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Konzertbericht
 

Familie Hofmanns Scheune in Gutzberg (D)
Mittwoch 06.06.2012

Bands: Appendix

Was, wie bitte? Noch nie gehört! Und dabei liegt die weltbekannte Ortschaft Gutzberg, die bis 1972 eine eigene Gemeinde darstellte, bevor sie zur Stadt Stein kam, nur wenige Kilometer von Nürnberg entfernt. Heute am 06.06.2012 hat die Anzahl der Besucher von Rogg im Huuf die Einwohnerzahl des Dorfs locker um das Dreifache überstiegen, denn weit mehr als 500 Besucher fanden bereits bis 22:30 Uhr den Weg zum Bauernhof der Familie Hofmann und es sollten noch mehr werden. Immerhin war der Abend noch jung, denn bis mindestens 2:10 Uhr sollte der Spaß dauern. Klar, dass ich hier im Dorf nebenan jede Menge Nachbarn traf und auch einen Stadtrat begrüßen konnte.


Appendix
Zum Anlass dieses Hof-Fests machte die Erlangener Band Appendix im Rahmen ihrer Gefällt-mir-Tour 2012 einen Abstecher in den Süden und stellte an diesem Abend den Headliner oder besser die einzige Band. Nur eine Band und dann auch nur Cover? Ob das gut geht?

Tja Cover-Bands gibt es sicherlich wie Sand am Meer, und deshalb wird man normalerweise auch kaum Infos von solchen Combos auf unseren Seiten, denn wir sind schon mit den "Originalen" gut beschäftigt. Aber Appendix ist auch keine Coverband im klassischen Sinne, wie man sie immer mehr auch schon auf großen Rock- und Metal-Konzerten antrifft, zum Leidwesen kleinerer Bands, die versuchen mit Eigenkompositionen das Publikum zu begeistern. Kaum spielt jedoch eine AC/DC-Coverband auf der Bühne nebenan, wird es meistens schnell leerer und leerer bei den Selfmade-Combos, bis nur noch die Die-Hard-Fans und Freunde übrig bleiben. Die Post geht ab bei der Cover-Band nebenan...

Jackson
Aber Appendix ist eine Partyband, erklärt mir Sänger Jackson und erzählt, dass man bereits seit 16 Jahren ohne große Line-Up-Wechsel zusammen spiele. Man habe es auch schon ein zwei Jahre versucht, nur von der Musik zu leben, doch jetzt hätten alle gute Jobs. Auch die Zeiten mit mehr als 70 Konzerten im Jahr seien vorbei, doch auf mehr als 30 Gigs würde man es immer noch bringen. Spezialisiert habe sich Appendix auf patrytaugliche Musik, egal aus welchem Genre. Das kann ich nur bestätigen, wenn ich mir die Setliste so ansehe. I.d.R. spiele man 6-9 Stunden, fährt Jackson fort, aber heute würde man nur 4:15 Std. spielen und auch den üblichen Blasmusik-Block zu Beginn verzichten. Gott hatte ein Einsehen mit mir, denke ich, bevor der weiter erzählt. Klar, sei man ein bisschen neidisch, wenn man die berühmten Bands auf der Bühne stehen sieht, deren Songs sie teilweise covern, aber wie wären die wohl nach 6 oder gar 9 Stunden Spielzeit drauf, meint Jackson verschmitzt grinsend, dessen erstes Album immerhin David Hasselhoffs LOOKING FOR FREEDOM stellenweise seine Spuren hinterlassen hatte. Der Titelsong hat sich in Teil 3 des Sets eingeschmuggelt.

Appendix
Die Infos reichen mir erst einmal und ich verabschiede mich von Jackson, denn gleich geht es los und schon steht das beachtliche Line-Up mit seinen sieben Mann und einer Frau auf der Bühne, um pünktlich um 21:00 Uhr mit dem No Doubt-Song "Underneath at all" den Abend zu starten.
Siggi
Jenny Hupka, anfänglich noch etwas schüchtern, ist trotz der jahrelangen Erfahrung beim ersten Song immer noch aufgeregt, was sich jedoch bald ändern soll. Siggi hat da weniger Anlaufschwierigkeiten und geht mit Gesang und Gitarre sofort in die Vollen. Auch Jürgen mit seinen stattlichen 1,67m Größe schafft sich mit seiner Trompete sofort Gehör.
Jürgen

Als Gegenpart greift auf der anderen Bühnenseite Sänger Jackson zur Posaune. Voll vertieft in Technik und seiner Gitarrenarbeit erledigt Christian am rechten Bühnenrand ruhig und souverän seinen Job. Im Zentrum des Geschehens, quasi als Fels in der Brandung steht jedoch Bassmann Bernd, der sich nicht lang zum Posing bitten lässt.

Christian Bernd

Eigentlich fehlen mir nur noch Keyboarder Thomas, der sich geschickt hinter den Keys meinen Blicken entzieht, ebenso wie Drummer Jan, der ansonsten mit seinen 1,91m lichter Höhe kaum zu übersehen ist.
Jan

Mit "Don't gimme that" von The BossHoss hat sich das Oktett so langsam warm gespielt. Der erste kleine Höhepunkt folgt mit Siggis Elvis Presley-Immitation, zu der er sogar eine Brille mit Kotletten aus dem schwarzen Brusthaar des blonden! Gitarristen Christian trägt.
Siggi Bernd
Zu "Suspicious Minds" muss Siggi die Besucher kaum noch bitten lauthals mitzugrölen.
Es schlägt die Stunde von Jan, als er sich von seinem Hocker erhebt, in die Zuschauermenge blickt und die Frage aller Fragen stellt: "Wer kennt Appendix und steht auf der Bühne?" Er zählt - mit seiner eigenen - acht Hände. "Und wer von den Zuschauern kennt Appendix?" Beruhigt nimmt er wieder Platz, als er neun Hände zählen kann. Puh, mehr als gedacht.
Zu den beiden Spider Murphy Band-Songs "Schickeria" und "Skandal im Sperrbezirk" greift zur Abwechslung Jürgen zum Mikro und übernimmt mit sichtlich Spaß die Lead.
Appendix

Kurz vor der ersten Pause gibt es in Gemeinschaftsarbeit mit Choreographie-Einlage den Rausschmeißer "The Look" des Schweden-Duos Roxette.


Appendix
Zu Beginn des zweiten Sets hagelt es ungewollt komische Pannen am laufenden Meter, die mit einer guten Portion Humor überspielt werden. So lässt es sich Jenny nicht nehmen an einem Stück Faden von Bernds Hose zu ziehen. An kritischer Stelle droht Auflösungsgefahr, die von Gitarrist Christian sofort fotographisch dokumentiert wird. Was ist das passender, als "Denkmal" von wir sind Helden?
Appendix
Schon längst hat Siggi Bryan Adams "Summer of 69" eingestimmt, als Bassist Bernd und Axtman Chris bemerken, dass noch einer fehlt... Wo ist denn Jan? Das Schlagzeug ist verweist und so werden ein paar Zwischenstrophen eingelegt, bis Schlagmann Jan seinen Schemel wieder findet.
Appendix
Die erste große Gemeinschafts-Show-Einlage gibt es dann bei "Time Warp", dem berühmten Song aus der Rocky Horror Picture Show. Vorher wird noch das Publikum instruiert, wie es gefälligst die Arme zu bewegen hat. Und dann geht es in die Vollen... "...jump to the left.." Klar, dass hier mit acht Mann (okay sieben und eine Frau) auf der Bühne eine richtige Show geboten werden kann. Als Trio hätte man schon seine Schwierigkeiten.
Jenny - Bernd Christian

Jetzt darf Nena ran mit "Nur geträumt". Eine Rolle, die Jenny mit Bravour meistert und was noch viel bemerkenswerter ist, auch den späteren AC/DC-Evergreen "You shook me all Night long". Während Jenny mit ihrer markanten Stimme voll die australische Rockerbraut markiert, fehlt eigentlich nur noch ein Siggi oder Christian in Schuluniform, der Angus nacheifert. Apropos Angus Young, da sollten sich Appendix in Kürze noch einmal das Original reinziehen, dann klappt das auch besser mit dem Gitarrensolo.
Jackson
Kollege Jackson hingegen übernimmt mit voller Inbrunst die Klassiker, wie das italienische "Volare" von Domenico Modugao, das niemandem in der Scheune ruhig sitzen lässt. Lauthals grölend bieten ihm die Zuschauer Paroli. Eddy Grants "Gimme Hope Joanna" ist ihm ebenso auf den Leib geschnitten und so richtig rührig wird es dann bei der Dirty Dancing-Schnulze "Time of my Life", das er im Duett mit Jenny stilvoll zum Besten gibt.
Jenny - Jackson Jenny - Jackson

Endlich ist sie nicht mehr die Kleinste auf der Bühne. Am Ende des zweiten Sets darf dann schließich auch Thomas nach vorne treten,
Thomas

um die tragbaren Tasten des Akkordeons zu quälen bevor mit dem Pink-Song "U and ur Hand" die zweite Pause ansteht. Endlich haben sich auch einige Paare und Einzelkämpfer als Tänzer vor der Bühne eingefunden, denn dafür hat man schließlich extra Platz gelassen, der jedoch während der ersten Runde recht stiefmütterlich behandelt wurde.

Appendix
Auch Set 3 ist ähnlich aufgebaut wie seine Vorgänger und so jagt ein Partyhit den nächsten. "When I come around" von Green Day, Die Ärzte mit "Zu spät", Johnny Cashs Erfolg "Ring of Fire", Nenas "99 Luftballons", und dann Schlag auf Schlag Herbert Grönemeyers "Männer", die "10 kleinen Jägermeister" der Toten Hosen oder "Alles nur geklaut" und das One-Hit-Wonder "Cotton Eye Joe" von Red Neck - nicht zu vergessen Jacksons Trauma David Hasselhoffs "Looking for Freedom".

Appendix
Und dann zum krönenden Abschluss in Runde 4 wird mit "Can't stop" der Red Hot Chili Peppers und "We're not gonna take it" der Pensionäre von Twisted Sister noch einmal so richtig gute Laune produziert. Was ist noch hängen geblieben? Ach, ja, Abbas "Mamma Mia", Sportfreunde Stiller mit "Ein Kompliment", Die toten Hosen mit "Hier kommt Alex" und Michael Jacksons "Beat it".


Bernd massiert Jenny
Bei dieser Leistung stelle auch ich mir nun Jacksons Frage: Wie würde da eine der großen Bands aussehen, nach solch einem Monster-Set? Alles in allem haben sich einige meiner anfänglichen Bedenken geklärt. Acht Musiker auf einer Bühne, kann das gut gehen? Klar, denn jeder, der ein Mikro in die Hand gedrückt bekommen hat, war für spezielle Songs eingeplant, also nicht eine(r) für alles. Selbst wenn jemand mal Leerlauf hatte, so gab es immer Jobs als Background-Sänger, Entertainer, Masseur oder noch wichtiger Getränke-Support.

Appendix
Klar, lagen die meisten Songs jenseits meiner gewohnten üblichen Härte, doch hat mich die dargebotene Live-Performance von Appendix trotzdem voll überzeugt und schließlich waren auch ein paar Rocksongs im Gepäck. Spezialisiert auf Kirchweih-Feste, gehören normalerweise noch Blasmusik und Ska zum Repertoire des Achters Appendix, der mir glücklicherweise erspart blieb. Doch auch so zeigten die mehr als vier Stunden Live-Musik, dass man selbst als Cover-Band etwas bieten muss, musikalisch ebenso, wie Entertainment, denn nur so kann man die Scheune ins Rocken und Rollen bringen.

Appendix
Zuschauer
Alles in allem war auch die 2012er Auflage des Hof-Fests ein voller Erfolg und mit der Party-Band Appendix hat man bei den meisten sicherlich geschmacklich ins Schwarze getroffen. "You shock me all Night long"! Aber mit nichten, liebe Jenny. Bei niedrigen Getränkepreisen, 0,5er Soft für 2.-€, Weizen 2,50€ und 'ne Schwarze Maß 6.-€ floss wohl bei dem einen oder anderen Jungerwachsenen etwas mehr, als ihm gut tat (Alhohol erst ab 18 mit speziellem Armband gekennzeichnet). Und auch für Vegetarier gab es leider keine fleischlosen "Zwa im Weckla" (zwei Bratwürste mit Semmel), aber für die 6.-€ Eintritt bekam man jede Menge gute Laune geboten - und genau deshalb besucht man schließlich auch solche Feste.
Es gab natürlich auch Kritik, z.B. von den Sanitätern, die bereits ab 19:00 Uhr anwesend sein mussten. Das war aber auch gut so, denn schon im Vorfeld des Fests gab es die ersten Verletzten. Zwei Helferinnen hatten sich beim Semmelnaufschneiden hässlich in die Finger geschnitten und mussten verpflastert werden.

Ein Dank geht an die Familie Hofmann und alle Gutzberger, die in dieser Nacht den Ausnahmezustand erleben durften. Parkverbotsschilder auf der einzigen Dorfstraße? Nun, dann wusste man wenigstens, wo man parken konnte selbst wenn man aus Bremen angereist war.
Und hier noch meine Best of... des Konzerts
Jenny Best Rock Performance: Jenny
Best Fun-Maker: Jackson Jackson
Siggi Best Entertainer: Siggi
Best Cool Man: Christian Christian
Jürgen Best Big Little Man: Jürgen
Best Poser and Man in the Middle: Bernd Bernd
Thomas Best Man in the Back: Thomas
Loser of the Day: Jan

...und nächstes Mal bitte pünktlich.
Jan



    J.G., 06.06.2012
    Fotos von Jochen Galsterer

 
 
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