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Sputnikhalle, Münster Samstag, 12.04.2008
Bands: Die Kassierer, Emscherkurve 77 |
Die mächtigen Kassierer gaben sich einmal mehr die Ehre und spielten in Münster auf. Im Gepäck hatten sie die befreundeten Oi-Punks von Emscherkurve 77, die der Menge vorab einheizte. Eine gut gefüllte Sputnikhalle wartete nach dem Einlass ab 19:00 Uhr auf die Band und um ca. 20:30 Uhr stiegen die fünf Oberhausener auf die Bühne:
Emscherkurve 77
Zwar war es vor der Bühne anfangs noch leer und man konnte ungestört Fotos machen, aber nach einigen Songs füllte sich die Gegend vor der Bühne und die anwesenden Punks starteten ordentlichen Pogo. Bier floß in strömen und wurde auch gerne mal über die Köpfe der Anwesenden verteilt, während die gut gelaunten Fußballfans und Musiker auf der Bühne mit Songs wie "Blutgrätsche" oder dem Hit "Deine Eltern sind Geschwister" (von der ONE SIZE FITS ALL-Split mit den grandiosen Hudson Falcons) für ordentlich Stimmung sorgten.
"Lieder aus der Kurve" gab es für das anwesende Münsteraner Publikum ebenso, die bekennenden Rot-Weiß Oberhausener hatten in der Preußenstadt keine Probleme für gute Laune und aufgeheizte Stimmung zu sorgen. Nach einer guten Dreiviertelstunde war der Spaß dann vorbei.
Emscherkurve 77 um Fronter Spiller spielten als Zugabe noch einmal "Deine Eltern sind Geschwister" und können auf einen rundum gelungenen und bierseeligen Auftritt zurück blicken.
Die Kassierer
Nun war es endlich Zeit für die Band, auf die alle gewartet haben: Vor der Bühne war es gerammelt voll als das erste von zwei Intros die Ankunft der mächtigen Kassierer ankündigte. Vielleicht etwas laut, die beiden Intros, aber das störte hier grade niemanden. Das Publikum war damit beschäftigt, Sänger Wolfgang "Wölfi" Wendland, Gitarrist Nikolaj Sonnenscheiße, Bassist Mitch Maestro und Drummer Volker Kampfgarten abzufeiern. Die vier Herren aus Wattenscheid ließen sich auch nicht lange bitten und starteten mit dem Evergreen "Besoffen sein" ins Set.
Direkt war ordentlich Bewegung vor der Bühne angesagt und auch bei "Sex mit dem Sozialarbeiter" oder "Das politische Lied" änderte sich an diesem Zustand nichts.
Zwischen den Songs gab es immer wieder lustige, kurze und trockene Ansagen von Wölfi, der nebenher die ein oder andere Zigarette oder ordentlich Flaschenbier killte. Nach dem politischen Lied machte sich der erste Fan auf die Bühne auf um seinen Intimbereich zu präsentieren und wie bei jedem folgenden Versuch untermalten die Kassierer dies lautmalerisch mit dem Refrain von "Mein schöner Hodensack".
Die Fans forderten mehrmals das Ausziehen von Wölfi, mussten sich aber auf eine Geduldsprobe stellen. Erstmal standen weitere Hits wie "Mein Vater war ein Hurenbock", "Blumenkohl am Pillemann" oder das langsamere "Mach die Titten frei, ich will wichsen" auf dem Programm. Das hier natürlich mitsingen angesagt war und so ziemlich jeder des zu 75% männlichen Publikums textsicher war braucht im Prinzip nicht weiter erwähnt zu werden.
Sehr schön war die Einbindung einer Zugluftkatze in den Song "Klagegesang einer Katze", der durch seinen tiefsinnigen Text besticht und live für ordentlich Spaß sorgt. Generell hatte man durchgehend ein Grinsen auf den Backen, nur teilweise konnten sich angetrunkene Fans nicht beherrschen und riefen auf der Bühne ins Mikrofon und ein Fan (O-Ton Wölfi: "Münsteraner Asi…aus Dortmund") wurde von der Security nach draußen begleitet. Nach den Klassikern "Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist", "Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche" und "Das Lied vom Hass" folgte der Showblock, von dem sich Wölfi vorab distanzierte. Leser mit flauen Magen sollten nun vielleicht den folgenden Absatz über "Die schwule Cowboy-Show" überspringen:
Relativ moderat fing die Revue mit einer Solodarbietung von Mitch Maestro als Alien an, im Hintergrund lief das schöne "Die Kassierer, was ist das eigentlich?". Hiernach folgte der wohl extremste Teil des Konzertes: Gitarrist Nikolaj Sonnenscheiße kündigte an, sich von Schlagzeuger Volker Kampfgarten fisten zu lassen. Dieser kam hierfür hinter seinem Drumset hervor, ließ die Hose runter und setzte eine Latex-SM-Maske auf und einen Gummihandschuh an. Währenddessen machte sich auch Niko untenrum frei und dann wurde das zuvor angekündigte live on Stage vollzogen.
Doch dem nicht genug: Volker kam nun ans Mikrofon und bot der Person, die auf der Bühne den eben erwähnten Handschuh im Mund kaut einen nicht näher genannten, aussuchbaren Sachpreis an. Eine voluminöse Blondine, die offensichtlich ordentlich gebechert hatte, stellte sich mit Bravour der Herausforderung. Nach dieser kulinarischen Delikatesse hatte Volker mit Akustikgitarre seinen Soloauftritt, "Älterer Herr" folgte. Hiernach gab es noch den Klassiker "Außerirdischer, wo befindet sich dein After?" und der Showteil war beendet.
Mit "Schnaps und Bier" sowie "Großes Glied" setzte Wölfi dann wieder ein und entblätterte sich ebenfalls kurzzeitig. "Kommste mit ins Stadion" stimmte auf die Europameisterschaft ein und als regulär letztes Stück folgte ein Medley aus "U.F.O.", dem Deep Purple-Evergreen "Smoke on the Water" und "Tot, tot, tot". Hiernach folgte noch ein Drumsolo.
Doch die Fans hatten noch nicht genug und schafften es die bereits in bester Udo Jürgens-Manier in Bademänteln gehüllte Band für zwei Songs zurück auf die Bühne der Sputnikhalle zu holen. Nach "Mit meinem Motor" und "Stinkmösenpolka" war der Auftritt der Kassierer dann nach insgesamt 24 Songs bzw. Programmpunkten beendet.
Setlist Die Kassierer:
- Besoffen sein
- Sex mit dem Sozialarbeiter
- Das politische Lied
- Mein Gehirnvolumen
- Mein Vater war ein Hurenbock
- Blumenkohl am Pillemann
- Mach die Titten frei, ich will wichsen
- Kuckuck!
- Warum ich immer so traurig bin
- Dr. Martens
- Der Klagegesang einer Katze
- Kein Geld für Bier
- Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist
- Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche
- Das Lied vom Hass
- Die schwule Cowboy-Show (inkl. Die Kassierer, was ist das eigentlich?, Älterer Herr und Außerirdischer, wo befindet sich dein After?)
- Schnaps und Bier
- Großes Glied
- Kommste mit ins Stadion
- Deutsche Polizisten
- Haschisch aus Amsterdam
- Medley: U.F.O., Smoke on the Water & Tot, tot, tot
- Mit meinem Motor
- Stinkmösenpolka
Fazit: Die Setlist der Kassierer ließ keine Wünsche offen (einzig "Das Leben ist ein Handschuh" hat mir gefehlt), die Band zeigte sich gut gelaunt und hatte Spaß auf der Bühne. Manches wirkte leider zu routiniert bzw. eingespielt aber insgesamt hatte man hier durchaus anderthalb Stunden richtig Spaß mit der Wattenscheider Kultband. Ist natürlich nicht jedermanns Sache aber wer Spaß am ironischen Funpunk hat sollte bei den Kassierern gut aufgehoben sein.
In Münster zeigte sich das Publikum komplett begeistert. Das man hier musikalisch und auch stimmlich keine Weltklassemusiker erwarten darf sollte klar sein. Doch wer mit diesen Ansprüchen zu den Kassierern geht wird zu Recht enttäuscht. In Münster wurde einfach nur ein lustiger Abend mit Bier, Punk und einer großen Anzahl an entblößten männlichen Geschlechtsteilen geboten, der zu unterhalten wusste.
M.K. 12.04.2008
Fotos von Mario Kloschinski |
Band-Infos:
| | Emscherkurve 77: www.emscherkurve77.de
Die Kassierer: www.kassierer.de  |
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