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Konzertbericht
 

Luxor in Köln
Sonntag 10.07.2011

Bands: Anvil, Black Sheriff

Die kanadische Band Anvil gehört wohl zu jenen gemeinhin als “unsung heroes” bezeichneten Bands – zwei Musiker, die seit mittlerweile 34 Jahren gemeinsam ihrem Traum hinterherjagen, dabei ein gutes Dutzend großartiger Alben veröffentlicht und bei Konzerten im Grunde immer überzeugt haben, und dann doch diesen Traum immer wieder um die nächste Ecke haben entwischen sehen müssen.
Steve "Lips" Kudlow und Robb "Robbo" Reiner – wohl nur wenige Musiker können von sich behaupten, trotz eines Bilderbuchstarts Anfang der 1980er-Jahre, derart unter chronischer Erfolgslosigkeit gelitten zu haben und dennoch über drei Jahrzehnte am Ball geblieben zu sein, allen (zahlreichen) Enttäuschungen zum Trotz. Wunderbar dokumentiert wurde das beispiellose Engagement der beiden "Brothers in Metal" auf der sehenswerten DVD THE STORY OF ANVIL von Sasha Gervasi.
Dieser Film ist es auch, der Lips und Robbo – seit einigen Jahren verstärkt durch den sympathischen Power-Bassisten Glenn "5" Gyorffy – einen dritten, vierten oder fünften Frühling verschafft hat. Symbolisch hierfür ist das neue Album JUGGERNAUT OF JUSTICE heranzuziehen, das 2011 bei Steamhammer veröffentlich wurde und erneut zwölf Beispiele für eindrucksvollen, ehrlichen und knallharten Heavy Metal liefert.
Die Band bekam nun endlich auch die Gelegenheit, das Album auf einer vernünftig organisierten Tour zu promoten – legendär sind doch bereits jetzt die Chaos-Auftritte in Rumänien oder Prag, die ebenfalls schonungslos auf der DVD aufbereitet werden.


Black Sheriff
Das Kölner Luxor, ein schnuckeliger Club im Süden der Stadt, war jedenfalls mehr als nur gut gefüllt, als Anvil am Sonntag, den 10.07.2011 zur Audienz baten. Als Support hatte man sich die Lokalheroen Black Sheriff geholt, die pünktlich um 21 Uhr mit hochenergetischem Power-Street-Hardrock loslegten. Der Vierer bot mit seinem zum einen an die Australier Airbourne erinnernden, aber auch jede Menge Gluecifer- oder Hellacopters-Flair versprühenden Melange aus harten Gitarrenriffs, nach vorne peitschenden Drums und den eingängigen Vocals von Glen Ravioli, die mit jeder Menge Schmutz und Rotz veredelt waren, die perfekte Einstimmung für die kanadische Legende Anvil. Mit Songs wie "Coming Home", "I want you" oder "Vietnam" konnten die Kölner jedenfalls zu Recht deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus des Publikums verbuchen.

Anvil-Fan Theo
Dennoch war klar, dass alles nur auf eine Band wartete: Anvil! In der erfreulich kurzen Umbaupause wurden trotzdem schon nach kurzer Zeit die ersten "Lips! Robbo! Anvil!"-Rufe laut. Vor allem Theo aus Venlo (Foto!), ein Fan seit 30 Jahren, für den mit diesem Konzert ein Traum in Erfüllung geht, hat er seine Idole doch noch nie live erleben dürfen, ließ nicht locker und forderte den Konzertbeginn beinahe im 10-Sekunden-Takt...

Anvil
Anvil-Bühne kurz vor Beginn
Um 22 Uhr war es dann soweit und zusammen mit dem "March of the Crabs" betraten Lips, Robbo und Glenn 5 die Bühne des Luxor – nur um mit dem Uraltkracher "666" direkt in die Vollen zu gehen. Lips sah man die Begeisterung, endlich vor vernünftigen Zuschauerzahlen auftreten zu können, zu jeder Sekunde des gut 100-minütigen Sets an. Wild grimassierend und praktisch permanent grinsend spielte er sich mit seinen Mitmusikern durch alte Klassiker wie "School Love" oder dem 2008 schließlich doch noch zu Plattenehren gekommenen allerersten Song der Band "Thumb Hang".
Anvil: Robb Reiner
Letzteres widmete er "wegen der Black Sabbath-Vibes" dem 2010 verstorbenen Kultsänger Ronnie James Dio, den er auf einem italienischen Metal-Festival im Jahr 2005 nach 25 Jahren wieder getroffen hatte. Dass Dio ihn direkt wieder erkannt und zum Frühstück eingeladen hatte, war für Lips das Größte – und zeichnet ihn als der leidenschaftliche Metal-Fan aus, der er seit Jahrzehnten ist. Nicht umsonst gab es am Merchandise-Stand ein Anvil-T-Shirt, das "34 Years Pounding Metal" glorifiziert...

Anvil: Steve 'Lips' Kudlow
Die Band spielte sich, angefeuert durch die dankbaren und lautstarken Reaktionen der knapp 500 Anwesenden, in einen wahren Rausch und lieferte mit zahlreichen Songs des neuen, sehr guten Albums den Beweis, dass auch Mittfünfziger noch amtlich rocken können, ohne dabei zum Fremdschäm-Selbstkarikatur-Klischee zu verkommen. Der Titelsong, "New Orleans Voo Doo", "On Fire", das kultige "Fucken Eh!" oder der Rausschmeißer "Running" wurden eifrig bejubelt und fügten sich nahtlos in den Klassiker-Back-Katalog der Band ein. Dies war umso deutlicher,
Anvil: Glenn Gyorffy
als dass der "New Orleans Voo Doo" direkt vor der Bandhymne, dem All-Time-Classic höchstpersönlich – natürlich "Metal on Metal" – gespielt wurde.

Dieses wurde von Lips völlig zu Recht mit den Worten "Our anthem, your anthem, everybody’s fucking anthem who’s into metal..." angekündigt wurde.

Fazit: Nach etwa 100 Minuten läuteten die Kanadier mit "Running" leider viel zu früh den Zapfenstreich ein, hinterließen jedoch ein glückliches und zufriedenes Publikum. In dieser Form dürfen, nein MÜSSEN Anvil noch mindestens weitere 30 Jahre weitermachen...

Setlist Playlist Anvil:
  1. March of the Crabs
  2. 666
  3. School Love
  4. Juggernaut of Justice
  5. Winged AssAssins
  6. On Fire
  7. This is Thirteen
  8. Mothra
  9. Thumb-Hang
  10. Fuken Eh
  11. New Orleans Voodoo
  12. Metal on Metal
  13. Forged in Fire
  14. Jackhammer
  15. Running


    W.W. 10.07.2011
    Fotos von Wolfgang Weitzdörfer

 
 
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