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Konzertbericht
 

Rocktoberfescht (D)
Gilde Center Heilbronn
Samstag, 18.10.2008

Bands: Charon's Call, Circle of Silence, Dark Letter, Lanfear, Norphobia, The Past Alive, The Prophecy23

"Endlich mal was los in Heilbronn" dachten sich scheinbar nicht gerade wenige und so ist es erstaunlich, wie viele "Langhaarige" sich bereits zu den ersten Bands im Gilde Center eingefunden haben. Dieses ist eine alte Lagerhalle und dient tagsüber als Verkaufsraum der Aufbaugilde Heilbronn und wurde jetzt für das Rocktoberfescht zu einer Konzerthalle umfunktioniert. Ein Konzept, das völlig aufgegangen ist, da die Halle eine ansprechende Größe aufweisen kann und eine bemerkenswert gute Akustik beisitzt.


Dark Letter

Dark Letter
Als erste dürfen Dark Letter aus Schwaigern die Bühne erobern, die sich einen der ausgeschriebenen Newcomer-Plätze sichern konnten. Auffallend ist das Alter der Jungs, das sich zwischen 14 und 16 Jahren bewegt. Ich durfte vor etwa einem halben Jahr die Live-Premiere der Band miterleben, die verständlicherweise nicht allzu berauschend war und bin daher sehr schnell erstaunt, wie stark sich die Band in allen Belangen verbessert hat: Das Auftreten hat mit dem vor einem halben Jahr nur noch sehr wenig gemeinsam, da man sich jetzt äußerst selbstsicher zeigt. Klar könnten gerade die Ansagen etwas couragierter rübergebracht werden, aber das geht schon in Ordnung. Vor allem wenn man die musikalische Leistung des Quartetts betrachtet: Diese besteht aus Death Metal, der mittlerweile allerdings deutlich ambitionierter daherkommt. Ein Extralob darf an dieser Stelle für Sänger Luca Micelli ausgesprochen werden, der sich von seinen kraftlosen und monotonen Growl-Versuchen verabschiedet hat und einen engagierten Auftritt hinlegt. Besonders ansprechend finde ich, dass es seine Growls jetzt mit höheren Screams variiert, was den Gesamtsound der Band facettenreicher erscheinen lässt. Nach diesem Auftritt würde ich die Jungs gerne in einem halben Jahr wieder sehen…


Norphobia

Norphobia
Den zweiten Platz als Nachwuchsband konnten sich die Öhringer Norphobia einheimsen, die sich dem melodischen Deathmetal verschrieben haben. Allerdings schimmert auch die ein oder andere Spur von Pagan durch, was sich spätestens mit dem gelungenen Equilibrium-Cover "Met" bestätigt. Ein anderer Song erinnert sehr stark an Wintersuns "Sleeping Stars", was ja nicht unbedingt der negativste Vergleich ist. Die Texte der Band sind überraschenderweise auf Deutsch und werden abwechselnd von den beiden Gitarristen Flo und Timo übernommen. Am Bass steht mit Marlen die Gewinner des Titels "Metalstar" vom Vorabend auf der Bühne, die neben dem Titel vor allem eine nagelneue Gitarre abstauben konnte. Insgesamt ein guter Auftritt, nur leider wurde das abschließende "Blutfest" etwas verhunzt.


Charon's Call

Charon's Call
Mit Charon's Call stand dann die erste erfahrenere Band auf der Bühne, was man der Performance von der ersten Sekunde an anmerkte. Recht traditionellen Heavy Metal spielt die Band, technisch einwandfrei und mit viel Herzblut dargeboten. Das sieht man vor allem an "Frontkasper" Willy, der die Aufmerksamkeit voll auf sich zieht und das Publikum das erste Mal an diesem Abend richtig in Bewegung versetzt. Besonders beeindruckend ist vor allem die Version von "Eternal sin", die live richtig Druck und Stimmung macht.


Circle of Silence

Circle of Silence
Dann folgte meiner Ansicht nach der Höhepunkt des Abends in der inzwischen sehr gut gefüllten Halle: Circle of Silence spielen eine Mischung aus traditionellem Metal und Power Metal und können die Menge von Beginn an voll in ihren Bann ziehen. Erstaunlich, wie viele die Texte des Fünfers textsicher mitsingen können! Sänger Nick hat (trotz eines kleinen Aussetzers der Stimme zwischendurch) die Massen fest in seiner Hand, der Rest der Truppe post was das Zeug hält und die Stimmung steigt mit jedem Song. Kein Wunder, denn Songs wie "Edge of Clarity", "Claustrophobia" oder das mit einem neuen und kultigen Terminator-Intro eingeleitete "Deathmachine" sind einfach Ohrwürmer, die der ein oder andere Besucher garantiert noch die nächsten Tage vor sich hin gepfiffen hat. Geil!


The Past Alive

The Past Alive
The Past Alive sind Mitveranstalter des heutigen Abends und haben sich der Kultivierung des Metals verschrieben. Leider kommt der bunte Mix aus ruhigen Passagen und härteren Gitarrenparts nicht bei jedem der Anwesenden gut an, obwohl die Band alles gibt, um die Menge auf ihre Seite zu bekommen, was ihr bei einem nicht ganz unbedeutenden Teil auch wirklich gelingt. Diejenigen, die lieber eine Zigarette rauchen, statt sich den Gig anzusehen, verpassen zumindest zwei Höhepunkte der Show: Zum einen das geniale und sehr ruhige "The Edge of Time Pt.I", zum anderen eine gute Cover-Version des Eurythmics bzw. Marilyn Manson Hits "Sweet Dreams."


Lanfear

Die als Headliner angekündigten Lanfear sind eine richtig dicke Nummer im Prog-Zirkus und eines gleich vorweg: Die Band zeigte einen sehr couragierten Auftritt mit sehr gutem Soundmaterial und einem sehr guten Sänger. Nun muss leider ein großes ABER folgen: Die Band war für diese Veranstaltung wohl nicht unbedingt geeignet, da wohl nur wenige der Anwesenden echte Prog-Fans waren und die meisten daher eher gelangweilt auf die verschachtelte Musik reagierte. Dies hatte zur Folge, dass sich die Halle mit zunehmender Spieldauer deutlich leerte und gegen Ende des Sets von Lanfear nur noch ein kleines Häufchen Hartgesottener vor der Bühne ausharrte. Ein kleines Kuriosum gab es noch am Ende: Nach Beendigung des regulären Sets war kein einziger Ruf nach einer Zugabe zu hören, trotzdem kehrte Band noch einmal auf die Bühne zurück. Eine Band, die sich dem Publikum aufdrängt habe ich auch noch nicht erlebt…


The Prophecy23

The Prophecy23
Eigentlich hätten Lanfear am Ende des Abends auf der Bühne stehen sollen, nach offiziellen Meldungen zufolge mussten diese ihren Auftritt allerdings "aus persönlichen Gründen" vorverlegen. Dies hatte zur Folge, dass The Prophecy23 kurzfristig als letzte auf die Bühne durften. Leider waren zu diesem Zeitpunkt schon viele gegangen, sodass die Halle nicht mehr ganz so gut gefüllt war wie noch Stunden zuvor. Nimmt man nun noch die Stimmung hinzu, die während der letzten beiden Bands geherrscht hatte, so war dies nicht unbedingt eine optimale Voraussetzung für einen erfolgreichen Gig. Umso erstaunlicher ist die Publikumsreaktion bereits während der ersten Sekunden des Auftritts: Kreisende Matten wohin man blickt und ein Pit, der sich während des gesamten Auftritts nicht mehr auflösen sollte. Keine Frage: The Prophecy23 haben mit ihrem "brutal Thrash" den Nerv der Menge getroffen, den sie nun mit alten und neuen Songs beackert: Neben den altbekannten "Hits" der Band wie "Surf Nazis must die" oder "Immortal Attitude" macht vor allem der neue Song "From the Basement to the Pit" Lust auf mehr. Diese Band bekommt live wahrscheinlich den müdesten Haufen zum Kochen!


Fazit: Abschließend muss man den Veranstaltern ein dickes Lob machen: Das Rocktoberfescht war in allem Belangen ein voller Erfolg! Man hat damit eine Plattform geschaffen, auf der sich neben bereits etablierten Bands auch der Nachwuchs vor einer größeren Zuschauerzahl präsentieren konnte. Zudem hat sich das Gilde-Center als eine sehr gute Konzerthalle erwiesen, die hoffentlich auch in Zukunft das fehlende Angebot an geeigneten Locations in Heilbronn füllen wird. Außerdem waren die Preise von Getränken und Merchandise absolut fair und auch die Leute hinter der Theke waren sehr nett und immer für einen Plausch bereit.
Das schreit nach einer Wiederholung, nur bitte nicht erst im Oktober!

    M.S. 22.10.2008
    Fotos von Michael Stutz

 
 
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