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Konzertbericht
 

Full of Hate Tour 2009 (D)
Stadthalle, Lichtenfels
Freitag 27.03.2009

Bands: Amon Amarth, Equilibrium, Hail of Bullets, Keep of Kalessin, Legio Mortis, Legion of the Damned, Obituary, Secrets of the Moon

Als ich mich am 27.03.2009 auf den Weg zur Stadthalle nach Lichtenfels machte, war die Vorfreude auf das Kommende riesig. Uns erwartete eine verlängerte Version der "Full of Hate"-Tour. Dieses Wanderfestival durfte in diesem Jahr sein Comeback feiern, nachdem es bereits im letzten Jahrtausend die Bunte Republik Deutschland durchquerte. Insgesamt acht Bands wurden uns heute präsentiert.


Legio Mortis und Secrets of the Moon

Leider begann die Verlängerung bereits um 16.30 Uhr, so dass ich Legio Mortis und Secrets of the Moon nicht mehr live erleben durfte. Den meisten Anhängern des Todes-Metall erging es wohl ähnlich, wie man am noch ziemlich leeren Parkplatz sehen konnte.

Legio Mortis ist eine Band aus den bajuwarischen Breitengraden, die eine melodische Art des Black Metal zu Gehör bringen. Secrets of the Moon hingegen kommen vom Rande des Teutoburger Waldes aus Osnabrück. Ihre musikalische Heimat ist ebenfalls der schwarze Metal, aber eher in der progressiven Richtung.


Hail of Bullets

Hail of Bullets
Pünktlich zum Beginn der Niederländer Hail of Bullets konnte ich endlich die Halle betreten. Dem Metalgott sei dank, denn ich war ziemlich gespannt. Die Band ist ja zuletzt so ziemlich in aller Munde gewesen. Warum konnte sich mir an diesem Abend nicht so ganz erschließen. Zugegeben, ihr Album "...of frost and war" ist schon richtig geil, aber live wollte bei mir der Funken nicht recht überfliegen.
Hail of Bullets
Vielleicht lag es auch daran, dass in der Halle bisher höchstens 500 Banger versammelt waren, vielleicht lag es auch an meiner rasanten Anreise. Allerdings konnte ich in vielen Gesprächen, beim Rauchen draußen vor der Tür heraushören, dass doch recht viele Metalfans den Auftritt nicht übel fanden. Ich werde es bei einem anderen Konzert noch mal überprüfen.


Keep of Kalessin

Keep of Kalessin
Das erste Brett wurde dem Zuhörer mit dem Auftritt der von Keep of Kalessin um die Ohren gehauen. Begonnen wurde die Show der Norweger mit einem Solo von Gitarrist und Bandleader Obsidian. Es folgte ein beeindruckender ca. 40minütiger Auftritt. Die Bangheads in der Halle waren das erste Mal richtig gefordert und ließen sich nicht zweimal bitten.

Keep of Kalessin
Natürlich stand beim Set ihr letztes Album KOLOSSUS im Mittelpunkt. Ein absolutes Highlight war das Gitarrensolo von Obsidian im gleichnamigen Finalsong, als er seinen Part mit dem Rücken zum Publikum hinter dem Kopf absolvierte. Wow, na das nennt man mal ein Aufwärmer!


Equilibrium

Equilibrium
Auf geht's in die nächste Runde mit Equlibrium. Die (Epic) Pagan Metaller von der unteren Seite des Weißwurst-Äquators lieferten einen ziemlich geilen Auftritt. Für mich das erste Live-Erlebnis mit der Band, aber sich nicht das letzte. Mittlerweile hat sich die Stadthalle um das Doppelte gefüllt und die Bayern haben einiges an Fans in die Halle gelockt.
Equilibrium    Equilibrium

Die Stimmung steigt noch mal um eine Stufe und fängt so langsam an zu brodeln. Es wurde gemosht, gefeiert und mitgegrölt. Yes!


Legion of the Damned

Legion of the Damned
Ein weiteres Highlight stand in den Startlöchern. Legion of the Damned. Das Intro ihrer letzten Scheibe 'Cult of the Dead' war sogleich der Beginn eines furiosen Auftritts. Die Songauswahl enthielt sowohl neue als auch alte Songs. Das war kein Brett was einem da auf den Schädel knallte, das war ein ganzer Dachstuhl.

Legion of the Damned
Die Band versteht es überragend ihre Bombast- und Speedelemente in treibende, mitreißende und gänsehauteinjagende Rhythmen einzulagern, ohne dass die Songs überlagert wirken. Über alle Maßen brutaler und knochenharter Sound, der einem da durch das bereits geweitete Trommelfell in die Gehirnwindungen gerammt wird. Da bleibt keine Auge trocken geschweige denn Haarschopf ruhig. Die Gitarren fräsen einem mehrere neue Gehörgänge in den Schädel.

Legion of the Damned
Der zwischenzeitlichen Aufforderung alles aus sich heraus zu bangen, hätte es nicht bedurft. Der Pulk vor der Bühne war vom ersten Moment an eine nicht mehr zu bändigende Meute. Die unglaublich sympathischen niederländischen Thrash/Deathler überzeugten auf ganzer Linie und waren für mich die Gewinner des Abends und das mit Sicherheit nicht wegen der CD, die jeder Karteninhaber am Eingang überreicht bekam (was ich absolut klasse fand!).

Legion of the Damned
Nach ihrem Auftritt hat ich die Gelegenheit länger mit den Jungs zu quatschen und ein Bierchen zu trinken. (Proost! Jungs und vielen Dank, denn jetzt kenne ich endlich den Unterschied zwischen Holland und Niederlande :-) Ein entsprechendes Interview kann bei uns nachgelesen werden.
Setlist Legion of the Damned:
  1. Sermon of Sacrilege (Intro)
  2. Pray & Suffer
  3. Werewolf Corpse
  4. House of Possession
  5. Son of the Jackal
  6. Cult of the Dead
  7. Slaughtering + Diabolist
  8. Black wings of Yog-Sothoth
  9. Bleed for me
  10. Legion of the Damned
  11. The final Godsend
Legion of the Damned
Nach diesem Wahnsinn musste erstmal durchgeatmet werden.

Was soll jetzt noch kommen?

Eigentlich wäre ich jetzt schon reif für 'ne Insel gewesen.


Obituary

Obituary
Beim Quarzen vor der Tür wurde mir erstmal deutlich gemacht, dass viele Metalheads wegen Obituary hier waren. Obituary - hmmmm. Klar kennt man die Band und einige Songs. Von den Live-Auftritten der Haarmonstern aus den Staaten hat man ja auch nicht immer nur gutes gehört. Nun denn, auf geht's.

Obituary
Mit heruntergeschraubten Erwartungen ging es an die Bühne. Was soll ich sagen, enttäuscht haben die sichtlich in die Jahre gekommenen Florida-Boys bei weitem nicht.Wer einen kraftlosen und lahmen Auftritt von fünf Metal-Greisen erwartet hat, wurde sogleich eines Besseren belehrt. Voller Spielfreude und mit überzeugenden Gitarrenriffs und -soli wird hier agiert. Ober-Haar-Monster John Tardy (die Haare wurden mit Sicherheit seit Geburt noch nie geschnitten) growlte und grunzte die Setlist hoch und runter, dass es eine wahre Freude war.Wie gut sie heute drauf waren zeigte sich später beim Amon Amarth Auftritt noch.

Obituary
Die haarkreisende Menge nahm die Geschenke dankend an und verlangte nach Ende des Auftritts nach mehr. Leider konnte die Band dem Wunsch nicht nachkommen, ließ sich aber nach ihrem Auftritt in der Lobby nicht lumpen und gab freimütig Autogramme und posierte für Fotos. Auch hier bahnte sich das ein oder andere Bier den Weg durch die amerikanischen Kehlen. Frei nach dem mittlerweile überstrapazierten amerikanischen Motto: 'Yes we can!'.


Amon Amarth

Amon Amarth
Die Bühne wurde für die Wikinger endlich in ihrer voller Ausdehnung genutzt. Erste "Amon Amarth" Rufe ertönten in der Halle, gespannte Erwartung. Während des Intros erschienen die Schweden nach und nach auf der Bühne. Allen voran der Fronthüne Johan Hegg, wie immer mit riesigem Trinkhorn bestückt. Zu "Twilight of the Thunder God" begann die Meute zu toben. Es dauerte nicht lang und schon hatte ich den Stiefel des ersten Crowdsurfers des Abends im Nacken. Glücklicherweise ist mir dabei nicht die Kamera aus der Hand gefallen. Egal, da muss man durch. Johan begrüßte die Menge mit seinem typischen "Liiiiichtenfeeeeeels, we're proud to be back". Voller Power und ohne einen Hauch von Müdigkeit, trotz des mittlerweile 23. Auftritts seit dem 05.03.09, ballerten die Jungs ihr Set unters Hallendach.
  
Die Stimmung konnte kaum besser sein. Es wurde gebangt, gesurft und mitgegrölt, dass es eine wahre Freude war. Selbst die Vorband Obituary ließ es sich nicht nehmen mit zu feiern. Gitarrist Ralph Santolla kam während des Songs "With Oden on our Side" mit Wikingerhelm auf die Bühne und zupfte munter die Saiten zur Musik. Irgendwie eine echt witzige Einlage, es sieht wie bei Wickie in Flake (und Johan ist Halvar).
Danach lobte J. Hegg traditionell das deutsche Bier und prostete mit seinen Jungs und ihren Trinkhörnern dem ausgelassenen Pulk zu. Die Antwort waren viele ebenfalls mit Hörnern versehene Hände.
  
Nach 13 ihrer größten Hits verabschiedeten sich die Fünf vorerst zum Verschnaufen von der Bühne. Die kochende Meute forderten sie mit den obligatorischen "Flughafen"Rufen noch mal zurück und natürlich ließen sich Odins Jünger nicht lange bitten und feuerten noch zwei Songs ab. Danach ist die Schlacht geschlagen. Gewohnt souverän, voller Spielfreude und Enthusiasmus haben die Wikinger ihr Werk vollbracht. Immer wieder sehens- und hörenswert!
Setlist Amon Amarth:
  1. Intro
  2. Twilight of the Thunder God
  3. Free will sacrifice
  4. With Oden on our Side
  5. Varyags of Miklagaard
  6. Fate of Norns
  7. Under the Northern Star
  8. Guardians of Asgaard
  9. Ride for Venegeance
  10. North Sea Storm
  11. Tattered Banners and Bloody Flags
  12. Death in Fire
  13. Victorious March
    - - - - - - -
  14. Intro/Cry of the black Birds
  15. Pursuit of Vikings


Fazit: Eine vor allem mit dem Billing wirklich geile Tour. Ca. 1.200 Hartwurstfans fanden den Weg nach Lichtenfels und bereuten ihn sicher nicht. Ich hätte allerdings mit etwas mehr gerechnet. Ob es am Termin, der Zeit oder dem Eintritt von knapp 40 Euronen lag (Wobei zu bemerken ist, dass erstens eine CD wie erwähnt inbegriffen war und zweitens 8 wirklich geile Bands am Start waren), kann ich nicht sagen. Rundherum eine gelungene Veranstaltung mit nur einem Kritikpunkt - das Bonsystem. Sorry, aber damit kann ich mich nicht anfreunden, wenn ich auch die Vorteile für die Veranstalter sehe. Der Sound war sicher nicht der Beste, aber alles in allem annehmbar.
Die bangende Meute

Im Übrigen möchte ich mal die Gelegenheit nutzen und die beiden Vereine, die die Veranstaltungen rund um den Metal im Oberfränkischen organisieren, loben. Ich weiß durch meinen Job ansatzweise, was dahintersteckt. Und das alles nur just for fun, Klasse! In meinem doppelt so großen Wohnort Suhl/Thüringen zum Beispiel gibt in alter Tradition zum Kessel Buntes aus Ostzeiten nur den Silbereisen mit allen möglichen Festen der Volksmusik und Herbert Roth (Rennsteiglied) sonst steht eine große Stadthalle und andere bespielbare Säle völlig ungenutzt da. Nichts gegen die Volksmusik (jede Musik hat seine Berechtigung), aber ein bisschen Abwechslung könnte halt schon mal sein. Sorry, das musste sein!

    R.J. 27.03.2009
    Fotos von Joachim Rettschlag

 
 
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