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Konzertbericht
 

Hell Goes on Tour 2010
Schlachthof Eisenach
Freitag 22.01.2010

Bands: Asgaia, Disbelief, Gorilla Monsoon, Lay Down Rotten

Das Jahr 2010 hat kaum begonnen und dem Metal-Gott sei Dank präsentieren sich gleich zum Jahresanfang drei große deutsche Metal-Bands auf der Hell Goes on Tour ihren Fans. Der zehnte Gig der Tour findet in Eisenach statt. Als vierten Act hat man sich noch mit Asgaia eine regionale Band an die Seite geholt.

Der Schlachthof in Eisenach gehörte zu DDR-Zeiten zum VEB Fleisch- und Wurstwaren. Wie der Name schon sagt wurde seinerzeit dort mächtig gemetzelt. Jetzt finden hier Veranstaltungen aller Art statt. Für Metalkonzerte ist dieses markante und düstere Gebäude wie geschaffen.


Asgaia
Die Thüringer dürfen den heutigen Abend eröffnen. Leider füllt sich der Raum erst während des Gigs. Die Death Metal Combo hätte sicher mehr Publikum verdient. Dennoch können sie sich über wohlwollenden und verdienten Applaus am Ende freuen und ihrer Biografie ein weiteres Highlight hinzufügen.

Und Live-Erfahrung hat die 1995 gegründete Band alle Mal, spielte sie doch bereits als Vorband u.a. von Crematory, Atrocity und Samael. Auch heute fügt sich ihr melodischer Death Metal in das Gefüge des Abends perfekt ein und macht den Anwesenden nochmals klar, in welchem Bereich der rote Faden für heute zu finden ist.


Gorilla Monsoon
Während ich mich auf die Suche nach meinem Interview-Partner Karsten "Jagger" Jäger von Disbelief befinde, bahnt sich der erste Höhepunkt an. Gorilla Monsoon aus Dresden sind nun am Start. Gemeinsam mit Karsten lausche ich den ersten drei Songs und kann mich seinen begeisterten Worten in vollstem Umfang anschließen. „Das ist so geil!“ Mehr kann man eigentlich zum Auftritt der Sachsen nicht sagen.
Natürlich kenne ich ihre CD’s DAMAGE KING und EXTERMINATION HAMMER, aber live kannte ich sie noch nicht. Diese bleischweren Riffs, dieser fortwährende Groove gibt dem Raum eine so ungeheure Fülle, dass ich wirklich mit offenem Mund dieser Walze lauschen muss. Ich bin doch immer wieder erstaunt, dass mich nach so vielen erlebten Konzerten immer noch etwas dermaßen flashen kann. Ich stehe da, wie ein Kind, das zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum sieht. Glücklicherweise bin ich nicht der Einzige dem es so geht. Der Platz vor der Bühne ist nun gut gefüllt und ich kann in viele erstaunte und hocherfreute Gesichter blicken.
Auf der überwiegend feuerrot erleuchteten Bühne wuchten Frontman Jack Sabbath und seine Mannen den Fans einen fetten Brocken nach dem anderen um die Ohren. Ich muss zuhause dringend mal wieder diese geile räudige Mischung aus Stoner und Doom ausgraben. Der gehörnte Mikroständer (ich denke es handelt sich dabei um den Schädel einer Oryxantilope, oder?) macht den Stoner Rock-Anteil in der Musik auch optisch deutlich. Eine Zugabe ist bei dem aufbrausenden Applaus reine Ehrensache.
"Fett, fett, fett..." oder wie Karsten schon sagte: "Geil, geil, geil...!"


Lay Down Rotten
Lay Down Rotten Lay Down Rotten
Für einen Beteiligten artet das Ganze heute Abend in wirklichen Stress aus. Die Herborner treten leider ohne ihren Stammgitarristen auf. Eine Fingerverletzung von Nils Förster macht eigentlich aus einem Quintett ein Quartett, wäre da nicht Alex Hagenauer von Soul Demise. Bereichert er auf dieser Tour bereits Disbelief, lässt er es sich nicht nehmen auch Lay Down Rotten zu unterstützen.
Lay Down Rotten
Gemeinsam versuchen sie die Bühne zu rocken, was nach Gorilla Monsoon zuerst nicht ganz einfach ist. Gehen die ersten Songs noch ein wenig unter, weil viele Zuhörer sich noch mit Alkohol und Nikotin versorgen, schaffen sie es mit vollem Einsatz einen absolut hörenswerten Auftritt hinzulegen. Bassist Uwe Kilian mosht und tobt auf der Bühne, wie ein Derrwisch, Gitarrist und Teilzeit-Vocalist Daniel Jacobi sah man förmlich an, dass er das Letzte aus sich rausholte und Frontman Jost Kleinert growlte, grunzte und quiekte, dass es eine helle Freude war. Es war wirklich was los auf der Bühne.
Lay Down Rotten Lay Down Rotten
Auch musikalisch ist bei Lay Down Rotten alles in Ordnung. Deftiger Todesblei mit einer guten Portion Thrash Metal. Zumindest einige Nackenkreiser nahmen den Todesstrahl dankend an.
Daumen hoch für einen wirklich sympathischen Haufen.


Disbelief
Zeit für den hessischen Todessturm. Nach dem ersten Intro folgt mit Ethic Instinct die erste echte Keule. Ersatzklampfer Alex, der bereits bei der Vorband eine klasse Arbeit verrichtet hat, macht abermals deutlich das der Begriff eigentlich nicht auf ihn zutrifft und präsentiert sich, wie ein Vollmitglied der Band.
Disbelief bieten an diesem Abend Songs aus allen Schaffensphasen an. Sozusagen ein Best-of der letzten 10 Jahre – und da sind wahrlich mächtige Todeswalzen dabei.
Ob nun "Sick", "Navigator" oder "Misery", die Setlist spricht Bände, nicht nur für das Konzert, sondern vor allem, was diese Death Metal Institution bereits alles geleistet hat.
Erbarmungslos und brutal, dabei düster und teilweise beklemmend fräsen sich die Riffs und die leidenden Vocals von Jagger in die Lauscher. Sie schaffen es immer wieder die aggressiven mit melodiösen und manchmal gänsehauterzeugenden Parts zu einem einzigartigen Hörerlebnis zu kombinieren. Der Headbang-Faktor kommt dabei nie zu kurz, wie man an die kreisenden Matten unschwer erkennen kann. Die Jungs haben es wirklich drauf. Dem Publikum wird wegen des hohen Hitfaktors keine einzige Pause gegönnt.
Nachdem der Hauptact vollzogen ist verschwinden die Hessen hinter die Bühne. Scheinbar ist das Publikum dermaßen geplättet, dass keiner mehr die Stimme erheben kann, denn nur vereinzelt kommen Zugabe Zugabe-Rufe auf. Vielleicht vergehen 5 Minuten ehe Karsten mit seinen Jungs auf der Bühne erscheint. Sicher ist er selber erstaunt und ruft dem Publikum erst mal ein "Faule Band" zu. Verschwunden ist nämlich noch keiner und jeder wartet auf eine Zugabe. Leider ist nach zwei Songs Schluss.
Disbelief haben mal wieder bewiesen, dass sie Deutschlands Speerspitze im Death Metal sind. Es ist faszinierend, wie ihre brachiale und aggressive Spielweise immer wieder von bittersüßer Schwere und gedrückter Atmosphäre durchzogen wird. Songs, die wirklich unter die Haut gehen.
Setlist Lay Down Rotten:
  1. Intro I
  2. Ethic Instinct
  3. To the Sky
  4. When Silence is broken
  5. Hell goes on
  6. Hate/Aggressionschedule
  7. Sick
  8. Navigator
  9. The Return of Sin
  10. Intro II (Hell)
  11. A Place to Hide
  12. Room 309
  13. Nemesis Rising
  14. Rewind it all
  15. No Control
  16. Misery
Fazit: Ein geiler Abend!
Auch beim zehnten Auftritt der drei Tourbands machten sich keinerlei Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Es wurde geniale Musik geboten und ich frage mich, was muss noch passieren, dass solche Hallen ausverkauft sind? Gerade in einer Gegend, wie hier in Thüringen, wo wir ja nun wirklich nicht unter einer Flut von Konzerten untergehen. Der Preis von 11 bzw. 13 € kann sicherlich nicht den Ausschlag gegeben haben, dass sich nur ca. 220 Fans eingefunden haben. Ein Ansatzpunkt ist vielleicht die Werbung für das Konzert. Mehr darüber könnt ihr im Interview mit Karsten und Joe nachlesen. Verdient hätten es sich heute alle Bands vor ausverkauftem Haus zu spielen.
Sie jedenfalls haben ihr Möglichstes gegeben um ihren Fans etwas Besonderes zu bieten und die Leute von ihrer Musik zu begeistern. Autogrammjäger wurden vollstens zufrieden gestellt und auch für jedes Gespräch war sich keiner zu schade und Gelegenheiten dazu gab es zu Hauf. Die Musiker bevorzugten es, sich meistens in der Vorhalle aufzuhalten.

    R.J. 22.01.2010
    Fotos von Joachim Rettschlag

 
 
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