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Review: Korpiklaani
 
TALES ALONG THIS ROAD

Album:
 TALES ALONG THIS ROAD, 2006, Napalm Rec.

Stil:
 Folk Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 30.04.2006

Review:
 Die 'Sippe der Wälder' aus dem finnischen Skifahrer-Paradies Lahti holt mit TALES ALONG THIS ROAD zu ihrem dritten Schlag aus.
Wer schon die ersten beiden Alben kennt, wird sich sofort wieder wohlfühlen. Was die instrumentelle Klangvielfalt betrifft, hat man noch ein paar Schippchen drauf gepackt. Das Akkordeon und diversen Flöten gehören schon eher zum gewohnten Klangbild. Aber auch einige exotische Instrumente, wie eine finnische Kantele oder ein estnischer Dudelsack bekommen ihre Chance, dem Folk Metal alle Ehre zu machen.
Aber es gibt noch weiter Änderungen. Textlich wurden diesmal die Hälfte aller Songs in finnisch verfasst, was jedoch in keinem Fall störend wirkt, obwohl außer den Finnen selbst wohl kaum jemand die Inhalte versteht. Die vormals hauptsächlich im Mid-Tempo gehaltenen Stücke haben ein ums andere Mal deutlich mehr Geschwindigkeit mit auf den Weg bekommen. Das solls jetzt aber erstmal mit den Vorbemerkungen gewesen sein.

Nach kurzem Folk-Intro zeigt der Opener "Happy little Boozer" sehr eindrucksvoll, wohin diesmal Korpiklaani den Hammer gehängt hat. Mit Vollgas wird eine Mischung aus gitarrenlasigem Metal und Folk abgebrannt, dass einem hören und sehen vergeht. Wer hier den Fehler macht, mittanzen zu wollen, der wird wohl frühzeitig mit Schwindelgefühl in die Knie gehen.
"Väkirauta" mit finnischem Text, aber noch vergleichbarem Bleifuß fürs Gaspedal, pflügt gnadenlos durch die Menge der Zuhörer. Mit deutlich mehr klassischen Instrumenten, gewinnt diesmal der Folk die Schlacht gegen den traditionellen Metal.
Nein, keine Gnade für den Zuhörer in Sicht. Auch der dritte Song "Midsummer Night" verliert kaum an Tempo. Lediglich beim Instrumental-Solo im Anschluss an den Refrain gibt es eine kurze Verschnaufpause.
Schon jetzt kämpfen die drei Song um die Vorherrschaft im Gehörgang und die Rechnung, Eingängigkeit durch Folk-Elemente scheint voll aufgegangen.
Mit "Tuli Kokko" folgt der erste langsame Track, der dafür aber instrumental aus den Vollen schöpft. Es ist kaum möglich nach dem ersten Durchlauf alle der verschiedenen Flöten, Saiteninstrumente und Dudelsäcke zu erkennen. Die gut bemessene Menge an Polka sorgt für die richtige Feierlaune.
Das Instrumental "Spring Dance" macht seinem Namen alle Ehre. Man sollte ihn jedoch nicht allzu wörtlich nehmen, denn zumindest mir geht langsam die Puste aus - und das schon nach dem fünften Titel.
Schon nach den ersten Takten ist klar, "Under the Sun" hat vorläufig den Ohrwurm-Kampf für sich entscheiden können. Gekonnte Tempowechsel mit einmal mehr Metal und ein ander Mal mehr Folk, ein flotter, mitreißender Refrain und die überwiegend cleane Stimme sind dabei die Hauptzutaten für die Klebemischung.
Die gelungenste Symbiose aus Folk und Metal ist sicherlich bei dem selbstbetitelten und vielschichtigen Song "Korpiklaani" zu erkennen. Heavy Gitarren Seite an Seite mit Akkordeon und Flöten bereiten das Fundamet für den zum Schunkeln animierenden Refrain. "Bier her, ich will endlich mitfeiern und nicht mehr tippen!"
"Rise" startet eindeutig Metal-lastig mit sägenden Gitarren und Blast-Beat Drum-Einlagen, bevor sich allmählich auch die Folk-Instrumente wieder zu Wort melden. Jedoch bleibt es der bisher metallischste Song.
"Kirki" setzt noch eins drauf. Jetzt erinnern die Gitarren schon fast an Thrash als an Speed. Aber keine Angst, auch wenn diesmal beim Solo die Gitarren lautstark zu Wort melden, tun sie dies nicht alleine. In seine Fußstapfen tritt gleich im Anschluss noch "Hide your Richess".
Das Instrumental "Free like an Eagle" vereint abschließend nochmals die beiden Themen Folk und Metal und sorgt für einen würdevollen Ausklang, der sicherlich schon bald eine Fortsetzung erfahren wird. Denn fleißig, wie Korpiklaani sind, sitzen sie bereits jetzt schon wieder im Studio und basteln an ihrem vierten Album.

Fazit: Selten zuvor habe ich eine solch gelungene Mischung aus Folk-, Speed- und Thrash Metal erlebt, die die üblichen Gerne-Grenzen niederreißt und dabei klingt, als gäbe es nichts anderes. Leider ist der ganze Spaß nach einer dreiviertel Stunde schon wieder zu Ende. Aber dafür gibt es die Repeat-All Funktion, stimmts?

Tipp:
 Alle Korpiklaani-Fans können bedenkenlos zugreifen. Und alle Metaller, die auch mal einen Abstecher Richtung Folk Metal wagen, bekommen interessantes Futter geboten. Der gute Schuss "Humppa" sorgt für die richtige Bier-Party-Laune.

Titel-Liste:
 
  1. Happy little Boozer
  2. Väkirauta
  3. Midsummer Night
  4. Tuli Kokko
  5. Spring Dance
  6. Under the Sun
  7. Korpiklaani
  8. Rise
  9. Kirki
  10. Hide your Richess
    - - Bonus Track - -
  11. Free like an Eagle

Laufzeit:
 46:05 Min.


 
 
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