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Konzertbericht
 

Summer Breeze Festival 2009 (D)
Flugplatz des Aeroclubs Dinkelsbühl
Donnerstag 13.08.2009

Bands: Anaal Nathrakh, Backyard Babies, Beneath the Massacre, Carnifex, Corvus Corax als Cantus Buranus, Deadlock, Equilibrium, Grand Magus, Hackneyed, Hate Eternal, Jack Slater, J.B.O., Katatonia, Katra, Kreator, Misery Index, Psychroptic, Suffocation, Sylosis, The Faceless, The Red Chord, Unheilig, Vader, Walls of Jericho

2. Tag
Am Vormittag war ich dann endlich da. Bereits die Fahrt durch Dinkelsbühl machte unmissverständlich klar, wer an diesem Wochenende die Stadt in festen Händen hat. Denn die vorherrschende Farbe war schwarz. Lange Schlangen in den Supermärkten, Getränkebuden und MC Donalds verschafften den Inhabern sicher gute Geschäfte. Mit völlig überfüllten Shuttlebussen sind wahre Massen in die Stadt eingefallen.

Auch ich konnte von den Umbaumaßnahmen positiv profitieren. Nach nicht mal ner halben Stunde waren das Bändchen am Arm, das Ticket in der Tasche und das Auto kontrolliert. Rekordverdächtig!

Maisfeld zum Campen
Leider war das Wetter an diesem Tag dem Metal nicht wohlgesonnen und leider waren sämtliche Wiesen bereits voll belegt, so dass für uns nur ein abgeerntetes lehmiges Maisfeld zum Campen übrig blieb. Man konnte sich nicht aussuchen wo man sich hinstellen wollte. Man blieb dort stehen, wo das Auto mit ca. 5 cm dickem Lehm auf den Reifen nicht mehr vorankommen konnte. Was soll's, ein Zelt wurde eh nicht gebraucht, weil im Auto gepennt wurde.
Lehm auf den Reifen
Endlich da, endlich Metal, endlich abfeiern, also erstmal ein Bierchen zischen. Die Dose war noch nicht mal offen, als wir von einem fetten Regenschauer heimgesucht wurden. So blieb uns nur übrig aus dem eigenen Auto eine wahre Show von driftenden Wagen und fliegendem Matsch zu beobachten.

Katra und Deadlock fielen dem Wetter zufolge für mich leider aus. Erst für mein erstes musikalisches Highlight schaffte ich den Weg nicht gerade kurzen aber gehbaren Weg auf das Hauptgelände.

Vader
Die polnischen Vorzeige-Deathler Vader bliesen auf der Hauptbühne zur Attacke. Warum die bereits so früh an der Reihe waren, bleibt mir ein Rätsel. Fakt ist, mit ihrem wuchtigen Death schlugen sie regelrecht eine Schneise der Verwüstung, zumindest im Publikum, die wilde Moshpits, gekrönt von der einen oder anderen Wall of Death, zelebrierten. Wow, was für eine Eröffnung (für mich).
Vader
Der Weg zur Pain Stage machte mich gleich noch mit einer anderen Neuerung bekannt. Um Sumpf vor der Main Stage zu vermeiden hatte man versucht, den Teil des Geländes mit Schotter zu befestigen. Leider ist es bei dem Versuch geblieben, denn das grobe Steinmaterial löste sich aus der Fixierung und wurde so zu regelrechten Stolpersteinen. Zumindest ist mir eine junge Besucherin bekannt, die sich den Knöchel verstaucht hat. Die Stroh-Lösung aus dem letzten Jahr war um einiges sinnvoller und obendrein lustiger. (Es fanden vor der Bühne wahre Strohschlachten statt.)

Grand Magus
Grand Magus standen nun auf dem Plan. Cool zockten Fronter Janne ‚JB' Christoffersson und seine Jungs ihren doomigen Heavy Metal, der zu gefallen wusste. Ein nicht unerheblichen Kontrast zur vorigen Band. Andauerndes Bangen war der Lohn. Absolut geiler Gig!

Gespannt war ich auf Unheilig. Bisher ist diese Band völlig an mir vorbei gegangen. Umso erstaunter war ich, dass eine doch riesige Meute vor der Main Stage auf den Auftritt wartete.

Unheilig Unheilig

Herrje, so viele Anhänger und ich kenne sie nicht. Nun denn…. Jubel brandete auf, als Der Graf die Bühne, im feinsten Zwirn mit Krawatte gewandet, betrat und während seines Auftritts einen wahren Marathon auf die Bühne legte.
Unheilig Fans
Irgendwie bizarr das Outfit zwischen all den üblich gekleideten Metalheads. Das Gemisch aus Industrial Metal, Synthy Pop und Neuer Deutscher Härte brachte die Meute echt in Wallung. Klingt für mich irgendwie nach Rammstein ohne harte Riffs.


Nach diesem Auftritt war für mich erstmal Pause angesagt. Danach wurde wieder deutlich, dass drei Spielorte - Main Stage, Pain Stage und Party Tent - sowohl ein Segen als auch Fluch ist.
Metalheadz
Einerseits wird die Bandbreite und Bandvielfalt enorm gesteigert, andererseits verpasst man wegen der überlagerten Spielzeiten einiges, zumal man doch einiges an Weg zum Partyzelt zurücklegen muss. Ziemlich zeitgleich spielten J.B.O., Beneath the Massacre, Walls of Jericho und Hackneyed. Was tun? Ich entschied mich für ein Quäntchen der ersten beiden genannten Bands und die volle Dröhnung von Hackneyed.

J.B.O.
Über J.B.O. kann ich nur soviel sagen, sie brachten wirklich Stimmung unter die Leute, vor allem mit den älteren Songs. Für meinen Geschmack spielten sie aber mindestens eine Charge zu weit hinten.

Bei Beneath the Massacre gab es im Zelt kein Halten mehr. Leider konnte ich mir nur knapp drei Songs reintuen, aber die hatten es in sich. Die Kanadier knallten mörderischen Todesmörtel unter die Zeltplanen. Hätte ruhig noch ein Weilchen andauern können, aber nun kommen ja DIE deutschen Death Metal-Talente.

Obwohl bei Hackneyed von Talenten zu sprechen, verbietet sich ja schon fast. Schließlich haben die Jungs alle großen Festivals bespielt, was andere Bands in ihrer gesamten Karriere nicht schaffen.

Sei es drum, es ist schon bewundernswert, wenn solche Jungspunde (der Jüngste dürfte ca. 16 Lenze alt sein) mit solcher Souveränität und Klasse agieren. Eine Welle heftigen Todesbleis entlädt sich über die Besucher. Klar, dass die Lokalmatadoren mit wehenden Haarschöpfen tüchtig abgefeiert werden. Recht so! Das haben sie sich auch wirklich verdient.

Nix wie los zur Main Page Kreator wartet. Gerade noch so eben höre ich die letzten Töne von "Hordes of Chaos". Die Essener schwingen die Thrash Metal-Keule, dass es nur so scheppert. Für das feierwillige Publikum ein gefundenes Fressen. Dankbar bangen sich die Metalheads den Schädel von der Schulter oder lassen sich in einer Anzahl über die Menge reichen, dass man Angst haben muss, dass mehr Leute über als unter den Körpern verweilen. Aus allen Schaffensphasen werden mächtige Brocken vor die Füße der Meute geschleudert.
Dankbar bangen sich die Metalheads den Schädel von der Schulter
Egal ob nun "Enemy of God"oder "Pleasure to kill" es geht nur ab. Nach einer zwischenzeitlichen Pause setzt die Band kurze Zeit später den Auftritt fort. Da wird die Kreator-Flagge geschwenkt um "Flag of" standesgemäß mit völlig ausgeflippten Ansagen anzukündigen. Ein weiß Gott rasender Ausklang. Die Vorstellung war einfach nur geil!
Dringend war eine Auszeit angesagt. Corvus Corax oder besser gesagt Cantus Buranus ging bei mir heute Abend nach Kreator gar nicht. Dabei habe ich nichts gegen die Musik, ganz im Gegenteil. Nur heute war mir nicht danach. Ich entschloss mich für heute Schluss zu machen. Schließlich warteten noch zwei heiße Tage (und das, wie sich herausstellte wortwörtlich).

    R.J. 17.08.2009
    Fotos von Joachim Rettschlag

Die anderen Tage:
 
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