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1. Christmas Metal Festival Stadthalle Lichtenfels Samstag 12.12.2009
Bands: Bourbon Lancy, Enema Of Death, Hatred, Justice, Kreator, Legion Of The Damned, Megaherz, Nump, Saltatio Mortis, Silverlane, Subway to Sally |
Kurz vor Weihnachten und mitten im Advent haben sich die Veranstalter von Rock in Concert etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Ein Festival mit einer Mischung aus Thrash Metal und Mittelalter Rock. Ob so was funktioniert, macht Euch selber ein Bild.
Bereits um 12.45 Uhr beginnt das Spektakel mit Bands aus dem fränkischen Umland. Leider kann ich aus beruflichen Gründen erst gegen 18 Uhr Vorort sein. Megaherz wollte ich mir auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Als ich dann in die Stadthalle komme, war Justice noch voll am Werk. Wie man mir dann mitgeteilt hat, begann das Festival musiktechnisch erst gegen 13.45 Uhr statt wie angekündigt eine Stunde früher. Mir soll es recht sein, bekomme ich halt noch mehr mit.
Justice
Die Franken sind bereits seit über 20 Jahren im Geschäft und sind spätestens seit ihren Auftritten in Wacken, auf dem Summer Breeze und dem Earthshaker-Festival keine Unbekannten mehr. In ihren Reihen waren schließlich solch Hochkaräter wie J.B.O.ler Hannes G. Laber Holzmann oder Ex- Running Wild Drummer Iain Finley zugange. Für mich zum Start auf diesem Festival ist der Auftritt durchaus interessant. Frontman Michael Mitch Schmitt hat an diesem Abend ziemlich mit den letzten Ergebnissen der Clubberer zu tun. Was aber sicher solchen Thrash-Keulen wie "Highschool Death" aggressionstechnisch sicherlich zu Gute kam. Die Menge jedenfalls zollte der Leistung mit heftigen Bangattacken Tribut.
Megaherz
beginnen ihr Konzert mit bereits fast 90minütiger Verspätung. Dafür legen sie aber los wie die Feuerwehr. Nach dem vergangenen Rummel um Auflösung und Reunion der Industrial Metaller konnten sie schon letztes Jahr beim Summer Breeze einen fulminanten Auftritt hinlegen, genau wie heute Abend. Wer auf Neue Deutsche Härte steht, der muss begeistert sein von diesem Auftritt. Natürlich werden jetzt die Gegner dieses Genres den Kopf schütteln und laut aufheulen, aber die Musik ist halt dazu angetan rumzuhüpfen und mitzubrüllen. Technische Raffinessen sucht am sicherlich vergebens, aber Megaherz wissen, wie man die Massen begeistert. Getreu dem Motto ihrer letzten Best-of-CD TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER bleiben sie keinen ihrer Hits schuldig.
Von "Miststück" über "Blender" bis hin zu "Heuchler" geht es quer durch ihre Diskographie. Am Ende des Gigs dürfen die Süddeutschen noch einen weiteren Song dranhängen, machen aber flink zwei draus, was sich bei der schon andauernden Verspätung eher kontraproduktiv auswirkte.
Saltatio Mortis
Nach der wieder mal langen Umbaupause geht es dann zum ersten Mal Richtung Mittelalter. Saltatio Mortis dürfen ihren Mittelalter-Rock zu Gehör bringen. Mit Drehleier, Sackpfeife und Schalmei geht es standesgemäß zu Werke. Das Ensemble bringt auch tatsächlich Stimmung in die Bude, denn viele Anwesende sind augenscheinlich hauptsächlich wegen der beiden Verfechter des dunklen Zeitalters hier. Ein besonderes Highlight ist natürlich die Crowd Surf-Einlage von Alea dem Bescheidenen, seines Zeichens der Troubadour der Totentänzer. Er schafft es tatsächlich singend über die gesamte Meute. Alles in allem ein stimmungsvoller Auftritt der Badener, wenn auch der Gesang zwischenzeitlich etwas unterzugehen drohte.
Legion of the Damned
Als nächstes ist nun die Thrashwalze aus den Niederlanden am Zug. Auch in dieser Umbaupause verzögert sich wieder einiges. Statt gegen 21 Uhr lässt es Legion of the Damned erst gegen 22.30 Uhr richtig krachen. Wie man sie halt kennt, laut, brachial mit irrer Spielfreude.
Sie zocken alles aus ihrem Repertoire, was gut und wichtig ist. "Pray & Suffer", "House of Possession", "Cult of the Dead", "The Final Godsend" dürfen ebenso wenig fehlen, wie die älteren Kracher "Malevolent Rapture", "Son of the Jackal"und natürlich ihren Song "Legion of the Damned". Da bleibt einfach kein Auge trocken und kein Genick steif, höchsten wegen Überbeanspruchung. Die vier Brachial-Musiker bangen was der Hals hergibt und Frontman Maurice feuert die wilde Horde vor der Bühne permanent an.
In der zweiten Halbzeit beim Bier am Merch-Stand geben sie geduldig Autogramme und lassen sich auf jeden Small-Talk ein. Da können sich andere Bands eine riesige Scheibe abschneiden, ebenso was die Preise an den Merch-Ständen angeht! Ich habe sie in diesem Jahr ganze fünf Mal live erleben dürfen und kann sagen, dass alle diese Konzerte gleichwertig gut waren. Schade, dass sie nächstes Jahr wahrscheinlich nur ein Konzert beim MetalFest in Dessau geben werden, aber sie brauchen ja auch Zeit Neues zu konzipieren.
Subway to Sally
Über die Verspätung habe ich ja schon einiges geschrieben, aber was nun kam, war eigentlich die Krönung. Allein die Umbaupause incl. Soundcheck von mehr als einer Stunde war der Hammer und wird - klaro - mit vielen Pfiffen bedacht.
Subway to Sally entern gegen 0.45 Uhr die Bühne, also mit weit über zwei Stunden Verzug! Bei ihrem "Aufstieg" und "Judaskuss" gibt es gleich eine Pyroshow zu bestaunen. Weitere Highlights ihres Schaffens, wie "Knochenschiff und "Veitstanz" folgen im Laufe der Nacht, ebenso, wie weiteres Geflämm auf der Bühne. Die Menge ist beseelt. Zumal beim letztgenannten Lied auch noch halb Saltatio Mortis zur Unterstützung auf die Bühne kommt.
Leider gibt es auch einiges, was kritisch angemerkt werden muss. Ziemlich daneben ist die Bemerkung von Eric Fish zu Beginn des Auftritts. So Leute, jetzt spielen wir für Euch mal richtige Musik, nachdem ihr schon so viel Geschrei ertragen musstet. Sorry, aber geht man so mit Kollegen um? Ich habe bisher noch keinen gesehen, der auf der Bühne gesagt hätte Hey, jetzt zocken wir mal richtig, nachdem ihr so viel Gedudel ertragen musstet., oder? Für mich klingt es ziemlich abgehoben und arrogant. Das gibt zumindest bei mir fette Minuspunkte.
Die Zugaben machten die Gemütslage bei den Kreator-Fans nicht gerade besser. Gut, kann ja Subway to Sally nichts dafür. Die Verzögerung im Vorfeld haben sie ja nicht zu Verantworten, oder? Überhaupt scheint es so, als ob es um die Stimmung zwischen den Bands der unterschiedlichen Genres an diesem Abend nicht sonderlich gut bestellt war. Weiteres dazu folgt noch.
Bereits vor der Umbaupause herrscht bei den Thrashern Ratlosigkeit. Ist Mille überhaupt da? Sami und Speesy hat man schon durch die Halle schleichen sehen, aber Mille nicht. Spielen die um diese Uhrzeit überhaupt noch?
Nachdem Subway to Sally die Bühne verlassen hat, beginnt der Umbau. Also doch, dem Thrash-Gott sei Dank. Auch deshalb, weil der Umbau der kürzeste dieses Festivals ist.
Kreator
Gegen 3 Uhr am frühen Sonntagmorgen betreten die Essener die Bretter, und zwar mit richtig Wut im Bauch. Mille lässt zwar offen wen genau er meint, aber eigentlich kann man es sich denken. Fuck off an alle, die uns hier nicht spielen lassen wollten. Habt ihr Bock auf 75 Minuten fuckin Thrash Metal? Die verbliebene Menge grölt zustimmend. Leider ist vom Publikum höchstens noch ein Drittel anwesend, aber die bereuen diesen genialen und außergewöhnlichen Auftritt mit Sicherheit nicht.
So zocken sich die Thrash Metal-Urgesteine quer durch ihre Hits. "Phobia" und "Enemy of God" dürfen ebenso wenig fehlen, wie "Pleasure to Kill".
Nach einem einwandfreien Schlagzeug-Solo des Tour-Drummers Marco Minnemann, der hauptamtliche Fellquäler Vektor hatte sich für einige Konzerte aus persönlichen Gründen abgemeldet, folgen mit der üblichen Flaggeneinlage "Flag of Hate" und "Tormentor".
Tja, was soll ich sagen, es waren überaus perfekte 75 Minuten, ein Thrash-Gewitter allerfeinster Güte. Wahrlich bemerkenswert, dass ein Konzertabend früh um 4.15 Uhr endet.
Fazit: Das Christmas Metal Festival ist Geschichte und wird in diese für alle Anwesenden bestimmt eingehen. Die aufgetretenen Verzögerungen sind für ein solches eintägiges Spektakel nicht hinnehmbar. Das weiß der Veranstalter Rock in Concert auch selber und hat auf seiner Homepage bereits entsprechend reagiert.
Wenn der Wurm mal drin ist, dann knabbert er sich halt voran und es geht nichts zusammen, vor allem was die Technik angeht. Da kann ich aus eigenen Erfahrungen sprechen. Also machen wir nicht mehr daraus, als es ist. Das wird sicher so nicht nochmal vorkommen. Eine Lösung wäre vielleicht lieber zwei bis drei Supports weniger und etwas später angefangen. Auf jeden Fall fand ich es eine klasse Idee den Hauptacts viel Zeit zur Verfügung zu stellen und nicht nur eine Dreiviertel Stunde, oder so.
Was für mich bei einem eintägigen Festival gescheitert ist, ist die Verbindung so unterschiedlicher Genres, wie Mittelalter-Rock und Thrash. Bei einem mehrtägigen Festival geht so was, nicht aber an einem Abend.
Die Verpflegung gab keinen Anlass zur Kritik. Essen und Getränke waren genügend vorhanden und auch die Preise waren okay. Die Merchandise-Stände wurden auf die Empore verlegt, was angesichts des sonst in der Vorhalle herrschenden Chaos eine erstklassige Idee war.
Mit gefällt es besser, wenn die Bühne an der Längsseite der Halle aufgebaut wird, aber wegen der Größe wohl nicht möglich war.
Eines muss ich aber noch anbringen. Ich weiß nicht an wem es liegt, aber zum wiederholten Mal in der Lichtenfelser Stadthalle war für den Weg nach draußen (zum Rauchen) nur eine Tür geöffnet, was bei den Umbaupausen zu einem riesigen Gedränge führte. Ich mag gar nicht dran denken, was passiert, wenn da mal Panik ausbricht. Es sind doch genügend Ausgänge vorhanden, warum öffnet man nicht mehrere? Keiner braucht sich zu wundern, wenn die Meisten dann später in der Halle quarzen.
Das Christmas Metal Festival ist schon eine gute Idee und wird nächstes Jahr hoffentlich eine Neuauflage erleben. Die Kinderkrankheiten werden dann überstanden sein.
R.J. 12.12.2009
Fotos von Joachim Rettschlag |
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Bandinfos |
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Danzig, Glenn |
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Simmons, Gene |
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