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Review: Heavenly
 
VIRUS

Album:
 VIRUS, 2007, AFM

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 25.03.2007

Review:
 Es ist nicht nur erstaunlich, sondern auch sehr schade, dass sich bei unseren Nachbarn im Westen bisher keine bedeutende Metal-Szene etablieren wollte. Konnte man es früher auf das Fehlen entsprechender Bands im eigenen Land schieben, so dürfte es den Franzosen inzwischen immer schwerer fallen, dies als Ausrede anzuführen. Ein Grund dafür sind Bands wie Heavenly, die sich schon seit Jahren die Finger wund spielen und dabei immer mehr an Klasse dazu gewinnen. Aber auch Adagio, Blackrain, Fairyland und Kareila, um nur einige zu nennen, schaffen es immer mehr Aufmerksamkeit zu erregen.
Natürlich ist es schwer, aus dem Schatten der ausländischen Vorbilder herauszutreten und nicht umsonst wurden Heavenly als die französischen Kürbisköpfe bezeichnet. Natürlich waren dabei anfangs die Einflüsse des Helloween-Mitbegründers Piet Sielck und auch des Produzenten Tommy Hansen (KEEPER-Album) maßgeblich entscheidend.
Auch der Weg zum bisher beeindruckendsten Werk VIRUS war kein leichter. Unzählige Line-Up-Turbulenzen trugen nicht immer dazu bei langfristig planen zu können. Aber Frontmann und Goldkehlchen Ben Sotto ließ sich nicht unterkriegen und hielt an seinem Bandprojekt fest - und der Erfolg gibt ihm nun recht.

Nach nur wenigen Augenblicken beginnt der Opener "The dark Memories" mit ungewohnten Gitarrenriffs und mein erster Gedanke ist Judas Priest. Abgesehen von dem druckvollen, gewohnt fröhlichen Tenor können Heavenly die ersten positiven Entwicklungspunkte hin zur Eigenständigkeit auf ihrem Konto gut schreiben.
"Spill blood on Fire" bewegt sich zunächst in ruhigerem Fahrwasser und überzeugt sowohl bei der eingangs orchestralen Instrumentalisierung als auch beim hymnischen Refrain, der fast etwas an AOR-Strukturen als Survivor erinnert. Einiges lässt vor meinem inneren Auge auch Bands wie Edguy vorüberziehen. In jedem Fall unterstreicht es den Drang endlich in der Profiliga akzeptiert zu werden.
Auch der Titel-Song "Virus" hält einige Überraschungen bereit oder habe ich bisher Industrial-taugliche Riffs nur überhört. Der Gesang und die Hooklines können sich nicht gänzlich von Gamma Ray und Co. lösen, jedoch hätte ich die Gitarren stellenweise eher Jon Schaffer zugeordnet. Hier zeigt sich wohl die Liebe der beiden Axtschwinger zu Bands wie Iced Earth. In jedem Fall eine gelungene Mischung, die bei mir sofort zündet und die ich mir bestimmt mehrmals zu Gehör führen werde.
"The Power & Fury" glänzt mit reinrassigem Power Metal, melodischen Refrains und rattenscharfen Keyboard- und Gitarrensoli, wie man es allenfalls noch von Kai Hansen und seinen Jungs bei Gamma Ray erwarten darf. Hier bleibt keine Achsel trocken und auch der Hals wird schnell trocken, will man den Refrain mit voller Lautstärke mitkrähen.
"Wasted Time" macht seinem Titel zumindest musikalisch keine Ehre. Hier werden in schneller Folge Riffsalven abgefeuert und mit Power-Drumming regelrecht in den Boden gestampft. Ben bekommt dabei tatkräftige Unterstützung von Sänger Tony Kakko, der normalerweise seine Brötchen bei Sonata Arctica verdient.
Aber man schreckt auch nicht vor genialen symphonischen Arrangements wie bei "Bravery in the Fields" zurück, die wohl noch etwas Abstand zu Rhapsody on Fire aufweisen, aber sich schon mal im Rückspiegel bemerkbar machen. Ansonsten sollten sich den zweiten Teil die deutschen Kürbisköpfe zu Gemüte führen. Ja Jungs, so klangt ihr auch mal vor Jahrzehnten...
Sinn für Humor beweisen die Franzosen bei Songs wie "When the Rain begins to fall". Ja, richtig gelesen! Hier hat man doch tatsächlich den Hit von Jermain Jackson und Pia Zadora in ein Disco-Metal-Gewand gegossen. Tanja von Lullacry übernimmt dabei den weiblichen Gesangspart. Fazit: Operation "Cover" gelungen.
Wenn schon keine Ballade auf dem Album anzutreffen ist, was eignet sich wohl besser, als eine richtige Metal-Hymne namens "The Prince of the World" mit jeder Menge Gitarren-Soli um ein klasse Album würdig ausklingen zu lassen und wäre ich nicht in meiner Jugend ein Queen-Fan gewesen, hätte ich vermutlich die kleinen königlichen Anleihen überhört.

Fazit: Heavenly haben einem gesunden Schritt nach vorne gemacht. Angesichts der vielen Vergleiche mit den jeweiligen Genre-Größen ohne nur als schnöder Cover-Abklatsch durchzugehen, zeigt die wahre Leistung. Es ist den Franzosen gelungen, viele kleine bekannte Bausteinchen in ihre Songs zu integrieren, die immer den gewissen Aha-schon-mal-gehört-Effekt erzeugen, jedoch letztlich mit eigenem Stil überzeugen.
Aber genauso wie es Ralf Scheepers wohl nie schaffen wird, Vergleiche mit Rob Halford auszuräumen, so sehe ich auch für Ben Sotto keine Chancen zukünftig nicht mehr mit Kiske oder Hansen verglichen zu werden. Dafür sind stimmliche Ähnlichkeiten einfach zu groß. Vielleicht kann er es auch als Lob, statt Tadel auffassen, mit bekannten Größen verglichen zu werden.

Tipp:
 Da die Helden von damals Helloween und Co. inzwischen etwas schwächeln, finden alle Fans der Kürbiskopf-Ära hier eine echte Alternative energiegeladener abwechslungsreicher Power Metal "Made in France".

Titel-Liste:
 
  1. The dark Memories
  2. Spill blood on Fire
  3. Virus
  4. The Power & Fury
  5. Wasted Time
  6. Bravery in the Fields
  7. Liberty
  8. When the Rain begins to fall
  9. The Prince of the World
    - - - Bonus-Video - - -
  10. Spill blood on Fire

Laufzeit:
 50:23 Min.


 
 
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