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Review: Le Mans
 
REBEL ACTION

Album:
 REBEL ACTION, 2006, Ultrachrome

Stil:
 Alternative Rock

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 J.G. / R.Z., 24.07.2006

Review:
 Es war sicherlich keine Liebe auf den ersten Blick, aber wie es auch im "richigen Leben" so ist, muss das nicht unbedingt gleich etwas schlechtes bedeuten.
Eine schwierige Aufgabe war, die stilistische Ausrichtung des Albums möglichst treffend zu beschreiben. Ich denke, dass Pop-/Brit-Rock der 80er mit modernen Gothic Einflüssen wohl am besten mit Alternative Rock umschrieben werden kann.

Der erste Durchlauf der neuen Scheibe aus Schweden entlockt mir außer einem: "Ach ganz nett aus Hintergrund-Party-Musik" kaum überschwengliche Emotionen.
Erst ab dem vierten Versuch kann ich mich langsam für das Scheibchen erwärmen. War zu Beginn kaum ein Unterschied zwischen den einzelnen Tracks zu spüren, so ist es umso verblüffender, dass dieser Kritikpunkt auch seine positive Seite haben kann. Genauso gut könnte man auch sagen, es handelt sich um einen einzigen megalangen Track, der aus mehreren "Kapiteln" besteht, so wie man es von manchen Konzeptalben her kennt.
Und hier wurde bei einigen dieser "Kapitel" etwas genauer hingehört:
Es beginnt mit "Forecast", einem Track, der eindeutig durch seine Basslinie dominiert wird. Als Gegenpol ist die Gesangsstimme der Frontfrau relativ hoch, weniger Gothic-like sondern mehr Pop. Selbst wenn später die Gitarren vollen Einsatzbefehl erhalten sorgen Syntie-Filler dafür, dass der Song nicht hart abdriftet. Leider ist die ganze Sache mit nur 2:44 etwas zu sehr auf radiotauglich Kürze getrimmt worden. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen.
Etwas flotter, mit tieferer Vocal und dezenten melancholischen Synthesizer-Klängen ist "Bigger" von Anfang an mitreißender als der Vorgänger und vermag es, die Nase etwas über das ansonsten sehr homogene Niveau zu heben.
Akustik-Gitarren-Klänge eröffnen den Titel Track "Rebel Action" und sorgen sofort für eine gefällige Atmosphäre. Auch wenn nach meinem Geschmack etwas zu viel unnötiger Pop-Ballast draufgepackt wird, entschädigt einem dafür die noch einige Male eingestreute Akustik-Gitarre.
Wir schreiben das Jahr 1978. Die Gibb-Brüder betreten die Bühne und geben ihren Disco-Anheizer "Stayin' Alive" zum besten. Hoppla, sorry, ich meinte Le Mans spielen die weichgespültere und schaumgebremste Zwillingsversion "Rolling the Stones". Was eigenlich vielversprechend begonnen hatte, versandet allmählich im Sumpf der Belanglosigkeit des Pop...
"Love Light" drückt wieder etwas auf's Gaspedal und glänzt durch einen der wenigen emotional gut entwickelten Refrains und einem spürbaren Drumming. Die restlichen Instrumente halten sich dezent (vielleicht eine Spur zu denzent) im Hintergrund.
Zum Abschluss sorgen "Dying for Fun" und "Crash" für den erwartungsgemäßen Mid-Tempo-Ausklang, leider ohne größere Langzeitwirkung.

Fazit: Ein rhythmusbetontes Album mit wenig Höhen und Tiefen. Eigentlich hätte ich angesichts der euphorischen Nachrichten aus dem ansonsten sehr zurückhaltenden Skandinavien etwas mehr erwartet - auch im Bezug auf die Spieldauer von nicht einmal 38 Minuten.
Es mag ja durchaus sein, dass die Truppe eine beeindruckende Live-Performance auf die Bühne zaubert, aber das Album zeigt hiervon zu wenig. Leider hilft dabei die hervorragende Stimme der Frontfrau auch nicht wirklich weiter. Obwohl sie es exzellent versteht, die angedeutete Melancholie des Gothic mit der Leichtigkeit des Pop zu verbinden, fehlt mir dabei etwas die Emotionalität und "wirkliche" Leidenschaft.
Ein Tipp für's nächste Mal: Was für den Hard Rock und Heavy Metal lebenswichtig ist, die Grundlagen der 70er und 80er, sollte man bei anderen Stilrichtungen endlich einmal abhaken. Manche Pop-Altlasten sind einfach nicht mehr geniesbar für die älteren Semester, die diese Zeit hautnah erdulden - hüstel, sorry, erleben durften. Bitte, bitte, endlich alles in ein großes Fass, Deckel drauf, am besten fest verschweißen und im Ozean versenken!

Tipp:
 Für alle jüngeren Freunde der sanfteren Klänge und Anhänger von The Gathering, Evanescence Co. gibt es hier Nachschub. Die Oldies, die sich noch immer an die alten Eurythmics und Depeche Mode-Vinyls klammern, werden ebenfalls gut bedient. Ob sich Le Mans-Fans, die das Schweden-Sextett bereits live erleben durften, dafür vollends begeistern können, werden die Verkaufszahlen zeigen.

Titel-Liste:
 
  1. Forecast
  2. Bigger
  3. Rebel Action
  4. Things to bend
  5. Talk
  6. Self
  7. Rolling the Stones
  8. Beautiful
  9. Love Light
  10. Dying for Fun
  11. Crash

Laufzeit:
 37:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.lemans.se 


  •  
     
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