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Z7, Pratteln, Schweiz Samstag, 12.04.2008
Bands: Kamelot, Firewind, Forever Slave |
Erfreulich viele Metaller fanden an diesem Samstag den Weg nach Pratteln, um verschiedenen Heavy Metal-Stilen zu lauschen. Einmal Gothic-Heavy Metal à la Forever Slave, dann Heavy Metal der Griechen Firewind und als Headliner die theatralischen Metaller von Kamelot. Enttäuscht wurde von diesem Programm niemand. Denn das Grundniveau der Bands in Sachen Songwriting und Bühnenperformance konnte sich schon mal sehen lassen, steigerte sich aber noch nach Forever Slave deutlich. Bühne frei für einen Abend, bei welchem zum Schluss sogar Realität und Fantasie verschmolzen.
Forever Slave
Die Spanier Forever Slave eröffneten den Abend und boten gleich mal etwas fürs Auge. Denn Sängerin und Frontdame Lady Angellyca ließ sich mehr als sehen. Obwohl die Band, aufgrund der großzügigen Bühnendekors von Kamelot, fast keinen Platz hatte und sie diverse technische Probleme plagten, gaben sie ziemlich Gas. Als Ersatz für die Österreicher Visions Of Atlantis eingesprungen, boten sie einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so hoch stehenden, irgendwo in der Schnittmenge zwischen Nightwish und Within Temptation.
Die Songsauswahl bot viel Abwechslung, konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesang kraft- und emotionslos klang. Irgendwie komisch, denn die Frontfrau hatte sichtlich Spaß und animierte das stählerne Volk immer wieder zum mitklatschen und mitbangen. Trotzdem schienen die wenigsten traurig, als die Show nach einer halben Stunde bereits zu Ende war, wie der eher verhaltene Schlussapplaus bestätigte.
Und um es mit den Worten einer Metallerin auszudrücken, die neben mir stand: "Forever Slave sind weder Fisch noch Vogel, weder richtig gut, noch richtig schlecht. Schön, dass ich sie mal live erleben durfte, extra für sie an ein Konzert fahren würde ich aber nicht."
Firewind
Ganz anders sah die Situation bei Firewind aus. Viele Firewind-T-Shirts im Publikum deuteten darauf hin, dass nicht wenige extra wegen den Griechen nach Pratteln gepilgert waren. Man fragt sich deshalb ernsthaft, wann diese Truppe endlich mal als Headliner in die Schweiz kommt. Denn Firewind hatten an diesem Abend nicht nur das wildeste Publikum (zumindest während der ersten drei Songs, als ich im Fotograben stand), sondern hätten auch die Medaille für die ungekünsteltste, spielfreudigste Bühnenperformance gewonnen, gäbe es so eine.
Sie spielten einen guten Querschnitt aus den bisherigen Alben, wobei mit "Destination Forever" auch ganz alte Groschen berücksichtigt wurden. Trotz dem nach wie vor gravierenden Platzmangel nutzten sie die gesamte Bühnenbreite, als würden sie auch sonst nur auf kleinen Bühnen spielen. Höhepunkte auszumachen war schwer, da der ganze Auftritt einem Siegeszug glich. Wer Firewind noch nie live gesehen hat, gehört definitiv zu den unglücklicheren Menschen dieses Planeten.
Setlist Firewind (unvollständig):
- Into the Fire
- Insanity
- Mercenary Man
- Circle of Life
- Destination
- Forever
- Falling to Peaces
Kamelot
Kamelot luden schließlich mit schöner Bühne und einer perfekten Show zum Träumen ein. Und wie es bei Träumen so ist, war auch an diesem Abend nicht alles so wie es schien. Von schönem Bühnenlicht umgarnt, eröffnete die Toursängerin den Auftritt Geige spielend mit dem bekannten Intro des noch aktuellen Albums Ghost Opera, bevor "Rule The World" mit großen Feuerflammen so richtig hart loslegte. Sänger Khan spielte mit großen Gesten den kurzhaarigen Oberpriester und wechselte alle paar Lieder wieder mal den Mantel. Der Sound war druckvoll abgemischt und verpasste den Kamelot-Songs so eine Härte, welche ich nicht erwartet hätte. Besonders virtuos und kurzweilig war das Instrumental, bei welchem jeder Musiker sein Können kurz beweisen konnte, ohne in langes Gefrickel abzudriften.
Menschelte es bei Firewind noch sehr, war jetzt amerikanischer Perfektionismus in Reinkultur zu spüren, ohne viel Platz fürs Spontane. Die Band schien Theater auf hohem Niveau zu spielen. Was dabei, und damit kommen wir zum anfangs erwähnten Punkt, wirklich live war, und was ab Band kam, ist schwer zu sagen. Denn hier vermischten sich wirklich Wahrheit und Fantasie. Mindestens ein paar opulente Chöre und einige Orchestereinlagen stammten sicher aus der Konserve. Und auch wenn Gitarrist Thomas Youngblood bei "March Of Mephisto" so tat, als würde er die Backings schreien, wird er nie wie Shagrath von Dimmu Borgir auf der Original CD klingen. Diese kleinen Nachbesserungen verzieh man aber gerne, klangen die Songs dafür so mächtig wie auf Platte.
Denn das Niveau stimmte und ältere Songs à la "Center Of The Universe", "Abandoned" oder "Forever" sind geil. Auch dem Rest des Publikums schien es zu gefallen, und so schreite es sich nach der ersten Zugabe ausdauernd die Seele aus dem Leib, um noch das letzte Lied zu hören. Danach waren alle satt und das nicht nur wegen 1,5 Stunden Konzert, sondern auch weil Sänger Khan plötzlich Schwächen in der Stimme zeigte. Und schließlich wollen wir unsere Helden ja nur in voller Stärke erleben. Und diese haben uns Kamelot an diesem Abend eindrücklich präsentiert.
Setlist Kamelot:
- Solitaire
- Rule the World
- When the Lights are down
- Soul Society
- Pendulous Fall
- Center of the Universe
- Abandoned
- Descent of the Archangel
- Instrumental
- The Human Stain
- The Haunting
- Eden Echo
- Keyboard-Solo
- Forever
- Ghost Opera
- Love you to Death
- Karma
- March of Mephisto
R.W. 12.04.2008
Fotos von Roger Wetli |
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