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Konzertbericht
 

Rock in Concert Open Air
Waldstadion Weismain (D)
Freitag 17.06.2011 - Tag 1

Bands: Andy Brings, Broilers, Alice Cooper, D:A:D, Danko Jones, Guns of Moropolis, Misfits, Motörhead, Rock Rotten's 9mm Assi Rock'n'Roll, The Bones

Die Macher des Christmas Metal konnten es wohl nicht abwarten. Die Zeitspanne zwischen Weihnachten und Weihnachten scheint einfach zu riesig. So hat sich die RiC-Crew etwas großes für den Juni einfallen lassen. Ein Rock in Concert Open Air....und was für eins!

Als Location wurde das Waldstadion Weismain ausgewählt. Das Spielfeld wurde geteilt – auf der rechten Seite fand der musikalische, auf der linken der kulinarische Teil statt. Mittendrin stand ein großes Getränkezelt. Der riesige Vorteil dieser Gliederung ist die wirklich gute Sicht auf Grund einer großen Natursteintribüne gegenüber der Open-Air-Bühne. Auch das naheliegende Camping- und Parkareal ist hervorragend geeignet um die täglich veranschlagten 6.000-7.000 Zuschauer aufzunehmen.

Heute steht fucking Rock'n'Roll auf dem Programm. Man sieht es bereits beim Publikum, denn heute sind weniger lange Haare gefragt, dafür massig Tattoos. Eigentlich sollte es ja bereits um 11:00 Uhr auf der Bühne losgehen, aber auf Grund technischer Probleme hat sich die Veranstaltung um einiges nach hinten verschoben.


Andy Brings
Kein Regen – also gutes Wetter, aber es gibt leider gleich eine Enttäuschung, denn Guns of Moropolis, die Metalbillies aus dem Schwabenland, treten heute nicht auf – Schade! Da ist wohl einiges an Equipment nicht angekommen, wie zu hören ist. Okay, damit ist der Ex-Sodomist Andy Brings der Opener des Festivals.

Es ist schon fast unglaublich, dass Andy Brings mal Metal à la Sodom oder Powergod gezockt hat. Heute würde ich das Ganze eher als Metal-Schlager oder Power-Pop, wie er es selber nennt, bezeichnen. Okay, zum Frühschoppen...nun ja, mein Ding ist es nicht.

9mm Assi Rock'n'Roll
Das die 9mm Assi Rock'n'Roller von Rock Rotton eine ziemliche Anhängerschar haben, lässt sich nicht verleugnen. Das Logo ziert vielfach Shirts und Caps. Tja, der Hanauer-Vierer hat es geschafft, aus der Konkursmasse der Onkelz einiges für sich rauszuholen. Das Rock'n'Roll-Punk-Deutschrock-Allerelei mixt man mit böhsen bzw. bierseligen Texten und es funktioniert. Die Stimmung steigt mit jedem Song und jedem Bier. Nur lieber Rock, liebe 9mm Assis – der Kölner Asi mit Niwoh Jürgen Zeltinger - hat den Volksliedklassiker "Mein Vater war ein Wandersmann" bereits Ende der Siebziger mit Erfolg ausgesaugt.

D:A:D
D:A:D (früher Disneyland After Dark) sind einen Platz nach vorne gerückt. Warum? Keine Ahnung, ist auch egal, denn die Dänen präsentieren sich und ihren Hard Rock in ihrer ureigensten Art und Weise. Seit Mitte der Achtziger rocken und punken sie die Bretter der Welt. In ihrem Heimatland sind sie eine ziemlich große Nummer, aber auch in Deutschland sind sie oft zu sehen.

Ein riesiges Banner mit ihrem ursprünglichen Namen hängt über der Bühne. Die Binzer-Brüder und Drummer Laust Sonne geben ordentlich Gas, aber mit seinem 2-rote Saiten-Plexiglas-Bass und seinem silbrigen Outfit ist Stig Pedersen sicher die auffälligste Person. Der Bassist posiert und mimt wie ein Derwisch über die Stage. Höhepunkt ist wohl der Raketenhelm, den Stig während des letzten Songs auf dem Kopf trägt. Mit allerlei Feuerwerk endet die kurzweilige Show. Daumen hoch für den gut 75-minütigen Auftritt.

Setlist D:A:D:
  1. Evil Twin
  2. Riding with Sue
  3. Beautiful together
  4. Monster Philosophy
  5. Road below me
  6. Jihad
  7. Everything glows
  8. Girl Nation
  9. Scare yourself
  10. Bad Craziness
  11. Sleeping my Day away


The Bones
Als nächstes kommt mit The Bones feinster Punk'n'Roll aus Schweden. Mr. Beef Bonanza, Boner Petersson und Co. sind ziemlich gut drauf und wissen das Publikum zu beschäftigen. Das perfekte Party-Mischungsverhältnis der Skandinavier lautet: ein Drittel Rockabilly, ein Drittel Punk und ein Drittel dreckiger Garage Rock wird gemixt und mit allerhand rockenden und rollenden Riffs sowie einer Menge Arschtritt verfeinert. Schon wird aus den Zuschauern eine wippende, tanzende und nickende Meute. Ich glaube die sympathischen Schweden haben heute einige neue Fans mit einem überzeugenden Auftritt gewonnen. Auch nach dem Auftritt sind die Jungs noch lange in der Zuschauermenge auszumachen. Natürlich haben das die Fans ausgiebig für Autogramme und Gespräche genutzt.

The Misfits
Eine echte Legende steht als nächstes auf der Bühne. The Misfits aus den Vereinigten Staaten haben sich diesen Status redlich verdient. Vor allem ihre Musik aus der ersten Epoche änderte die Musikwelt - zumindest die metallische - kolossal. Haben doch viele Bands, wie u.a. Megadeth und Metallica freimütig einen starken Einfluss eingeräumt. Einzig Gerald Caiafa alias Jerry Only stammt noch aus dieser Zeit. Passend zu ihrem zelebrierten Horrorpunk sind die Outfits der Amerikaner ausgewählt. Frontmann Jerry mit viel Kayal im Gesicht und Totenkopf am Bass, Gitarrist Dez ist grünblau geschminkt und erinnert an Frankenstein. Drummer Goat hingegen ist mit einer überdimensionalen Zahnreihe über dem Kinn bemalt. Auch wenn Ex-The Misfits Glenn Danzig ziemlich schlecht über die heutige Ausgabe der Band spricht, kann ich wohl behaupten, dass viele Anwesende froh sind, diese Kultband einmal live gesehen zu haben.

Danko Jones
Jetzt wird es kanadisch auf der Bühne. Danko Jones und seine Jungs legten los wie die Feuerwehr. Energiegeladen bringen sie ihren schnörkellosen Rock'n'Roll zum Besten. Sie nur als Einheizer-Band für Motörhead zu bezeichnen wird den Kanadiern überhaupt nicht gerecht, obwohl es schon oft hervorragend funktioniert hat. Die beiden Frontköpfe Jones und Bassist John Calabrese stacheln das Publikum mächtig an. Dabei ziehen sie Grimassen und posen, was das Zeug hält.

Die unvermeidlichen Ansagen des Mr. Jones sind ja mittlerweile auch berühmt berüchtigt. Was dabei alles beredet wird, kann ich gar nicht sagen. Er gedenkt den verstorbenen Rock'n'Roll-Heros Dio und Moore, beschwert sich über das schmutzige Mikro und lässt die Meute für die Briten um Mr. Kilmister jubeln. Mehr will ich nicht hören...

Bei Danko Jones lässt sich immer feststellen, entweder man liebt sie, oder man verachtet sie. So jedenfalls ist das Fazit auf der Tribüne.

Broilers
Die Broilers dürfen nun ihr Können beweisen. Ein Gebräu aus Oi!, Punk, Rockabilly und Ska spielen die Düsseldorfer. Obwohl sie nun auch schon knapp 17 Jahre unterwegs sind, ist die Band ehrlich gesagt, völlig an mir vorbei gegangen. Ganz im Gegensatz zu vielen, vor allem jungen Fans. Jedenfalls ist es ziemlich voll vor der Bühne, die mit einem großen Banner ihres neuen Albums SANTA MUERTE geziert ist.. Es wird mitgebrüllt und eine Menge Broilers-Shirts sind zu sehen. Spaß hat aber nicht nur das Publikum, auch die Band vermittelt Freude an dem, was sie tun. Nur die Naturtribüne lässt sich nicht vollends in den Bann ziehen, da kann Sänger Sammy machen, was er will. Mein Fazit zu den Broilers – sie wissen ihr Publikum zu überzeugen. Für mich ist es ein eher weichgespülter Mainstream-Deutschrock. Sorry!

Alice Cooper
Worauf die Musikfreunde auf der Tribüne gewartet haben, lässt sich gleich im Anschluss erahnen. Denn nun kommt eine der Rock-Ikonen schlechthin. Stolze 63 Jahre hat er mittlerweile auf dem Buckel, davon hat er knapp 47 der Musik gewidmet. Er hat nach wie vor eine Menge Spaß an seinen Auftritten und ist agiler wie manch 30-jähriger Kollege – Alice Cooper! Wie im Vorbericht zu Rock in Concert zu lesen war, sehen wir heute eine neue Show des Erfinders des Horror-Rock. Erst zweimal gab es diese in Europa zu sehen. Mit drei (!) Gitarristen soll dem Rock mehr Rechnung getragen werden.

Der Vorhang fällt und auf einem hohen Podest steht er zu "The Black Widow" als ebensolche. Aus einigen seiner acht Arme sprühen Funken bevor er vom Podest absteigt.
Dann fällt der Mantel und es sprüht weiter, nämlich ein wahres Feuerwerk seiner Hits. Immer wieder zeigt es sich dabei, dass er der Rock-Showman par excellence ist. Mal schmeißt er Cooper-Dollar in die Menge, mal foppt er seine Mitstreiter mit einer Krücke, dann hetzt er mit einer Schlange über die Bühne. Es ist halt immer was los, wenn Mr. Cooper Musik zelebriert.

Vor der Bühne ist es proppenvoll. Auch der einsetzende starke Regen scheint dem gut gelaunten Publikum nichts auszumachen, jedenfalls setzte keine Massenflucht ein. Lediglich die Musikanlage sorgte bei "Feed my Frankenstein" für einen kurzen Aussetzer.

Ein Highlight jagt das andere. Der Gipfel wird erreicht, als aus tausenden Kehlen "Poison" mit gebrüllt wird. Beim nächsten Megahit "School's Out" zollt der Meister Pink Floyd ein Verbeugung. Während große bunte Ballons zerplatzen, mischt man das allseits bekannte Thema aus "Another Brick in the Wall" in den den Song.

Im Konfetti-Regen und mit silbernem Frack versehen stolziert Alice Cooper mit der Schwarz-Rot-Goldenen-Flagge über die Bühne. Seine Verbeugung an das Publikum, die andersherum sicherlich tausendfach zurückgegeben wird. Dann ist die Manege dunkel und das Publikum bleibt verzaubert zurück. Seine unglaubliche Ausstrahlung und Spielfreude machen aus der Show erst ein unglaubliches Erlebnis. Ich verbeuge mich tief vor dem Schockrock-Guru.

Setlist Alice Cooper
  1. Vincent Price Intro
  2. The black Widow
  3. Brutal Planet
  4. I'm Eighteen
  5. Under my Wheels
  6. Billion Dollar Babies
  7. No more Mr. Nice Guy
  8. Hey Stoopid
  9. Is it my Body
  10. Halo of Flies
  11. I'll bite your Face off
  12. Muscle of Love
  13. Only Women bleed
  14. Cold Ethyl
  15. Feed my Frankenstein
  16. Clones (We're all)
  17. Poison
  18. Wicked young Man
  19. Killer/I love the Dead
  20. School's out (incl. "Another Brick in the wall")
    - - - Zugabe - - -
  21. Elected
  22. Fire (Jimi Hendrix Experience Cover)

Motörhead
Was soll jetzt noch kommen...ach ja, die nächste Attraktion steht schon Gewehr bei Fuß. Das Shirt klebt triefend nass auf meinem Körper und der Regen lässt einfach nicht nach. Egal, für Motörhead muss man auch mal was ausstehen.

Lemmy's Stimme beendet das Warten. "Guten Abend. Sorry for the weather. We are Motörhead and we play Rock'n'Roll." Los geht's mit der Eisenfaust. Was soll man noch viel Worte über die Live-Performance von Motörhead erzählen? Ob alte Kracher oder neue Songs, Lemmy, Mikkey und Wizzo feuern gekonnt und souverän eine Salve nach der anderen ins siedende Publikum. Es regnet zwar noch immer aus vollen Kannen, aber egal, die Stimmung ist vortrefflich.

Wie sich später herausstellen sollte, war meine Kamera diesen Wassermassen nicht gewachsen gewesen. Vom Bühnendach stürzen sich wahre Bäche. Es ist nicht daran zu denken irgendwie den Fotoapparat im Trockenen zu halten. Aus den avisierten zwei Stunden wurden zwar nur knapp 90 Minuten, aber die hatten es in sich. Kurzweilig und prallgefüllt mit dem angekündigten Rock'n'Roll. Fehlen darf natürlich nicht das legendäre Drum-Solo des Mikkey Dee, welches diesmal in "In The Name Of Tragedy" eingebettet wird. Erinnert mich immer wieder an das ebenso legendäre Animal aus der Muppet Show. Großartig!

Spätestens als "Killed by Death", "Ace of Spades" und als Zugabe "Overkill" erklingen, ist hier Jeder vollauf zufrieden und setzt sich Richtung Ausgang in Bewegung – klatschnass, aber glücklich. Toller erster Tag, weiter so!

Setlist Motörhead
  1. Iron Fist
  2. Stay clean
  3. Get back in Line
  4. Metropolis
  5. Over the Top
  6. One Night Stand
  7. Rock Out
  8. Guitar Solo
  9. The Thousand Names of God
  10. I Know how to die
  11. The Chase is better than the Catch
  12. In the Name of Tragedy (Drum Solo)
  13. Just 'cos you got the Power
  14. Going to Brazil
  15. Killed by Death
  16. Ace of Spades
    - - - Zugabe - - -
  17. Overkill

Fazit: Diese Nacht verbringe ich nicht im Auto. Ich nutze die Nähe zur Heimat und fahre mit aufgedrehter Anlage 'ne knappe Stunde heim.


    R.J. 17.06.2011
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