ich kann die diversen Studio-Reports wirklich nicht nachvollziehen und möchte garnicht wissen, was hier in den glimmenden Räucherstäbchen noch alles mit verbrannt wurde. Mich persönlich hat dieses Album enttäuscht. Im Vergleich zu vielen anderen Bands, egal ob Darkwell, Draconian, Epica, Nightwish, Within Temptation oder Liv Kristine & Co., die eine Frontfrau einsetzen und/oder Gothic spielen wirkt dieses Album einfach nur blass.
Warum ich dann keine schlechtere Bewertung vergeben habe, fragt ihr euch?
Nun, es mag ja auch musikalische Zeitgenossen geben, die gerade auf diese Art Musik abfahren - und die werden hier gut bedient. Ich gehöre halt nicht dazu...

Fazit: Trotz aller Synthie-Tricks hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr "Musik" gewünscht. Manchmal musste ich mich schon fragen, warum die Band aus fünf Personen besteht, wenn mindestens zwei von ihnen hinter meterhohen Samples versteckt werden oder so weit entfernt von der Sängerin spielen, dass man schon einen akustischen "Feldstecher" braucht, um sie überhaupt wahrzunehmen. Einige Gesangspassagen sind einfach nur Geleier und nerven - sorry, das hat nichts mehr mit gefühlsbetont zu tun.
Etwas mehr Tempo oder Emotion/Ausdruck wäre durchaus erlaubt gewesen - Gefühl hin oder her. Nein, also von den ehemaligen Death Metal Wurzeln ist wirklich kein Hauch mehr übrig. Hier wird oftmals schon hart an der Pop-Grenze agiert und wer die 60 Minuten ohne Pause übersteht, dem darf ich nur gratulieren...
Übrigens habe ich mir dieses Album mittlerweile zum vierten (und sicherlich letzten) Mal angehört. Also nix mit Frust ablassen nach den ersten paar Höreindrücken!

Tipp:
 Für alle, die sich nach einem stressigen Tag lieber in ruhige, leicht melancholische Songs flüchten, als mit Power Metal ihren Frust abzureagieren. Echte Heavy Metaller sollten lieber die Finger von der Scheibe lassen, denn mehr als 2-3 Tracks am Stück werden sie wohl kaum ertragen.

Titel-Liste:
 
  1. Shortest Day
  2. In between
  3. Alone
  4. Waking Hour
  5. Fatigue
  6. A Noise Serve
  7. Forgotten
  8. Solace
  9. Your Troubles are over
  10. Box
  11. The quiet one
  12. Home
  13. Forgotten reprise

Laufzeit:
 60:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.gathering.nl 


  •  
     
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