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Konzertbericht
 

Europahalle, Karlsruhe
Sonntag, 17.06.2009

Band: Heaven And Hell, Axel Rudi Pell, Tim Ripper Owens

Es gibt wahrscheinlich keinen ungünstigere Zeit in der Woche als ein Sonntagabend, um ein Konzert zu veranstalten. Liegt dieser Sonntag dann auch noch Mitte Juni und damit Mitten in der Festival-Saison, so muss man als Konzert-Veranstalter bei den Zuschauerzahlen mit dem Schlimmsten rechnen. Anders aber, wenn sich die auftretende Band Heaven and Hell nennt: Erfreulich gut gefüllt zeigt sich die Karlsruher Europahalle, zwar noch lange nicht ausverkauft, aber einige Tausend dürften sich bei tropischen Verhältnissen doch unter dem Wellblechdach eingefunden haben.


Tim Ripper Owens

Tim Ripper Owens
Eine kleine Enttäuschung und gleichzeitig leider eine Modeerscheinung erlebe ich, als ich um viertel nach sieben die Europahalle betrete, da die erste Band bereits angefangen hat zu spielen. Schon komisch, denn im Vorfeld ist 20 Uhr als Beginn angekündigt worden! Beim Näherherankommen an die Bühne kommt mir der Sänger irgendwie bekannt vor und nach nach einigen gesungenen Worten ist klar: Da steht der "Ripper" auf der Bühne, jener zweifelsohne begnadete Sänger, der bei Judas Priest und Iced Earth jeweils unter der Tatsache leiden musste, nur als Ersatz für einen unaustauschbaren Sänger zu fungieren. Denn was Tim Owens wirklich draufhat, beweist er an diesem Abend: Grandios performt er die neuen Songs seines Solo-Debüts PLAY MY GAME, zwischen die noch Priest-Songs eingestreut werden. Etwas wenig gelungen ist dabei allerdings die Interpretation der Klassikers "Green Manalishi", dafür kann man bei den Namen der Begleitband des Rippers nur mit der Zunge schnalzen, da hier Künstler wie der Ausnahme-Gitarrist Chris Caffery lärmen. Insgesamt ein vielversprechender Auftritt, nur schade, dass die Band auf keine Weise angekündigt gewesen ist und nicht viele Zuschauer das Spektakel verfolgen konnten, da es bereits um Viertel vor Acht endet (und damit eine Viertel Stunde vor dem eigentlichen Beginn)!


Axel Rudi Pell

Axel Rudi Pell
Axel Rudi Pell muss man nicht vorstellen, ebenso wenig seine Mit-Musikanten um Drum-Monster Mike Terrana, der den meisten wohl aus seiner langen Zeit bei Rage bekannt sein dürfte. Musikalisch weiß man bei Axel Rudi Pell genau, was man bekommt: Handgemachten, melodischen Metal, der technisch astrein gemacht ist und damit genau dem entsprechen dürfte, was dem gemeinen Fan von Heaven and Hell gefällt. Aus diesem Grund wird die Band nach einem routinierten Auftritt auch mit mehr als nur einem Anstandsapplaus verabschiedet.


Heaven And Hell

Heaven And Hell
Nach einer kurzen Umbaupause beginnt dann endlich die Band zu spielen, auf die alle Anwesenden sehnsüchtig gewartet haben: Die Erfinder des Heavy Metal, die Giganten des Rock oder einfach Black Sabbath betreten die Bühne. Ok, sie nennen sich neuerdings Heaven and Hell, um zu signalisieren, das es sich die Besetzung mit Ronny James Dio handelt, aber was trotz der Umbenennung bleibt ist die Magie, die von dem mittlerweile deutlich in die Jahre gekommenen Quartetts ausgeht. Der Einstieg mit dem Klassiker-Doppel "The Mob Rules" vom gleichnamigen Album und dem HEAVEN AND HELL-Song "Children oft he Sea" ist bereits grandios, bevor mit "I" vom unterbewerteten DEHUMANIZER-Album ein erster Höhepunkt folgt. Erfreulich gut fügen sich dann auch die drei gespielten Songs "Bible Back", "Follow the Tears" und "Fear" vom neuen Album THE DEVIL YOU KNOW in die aus Metal-Hymnen bestehende Setlist ein, wobei ich besonders vom letztgenannten Song positiv überrascht bin, da ich "Fear" bis dahin für einen der schwächeren Songs des neuen Albums gehalten habe. Live entfacht er dann aber doch eine wahnsinnig tolle Atmosphäre.

Heaven And Hell
An dieser Stelle muss betont werden, dass die einzelnen Mitglieder von Heaven and Hell auch trotz ihres Alters wohl immer noch eine Klasse für sich sind: Ronnie James Dio, mittlerweile knapp 67 Jahre alt, muss immer noch zu den besten Sängern der Welt gezählt werden und trifft während der neunzig-minütigen Show absolut jeden Ton. Tony Iommi ist mit seinen markanten und eingängigen Riffs einer der einflussreichsten Gitarristen im Rock und Metal und präsentiert sich an diesem Abend zudem als sympathischer und fannaher Künstler, der bei jeder seiner Bewegungen eine große Würde ausstrahlt. Bassist Geezer Butler geht neben diesen Protagonisten optisch geradezu unter, doch seine Spielweise sucht wohl auch unter jüngeren Kollegen noch seinesgleichen. Als letztes Bandmitglied fehlt nun noch Drummer Vinny Appice, dessen Schlagzeug aussieht wie eine Kugel aus Trommeln die er nicht nur während des hörenswerten "Drum-Solos" bearbeitet.
Absoluter Höhepunkt ist der letzte Song des regulären Sets, das obligatorische "Heaven and Hell", das in der Live-Version auf gut und gern zwanzig Minuten ausgedehnt wird und bei dem auch die eindrucksvollen Bühnenaufbauten sowie die Video-Leinwand im Hintergrund der Bühne voll zur Geltung kommen.
Nach der einzigen Zugabe "Neon Nights" ist dann Schluss, aber unzufrieden dürfte wohl keiner der anwesenden Besucher gewesen sein.

Setlist Heaven And Hell:
  1. The Mob Rules
  2. Children of the Sea
  3. I
  4. Bible Back
  5. Time Machine
  6. Drum Solo
  7. Fear
  8. Falling off The Edge of the World
  9. Follow the Tears
  10. Die Young
  11. Heaven and Hell
  12. Neon Knights


    M.S. 17.06.2009

 
 
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